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Wilhelm Dilthey und Rudolf Carnap. Eine historisch-systematische Studie

Wilhelm Dilthey and Rudolf Carnap. A Historical and Systematic Study

Christian Damböck (ORCID: 0000-0001-5056-6174)
  • Grant-DOI 10.55776/P24615
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.04.2012
  • Projektende 31.03.2015
  • Bewilligungssumme 222.642 €

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (10%); Mathematik (20%); Philosophie, Ethik, Religion (70%)

Keywords

    The Philosophy of Rudolf Carnap, The Philosophy of Wilhelm Dilthey, Modern Philosophy of Science, Modern History of Science, Analytic/Continental Philosophy, Philosophy and History of the Humanities

Abstract Endbericht

Das Projekt befasst sich mit Wissenschaftsphilosophie in Wilhelm Diltheys Einleitung in die Geisteswissenschaften und in Rudolf Carnaps Der Logische Aufbau der Welt. Obwohl Carnap und Dilthey, auf den ersten Blick, völlig unterschiedliche philosophische Traditionen repräsentieren - Dilthey die Tradition der Geisteswissenschaften, die sich auf eine deskriptive Methode des Verstehens beruft, Carnap die Tradition des logischen Empirismus und der Wissenschaftstheorie, die auf der normativen Methode der formalen Logik basiert - gibt es überraschende Gemeinsamkeiten, die eine vergleichende Analyse dieser beiden Philosophen nahe legen. Diese Gemeinsamkeiten können auf einer systematischen Ebene identifiziert werden, auf der Grundlage einer Analyse der Hauptwerke dieser beiden Philosophen, aber es ist auch die historische Tatsache zu berücksichtigen, dass Carnaps Frühwerk sich im Rahmen einer Diskussionsrunde entwickelt hat, die hauptsächlich aus Vertretern der Dilthey-Schule gebildet war: Herman Nohl (Carnaps Lehrer in Jena, neben Gottlob Frege und Bruno Bauch) sowie dessen Studenten Wilhelm Flitner, Hans Freyer und Franz Roh. Vor dem Hintergrund dieser Gemeinsamkeiten entwickelt das Projekt zwei unabhängige Fallstudien zu den Philosophien von Dilthey und Carnap, die in einem vergleichenden Teil gipfeln, in dem sowohl die Konvergenzen als auch die Divergenzen zwischen diesen beiden Philosophen herausgestellt werden. Somit ist das Projekt ein Versuch zu zeigen, dass die Philosophie Carnaps als in mancher Hinsicht kompatibel und komplementär zur Philosophie Diltheys gesehen werden kann. Insofern stellt das Projekt auch einen Versuch dar, die überlieferte Dichotomie von analytischer und kontinentaler Philosophietradition als zwei inkompatible intellektuelle Traditionen zu konterkarieren. Andererseits ist es bei weitem nicht das einzige Ziel dieses Projekts, direkte Vergleiche zwischen Carnap und Dilthey anzustellen. Vielmehr ist der direkte Vergleich zwischen diesen beiden Philosophen nur das letzte Ziel des Projekts, dessen Hauptteil aus zwei mehr oder weniger unabhängigen Fallstudien besteht: eine zu Diltheys Einleitung, eine zu Carnaps Aufbau. Diese beiden Studien sollen mehr oder weniger isoliert entwickelt werden, auf der profunden Basis der jeweiligen Forschungsliteratur, unter Einbeziehung der verfügbaren Archivressourcen, wobei auch rein systematische Aspekte, vor allem im Zusammenhang der Untersuchung der aktuellen formalen und philosophischen Perspektiven für Aufbau-artige Programme, eine wesentliche Rolle spielen werden.

Das Projekt war befasst mit (Wissenschafts-)Philosophie in der deutschen Tradition zwischen etwa 1830 und 1930. Seine zentrale Arbeitshypothese lautete, dass eine genuin deutsche Variante des Empirismus existiert, d.h., eine Familie von empiristischen Konzeptionen, die sich hauptsächlich in der deutschen (Universitäts-)Philosophie finden. Ich habe dies auf zwei Weisen illustriert. Erstens auf einem eher generellen historischen und soziologischen Niveau, anhand einer Studie zu bestimmten Schulen und Strömungen in der deutschsprachigen Universitätsphilosophie. Zweitens (und hauptsächlich) anhand von drei historischen Fallstudien, zu den Philosophien von Wilhelm Dilthey, Hermann Cohen und dem frühen Rudolf Carnap, die alle interessante Beispiele für deutsch-empiristische Positionen der hier beschriebenen Art darstellen. Diese drei Fallstudien wurden auf der Grundlage von drei internationalen Konferenzen zu Dilthey, Carnap und Cohen ausgearbeitet. Das hauptsächliche Resultat war eine Monografie mit dem Titel Deutscher Empirismus. Studien zur empiristischen Tradition im deutschen Sprachraum 1830-1930, die im Dezember 2014 bei der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaften der Universität Wien als Habilitationsschrift eingereicht wurde. Andere wichtige Aspekte des Projekts waren ein Forschungsaufenthalt als Visiting Fellow am Center for Philosophy of Science der Universität Pittsburgh im Frühjahr 2015, die Publikation von sechs Aufsätzen in internationalen referierten Fachzeitschriften, von drei Aufsätzen in internationalen referierten Anthologien, von einem Buchkapitel sowie von drei Anthologien. Das Projekt ist nahtlos übergegangen in ein im April 2015 begonnenes und bis März 2018 laufendes Projekt (FWF Einzelprojekt P27733) Early Carnap in Context. Three Case Studies and the Diaries, in dem unter anderem eine historisch-kritische Edition der Tagebücher des frühen Rudolf Carnap (1908-1935) ausgearbeitet wird.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Gottfried Gabriel, Friedrich Schiller Universität Jena - Deutschland
  • Hannes Leitgeb, Ludwig Maximilians-Universität München - Deutschland
  • Hans-Ulrich Lessing, Ruhr Universität Bochum - Deutschland

Research Output

  • 36 Zitationen
  • 7 Publikationen
Publikationen
  • 2014
    Titel Kuhn’s notion of scientific progress: “Reduction” between incommensurable theories in a rigid structuralist framework
    DOI 10.1007/s11229-013-0392-z
    Typ Journal Article
    Autor Damböck C
    Journal Synthese
    Seiten 2195-2213
    Link Publikation
  • 2014
    Titel „Was vernünftig ist, ist eine Insel“ Zu Dieter Adelmanns Dissertation über Hermann Cohen1
    DOI 10.1163/15700739-90000098
    Typ Journal Article
    Autor Damböck C
    Journal Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte
    Seiten 1-31
  • 0
    Titel Der Wiener Kreis. Ausgewählte Texte.
    Typ Other
    Autor Damböck C
  • 2012
    Titel WILHELM DILTHEYS EMPIRISCHE PHILOSOPHIE UND DER REZENTE METHODENSTREIT IN DER ANALYTISCHEN PHILOSOPHIE
    DOI 10.1163/9789401208338_008
    Typ Journal Article
    Autor Damböck C
    Journal Grazer Philosophische Studien
    Seiten 151-185
  • 2012
    Titel Rudolf Carnap and Wilhelm Dilthey: “German” Empiricism in the Aufbau
    DOI 10.1007/978-94-007-3929-1_5
    Typ Book Chapter
    Autor Damböck C
    Verlag Springer Nature
    Seiten 67-88
  • 2013
    Titel Nachwort.
    Typ Book Chapter
    Autor Damböck C
  • 2016
    Titel Dilthey als Wissenschaftsphilosoph
    DOI 10.26530/oapen_615394
    Typ Book
    Autor Damböck C
    Verlag OAPEN Foundation
    Link Publikation

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