Rekonnektion und Turbulenz im irdischen Magnetschweif
Reconnection and turbulence in the Earth’s magnetotail
Wissenschaftsdisziplinen
Physik, Astronomie (100%)
Keywords
-
Space Plasma,
Magnetosphere,
Magnetic Reconnection,
Solar Wind,
Turbulence
Magnetische Rekonnektion (MR) ist ein fundamentaler Plasmaprozess, der für explosiven Ausstoss magnetischer Energie in Labor-, Weltraum- und astrophysikalischen Plasmen verantwortlich ist. Obwohl MR, Turbulenzen und deren assoziierten, mehrskaligen Strukturen unabhängig voneinander betrachtet werden können, kann durch die simultane Untersuchung dieser Phänomene ein großer Durchbruch erwartet werden. Die Vielfalt von Plasmasystemen im Weltraum, die von magnetischen Explosionen beeinflusst sind, ist enorm, jedoch findet man MR vorwiegend an dünnen, stark lokalisierten Stromschichten vor. Die Technik der Sonnenbeobachtung ist durch Effekte aufgrund der Sichtlinie beschränkt. Daher ist nicht vollständig bekannt wie MR im turbulenten Plasmen funktioniert, warum sie so schnell ist und Teilchen auf hohe Energie beschleunigt. Es stellte sich heraus, dass die ideale Umgebung für Tests der theoretischen MR Modelle die irdische Magnetosphäre ist, wo in-situ multi- Satellitenmessungen von Feldern und Teilchen zur gleichen Zeit möglich sind. Ein-Satelliten Missionen können nicht zwischen räumlichen und zeitlichen Variationen unterscheiden, was allerdings entscheidend ist um das Wesen der mehrskaligen Physik der MR zu erkennen. Bisherige multi-Satelliten Untersuchungen (Cluster und Themis) studierten MR im erdnahen Weltraum (innerhalb einer Distanz von 30 Erdradien RE) woher auch unser wesentliches Wissen über schnelle MR in stossfreien Plasmen kommt. Neben Einzelsonden oder einer zufälligen Konstellation zweier Satelliten konnte bisher keine umfassendes, multi- Satelliten Untersuchung der MR in Distanzen größer als 30 RE im inneren Schweif durchgeführt werden. Trotzdem wurde eine Ausbreitung und Evolution von Strukturen in Schweifrichtung, mehrfach-Rekonnektionsgebiete und Teilchenbeschleunigungszentren offenkundig. Die einmalige doppel-Sonden NASA Mission ARTEMIS (Acceleration, Reconnection, Turbulence and Electrodynamics of Moon`s Interaction with the Sun) untersuchte die Physik der MR, Turbulenz und Teilchenbeschleunigungsprozesse nahe des Mondorbits (~60 RE , wir beschränken uns auf Prozesse im Magnetschweif). Das vorliegende Projekt beabsichtigt die Erlangung eines tieferen Verständnisses der MR in Weltraum- und astrophysikalischen Plasmen durch Beobachtung und Identifizierung von ausgezeichneten Bedingungen für verschiedene theoretische Szenarios schneller und langsamer MR im tiefen Magnetschweif am Mondorbit. Die theoretischen Szenarien beinhalten das zwei-fluide Hall Modell, turbulente Rekonnektion und plasmoide Instabilitäten. Da die ARTEMIS Sonden zu- und abströmende MR Regionen zugleich abtasten können, ist es möglich, die Rekonnektionsrate (MR Geschwindigkeit) zu berechnen und mit den beobachteten Plasmen, Feldern und Teilchensignaturen zu vergleichen. Um zu lernen, wie Teilchen beschleunigt werden, soll eine zwei-Sonden Charkterisierung von Turbulenzen, elektrischer- und Magnetfeldstruktur, gemeinsam mit einer genauen Untersuchung von Teilchenverteilungsfunktionen durchgeführt werden. Die wechselnden Abstände der ARTEMIS Sonden ermöglichen das Studium der räumlichen Struktur von Fluktuationen sowie der interessanten 3D Topologie magnetischer Strukturen, wie MR assoziierte Plasmoide oder Flussröhren. Obwohl die Plasma- und Feldparameter sowie die typischen Skalen- und Energieniveaus der MR im Magnetschweif sich von den Bedingungen in der Sonnenkorona oder astrophysikalischen Regionen unterscheiden, wird angenommen, dass die Analyse von resultierenden Moden und Strukturen behilflich ist diese Plasmaphänomene fundamental besser zu verstehen.
Das Erdmagnetfeld entsteht im Erdkern und ist so stark, dass es in den Außenraum über die Ionosphäre hinausreicht, wo es mit dem Sonnenwind wechselwirkt. Im Forschungsprojekt Reconnection and turbulence in the magnetotail (Rekonnektion und Turbulenze im irdischen Magnetschweif) wurden die geo- und plasmaphysikalischen Erscheinungen der Sonnenwind-Magnetosphären Wechselwirkungsprozesse näher untersucht. Magnetfeldverschmelzung (Rekonnektion) an der tagseitigen Grenzfläche der Magnetosphäre kann das geomagnetische und das interplanetare Magnetfeld miteinander koppeln, die neuen verbundenen Magnetfeldstrukturen mit Sonnenwindplasma anreichern und den magnetischen Fluss und das Plasma in den nachtseitigen Magnetosphärenschweif transportieren. Die Vermehrung des Flusses, der Energie und des Plasmas im Magnetschweif erzeugt dünne Stromschichten, welche in gegeneinander orientierte Magnetfelder eingebaut sind. Dort kann Magnetfeldverschmelzung entstehen, vorzugsweise auf der sonnenabgewandten Seite in Entfernungen zwischen 15 und 30 Erdradien. Magnetfeldverschmelzung treibt den Energie-, den Plasma- und den Teilchenfluss in die sonnenabgewandte und die sonnenzugewandte Richtung, was zu stürmischen Störungen des Erdmagnetfeldes führt. Mittels numerischen Simulationen und Mehrpunktmessungen im Magnetosphärenschweif konnte gezeigt werden, dass Magnetfeldverschmelzung in einer Entfernung von ca. 60 Erdradien allein durch Druckstörungen ausgelöst werden kann, selbst ohne Erhöhung des magnetischen Flusses im Magnetosphärenschweif. Es konnte ebenfalls herausgefunden werden, dass die Magnetfeldverschmelzung, trotz der großen Entfernung von der Erde, die Plasmaumgebung der Erde beeinflusst und das Erdmagnetfeld auf der Erdoberfläche stört. Vielpunktmessungen im Magnetosphärenschweif machten deutlich, dass die durch Magnetfeldverschmelzung verursachte Elektronenbeschleunigung ein Mehrstufenprozess ist. Das durch Magnetfeldverschmelzung erhitzte Plasma zeigt eine Anisotropie relativ zur lokalen Richtung des Magnetfeldes. Ebenso konnte gezeigt werden, dass durch Temperaturanisotropie getriebene Instabilitäten am stärksten nahe dem Ort der Magnetfeldverschmelzung sind. Die mit der durch die Magnetfeldverschmelzung zusammenhängenden schlagartigen Energieumwandlungsprozesse und der Energieabfluss können Wellen und Turbulenz im Plasma erzeugen. Von besonderem Interesse ist, dass Plasmaturbulenz faserförmige dünne Stromschichten hervorrufen kann. Es wurde herausgefunden, dass in der komprimierten turbulenten Tagseitenregion, vor der Erdmagnetosphäre, diese Stromstrukturen sehr häufig auftreten. Diese dünnen Stromschichten können unter Umständen ebenfalls verschmelzen. Erstmals konnten viele Anzeichen des Auftretens von Magnetfeldverschmelzung in einer solch turbulenten Umgebung gefunden werden. Die Ergebnisse des Forschungsprojektes tragen wesentlich zum besseren Verständnis der Plasmaumgebung der Erde bei.
- Roberto Bruno, Instituto di Astrofisica e Planetologia Spaziali - Italien
- Gaetano Zimbardo, Università di Calabria - Italien
- Vassilis Angelopoulos, University of California at Los Angeles - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 609 Zitationen
- 24 Publikationen
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2013
Titel Kelvin-Helmholtz instability of twisted magnetic flux tubes in the solar wind DOI 10.1051/0004-6361/201322808 Typ Journal Article Autor Zaqarashvili T Journal Astronomy & Astrophysics Link Publikation -
2016
Titel On the scaling features of magnetic field fluctuations at non-MHD scales in turbulent space plasmas DOI 10.1088/1742-6596/767/1/012003 Typ Journal Article Autor Consolini G Journal Journal of Physics: Conference Series Seiten 012003 Link Publikation -
2016
Titel Two interacting X lines in magnetotail. Typ Journal Article Autor Alexandrova A -
2016
Titel A statistical study on the shape and position of the magnetotail neutral sheet DOI 10.5194/angeo-34-303-2016 Typ Journal Article Autor Xiao S Journal Annales Geophysicae Seiten 303-311 Link Publikation -
2015
Titel In situ observations of multistage electron acceleration driven by magnetic reconnection DOI 10.1002/2015ja021165 Typ Journal Article Autor Wu M Journal Journal of Geophysical Research: Space Physics Seiten 6320-6331 -
2017
Titel MMS Observation of Magnetic Reconnection in the Turbulent Magnetosheath DOI 10.1002/2017ja024535 Typ Journal Article Autor Vörös Z Journal Journal of Geophysical Research: Space Physics Seiten 11,442-11,467 Link Publikation -
2017
Titel Electron scale structures and magnetic reconnection signatures in the turbulent magnetosheath DOI 10.48550/arxiv.1706.04053 Typ Preprint Autor Yordanova E -
2017
Titel Occurrence rate of dipolarization fronts in the plasma sheet: Cluster observations DOI 10.5194/angeo-35-1015-2017 Typ Journal Article Autor Xiao S Journal Annales Geophysicae Seiten 1015-1022 Link Publikation -
2016
Titel Two interacting X lines in magnetotail: Evolution of collision between the counterstreaming jets DOI 10.1002/2016gl069823 Typ Journal Article Autor Alexandrova A Journal Geophysical Research Letters Seiten 7795-7803 -
2016
Titel Electron scale structures and magnetic reconnection signatures in the turbulent magnetosheath DOI 10.1002/2016gl069191 Typ Journal Article Autor Yordanova E Journal Geophysical Research Letters Seiten 5969-5978 Link Publikation -
2014
Titel TWISTED MAGNETIC FLUX TUBES IN THE SOLAR WIND DOI 10.1088/2041-8205/783/1/l19 Typ Journal Article Autor Zaqarashvili T Journal The Astrophysical Journal Letters Link Publikation -
2014
Titel Windsock memory COnditioned RAM (CO-RAM) pressure effect: Forced reconnection in the Earth's magnetotail DOI 10.1002/2014ja019857 Typ Journal Article Autor Vörös Z Journal Journal of Geophysical Research: Space Physics Seiten 6273-6293 Link Publikation -
2014
Titel RECONNECTION OUTFLOW GENERATED TURBULENCE IN THE SOLAR WIND DOI 10.1088/2041-8205/797/1/l10 Typ Journal Article Autor Vörös Z Journal The Astrophysical Journal Letters Link Publikation -
2014
Titel Flapping current sheet with superposed waves seen in space and on the ground DOI 10.1002/2014ja020526 Typ Journal Article Autor Wang G Journal Journal of Geophysical Research: Space Physics Seiten 10,078-10,091 Link Publikation -
2014
Titel Increases in plasma sheet temperature with solar wind driving during substorm growth phases DOI 10.1002/2014gl062400 Typ Journal Article Autor Forsyth C Journal Geophysical Research Letters Seiten 8713-8721 Link Publikation -
2016
Titel TURBULENCE-GENERATED PROTON-SCALE STRUCTURES IN THE TERRESTRIAL MAGNETOSHEATH DOI 10.3847/2041-8205/819/1/l15 Typ Journal Article Autor Vörös Z Journal The Astrophysical Journal Letters Link Publikation -
2016
Titel Turbulence-generated proton-scale structures in the terrestrial magnetosheath DOI 10.48550/arxiv.1603.00328 Typ Preprint Autor Vörös Z -
2016
Titel Current sheet flapping motions in the tailward flow of magnetic reconnection DOI 10.1002/2016ja022819 Typ Journal Article Autor Wu M Journal Journal of Geophysical Research: Space Physics Seiten 7817-7827 -
2015
Titel A statistical analysis of Pi2-band waves in the plasma sheet and their relation to magnetospheric drivers DOI 10.1002/2014ja020753 Typ Journal Article Autor Wang G Journal Journal of Geophysical Research: Space Physics Seiten 6167-6175 Link Publikation -
2015
Titel Probability density functions for the variable solar wind near the solar cycle minimum DOI 10.48550/arxiv.1509.09134 Typ Preprint Autor Vörös -
2015
Titel Probability density functions for the variable solar wind near the solar cycle minimum DOI 10.1002/2015ja021257 Typ Journal Article Autor Vörös Z Journal Journal of Geophysical Research: Space Physics Seiten 6152-6166 Link Publikation -
2013
Titel The proton temperature anisotropy associated with bursty bulk flows in the magnetotail DOI 10.1002/jgra.50451 Typ Journal Article Autor Wu M Journal Journal of Geophysical Research: Space Physics Seiten 4875-4883 Link Publikation -
2013
Titel A statistical study of electron acceleration behind the dipolarization fronts in the magnetotail DOI 10.1002/jgra.50456 Typ Journal Article Autor Wu M Journal Journal of Geophysical Research: Space Physics Seiten 4804-4810 -
2014
Titel Windsock memory conditioned RAM (Co-Ram) pressure effect: forced reconnection in the Earth's magnetotail DOI 10.48550/arxiv.1411.7927 Typ Preprint Autor Vörös Z