Neue Forschungen zum antiken Kolophon in Ionien
New investigations at the ancient site of Kolophon in Ionia
Wissenschaftsdisziplinen
Geowissenschaften (40%); Geschichte, Archäologie (60%)
Keywords
-
Kolophon,
Ionian Cities,
Survey
Das antike Kolophon gehörte zu den bedeutenden Städten des antiken Ionien und hatte als einzige Stadt der ionischen Städte keinen unmittelbaren Zugang zum Meer. 1895 wurde die Lage der Stadt von Schuchardt und Wolters beim Dorf Degirmendere in der Nähe von Izmir (Türkei) lokalisiert. Nach den schriftlichen Quellen zählte die Stadt zumindest in der archaischen Zeit zu den großen und reichen Städten Ioniens. Im Gegensatz zur politischen Geschichte der Stadt, die anhand der literarischen und epigraphischen Quellen in den Grundzügen zu erschließen ist, stehen unsere äußerst lückenhaften Kenntnisse des archäologischen Befundes dieser Stadt, da nach einer einzigen Grabungskampagne im Jahre 1922 keine weiteren systematischen Feldforschungen stattfanden. Ziel des beantragten Survey-Projektes, welches in Cooperation mit der Mimar Sinan Universität in Istanbul durchgeführt wird, ist es, anhand neu zu erschließender archäologischer Quellen Einblicke in Entwicklung, Ausdehnung und urbanistische Organisation einer Stadt zu erhalten, von der bis heute im Wesentlichen nur die Stadtmauern des späten 4. Jh. v. Chr. und einige Gebäude der spätklassisch-frühhellenistischen Stadt bekannt sind. Diesen Fragen soll mit unterschiedlichen Survey-Methoden nachgegangen werden, um auf diese Weise die Grundlagen für die Rekonstruktion des Siedlungsareals zu erarbeiten. Das neue Projekt will mit einem systematischen, mit unterschiedlichen Methoden durchgeführten Survey eine diachrone und interdisziplinäre Untersuchung zur urbanistischen Entwicklung von Kolophon sowie eine Untersuchung der naturräumlichen Gegebenheiten der Stadt sowie ihre langzeitlichen Siedlungsstrukturen vorlegen.
Ziel des Projektes war es anhand archäologischer Quellen Einblick in Entwicklung, Ausdehnung und städtebauliche Organisation der antiken Stadt Kolophon zu gewinnen. Diese gehörte nach den historischen Quellen in archaischer Zeit zu den bedeutendsten unter den ionischen Städten, obwohl sie als einzige nicht unmittelbar am Meer lag. Im Gegensatz zu ihrer ursprünglichen Bedeutung standen unsere geringen Kenntnisse der Stadt, die bereits am Ende des 19. Jahrhunderts zwischen den heutigen Dörfern Camönü und Degirmendere lokalisiert wurde, aber abgesehen von einer Grabungskampagne im Jahre 1922 und einer kurzen Untersuchung 1925 durch die American School of Classical Studies in Athen und das Fogg Art Museum in Harvard unerforscht geblieben war. Mit fünf Kampagnen (2010 2014, durch den FWF waren die Kampagnen der Jahre 2012 2014 finanziert) wurden Surveys mit verschiedenen Methoden durchgeführt. Das Team unserer türkischen Kooperationspartnerin Christine Özgan (Mimar Sinan Universität Istanbul), die die Lizenzträgerin war, beschäftigte sich besonders mit der sog. Akropolis, hier waren 1922 sowohl öffentliche Gebäude als auch Wohnbebauung freigelegt worden. Das österreichische Team, geleitet von Ulrike Muss (Institut für Klassische Archäologie Wien), widmete sich vor allem den noch nicht erforschten Arealen in der Ebene sowie den 1922 und 1925 teilweise ergrabenen Nekropolen, deren topographische Kontexte wir wieder sichern konnten. Die Erforschung der Stadt konnte bedeutend vorangebracht werden, als es im Jahr 2013 gelang einen airborne laser scan der gesamten Region von Kolophon zu realisieren. Mit einem Digital Elevation Model (DEM) war es z.B. möglich den Verlauf der Stadtmauer in allen Bereichen zu klären, archäologische Phänomene im Gelände, besonders der Südwestnekropole lokalisieren und dokumentieren nachdem die Vegetation ausgefiltert war. Die Surveys auf den Feldern in der Ebene ergaben zusammengefasst und unter Berücksichtigung der geophysikalischen Messungen, dass sich in der Besiedlung der Ebene innerhalb der frühhellenistischen Stadtmauer zwei große Perioden unterscheiden lassen, eine der archaischen Zeit, die zweite dem Ende des 4. und dem 3. Jahrhundert angehörend. Dabei ist von Bedeutung, dass wir ein übergeordnetes Raster mit insulae feststellen konnten, in welches auch ein Abschnitt der Stadtmauer sowie öffentliche Bauten auf der sog. Akropolis gehören. Der weitere Verlauf der Geschichte von Kolophon lässt sich anhand der schriftlichen Quellen klar verfolgen und auch archäologisch ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Stadt, deren Entwicklung am Ende des 4. Jhs. v. Chr. so vielversprechend zu sein scheint, sich nach der durch Lysimmachos betriebenen Übersiedlung nach Ephesos nicht mehr erholte und baulich aufgegeben wurde.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 91 Zitationen
- 12 Publikationen
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2016
Titel Neue Überlegungen zur urbanistischen Organisation von Kolophon. Typ Journal Article Autor Gassner V Journal Proceedings of the International Conference Centre and Periphery over the passage of time (From the Bronze Age to Lage Antiquity). Dedicated to the 10th anniversary of the cooperation between Trnava University and Turkish Universities. Trnava 17 October 2014. Anodos. Studies of the Ancient World 12/2012, Trnava -
2016
Titel Kolophon in der Moderne. Typ Book Chapter Autor Bammer A -
2017
Titel Material Culture as Marker of Ethnicity? The Burial Mounds of Kolophon and the Question of "Lydian", "Greek" and "Ionian" Ethnicity. Typ Book Chapter Autor Cityscapes And Monuments Of Western Asia Minor. E. Mortensen - B. Poulsen Eds.) University Of Aarhus 29Th - 31Th October 2014 -
2017
Titel LiDAR-guided Archaeological Survey of a Mediterranean Landscape: Lessons from the Ancient Greek Polis of Kolophon (Ionia, Western Anatolia) DOI 10.1002/arp.1572 Typ Journal Article Autor Grammer B Journal Archaeological Prospection Seiten 311-333 Link Publikation -
2017
Titel The Urban Organization of Kolophon and Its Necropoleis: The Results of the 2011–2014 Surveys DOI 10.2972/hesperia.86.1.0043 Typ Journal Article Autor Verena Gassner Journal Hesperia: The Journal of the American School of Classical Studies at Athens Seiten 43 -
2018
Titel Antifungal stilbene impregnation: transport and distribution on the micron-level DOI 10.1093/treephys/tpy073 Typ Journal Article Autor Felhofer M Journal Tree Physiology Seiten 1526-1537 Link Publikation -
2020
Titel Wood Deformation Leads to Rearrangement of Molecules at the Nanoscale DOI 10.1021/acs.nanolett.0c00205 Typ Journal Article Autor Felhofer M Journal Nano Letters Seiten 2647-2653 Link Publikation -
2012
Titel Survey in Kolophon: Die Kampagnen 2010 - 2012. Typ Journal Article Autor Draganits E Et Al Journal Forum Archaeologiae -
2014
Titel Colophon 2013. Typ Journal Article Autor Bammer A Journal Forum Archaeologiae -
2014
Titel Kolophon antik Kenti 2012 Yili Yüzey Arastirmalari. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Teraman Ö Et Al Konferenz Arkeoloji Arastirma Sonuclari 2014. -
2014
Titel The Colophon Survey 2014. Typ Journal Article Autor Gretscher M Et Al Journal Forum Archaeologiae -
2016
Titel Peripheral knowledge? Reconsidering archival documents and the Late Bronze Age at Colophon. Typ Journal Article Autor Gretscher M Journal Proceedings of the International Conference Centre and Periphery over the passage of time (From the Bronze Age to Lage Antiquity). Dedicated to the 10th anniversary of the cooperation between Trnava University and Turkish universities. Trnava 17th - 19th October 2014. Anodos. Studies of the Ancient World 12/2012, Trnava 2016