Interaktives Archiv und Meta-Thesaurus für Medienkunstforschung (AT.MAR)
Interactive Archive and Meta-Thesaurus for Media Art Research (AT.MAR)
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (80%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (20%)
Keywords
-
Media Art,
Art History,
Database,
Image Science,
Thesaurus,
Web 2.0 Archive
Ziel des Projektes "Interaktives Archiv und Meta-Thesaurus für Medienkunstforschung (AT.MAR)" ist die Entwicklung eines innovativen, wissenschaftlichen online Arbeitsinstruments um die prekäre Lage der Medienkunstforschung zu verbessern und eine theoretische Analyse der aktuellen Bildrevolution zu fördern. Durch die geplante Entwicklung eines "Brücken-Thesaurus" zwischen Medienkunst und Kunstgeschichte würden erstmals vergleichende Untersuchungen der Bildphänomene von der Renaissance bis heute möglich, was einem verbesserten Verständnis und der systematischen Integration von Medienkunst in unsere wissenschaftlichen Systeme und Kulturinstitutionen dient. Arbeitsschritte sind: a.) Entwicklung eines innovativen Meta-Thesaurus, welcher als Modell das umfassendste online Medienkunstarchiv (DVA) mit einem facettenreichen kunsthistorischen Archiv (GSSG) verbindet, b.) Implementierung von Web 2.0 Strategien um internationale und interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen WissenschaftlerInnen, KünstlerInnen und TechnikerInnen zur Schaffung eines interaktiven und wissenschaftlich global vernetzten Arbeitsinstruments für die Geisteswissenschaften zu ermöglichen. Obgleich sich die digitale Kunst der letzten Dekaden wachsendem Interesse mit zahlreichen Ausstellungen, Festivals und Konferenzen gegenüber sieht, fehlt es immer noch an einer adäquaten und dringendst erforderlichen, langfristigen, systematischen Erhaltungspolitik, für die Verankerung von Medienkunst als wichtiger Kunstform des 20./21. Jh. in Kultur- und Wissenschaftsinstitutionen unserer Gesellschaft. (Das beantragte Projekt AT.MAR wird die grundlegende Voraussetzung für die international notwendige systematische Erhaltungspolitik umfassender und angemessener Dokumentation schaffen. Die Dringlichkeit einer solchen Strategie zeigt sich in der Deklaration: "Media art needs global networked organisation and support International declaration" http://www.mediaarthistory.org/.) Digitale Kunstwerke können in Folge der Speicherproblematik in der Regel nicht mehr ausgestellt werden, so dass, wenn keine Massnahmen ergriffen werden, wir vor dem Totalverlust der Kunst unserer post-industriellen digitalen Gesellschaften stehen. Die Entwicklung von Schlagwortsystemen abgetrennt von kunsthistorischen Datenbanken, führte bei den meisten Dokumentationsprojekten zu einer zunehmenden Isolierung von Medienkunst. Um dieser Separation entgegen zu wirken, ist der Aufbau eines gemeinsamen Kontexts notwendig, welcher historisch komparatistische Analysen ermöglicht. Durch die semantische Vernetzung der DVA und der GSSG durch den zu entwickelnden Meta-Thesaurus, der in der Folge in andere Archive implementiert werden kann, wird erstmals die systematische Analyse des Nachlebens kunsthistorischer Themen in der zeitgenössischen Medienkunst möglich, umgekehrt werden Entwicklungen aber auch Brüche offengelegt, die für das Verständnis von Medienkunst unerläßlich sind. Die erstmalige Implementierung von Web 2.0 Strategien mit benutzerorientieren Anwendungen und einer "bottom-up" Struktur erlaubt kollektiven wissenschaftlichen Austausch und einen pro-aktiven Prozess der Wissensgenerierung. Das Projekt markiert für die Medienkunstforschung in den Bildwissenschaften einen Durchbruch.
Das Forschungsprojekt Interaktives Archiv und Meta-Thesaurus für die Medienkunstforschung (Leiter: Prof. Dr. Oliver Grau; Projektlaufzeit: 2013-2016) entwickelte erstens auf Basis der bestehenden Database vor Virtual Art das erste Web 2.0 Forschungsarchiv Archive of Digital Art (ADA), um die Medienkunst in all ihrer Komplexität zu dokumentieren, präsentieren und vermitteln, und zweitens einen Brückenthesaurus, um die Medienkunstforschung in einen Kontext mit kunsthistorischen Diskursen zu stellen. In ihrer Stellung an der Grenze zwischen Kunst, Wissenschaft und Technologie nimmt die Medienkunst, basierend auf digitalen Technologien, einen wichtigen Stellenwert in unserer gegenwärtigen Gesellschaft ein, stellt aber auch neue Herausforderungen an die digitale Dokumentation und Konservierung. Für dieses Ziel wurden zwei Strategien konzipiert: (1) Das Archiv wurde mit innovativen Web 2.0 Features ausgestattet und operiert auf den Mechanismen einer Social Media Plattform, die für die wissenschaftliche Forschung ausgerichtet wurden: Künstler, Kunstwerke, Festivals, Events, Informationen zur Technologie, Stichworte und andere gesammelte Daten werden von Mitgliedern der ADA Community selbst hochgeladen und editiert. Nach einem gatekeeping Grundsatz von fünf Ausstellungen/Publikationen können Künstler und Wissenschaftlerinnen Mitglieder auf ADA werden. Die Community und auch das Archiv wachsen ständig weiter und bleiben der Öffentlichkeit auch nach Ende des Projektes erhalten. Das Team ermittelte Methoden, um die Community in den Forschungsprozess zu involvieren, ihren Dokumentationsprozess zu verbessern und entwickelte Strategien, das Material online zu teilen (etwa über eine Online Exhibition).(2) Die zweite Forschungsstrategie zielte auf eine Verbindung der Medienkunstforschung mit ihren kunsthistorischen Vorgängern ab, indem ein Meta-Thesaurus als Onlinetool entwickelt wurde, der über einen Stichwortindex die Medienkunstwerke auf ADA mit der Graphischen Sammlung Stift Göttweig vereint. Auf dem Thesaurus werden die Werke semantisch verlinkt, um gemeinsame, aber auch divergierende Ästhetiken, Themenschwerpunkte und Technologien sichtbar zu machen und für die Forschung zur Verfügung zu stellen. Das Team recherchierte und erforschte die Bedeutung kunsthistorischer und Medienkunst-Vokabularien über mehrere Quellen. Kunsthistorische Indices, Medienkunstplattformen, Themen und Schwerpunkte bei Medienkunstfestivals und Literatur. Entwickelt wurde ein neuer Index, der interdisziplinär und transhistorisch ausgerichtet ist, um möglichst viele Aspekte und Genealogien der Medienkunst zu dokumentieren, in einen Kontext zu setzen und dies mit kunsthistorischen Objekten komparativ analysieren zu können. Das Team hat diese Forschung mit Kurzanalysen exemplarisch vorgeführt, die ebenfalls auf der Homepage einsehbar sind.
- Donau-Universität Krems - 100%
Research Output
- 5 Zitationen
- 11 Publikationen
-
0
Titel On the visual power of digital arts. For a new archive and museum infrastructure in the 21st century. Typ Other Autor Grau O -
2016
Titel Documenting Media Art and beyond. Challenges and Possibilities of Online Exhibitions. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Grau O Konferenz 23. Berliner Veranstaltung der internationalen EVA-Serie (Electronic Media and Visual Arts). Konferenzband, 07.-09.11.2016 -
2016
Titel Alguma vez nos vamos habituar à imersão? Histrias da Arte dos Media & Ciência da Imagem - Will we ever become used to Immersion? Media Art Histories & Image Science. Typ Book Chapter Autor Grau O -
2016
Titel The Complex and Multifarious Expressions of Digital Art and Its Impact on Archives and Humanities DOI 10.1002/9781118475249.ch1 Typ Book Chapter Autor Grau O Verlag Wiley Seiten 21-45 -
2016
Titel New Media Art; In: Art History DOI 10.1093/obo/9780199920105-0082 Typ Book Chapter Verlag Oxford University Press -
2014
Titel ARCHIVE 2.0: Media Arts Impact and the Need for (Digital) Humanities. Typ Book Chapter Autor Grau O -
2014
Titel IMAGES (R)evolution: Image Science and Digital Humanities. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Grau O Konferenz The Second International Conference on Transdisciplinary Imaging at the Intersections between Art, Science and Culture. Proceedings. University of New South Wales -
2015
Titel Our Digital Culture threatened by Loss. Typ Book Chapter Autor Grau O -
2015
Titel Neue Analyseinstrumente für die historisch vergleichende Bildforschung: Von der Druckgraphik des 17. Jahrhunderts bis zur Medienkunst der Gegenwart. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Grau O Konferenz 26. Österreichischer Historikertag Krems/Stein 2012. Tagungsbericht, St. Pölten -
2013
Titel New Perspectives for the (Digital) Humanities. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Grau O Konferenz The Challenge of the Object. Congress Proceedings of the XXth Congress of the International Committee of the History of Art, Nürnberg -
2014
Titel Druckgrafik bis Medienkunst. Typ Journal Article Autor Grau O Journal Rundbrief Fotografie