Forschungen zur Urbanistik von Aquileia (Italien)
Urbanistic studies in Aquileia (Italy)
Wissenschaftsdisziplinen
Geowissenschaften (20%); Geschichte, Archäologie (80%)
Keywords
-
Aquileia,
Find-processing,
Urban studies,
Geophysics,
Survey,
Geoarchaeology
Im Rahmen des Projektes Forschungen zur Urbanistik von Aquileia (Italien) sollen vom Fachbereich Zentraleuropäische Archäologie (ZEA) des Österreichischen Archäologischen Instituts (ÖAI) mit überwiegend non-invasiven Methoden der Archäologie Forschungen zur diachronen urbanistischen Entwicklung sowie zur Kultur- und Wirtschaftsgeschichte der Handelsmetropole an der oberen Adria durchgeführt werden. Aquileia, 181 v. Chr. als Colonia latinischen Rechts gegründet, spielt eine Schlüsselrolle in der militärischen, wirtschaftlichen und politischen Erschließung der Nordprovinzen. Aufgrund seiner topographisch günstigen Lage an einem verzweigten Netz von Flüssen und Kanälen bildet sich sehr bald der wichtigste Handelsstützpunkt an der oberen Adria heraus. Erste Vorarbeiten zu dem Projekt erbrachten 2011 wichtige neue Erkenntnisse zum Straßenraster, zur Topographie, den Flussläufen bzw. Kanälen, zur urbanen sowie suburbanen Bebauung von Aquileia. Im westlichen Suburbium konnten ein an einem Kanal gelegenes Werkstattviertel und eine neue, zweite Hafenanlage entdeckt werden. Das westliche Suburbium der Stadt soll mit großflächigen geophysikalischen Messungen untersucht werden. Intensive Surveys werden auf drei Flächen im Bereich des Werkstattviertels, der Hafenanlagen und in der byzantinischen Stadt konzipiert. Mit geologischen Bohrungen im Verlauf des Kanales und kleinflächigen Grabungen sollen die Ergebnisse der Surveys kontrolliert und die Chronologie der Stadtentwicklung untersucht werden. Der Schwerpunkt des Projektes liegt auf der Analyse des Fundmaterials aus den Surveys und den Grabungen. Das Ziel ist die Erstellung eines diachronen Typenkataloges der lokalen Produktion und des Importes nach Aquileia und eine Gegenüberstellung des kontextuellen Fundmaterials aus den Grabungen mit den Oberflächenfunden aus den Surveys. Anhand der Ergebnisse des Forschungsprojektes sollen neue Aussagen zur Chronologie der Stadtentwicklung, zur funktionalen Raumnutzung, Infrastruktur und Handel getroffen werden. Die Gegenüberstellung historischer und archäologischer Evidenzen zur Stadtgeschichte lässt weitreichende neue Aufschlüsse zu politischen und militärischen Geschichte des zentraleuropäischen Kulturraumes in römischer und byzantinischer Zeit erwarten.
Im Rahmen des Projektes P25176-G19 wurden von 2013-2017 Studien zur antiken Topografie und Geschichte von Aquileia vorgenommen. Die an der oberen Adria gelegene Handelsmetropole ist für die wirtschaftliche, militärische und politische Entwicklung der römischen Nordprovinzen von hervorragender Bedeutung. Die Arbeiten fokussierten sich auf den Westteil der Stadt sowie das nördliche, westliche und südliche Suburbium, die Vorstadt mitsamt den Verkehrswegen. Mit non-invasiven modernen Methoden der Archäologie (Luftbild- und LiDAR-Auswertungen, geophysikalische Messungen, Surveys, Rammkernsondierungen) und ohne Grabungen sollten wichtige neue Erkenntnisse zur Morphologie und diachronen Entwicklung der Colonia gewonnen werden. Ein besonderer Schwerpunkt lag in der Erforschung der urbanen Befestigungsanlagen sowie in der Analyse der infrastrukturellen Erschließung der Stadt durch Verkehrswege und Kanäle. Aquileia war durch einen künstlichen Kanal, den canale anfora, mit der Lagune bzw. dem offenen Meer verbunden und von einem Straßen- und Kanal-/Flussnetz erschlossen. Im Rahmen des Projektes konnte die Fortführung des canale anfora bis an die kaiserzeitliche Stadtmauer und die den Kanal flankierenden Hafeninstallationen erstmals untersucht werden. Eine Serie von Rammkernsondierungen bezeugt die Chronologie, Sedimentation und Morphologie des canale anfora, der als wichtigster Verkehrsweg bis in das 3. Jahrhundert n. Chr. genutzt wurde. Jenseits des Kanals, außerhalb der Stadtmauer, befand sich zur selben Zeit ein neu entdecktes ausgedehntes Handwerkerviertel, das in der Spätantike, im Zuge einer Erweiterung der Stadtmauer zum intraurbanen Gebiet, mit neuer Funktion als Circus modifiziert wird. Erstmals in der Forschungsgeschichte von Aquileia wurde ein intensiver Survey mit der Aufsammlung von Oberflächenfunden im Areal des Circus und beidseits des canale anfora durchgeführt. Das gesamte Fundmaterial, über 130 000 Fundobjekte, wurde nach typologischen und chronologischen Kriterien untersucht. Die Fundverteilungen geben, in Kombination mit den geophysikalischen Messungen, interessante neue Einblicke in die divergierende Nutzung des Siedlungsareals. So können beidseits canale anfora spätrepublikanisch/kaiserzeitliche Hafeninstallationen (1. Jh. v. Chr.-3. Jh. n. Chr.) von Zonen spätantiker Mülldeponien unterschieden werden. Innerhalb der spätantiken Stadtmauern geben die großen Fundmengen über die Intensität und Dauer der Nutzung einzelner Bereiche wichtige Aufschlüsse. Das gesamte Fundspektrum gewährt einen spannenden neuen Einblick in den Warenverkehr und die Handelsverbindungen sowie die Vernetzung der antiken Metropole mit der Welt des Mittelmeeres.
Research Output
- 4 Publikationen
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2016
Titel Nouvelles recherches sur le système fluvial et les installations portuaires d'Aquilée (Italie). Typ Journal Article Autor Groh S Journal C. Sanchez - M.-P. Jézégou (Hrsg.), Les ports dans l'espace méditerranéen antique. Narbonne et les systèmes portuaires fluvio-lagunaires, Revue Archéologique de Narbonnaise, Suppl. 44 (Montpellier-Lattes 2016) -
2016
Titel Forschungen im westlichen Suburbium von Aquileia. Erste Ergebnisse eines Surveys im Bereich des Westhafens. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Donat P Et Al Konferenz G. Grabherr - B. Kainrath (Hrsg.), Akten des 15. Österreichischen Archäologentages in Innsbruck, 27. Februar-1. März 2014, IKARUS -
2025
Titel Ein neuer frühchristlicher Kirchenbau in Aquileia: Die Basilika delle Marignane DOI 10.1553/micha31s9 Typ Journal Article Autor Groh S Journal Mitteilungen zur Christlichen Archäologie -
2015
Titel Prospezioni geofisiche nel territorio di Aquileia: una villa romana a San Canzian d'Isonzo (Gorizia, Italia). Typ Journal Article Autor Groh S