Welche Struktur, wessen Tugend? Realistische Prämissen von Menschen und Macht
Which Structure, Whose Virtue? Realism´s Premises on Men and Power
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Sozialwissenschaften (10%); Philosophie, Ethik, Religion (10%); Politikwissenschaften (80%)
Keywords
-
Political Science,
International Relations,
Ethics,
Religion,
Power,
History
Welche Struktur und welche Tugenden sind relevant in den Internationalen Beziehungen? Das ist eine Frage, die meist zugunsten des ersteren beantwortet wird: es sind die strukturellen Faktoren (z.B. die Anarchie des internationalen Systems, verschiedene Akteure etc.) die internationale Politik beeinflussen, werden die meisten Soziwalwissenschaftler/innen antworten. Es gibt aber auch gute Gründe Alternativen in Betracht zu ziehen: es sind auch die Tugenden von Staatsmännern- und Frauen, die relationale Natur menschlicher Gebarung und normative Rahmen, die Struktur definieren. Klassischer Realismus basiert nicht auf der Hobbes`schen Tradition von Macht als ein Mittel der Selbsterhaltung. Für Hans Morgenthau etwa, ist Macht eine psychologische Verfassung, die auf intersubjektiven Beziehungen beruht. Realismus betont daher auch die Bedeutung der Stellung von Menschen unter seinen Mitmenschen. Dieses Projekt argumentiert für eine Vertiefung der Diskussion zwischen dem Französischen Philosophen, Anthropologen, Literaturwissenschaftler und Vordenker der Mimetischen Theorie René Girard und der Tradition des Realismus, wie sie sich im 20. Jahrhundert entwickelt hat. Girards Mimetische Theorie wird als Brücke zwischen den beiden Polen der Frage "welche Struktur und wessen Tugend" genutzt. Das Hauptziel ist es, der Frage nachzuspüren, welche Strukturen und wessen Tugenden helfen können, neues Licht auf die Internationalen Beziehungen zu werfen und ob beide kombiniert werden können. Drei Hypothesen bahnen den Weg, um dies zu erreichen: (1) Macht entsteht aus einem Dialog zwischen Akteuren. (2) Das Verlangen nach Macht ist ein Verlangen nach Ansehen. (3) Die mimetische Theorie bietet Einsichten in das Wechselspiel des Entstehens von Macht und ihrer Natur. Diese Hypothesen illustrieren die Notwendigkeit, Internationale Beziehungen zu überdenken. Das kann man am besten am Beispiel des bedeutendsten Postulats der Mimetischen Theorie erkennen: nicht Unterschiedlichkeit, sondern Gleichheit erweist sich als die Problematik in der sozialen Sphäre. Weil wir als Menschen alle gleich sind, streben wir auch mimetisch nach denselben Gütern. Diese sind aber nicht primär die unerreichbaren, sondern die die am nächsten liegenden die unserer Nachbarn. Erst wenn wir in einen Dialog eintreten und Macht entsteht, erhält das Politische seine Ausformung im Grad seiner Intensität der Verbindung zwischen Subjekten und Objekten. Auf der empirischen Ebene untersucht das Projekt bedeutende aber sehr unterschiedliche Institutionen, die einige der wichtigsten Akteure in der internationalen Gemeinschaft hervorbringen: Diplomaten. Kultur und Religion erhalten Ordnung. Wie werden Diplomaten in den Zentren der "säkularen" (USA) und "religiösen" (Heiliger Stuhl) Ordnung ausgebildet? Ist ihre Ausbildung beeinflußt durch die unterschiedlichen Dialoge, die Macht ausformen? Wie kommen sie mit dem egalitären Dogma von Demokratie und den dadurch erwachsenden Spannungen zurecht? Und schließlich, wie können die unabhängigen Variablen "Kultur" und "Religion" die unterschiedlichen Verstehensweisen internationaler Beziehungen erklären?
Das Fehlen einer Alternative zum anarchischen Charakter des internationalen Systems wird häufig als Tragik in der internationalen Politik gesehen. Für die Gründungsfiguren der Disziplin der Internationalen Beziehungen und der Tradition des Realismus hingegen spiegelt der tragische Charakter internationaler Politik den tragischen Charakter von politischer Wahlmöglichkeit wider. Diese grundlegende Annahme des Realismus wirft etliche epistemologische Fragestellungen auf. Die Projektergebnisse argumentieren, dass die zentrale Frage die ist, ob Annahmen über die Fähigkeit zu handeln (agency) und Macht, angesichts der Komplexität und tragischen Kondition menschlicher und internationaler Natur mit der Annahme der Autonomie des Individuums mithalten können. Die Projektergebnisse verneinen dies. Was die Fähigkeit zu handeln antreibt und begründet, ist nicht die individuelle Autonomie, sondern menschliches Verlangen. Dies ist nicht nur eine epistemologische, sondern auch eine ontologische Fragestellung. Menschliche Identitätsbedürfnisse basieren auch auf der Imitation des Begehrens von anderen. Da der Realismus sich dieser menschlichen Kondition implizit bewusst ist, überwindet er die strikte analytische Separierung von unterschiedlichen Kategorien der Analyse (Individuum; Gesellschaft; System) wie es andere theoretische Ansätze machen. Mimetische Theorie bietet ein Muster, um diese Konditionen ernst zu nehmen, wie es der klassische Realismus macht und in jüngster Vergangenheit nur unzulänglich von theoretischen Ansätzen internationaler Politik beachtet wurde. Um eine tiefere Einsicht in die ideal-typischen Gesetzte die die menschliche Natur reglen (Hans Morgenthau) zu erlangen, argumentieren die Projektergebnisse für eine Synopsis der Gedanken von Hans Morgenthau und dem Französischen Philosoph, Anthropologen und Literaturtheoretiker René Girard. Dies ist insbesondere deshalb interessant, weil Morgenthau die Lücke zwischen der Annahme von Menschen als politische Tiere von Natur aus und Menschen als grundsätzlich moralische Tiere aufzeigt. Gegenwärtige Strömungen der theoretischen Auseinandersetzung mit internationaler Politik vernachlässigen diese Herangehensweise es macht in der Tat einen Unterschied, welche Struktur und wessen Tugend in der internationalen Politik analysiert werden und auf was für einer Grundlage diese Unterscheidung und analytische Herangehensweise beruht.
- Universität Innsbruck - 100%
- Franz Kernic, The Swedish National Defence College - Schweden
- Michael Kirwan, University of London - Vereinigtes Königreich
Research Output
- 36 Zitationen
- 22 Publikationen
-
2016
Titel 'After the fact' - Harry S. Truman - Spiritualität und Staatskunst. Typ Journal Article Autor Troy J Journal Zeitschrift für Katholische -
2016
Titel Mehr Hydra als Janus: Religion und Gewalt in Politikwissenschaft und Internationalen Beziehungen DOI 10.15203/ozp.1039.vol44iss4 Typ Journal Article Autor Troy J Journal Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft Seiten 1-12 Link Publikation -
2015
Titel Desire for power or the power of desire? Mimetic theory and the heart of twentieth-century realism DOI 10.1177/1755088214555456 Typ Journal Article Autor Troy J Journal Journal of International Political Theory Seiten 26-41 -
2017
Titel The transformation of targeted killing and international order DOI 10.1080/13523260.2017.1336604 Typ Journal Article Autor Senn M Journal Contemporary Security Policy Seiten 175-211 Link Publikation -
2017
Titel The Power of the Political in an Urbanizing International DOI 10.1177/0304375418762048 Typ Journal Article Autor Troy J Journal Alternatives: Global, Local, Political Seiten 211-226 Link Publikation -
2017
Titel International society’s challenge of targeted killing by drones DOI 10.1057/s41311-017-0112-2 Typ Journal Article Autor Troy J Journal International Politics Seiten 712-726 -
2017
Titel International Society's Challenge of Targeted Killing by Drones DOI 10.2139/ssrn.2977419 Typ Preprint Autor Troy J -
2017
Titel The Power of the Political in an Urbanizing International DOI 10.2139/ssrn.3034363 Typ Preprint Autor Troy J Link Publikation -
2014
Titel Rationalist state, revolutionist EU and realist war: Austria in international society DOI 10.1080/09557571.2014.931931 Typ Journal Article Autor Troy J Journal Cambridge Review of International Affairs Seiten 641-656 -
2014
Titel Friedenssicherung als Weltaufgabe: Die Vereinten Nationen, ihre Aufgabe und Möglichkeiten bei Dag Hammarskjöld und heute. Typ Book Chapter Autor Siegfried Karl And Hans-Georg Burger Ed. -
2014
Titel Religion, the Public, and International Order DOI 10.1111/misr.12116 Typ Journal Article Autor Troy J Journal International Studies Review Seiten 298-302 -
2016
Titel The Catholic Church and International Relation DOI 10.1093/oxfordhb/9780199935307.013.2 Typ Book Chapter Autor Troy J Verlag Oxford University Press (OUP) -
2015
Titel 'Little do they know' How (not) to theorize Religion and International Relations. Typ Book Chapter Autor Luke M. Herrington -
2015
Titel Dag Hammarskjöld und Hans Morgenthau: Der Macht den Spiegel der Wahrheit vorhalten DOI 10.5771/0044-3360-2015-2-159 Typ Journal Article Autor Troy J Journal Zeitschrift für Politik Seiten 159-176 Link Publikation -
2015
Titel Das Staatsverständnis Hans J. Morgenthaus im Spiegel neuester europäischer Forschung. Typ Book Chapter Autor Christoph Rohde & Jodok Troy Ed. -
2013
Titel Religion and Foreign Affairs: Essential Readings DOI 10.1080/21567689.2013.838472 Typ Journal Article Autor Troy J Journal Politics, Religion & Ideology Seiten 583-584 -
2013
Titel The Power of the Zealots: Religion, Violence, and International Relations DOI 10.5840/jrv20131213 Typ Journal Article Autor Troy J Journal Journal of Religion and Violence Seiten 216-233 -
2013
Titel Die »Macht« des Realismus in den Internationalen Beziehungen: Morgenthau wieder lesen DOI 10.5771/0044-3360-2013-4-414 Typ Journal Article Autor Troy J Journal Zeitschrift für Politik Seiten 414-429 Link Publikation -
2015
Titel Die Wette mit der Vernunft – ein „Wechsel ohne Barzahlung“. Die Perspektive von Raymond Aron DOI 10.5771/9783845265858-81 Typ Book Chapter Autor Troy J Verlag Nomos Verlag Seiten 81-98 -
2015
Titel Morgenthau, der Funktionalismus und die Fundamente der Europäischen Union DOI 10.5771/9783845252049-237 Typ Book Chapter Autor Troy J Verlag Nomos Verlag Seiten 237-247 -
0
Titel Invisible Legions: The Pope and International Relations. Typ Other Autor Troy J -
0
Titel Macht, Recht, Demokratie: Zum Staatsverständnis Hans J. Morgenthaus. Typ Other Autor Rohde C