Das aufgeklärte Subjekt: Identität und Person von Condillac bis Reinhold
The Enlightened Subject: Sameness and Self from Condillac to Reinhold
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (100%)
Keywords
-
18th Century Philosophy,
(Self-)Consciousness,
Personal Identity,
Enlightenment,
Condillac to Reinhold
Dieses Projekt widmet sich der Erforschung der Philosophie des Geistes in der Aufklärung. Genauer gesagt geht es um die Entwicklung von Theorien der Personalen Identität und der in diesem Zusammenhang zentralen Begriffe Bewusstsein` und Selbstbewusstsein` in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Ziel ist es, eine Reihe von Publikationen (inklusive einer Monographie) zu verfassen, die sowohl die Geschichte dieser Begriffe und der sich um sie rankenden Debatten von Condillac über Kant bis Reinhold nachzeichnen, als auch die Argumente der jeweiligen Denker analysieren und kritisch würdigen. Das Projekt ist die Fortsetzung eines bereits abgeschlossenen Projekts, das sich mit Theorien der Personalen Identität in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts befasst hat. Die Ergebnisse des ersten Projekts wurden 2011 in Udo Thiels Monographie The Early Modern Subject: Self-Consciousness and Personal Identity from Descartes to Hume von Oxford University Press veröffentlicht. Das hier vorgeschlagene, neue Vorhaben ist ebenfalls unter Vertrag mit Oxford University Press. Die Debatten über Personale Identität, (Selbst-)Bewusstsein und die Frage, ob und wenn ja, inwiefern Personale Identität von (Selbst-)Bewusstsein abhängig ist, sind charakteristisch für die Philosophie des 18. Jahrhunderts. Außerdem bestimmen sie die derzeitigen Diskussionen zu eben diesen Themen immer noch ganz zentral. Eine genaue Bearbeitung würde also nicht nur zum Verständnis der Philosophiegeschichte im 18. Jahrhundert, sondern auch zum Verständnis der gegenwärtigen Debatten und ihrer Probleme beitragen. Da bisher nichts Vergleichbares verfasst wurde, würde das Projekt eine wichtige Forschungslücke füllen. Die Vorarbeiten haben ergeben, dass es im Untersuchungszeitraum vier wichtige und miteinander zusammenhängende Entwicklungen gibt: das für diese Epoche neue Konzept des Selbstgefühls; der im Zuge der empirischen Psychologie aufkommende Materialismus; die Philosophie des Common Sense; und schließlich die Kantische transzendentale Philosophie. Die Arbeit am Projekt wird sich an diesen vier Teilbereichen orientieren und sie im Detail bearbeiten. Zudem sollen ein Workshop zu Kants Philosophie des Geistes und eine Konferenz zur Entwicklung des Seelenbegriffs von der Antike bis zur Aufklärung organisiert werden. Für das Forschungsvorhaben beantragt der Projektleiter die Stelle eines/r wissenschaftlichen Mitarbeiters/in (Post- Doc) und eines/r studentischen Mitarbeiters/in. Die/der wissenschaftliche Mitarbeiter/in wird sowohl bei der Sichtung der Primär- und Sekundärquellen assistieren, als auch eigenständige Publikationen zum Thema verfassen. Weil die Arbeit beträchtliche Vorkenntnisse voraussetzt, wird die Stelle von einer in diesem Themenfeld promovierten Person besetzt werden. Die/der studentische Mitarbeiter/in wird bei der Literaturrecherche und bei der Organisation der erwähnten Konferenzen behilflich sein.
Von Februar 2013 bis August 2016 wurde an der Karl-Franzens-Universität Graz mit Unterstützung des FWF an einem Forschungsprojekt zur Philosophie des Geistes in der Aufklärung gearbeitet. In diesem Projekt ging es um die Untersuchung der Entwicklung von Theorien der Personalen Identität und der Begriffe Bewusstsein und Selbstbewusstsein in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die Vorarbeiten des Projektleiters Udo Thiel hatten ergeben, dass man in diesem Untersuchungszeitraum vier wichtige und miteinander zusammenhängende Entwicklungen unterscheiden kann: 1. das für diese Epoche neue Konzept des Selbstgefühls; 2. der im Zuge der empirischen Psychologie aufkommende Materialismus; 3. die Philosophie des Common Sense; und schließlich 4. die Kantische transzendentale Philosophie. Nach diesem Ordnungskriterium hat der Projektleiter vor allem über Positionen und Argumente zu den Themen Selbstbewusstsein und personale Identität in der französischen Philosophie (Condillac, Rousseau, Diderot), der deutschen Philosophie (Irwing, Tetens) und der Schottischen Schule des Common Sense (Beattie, Reid) gearbeitet. Darüber hinaus hat er das Verhältnis der kantischen Position zu unterschiedlichen Strömungen des 18. Jahrhunderts untersucht. Wie aus seinen Vorträgen und Publikationen dieser Zeit hervorgeht, handelt es sich dabei insbesondere um die empiristischen und materialistischen Bewegungen des 18. Jahrhunderts. Der Projektmitarbeiter Dr. Giuseppe Motta unternahm zur seiner Analyse zentraler kantischer Begriffe wie Bewusstsein, Apperzeption, Ich Denke, Selbstbewusstsein eine systematisch orientierte Rekonstruktion des Textes und der Argumentation Kants in der unterschiedlichen Sektionen der A- und B-Deduktion der Kategorien (aus der ersten und aus der zweiten Ausgabe der Kritik der reinen Vernunft). Die Analysen von Prof. Thiel und Dr. Motta haben nicht nur mehrere Texte in einem neuen Licht erscheinen lassen, sondern auch systematisch relevante Resultate zu diesen Konzeptionen gezeitigt. Im Zusammenhang dieser Forschungsarbeit sind auch Organisation und Abhaltung einer internationalen Konferenz zum Thema Immanuel Kant: Die Einheit des Bewusstseins (September 2014) und der nun fest etablierten Vortragsreihe Kant in Graz zu verstehen. Diese Vortragsreihe wird seit dem Sommersemester 2015 durchgeführt und hat in Graz die Diskussion mit international führenden Kant-ForscherInnen ermöglicht. Weitere wissenschaftliche Veranstaltungen zur vorkantischen Philosophie wurden in diesen Jahren abgehalten (beispielsweise zu Diderot in Juni 2014 und zu Leibniz in Juni 2016). Die mehr als dreijährige Arbeit an diesem Projekt, die sich an den obigen vier Teilbereichen orientiert, hat sich als überaus lohnend und ertragreich erwiesen. Die Zusammenarbeit von Projektleiter und Mitarbeitern, Dr. Giuseppe Motta und Herrn Hannes Fraissler, war produktiv und in jeder Hinsicht von Erfolg gekennzeichnet. Dies lässt sich deutlich an den in den Berichtszeitraum fallenden Veranstaltungen, Vorträgen und Publikationen ablesen.
- Universität Graz - 100%
- Gideon Stiening, Freie Universität Berlin - Deutschland
- Heiner Klemme, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg - Deutschland
- Knud Haakonssen, Universität Erfurt - Deutschland
- Patricia Kitcher, Columbia University New York - Vereinigte Staaten von Amerika
- Alison Simmons, Harvard University - Vereinigte Staaten von Amerika
- Galen Strawson, University of Reading - Vereinigtes Königreich
Research Output
- 26 Zitationen
- 18 Publikationen
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2013
Titel Hißmann und der Materialismus DOI 10.1524/9783050063355.25 Typ Book Chapter Autor Thiel U Verlag De Gruyter Seiten 25-42 -
2015
Titel Review: Klingner, Stefan, Kants Zweckbegriff und das Problem einer Philosophie der technischen Kultur (Kant-Studien Ergänzungshefte 172, 2013) Typ Journal Article Autor Motta G Journal Studi Kantiani. -
2016
Titel Hume on the Self and His ‘Overall Philosophical Scheme’ DOI 10.1007/978-3-319-26914-6_17 Typ Book Chapter Autor Thiel U Verlag Springer Nature Seiten 277-290 -
2022
Titel Quercetin attenuates viral infections by interacting with target proteins and linked genes in chemicobiological models DOI 10.1007/s40203-022-00132-2 Typ Journal Article Autor Rahman M Journal In Silico Pharmacology Seiten 17 Link Publikation -
2014
Titel Physiologische Psychologie des Selbstbewusstseins zwischen Wolff und Kant DOI 10.1515/dzph-2014-0062 Typ Journal Article Autor Thiel U Journal Deutsche Zeitschrift für Philosophie Seiten 963-983 Link Publikation -
2014
Titel Self and Sensibility: From Locke to Condillac and Rousseau DOI 10.1080/17496977.2014.888615 Typ Journal Article Autor Thiel U Journal Intellectual History Review Seiten 257-278 -
2013
Titel Hißmann und der Materialismus. Typ Book Chapter Autor H. F. Klemme -
2014
Titel Bewusstsein und der Geist als "Bündel" von Perzeptionen. Typ Book Chapter Autor F. Brosow And H. F. Klemme (Hrsg) -
2014
Titel Der siebente Versuch: Über Tetens' Begriff der subjektivischen Notwendigkeit. Typ Book Chapter Autor Motta G -
2016
Titel The Early Modern Subject Revisited – Responses to Barth, Lenz, Renz and Wunderlich DOI 10.1515/kant-2016-0042 Typ Journal Article Autor Thiel U Journal Kant-Studien Seiten 554-566 Link Publikation -
2015
Titel Unities of the Self: From Kant to Locke DOI 10.1515/kantyb-2015-0007 Typ Journal Article Autor Thiel U Journal Kant Yearbook Seiten 139-166 Link Publikation -
2013
Titel Consciousness and Common Sense: From Claude Buffier to Thomas Brown. Typ Journal Article Autor Thiel U -
2015
Titel "Sein-dasein", "Nichtsein", "Existenz", "Koexistenz", "Rationalismus", "Kopula", "Verhältniswörtchen ist", "Gegenwart", "Allgegenwart", "Vergehen". Typ Book Chapter Autor Motta G -
2015
Titel Materialismus und Subjektivität bei Diderot. Typ Book Chapter Autor T. Knapp Und C. Pieberl (Hrsg) -
2015
Titel GF Meiers transzendentale Definition einer Ontologie der Zufälligkeit. Typ Book Chapter Autor Grunert -
2014
Titel Zwischen Empirischer Psychologie und Rationaler Seelenlehre: Tetens über das Selbstgefühl. Typ Book Chapter Autor G. Stiening -
0
Titel Johann Nikolaus Tetens (1736-1807): Philosophie in der Tradition des europäischen Empirismus. Typ Other Autor Stiening G -
0
Titel The Early Modern Subject: Self-Consciousness and Personal Identity from Descartes to Hume. Typ Other Autor Thiel U