Sprache und Handeln in der frühen brahmanischen Philosophie
Language and action in early Brahmanical philosophy
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (5%); Philosophie, Ethik, Religion (15%); Sprach- und Literaturwissenschaften (80%)
Keywords
-
Hinduism,
Indology,
Exegesis,
Linguistics,
Philosophy,
Action theory
Das vorliegende Projekt betrifft die Geschichte des brahmanischen Denkens zwi-schen dem 6. und 10. Jh., wie sie sich in den exegetischen und epistemologischen Werken dieser Zeit darstellt. Im Zentrum steht der Vidhiviveka ("Eine Ermittlung über vidhi"), ein im 7./8. Jh. von Mandana Miçra verfasstes Werk, mit dem einzigen erhaltenen Kommentar, Vâcaspati Miçras Nyâyakanikâ (Ende des 10. Jh.). Der Vidhiviveka ist eines der gründlichsten Werke der frühen Mmâmsâ und auch das älteste Werk der Mmâmsâ-Tradition, das sich speziell und ausführlich mit dem Thema des menschlichen Handelns (pravrtti) befaßt, das von Mandana unter mehreren Gesichts-punkten berücksichtigt wird: psychologisch und sprachphilosophisch, aber auch ritualistisch und soteriologisch. Außerdem macht die große Zahl der Themen, die von Mandana in seiner Darstellung behandelt werden, den Vidhiviveka zu einem unschätz-baren Zeugnis für den religiösen und philosophischen Diskurs, der in dieser entscheidenden Zeit der Entwicklung des indischen Denkens stattgefunden hat. Obwohl die historische und philosophische Bedeutung dieses Werkes und seines Kommentars seit einem Jahrhundert anerkannt ist, liegt noch fast keine detaillierte Studie der beiden Texte vor, und nur ein kurzes Stück der Nyâyakanikâ ist schon übersetzt worden. Zweck dieses Projekts ist es daher, große Abschnitte des Textes mit detaillierten Anmerkungen ins Englische zu übersetzen. Für den ersten Teil des Textes (prvapaksa) wird die kritische Ausgabe von E. STERN benutzt, während Abschnitte des zweiten Teils (siddhânta) aufgrund aller vorliegenden Ausgaben und mehrerer Handschriften übersetzt werden sollen. Jede Übersetzung soll von einer ausführlichen historischen Studie begleitet werden, die Mandanas Argumente in den weiteren Kontext einordnet, und sein Verhältnis zu älteren und zeitgenössischen Autoren beschreiben soll, die anderen Denkschulen angehören: gegnerische Systeme vedischer Exegese, grammatische und sprachwissenschaftliche Traditionen und Vertreter anderer religiöser Systeme, vor allem der "epistemologischen" Schule des Buddhismus. Zuletzt soll das Projekt untersuchen, wie Mandanas Leistungen im Vidhiviveka nach dem 7. Jh. in eine der beiden Haupttraditionen der Mmâmsâ (Uttara-mmâmsâ/Vedânta oder metaphysische Exegese) eingegangen sind. In diesem Zusammenhang soll vor allem ein im späten 10. Jh. verfasster vedântistischer Traktat untersucht werden: der âbdanirnaya Prakâçâtmans.
Das Projekt Sprache und Handeln in der frühen brahmanischen Philosophie (P 25287-G15) wurde aus Überlegungen im Rahmen der Untersuchung zu religiösen Hintergründen, Theorien rationalen Handelns sowie der Lehren autoritativer Texte in den Werken buddhistischer Philosophen der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends AD entwickelt. Diese Gelehrten setzten ein spezifisches Konzept menschlichen Handelns und jene Bedingungen voraus, unter welchen es als rational betrachtet werden konnte, dass menschliche Wesen zukünftige Auswirkungen ihrer Handlungen weder wahrnehmen noch erschließen können, insofern sie nicht allwissend sind.Unter diesen Voraussetzungen zielte das Projekt auf die Untersuchung ab, inwieweit die brahmanischen Philosophen, die Hauptgegner der buddhistischen Philosophen, ihre Theorien zu autoritativen Schriften und Erkenntnismittellehre mit Hinblick auf religiöses Handeln adaptierten. Das Hauptaugenmerk der Projektforschungen war demnach auf die Übersetzung und Interpretation der diesbezüglich wichtigsten Abschnitte des Vidhiviveka (Eine Untersuchung zu den Ursachen menschlichen Handelns) Man?ana Mishras (660/720?), eines der bedeutendsten Autors der als Mi?amsa bekannten Schule der vedischen Exegese und gleichzeitig einer der Begründer der Schule des Vedanta. Im Laufe der Projektarbeit stellte sich heraus, dass die Untersuchungen auch auf andere Texte ausgedehnt werden sollten, die sich mit dem rationalen Handeln gemeinsam mit der Frage beschäftigen, ob und inwieweit menschliche Wesen überhaupt in der Lage seien, übersinnliche Phänomene zu erkennen. Das Project erzielte mit seiner Arbeit wesentliche wissenschaftliche Ergebnisse, die in mehreren Publikationen veröffentlicht wurden: Unser Verständnis des Vidhiviveka sowohl hinsichtlich der Konstitution des Textes als auch mit Bezug auf inhaltliche Aspekte wurde nachhaltig verbessert; es ergaben sich wichtige Aufschlüsse bezüglich des historischen Verhältnisses zwischen den beiden Schulen der vedischen Exegese, nämlich der Mi?amsa und der Schule des Vedanta; weiters wurden Erkenntnisse darüber erzielt, wie die frühe indische Erkenntnistheorie dem Problem außersinnlicher Erkenntnisse begegnete bzw. sich damit auseinandersetzte. Besonders den letzten Punkt betreffend zeigte sich ein Phänomen, das vielen Aspekten des Projektes gemeinsam ist. Die Fragestellung wird in seinen Anfängen nur vage behandelt, aber sehr bald zur zentralen Thematik der Eigendarstellungen der meisten klassischen indischen Philosophen und spiegelt sich in den jeweiligen religiösen Identitäten und Rechtfertigungsstrategien sowie auch in der Grundeinstellung zu Leben und Jenseitsvorstellungen.
- Gerdi Gerschheimer, Ecole francaise d´Extreme-Orient - Frankreich
- Kei Kataoka, Kyushu University - Japan
- Vincenzo Vergiani, University of Cambridge - Vereinigtes Königreich
Research Output
- 11 Zitationen
- 9 Publikationen
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2016
Titel The Conception of Atoms as Substantially Existing in Subhagupta. Typ Journal Article Autor Saccone S -
2016
Titel Conflicting Theories Regarding Externalism. Santaraksita and Kamalasila Against the Nyaya in the Dravyapadarthaparikska TS(P) 583-591. Typ Journal Article Autor Saccone S -
2016
Titel On rsis and yogins: Immediate and Mediate Extraordinary Cognitions in Early Brahmanical Thought. Typ Journal Article Autor Ferrante M Journal R. Torella-M. Franceschini- T. Pontillo-C. Pieruccini-A. Rigopoulos-F. Sferra (eds.). Proceedings of the Meeting of the Italian Association of Sanskrit Studies. -
2015
Titel Theories of Human Action in Early Medieval Brahmanism (600–1000): Activity, Speech and Desire DOI 10.1007/s10790-015-9528-3 Typ Journal Article Autor David H Journal The Journal of Value Inquiry Seiten 567-595 -
2016
Titel Les origines du Vedanta comme tradition scolastique. État du problème, nouvelles hypothèses DOI 10.3406/befeo.2016.6230 Typ Journal Article Autor David H Journal Bulletin de l'Ecole française d'Extrême-Orient Seiten 9-44 Link Publikation -
2014
Titel Nouvelles tendances dans l'étude de la Mimamsa. Typ Journal Article Autor Hugo D Journal Bulletin de l'École française d'Extrême-Orient -
2014
Titel Time, Action and Narration. On Some Exegetical Sources of Abhinavagupta’s Aesthetic Theory DOI 10.1007/s10781-014-9256-1 Typ Journal Article Autor David H Journal Journal of Indian Philosophy Seiten 125-154 -
2013
Titel Action Theory and Scriptural Exegesis in Early Advaita-Vedanta (1): Mandana Misra on upadesa and istasadhanata. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Hugo D Konferenz Eltschinger, V. and Krasser, H. (eds). Scriptural Authority, Reason, and Action. Proceedings of a Panel at the 14th World Sanskrit Conference, Kyoto, September 1-5, 2009. -
2013
Titel A Contribution of Vedanta to the History of Mimamsa. Prakasatman's interpretation of 'verbal effectuation' (sabdabhavana). Typ Book Chapter Autor Hugo D