Neue-Musik-Festivals als Agorai: Ihre Genese und Wirkung
New Music Festivals as Agorai: Their Formation and Impact
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (10%); Kunstwissenschaften (60%); Soziologie (30%)
Keywords
-
Contemporary Music,
New Music Festival,
Social Reception Of Music,
Musical Interpretation,
Music Mediation/Education,
Cultural Studies In Music
Die These, dass Neue-Musik-Festivals die Entwicklungsgeschichte der Musik in den letzten Jahrzehnten stark beeinflussten und als "Agorai" auch wesentliche Ausstrahlung auf das Kulturleben der jeweiligen Metropole hatten, wäre durch die geplante Studie zu belegen. Ausgangshypothese des Projekts ist die Wende bezüglich der öffentlichen Resonanz neuer Musik seit ca. 2000 in Europa, die auf erste Impulse in den 1980er Jahren zurückgehen dürfte. Nach einigen Nachkriegsjahrzehnten im defensiven Nischen-Status erweitern sich nun die Wirkungs-Radien dieser Musikszene, u.a. als zusehends offene aktive Foren in Europa. Wachsende Aktivitäten manifestieren sich seit den 1980er Jahren auch in vielen Gründungen von Neue-Musik-Festivals und Ensembles. Die Festivals in den Hauptstädten von drei verschiedenen europäischen Staaten und Sprachräumen - unter Berücksichtigung der osteuropäischen Sphäre -, versprechen Aufschluss über die Genese und Wirkung solcher Zentren neuer Musik: das wohl bedeutendste und auch schon vor Solidarnosc und vor der Wende 1989 internationalste osteuropäische Festival "Warschauer Herbst" (Polen, erstmals 1956), das "Festival d`Automne" in Paris (Frankreich, erstmals 1972, neue Musik zeitgenössisches Theater und Tanz) sowie "Wien Modern" (Österreich, erstmals 1988). Größe, Binnenstruktur und Hauptstadt-Status geben gerade diesen drei Festivals besonderes Gewicht, wobei kulturelle und asynchrone bzw. synchrone Interdependenzen oder Abgrenzungen erwartet werden. Neue-Musik-Feste sind ein signifikanter Teil des Musik-Marktes, etwa auch des Festival-Tourismus, geworden. Sie spiegeln zusehends einen "postmodernen" Zeitgeist, der auch alte kulturelle Grenzen verwischt. Pluralistische ästhetische und interdisziplinäre Öffnungen korrespondieren mit erhöhter Aufmerksamkeit für alternative Konzertformate und mit Professionalisierungen sowohl im Management, in der Öffentlichkeitsarbeit, der Musikvermittlung und in den Medien. Wesentlicher Teil des Erfolgs sind die Akteure (z.B. KuratorInnen, KomponistInnen und MusikerInnen), deren Lebenswege in ausgewählten biographischen Portraits näher analysiert werden. Dieses Projekt würde dem Thema als erste musikwissenschaftlich verankerte methodisch vielschichtige Studie nachspüren. Es würde nicht nur die internationale Szene der neuen Kunstmusik erstmals exemplarisch länderübergreifend bearbeiten, sondern es könnte auch, von Österreich aus, ein Mittler zwischen nationalen Kulturen der Musikforschung und deren Nachbardisziplinen werden. Die "Cultural Turns" eröffnen dabei flexible interdisziplinäre und interkulturelle Aktivitäten und erlauben, Musik als Praxis zu verstehen, eine Prämisse des Projekts. Der multiperspektivische Ansatz der Studie reicht von explorativer Archiv-Arbeit über musiksoziologische Ansätze (quantitativ und qualitativ), historiographische Zugriffe (auch Synchronschnitt), biographische Portraits, Musikanalyse bis hin zu Analysen von Aspekten des Musikmanagements, der Öffentlichkeitsarbeit und der Musikvermittlung. Das Projekt hätte eine eigene Website und würde ein internationales interdisziplinäres Symposium u.a. mit WissenschaftlerInnen, KuratorInnen und KünstlerInnen durchführen und eine multimediale Abschluss- Publikation zeitigen. Alle drei Festivals haben ihre Unterstützung für das Projekt schriftlich zugesichert und erwarten ebenso wie die Antragstellerin auch nachhaltige positive Disseminationseffekte.
Dieses Forschungsprojekt verfolgte die Entwicklungsgeschichte der zeitgenössischen (Kunst-)Musik seit ca. 1980 am Beispiel von drei großen Festivals der zeitgenössischen (Kunst-)Musik in Paris, Warschau und Wien und geht dabei von einem Grundverständnis der Musik als kultureller Praxis aus. Festivals in diesen Hauptstädten von drei verschiedenen europäischen Staaten und Sprachräumen, stehen unter Berücksichtigung des osteuropäischen Sphäre im Zentrum: das in Osteuropa wohl bedeutendste und auch schon vor Solidarnosc und vor der Wende 1989 internationalste osteuropäische Festival "Warschauer Herbst" (Polen, seit 1956), das "Festival d'Automne Paris (Frankreich, seit 1972, zeitgenössische (Kunst-) Musik neben zeitgenössischem Theater und Tanz) sowie "Wien Modern" (Österreich, seit 1988). Größe, Binnenstruktur und Hauptstadt-Status geben gerade diesen drei Festivals besonderes Gewicht. West-Europa hat mit seinem hohen Ausmaß an Aktivitäten in der zeitgenössischen (Kunst-)Musik einen weltweiten Sonderstatus. Viele Indizien belegen die positive Wende bezüglich der öffentlichen Resonanz dieser Musik seit ca. 2000, die auf erste Impulse in den Gründerjahren von spezialisierten Ensembles und Festivals seit ca. 1980 zurückgehen. Die entsprechenden Festivals sind inzwischen als offene Foren ein signifikanter Teil des Musik-Marktes, etwa auch des Festival-Tourismus. Ihre Wirkungs-Radien erweiterten sich auch ästhetisch und spiegeln zusehends den für Vieles offenen und auf Kreativität Bezug nehmenden Zeitgeist kultur-orientierter Städte, der auch alte kulturelle Grenzen verwischt. Pluralistische ästhetische und interdisziplinäre Öffnungen korrespondieren mit erhöhter Aufmerksamkeit für alternative Konzertformate und mit Professionalisierungen sowohl im Management, in der Öffentlichkeitsarbeit und den Medien, der Publikums-Bezogenheit als auch bezüglich der Musikvermittlung. Wesentlicher Teil des Erfolgs sind die Aktiven dieser Festivals, insbesondere ihre Kuratorlnnen, Komponistlnnen und Musikerlnnen, deren Lebenswege in ausgewählten biographischen Portraits näher analysiert wurden. Das musikwissenschaftlich verankerte Projekt ging diesem Themenkomplex sowohl historisch als auch geographisch, kulturell und ästhetisch methodisch vielschichtig komparatistisch nach und vermittelt dabei auch, von Österreich aus, zwischen nationalen, insbesondere europäischen Kulturen der Musikforschung und deren Nachbardisziplinen. Wesentlicher Bestandteil des Projekts ist die umfassende und detaillierte Publikumsstudie vom Herbst 2014 mit über 1500 retournierten Fragebögen. Die Projekt-Ergebnisse wurden in verschiedenen internationalen Konferenzen und Aufsatz-Publikationen öffentlich zugänglich gemacht. Eine abschließende englischsprachige Online-Publikation (EBook) ist in Vorbereitung.
- Universität Salzburg - 100%
Research Output
- 20 Zitationen
- 6 Publikationen
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2016
Titel Commande et créativité partagée : la Sequenza xii pour basson de Luciano Berio DOI 10.7202/1037301ar Typ Journal Article Autor Velasco-Pufleau L Journal Circuit Seiten 29-37 Link Publikation -
2015
Titel Réseaux collaboratifs et création musicale. Typ Journal Article Autor Velasco-Pufleau L Journal Figures de l'art -
2016
Titel From Modernism to Postmodernism DOI 10.3726/978-3-653-06501-5 Typ Book Verlag Peter Lang, International Academic Publishers -
2016
Titel Warsaw Autumn, Wien Modern, and Festival d'Automne à Paris after the year 2000 in a comparative perspective: European or national forums for contemporary (art) music and culture. Typ Book Chapter Autor Between Universal And Local: From Modernism To Postmodernism -
2018
Titel Contemporary art music and its audiences: Age, gender, and social class profile DOI 10.1177/1029864918774082 Typ Journal Article Autor Grebosz-Haring K Journal Musicae Scientiae Seiten 60-77 Link Publikation -
0
Titel Audiences of Contemporary Art Music: Brief Report on Audience Surveys at the Festivald`Automne à Paris, Warsaw Autumn, and Wien Modern in the Autumn of 2014. Typ Other Autor Grebosz-Haring K