Spätantike und byzantinische Gewichte im Mittelmeerraum
Late Antique and Byzantine Weights in the Mediterranean Area
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (60%); Sprach- und Literaturwissenschaften (10%); Wirtschaftswissenschaften (30%)
Keywords
-
Weight,
Scales,
Byzantine Empire,
Prosopography,
Economic History,
Metrology
Das Ziel des beantragten Projekts ist eine umfangreiche Publikation, die die Entstehung, Entwicklung und Verwaltung spätantiker und byzantinischer Gewichte vom 4.10. Jh. n. Chr. im Mittelmeerraum eingehend darlegt. Basierend auf einem detaillierten Katalog soll eine Typologie der Gewichte erarbeitet und in ein damit verknüpftes chronologisches Gerüst eingepasst werden. Gewichte sind unerlässliche Instrumente eines geregelten Handels und Münzverkehrs. Mit ihnen lassen sich die Binnen- und Fernhandelsbeziehungen des spätantiken und Byzantinischen Reiches aufzeigen. Die Inschriften und Monogramme von Beamten auf den Gewichten sind eine wichtige prosopografische Quelle, die uns Einblicke in die Verwaltungsstruktur gibt. Anhand ihrer Verbreitung lassen sich die Größe des Wirkungskreises der einzelnen hierarchischer Ebenen herausarbeiten. Von entscheidender Bedeutung wird es sein, jene ereignisgeschichtlichen Entscheidungen aufzuzeigen, die zur Einführung neuer Gewichtsformen geführt haben. Schließlich soll der Einfluss des byzantinischen Gewichtssystems auf die Regionen außerhalb der Reichsgrenzen beleuchtet werden.
In der Archäologie und Numismatik stellen spätantike und byzantinische Gewichte ein Forschungsdesiderat dar, Numismatiker betrachten sie sogar als "paranumismatische" Objekte. Daher ist es kaum verwunderlich, dass bis heute keine umfassende Publikation, sondern nur allgemeine Zusammenfassungen zu diesem Thema existieren.Gewichte zum Wiegen von Waren und Münzen sind ein wichtiger Kontrollmechanismus eines funktionierenden Staates. Sie garantieren korrekte Steuereinnahmen und eine transparente Kontrolle für die Bürger/innen. Letztendlich war es das Ziel, Vertrauen in die Regierung und den Markt zu schaffen. Ohne ein solches System würden geregelte Steuerzahlungen, der Austausch von Waren und eine kontrollierte Zirkulation von Geld nicht ordnungsgemäß funktionieren. Die Gesetzestexte des Codex Theodosianus und ihre Novellen unter Justinian I. zeigen nachdrücklich, dass den geprüften Gewichten und ihrer ordnungsgemäßen Lagerung große Bedeutung zugekommen ist.Spätantike und byzantinische Gewichte wurden in verschiedenen Formen und verschiedenen Materialien wie Kupferlegierungen, Blei, Silber, Glas oder Stein hergestellt. Sie sind hauptsächlich durch griechische Nennwertmarken gekennzeichnet, die ihr Gewicht angeben. Die Gestaltung der Oberfläche kann von einfachen Gravuren zu komplexen figurativen und architektonischen Bildern die mit verschiedenen Metallen eingelegt sind, gestaltet sein.Die Größe des spätantiken und späteren byzantinischen Reiches war eine große logistische Herausforderung in Bezug auf die Einführung und Aufrechterhaltung eines einheitlichen Gewichtssystems. Heute sind Waagen und Gewichte eine Selbstverständlichkeit, aber ein internationales Einheitensystem ("Système international dunités" - abgekürzt SI) wurde erstmals 1960 eingeführt und in den folgenden Jahrzehnten etabliert.Die meisten Gewichte wurden überwiegend verwendet, um Geld allen voran Goldmünzen - zu wiegen. Die drei wichtigsten Goldnominale waren der Solidus von etwa 4,5 g und seine beiden Fraktionen, der Semissis (etwa 2,25 g) und der Tremissis (etwa 1,5 g). Der Solidus bestand aus 24 Karat (24 ???????).Die Goldmünzen wurden in erster Linie vom Staat verwendet, um die Löhne für Soldaten oder Beamten auszuzahlen. Zugleich sammelte der Staat von seinen Bürgern Steuern, vor allem in Form von Goldmünzen ein. Um die Liquidität des byzantinischen Staates zu gewährleisten, musste dieser mehr Geld durch Steuern einnehmen, als er ausgab. Es wird geschätzt, dass im 6. Jahrhundert n. Chr. die Steuereinnahmen bei etwa 4,8 Millionen Solidi pro Jahr aus den Einnahmen der Präfekturen lagen; drei Viertel davon alleine aus der Präfektur Oriens. Darüber hinaus wurden Steuereinnahmen von Finanz- und Domainverwaltungen erhoben. Für all diese Finanztransaktionen musste Geld von Staatsbeamten gewogen und kontrolliert werden.Aus der metrologischen Sicht ist es offensichtlich, dass die geprägten Münz- und Glasgewichte erstaunlich genau kalibriert wurden.
Research Output
- 48 Zitationen
- 5 Publikationen
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2016
Titel Akdeniz Dünyasinda Gec Antik ve Bizans Agirliklari. Typ Journal Article Autor Tobias B Journal Toplumsal Tarih -
2015
Titel Glass Weights. Typ Book Chapter Autor O. Tekin (Ed.) -
2016
Titel Comprehensive Chemical Characterisation of Byzantine Glass Weights DOI 10.1371/journal.pone.0168289 Typ Journal Article Autor Schibille N Journal PLOS ONE Link Publikation -
2013
Titel Il peso monetale. Note cronotipologiche e distributive. Typ Book Chapter Autor P. M. De Marchi (Ed.) -
2014
Titel Souvenir aus dem Orient? Ein fatimidischer Glasstempel aus szöny (Brigetio). (Keleti emléktrgy? Egy fatimida üvegpecsét szönyröl (Brigetio)). Typ Book Chapter Autor A. Anders