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Keramik und andere Funde aus dem ´Westkomplex´ in Ägina-Kolonna

Pottery and other finds from the ´Westkomplex´ at Aegina Kolonna

Gudrun Klebinder-Gausz (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P25663
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.08.2013
  • Projektende 31.05.2020
  • Bewilligungssumme 275.194 €

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (20%); Andere Naturwissenschaften (5%); Biologie (5%); Geschichte, Archäologie (70%)

Keywords

    Aegina, Cult, Greece, Pottery, History, Networks

Abstract Endbericht

Der heute als Kolonna bekannte, ins Meer vorkragende Hügel im Nordwesten der griechischen Insel Ägina ist die Akropolis der antiken Inselhauptstadt. An seinem äußeren Kapabbruch liegt der so genannte Westkomplex ein groß angelegter Baukomplex aus mehreren miteinander verbundenen kleinen Räumen und Höfen, der nach einer ersten Einschätzung der Funde im Laufe der spätarchaischen Periode gegründet und nach einer Phase der Verödung in mittelhellenistischer Zeit wieder errichtet wurde. Seine prominente Lage, die Struktur, sorgfältige Bauweise und das Formenspektrum der Funde ließen seit jeher eine besondere Bedeutung dieses Gebäudes vermuten. Zudem haben die jüngeren Ausgrabungen gezeigt, dass dieses Areal bereits in der proto- und frühgeometrischen Periode als Grabstätte verwendet worden war. Unser Projekt möchte einen Beitrag leisten zur ganzheitlichen Erforschung der Geschichte des Areals des Westkomplexes`. Es bietet sich hier die einzigartige Chance, in Kolonna ein bedeutendes Monument der historischen Periode in seinem Gesamtkontext zu analysieren, da solche Studien bisher nicht möglich waren. Durch eine sorgfältige Analyse der Funde vor allem Keramik, Terrakotten und Schmuck sowie menschliche Skelette innerhalb ihres archäologischen, Objekt-spezifischen und kulturellen Kontextes möchten wir die Chronologie und Entwicklung dieses Areals sowie diachrone Veränderungen oder Kontinuitäten seiner Funktion nachvollziehen. Eine grundlegende Frage betrifft den Wandel des Platzes von einem früheisenzeitlichen Grabbezirk zu einem kultischen oder sakralen Ort im Laufe der archaischen Periode. Zudem müssen die Hypothese der Ausgräber einer rituellen oder kultischen Funktion in Zusammenhang mit der Abhaltung von Symposien des spätarchaisch- klassischen und hellenistischen Westkomplexes` überprüft und die Frage nach einer eventuellen Verbindung zu anderen Kulteinrichtungen auf der Akropolis diskutiert werden. Eine weitere Frage von großem Interesse ist, wie sehr die Geschichte des Westkomplexes` mit den wechselvollen historischen Entwicklungen Äginas in Zusammenhang steht, insbesondere mit seinem Aufstieg zu einer der bedeutendsten Handelsmächte und einem wichtigen Zentrum der griechischen Welt in der archaischen und klassischen Zeit, der Eroberung und Vertreibung der lokalen Bevölkerung durch Athen 456 und 431 v. Chr. und der Übernahme durch die Attaliden im späten 3. Jh. v. Chr. Durch die intensive Analyse der Fundkeramik einschließlich naturwissenschaftlicher Untersuchungen sollen zudem weitere Erkenntnisse über die lokale Keramikproduktion und die äginetischen Handelsverbindungen gewonnen werden. Auf diese Weise kann das geplante Projekt nicht nur zur Klärung der Geschichte des Westkomplexes` beitragen, sondern auch unser nach wie vor unzureichendes Wissen über die allgemeine Entwicklung der Akropolis von Kolonna sowie über den Handel und die Wirtschaft Äginas erweitern.

Im Mittelpunkt dieses interdisziplinären Projekts steht der sogenannte 'Westkomplex' in Kolonna auf der griechischen Insel Ägina und seine Chronologie, Funktion und Entwicklung von der protogeometrischen bis zur hellenistischen Zeit. Das Hauptziel des Projekts war eine kontextuelle und ganzheitliche Analyse der materiellen Überlieferung, d.h. vor allem der Keramik, aber auch der Terrakotten, Textilutensilien, Metallobjekte sowie der menschlichen und tierischen Überreste. Unsere Studie konnte nicht nur die Rolle des 'Westkomplexes' innerhalb der Entwicklung des Heiligtums am Kolonna-Hügel und im weiteren Rahmen der Geschichte Äginas klären. Sie erbrachte auch Einblicke in lokale Prozesse, soziale Praktiken und technische Entwicklungen. Die detaillierte Analyse der chronologischen Abfolge machte deutlich, dass Gründung und Aufgabe der verschiedenen Baueinheiten des 'Westkomplexes' mit allgemeinen Phasen des architektonischen Ausbaus beziehungsweise Niedergangs von Kolonna sowie mit Schlüsselmomenten der Geschichte Äginas zusammenhängen. So erfolgte die Gründung des 'Westkomplexes' um 480 v. Chr. in einer Zeit, als Ägina den Höhepunkt seiner wirtschaftlichen und politischen Macht erreicht hatte und sich dies in einer massiven inselweiten Bautätigkeit niederschlug. Die Aufgabe des frühklassischen 'Westkomplexes' steht höchstwahrscheinlich mit der Vertreibung der äginetischen Bevölkerung durch die Athener im Jahr 431 v. Chr. in Zusammenhang. Die Errichtung eines neuen Gebäudes fällt in die Zeit der Etablierung der pergamenischen Macht über Aegina im Jahr 210 v. Chr. Aus der stilistischen und quantitativen Analyse des Fundmaterials aus dem frühklassischen 'Westkomplex' kann auf die Lagerung und Zubereitung von Nahrung, auf ausgiebige Trink- und Speisetätigkeit sowie auf rituelle Aktivitäten geschlossen werden. Es ist anzunehmen, dass hier große Versammlungen stattfanden, möglicherweise ausgerichtet von einer zivilen Gemeinschaft, welche die prominente Lage des Ortes und seine Nähe zum Heiligtum aus kultischen oder einfach aus Prestigegründen nutzte. Frühere Hypothesen, wonach der klassische 'Westkomplex' eine Stätte für Ahnen- oder Heldenverehrung ist, bleiben plausibel, können aber nicht schlüssig belegt werden. Gemeinsame Trink- und Speisetätigkeiten sowie rituelle Aktivitäten sind auch im hellenistischen 'Westkomplex' bezeugt. Hinweise auf diachrone Aktivitäten oder funktionale Kontinuitäten zwischen den klassischen und hellenistischen Strukturen fehlen jedocch. Rituelle Aktivitäten in Verbindung mit Trinken und Essen lassen sich in diesem Areal bereits im 7. und 6. Jh. v. Chr., noch vor der Errichtung des frühklassischen Gebäudekomplexes, nachweisen. Diese fanden vermutlich in Zusammenhang mit einzelnen Steinmonumenten statt. Bioarchäologische Untersuchungen lieferten zudem wichtige Erkenntnisse zum früheisenzeitlichen Gräberfeld im Areal des späteren 'Westkomplexes', zu seiner Chronologie und zur Rekonsturktion von Ernährungsgewohnheiten. Eine kontinuierliche rituelle Tradition vom früheisenzeitlichen Gräberfeld bis zum frühklassischen 'Westkomplex'' konnte nicht eindeutig festgestellt werden. Die naturwissenschaftliche Analyse einer Reihe von Keramikproben aus dem 'Westkomplex' konnte Fragen zur Entwicklung der lokalen Kochkeramikproduktion und zu Keramikimporten klären. Die stilistischen und naturwissenschaftlichen Analysen bestätigten das bereits bekannte Bild der auf Ägina vertretenen Importkeramik und erbrachten einige zusätzliche Erkenntnisse über transägäische Austauschmechanismen.

Forschungsstätte(n)
  • Medizinische Universität Wien - 6%
  • Universität Salzburg - 94%
Nationale Projektbeteiligte
  • Fabian Kanz, Medizinische Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Evangelia Kiriatzi, British School at Athens - Griechenland

Research Output

  • 10 Publikationen
Publikationen
  • 2024
    Titel 2 What Makes Aeginetan Cooking Pots So Special? Technological Choices in Ancient Aegina’s Pottery Production
    DOI 10.1515/9783111189635-002
    Typ Book Chapter
    Autor Klebinder-Gauß G
    Verlag De Gruyter
    Seiten 13-24
  • 2024
    Titel Connecting Activities and Space: The Case of the 'Westkomplex' in Aigina-Kolonna
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Klebinder-Gauß G
    Konferenz Interpreting the Pottery Record from Geometric and Archaic Sanctuaries in the Northwestern Peloponnese
    Seiten 347-362
  • 2017
    Titel Äginetische Keramik. Produktion und Verbreitung in prähistorischer und historischer Zeit
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Gauß Wa
    Konferenz 50 Jahre Archäologie an der Paris Lodron-Universität Salzburg, Workshop Salzburg 14. Dezember 2016
    Seiten 23-34
  • 2020
    Titel Rituelle Aktivitäten im frühhellenistischen Westkomplex von Ägina-Kolonna? Überlegungen zu Schalen mit Gefäßaufsätzen und Mehrfachlampen
    Typ Other
    Autor Klebinder-Gauß Gu
    Seiten 193-202
  • 2023
    Titel "Topfverkäuferin" und "Eiter im Auge des Piraus": Aigina, Handelsmacht und Rivalin Athens; In: Ein anderes Griechenland. 125 Jahre Forschungen des Österreichischen Archäologischen Instituts in Athen
    Typ Book Chapter
    Autor Klebinder-Gauß G
    Verlag Verlag Kapon
    Seiten 408-417
  • 2019
    Titel Dining with the Ancestors. The 'Westkomplex' in Aegina-Kolonna
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Klebinder-Gauß Gu
    Konferenz Beyond the polis. Rituals, rites and cults in Early and Archaic Greece (12th‑6th CENTURIES BC), Proceedings of the International Conference beyond the Polis. Ritual Practices and the Construction of Social Identity in Early Greece (12th - 6th centuries B.C.), 24-26 September 2015, Brussels ULB
    Seiten 115-132
  • 2015
    Titel Aegina: An important centre of the production of cooking pottery from the prehistoric to the historic era
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Gauß Wa
    Konferenz Ceramics, Cuisine and Culture
    Seiten 65-74
  • 2015
    Titel An Aeginetan potters's workshop in Athens?
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Klebinder-Gauß Gu
    Konferenz The Transmission of Technical Knowledge in the Production of Ancient Mediterranean Pottery, Proceedings of the International Conference, Athen, 23.-25. November 2012
    Seiten 77-95
  • 2015
    Titel Introduction
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Gauß Wa
    Konferenz The Transmission of Technical Knowledge in the Production of Ancient Mediterranean Pottery, Proceedings of the International Conference, Athen, 23.-25. November 2012
    Seiten 7-15
  • 2015
    Titel Opportunity in Scarcity: Environment and Economy on Aegina
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Gauß Wa
    Konferenz Multiple Mediterranean Realities. Current Approaches to Spaces, Resources and Connectivities
    Seiten 67-91

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