Die Jagd nach neuen antifungalen Strategien: das antifungale Protein PAF
Hunting for new antifungal strategies: the antifungal protein PAF
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (70%); Medizinische Biotechnologie (30%)
Keywords
-
Antifungal Protein,
Mutated Protein Variants,
NMR,
Plasma Membrane Interactions,
Insect Mini-Host Model
Das niedermolekulare, kationische, Cystein-reiche und antifungale Protein PAF aus Penicillium chrysogenum ist toxisch für zahlreiche pflanzen- und opportunistische zoo- und humanpathogene filamentöse Ascomyceten (Schimmelpilze). Nuklear Magnet Resonanz (NMR) Spektroskopie Experimente und die Anwendung mutierter PAF Varianten zeigten, dass bestimmte Motive auf der Proteinoberfläche an der Regulation der Interaktion mit Pilzen beteiligt sind. Unsere bisherigen Daten lassen darauf schließen, dass die pilzliche Plasmamembran eine zentrale Rolle spielt in der Bindung und Aufnahme von PAF in die Pilzzellen und im Auslösen von zellulären Signaltransduktionswegen. Unsere Resultate zeigen außerdem, dass PAF mit spezifischen Lipidkomponenten der Plasmamembran interagiert und - in Kombination verwendet - die Effizienz von herkömmlichen Membran- interagierenden Antimykotika, z. B. Azolen, signifikant verbessern kann. Die antifungale Aktivität sowie der Umstand, dass PAF in vitro keine negativen Effekte auf primäre Säugetierzellen aufweist, machen PAF zu einem vielversprechenden Kandidaten zur Entwicklung neuer und effizienter antifungaler Strategien, die in der Medizin, in der Landwirtschaft und in der Nahrungsmittelindustrie zur Behandlung und Bekämpfung von Pilzinfektionen erfolgreich eingesetzt werden können. Ein detailliertes Wissen über den Wirkungsmechanismus von PAF ist daher besonders wichtig. Wir wollen in unserem Projekt folgende Aspekte untersuchen: Variation der PAF Toxizität durch Stellen-spezifische Mutagenese: Herstellung und Produktion mutierter PAF Varianten in einer P. chrysogenum paf-Deletionsmutante für Struktur/Funktionsanalysen Charakterisierung der Interaktion von PAF mit sensitiven Pilzen: pharmakologischer Ansatz zur Modulierung der Lipidbestandteile der pilzlichen Membran und Untersuchung der Effekte auf die PAF-Sensitivität von Schimmelpilzen; Austesten der PAF-Sensitivität von Mutanten mit Defekten im Lipidmetabolismus; Protein-Lipid Interaktionsassay zur Untersuchung der Rolle bestimmter Proteinmotive auf der Oberfläche von PAF in der Lipidbindung; NMR Spektroskopie zur Analyse der Interaktion von PAF und mutierten PAF Varianten mit der Pilzmembran; Mikroskopische Fluoreszenzstudien zur Bindung und Aufnahme von PAF und mutierten PAF Varianten in Schimmelpilzen Das antimykotische Potential von PAF als Bestandteil einer Kombinationstherapie in vitro und in einem Insekten- Tiermodell (in vivo). Zusätzlich zu einem detailliertem Wissen über das antifungale Potential von PAF, trägt unser Projekt zu einem besseren Einblick in spezifische zelluläre Prozesse von Schimmelpilzen bei, die weniger gut verstanden werden als in anderen, besser charakterisierten pilzlichen Modellorganismen wie z.B. Hefen. Darüberhinaus ist zu erwähnen, dass unser Projekt zur deutlichen Verbesserung und Verfeinerung von Techniken in der NMR Sprektroskopie beitragen wird.
Das Auftreten von Pilzinfektionen und die rasche Entwicklung von Resistenzen gegen vorhandene Therapien ist in den letzten Jahrzehnten dramatisch angestiegen. Neue, kostengünstige antimykotische Therapiemöglichkeiten ohne schwere Nebenwirkungen für den infizierten Wirt sind daher dringend erforderlich. Das Penicillium chrysogenum AntiFungale Protein PAF wird vom Penicillin-produzierenden Schimmelpilz P. chrysogenum gebildet und hat großes Potenzial für die Entwicklung neuer antimykotischer Therapien, da es das Wachstum von human-, tier- und pflanzen- pathogenen Pilzen hemmt. Das primäre Ziel dieses Projektes war es, Struktur und Funktion genauer kennen zu lernen, um PAF in Zukunft richtig nutzen zu können bzw. seine antifungale Effizienz durch rationales Proteindesign sogar noch zu verbessern. Mithilfe der Herstellung und genauen Analyse von PAF Varianten, in denen bestimmte Aminosäuren (AS) ausgetauscht wurden, konnten wichtige Einblicke gewonnen werden, wie sich diese Veränderungen auf Struktur und Funktion auswirken. Um eine große Menge von korrekt gefalteten Proteinvarianten in bester Qualität für diese Analysen zu produzieren, wurde ein Proteinexpressionssystem entwickelt, das den PAF Produzenten selbst, P. chrysogenum, als Proteinfabrik verwendet und eine einfache, kostengünstige Reinigung der rekombinant hergestellten PAF Varianten aus dem Kulturüberstand ermöglicht. Analysen der Proteinstruktur mittels Kernspinresonanz (NMR) Spektroskopie ergaben, dass die AS Austäusche die 3D Proteinstruktur wenig veränderten, aber einen signifikanten Einfluss auf die Oberflächeneigenschaften (z.B. die Oberflächenladung) der Proteinvarianten hatte, was sich z.T. auf Proteinbereiche auswirkte, die weit von der Mutationsstelle entfernt liegen. Diese Veränderungen beeinträchtigen die Bindung der PAF Varianten an die Pilzzellen, verhindert deren Aufnahme und Interaktion mit intrazellulären Signalwegen, die für die Proteinfunktion wichtig sind, und führten zu einem Verlust der antifungalen Aktivität. Weiters konnten wir beobachten, dass die Struktur von PAF nicht statisch ist, sondern ein geringer Prozentsatz von PAF strukturell variiert, was ebenfalls dessen Funktion beeinflussen könnte. Der Tatsache, dass Kalziumionen aus dem umgebenden Medium die antifungale Wirkung von PAF neutralisieren kann, wurde nachgegangen, und unsere Analysen ergaben, dass PAF Kalziumionen binden kann, aber diese Interaktion keinen Einfluss auf die Proteinfunktion hat. Die Bedeutung dieser Bindung wird weiter untersucht. Auf der Suche nach möglichen PAF-Interaktionspartnern untersuchten wir im Speziellen die Lipidzusammensetzung der Zellmembranen des PAF- sensitiven Modellpilzes Neurospora crassa und deren Rolle in der PAF-Sensitivität. Dies gewährte uns neue Einblicke in mögliche Zielmoleküle für die Entwicklung neuer antifungaler Wirkstoffe. Schließlich wurde die Struktur und Funktion von PAF-verwandten antifungalen Proteinen aus den Zitrusfrüchte-infizierenden Schimmelpilzen Penicillium digitatum und Penicillium expansum charakterisiert. Es wurden Strukturmotive identifiziert, die die antifungale Aktivität bestimmen, und die Speziesspezifität dieser antifungalen Proteine nachgewiesen, die in der Haltbarmachung von Lebensmitteln und im Pflanzenschutz einsetzbar sein könnten. Die Ergebnisse dieses Projekts tragen wesentlich zu Verständnis von Struktur und Funktion von PAF und verwandten Proteinen bei - eine wichtige Voraussetzung zur Entwicklung neuartiger Medikamente mit neuem Wirkungsmechanismus. Aus diesem Grund ist unsere Forschung für eine zukünftige Anwendung von antifungalen Proteinen aus Schimmelpilzen in der Landwirtschaft und in der Medizin von extrem wichtiger sozial-ökonomischer Bedeutung.
- Gyula Batta, University of Debrecen - Ungarn
Research Output
- 353 Zitationen
- 11 Publikationen
-
2017
Titel D19S Mutation of the Cationic, Cysteine-Rich Protein PAF: Novel Insights into Its Structural Dynamics, Thermal Unfolding and Antifungal Function DOI 10.1371/journal.pone.0169920 Typ Journal Article Autor Sonderegger C Journal PLOS ONE Link Publikation -
2017
Titel Mapping and Identification of Antifungal Peptides in the Putative Antifungal Protein AfpB from the Filamentous Fungus Penicillium digitatum DOI 10.3389/fmicb.2017.00592 Typ Journal Article Autor Garrigues S Journal Frontiers in Microbiology Seiten 592 Link Publikation -
2018
Titel Calcium binding of the antifungal protein PAF: Structure, dynamics and function aspects by NMR and MD simulations DOI 10.1371/journal.pone.0204825 Typ Journal Article Autor Fizil Á Journal PLOS ONE Link Publikation -
2018
Titel Three Antifungal Proteins From Penicillium expansum: Different Patterns of Production and Antifungal Activity DOI 10.3389/fmicb.2018.02370 Typ Journal Article Autor Garrigues S Journal Frontiers in Microbiology Seiten 2370 Link Publikation -
2020
Titel Two small, cysteine-rich and cationic antifungal proteins from Penicillium chrysogenum: A comparative study of PAF and PAFB DOI 10.1016/j.bbamem.2020.183246 Typ Journal Article Autor Huber A Journal Biochimica et Biophysica Acta (BBA) - Biomembranes Seiten 183246 Link Publikation -
2019
Titel Membrane Sphingolipids Regulate the Fitness and Antifungal Protein Susceptibility of Neurospora crassa DOI 10.3389/fmicb.2019.00605 Typ Journal Article Autor Huber A Journal Frontiers in Microbiology Seiten 605 Link Publikation -
2019
Titel Cysteine-Rich Antifungal Proteins from Filamentous Fungi are Promising Bioactive Natural Compounds in Anti-Candida Therapy DOI 10.1002/ijch.201800168 Typ Journal Article Autor Galgóczy L Journal Israel Journal of Chemistry Seiten 360-370 Link Publikation -
2019
Titel Do Antimicrobial Proteins Contribute to Overcoming the Hidden Antifungal Crisis at the Dawn of a Post-Antibiotic Era? DOI 10.3390/microorganisms7010016 Typ Journal Article Autor Galgóczy L Journal Microorganisms Seiten 16 Link Publikation -
2016
Titel A Penicillium chrysogenum-based expression system for the production of small, cysteine-rich antifungal proteins for structural and functional analyses DOI 10.1186/s12934-016-0586-4 Typ Journal Article Autor Sonderegger C Journal Microbial Cell Factories Seiten 192 Link Publikation -
2015
Titel Protein kinase A signaling and calcium ions are major players in PAF mediated toxicity against Aspergillus niger DOI 10.1016/j.febslet.2015.03.037 Typ Journal Article Autor Binder U Journal FEBS Letters Seiten 1266-1271 Link Publikation -
2015
Titel “Invisible” Conformers of an Antifungal Disulfide Protein Revealed by Constrained Cold and Heat Unfolding, CEST-NMR Experiments, and Molecular Dynamics Calculations DOI 10.1002/chem.201404879 Typ Journal Article Autor Fizil Á Journal Chemistry – A European Journal Seiten 5136-5144 Link Publikation