Historische und philologische Aufarbeitung der Korrespondenz Ján Albrechts
Historical and philological assessment of the correspondence from Ján Albrecht
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (100%)
Keywords
-
Ján Albrecht,
Estate,
Correspondence,
Investigation,
Cultural,
Outgoing/Incoming
Jn Albrecht (1919-1996) war ein slowakischer Musikwissenschaftler, Geiger und Bratschist, Pädagoge und Kunsthistoriker, sowie Autor von verschiedenen Studien im kulturellen und historischen Bereich, insbesondere in Zusammenhang mit Fragen des musikalischen Stils sowie der Interpretation Alter Musik. 1972 gründete Albrecht das Ensemble Musica aeterna, das erste Alte Musik-Ensemble der Slowakei, ebenso initiierte er die Alte Musik- Bewegung in seinem Heimatland. In der kommunistischen Ära galt Jn Albrecht als Garant der kulturellen Verbindungen zwischen der Slowakei und Österreich, besonders zwischen Bratislava und Wien. Trotz der durch die führende Partei verhängten Verbote versuchte er, den grenzüberschreitenden Dialog zwischen den benachbarten Ländern aufrechtzuerhalten. Damit pflegte er die Tradition seiner Familie, die bereits zur Zeit der österreichisch- ungarischen Monarchie um eine intensive Verbindung zu Österreich, insbesondere zu Wien, bemüht war. Bereits vor der Wende hat Jn Albrecht durch alle ihm möglichen Wege die Wiener Kultur einem verborgenen Studentenkreis nahegebracht. Dieser "geheime" Unterricht fand in seinem Haus in der Kapitulsk Straße (im sogenannten "Geheimkonservatorium") in der Altstadt von Bratislava statt. Durch den Bezug zu seinen Verwandten und Bekannten, die während des Zweiten Weltkriegs ins Exil gegangen sind, und die ihm über die neuesten Entwicklungen der modernen Strömungen berichteten, blieb er immer auf dem aktuellsten Informationsstand. Als Regimekritiker und politisch unzuverlässige Person war es Jn Albrecht kaum gestattet, die slowakische Grenze zu übertreten. Im Briefwechsel blieb er aber mit seinen Freunden weltweit in Kontakt. In seinem Nachlass befinden sich insgesamt 5.272 Briefe, sowohl eingehende als auch von ihm ausgehende (Albrecht machte Kopien von all seinen selbstverfassten Briefen). Unter seinen Brief-Freunden sind auch international bekannte Persönlichkeiten zu finden (siehe Kapitel 2.1.). Die gesamte Korrespondenz liefert den Beweis eines geistigen Austauschs zwischen Österreich und der Slowakei innerhalb eines geschlossenen politischen Systems, das diesen Austausch vorerst unmöglich erscheinen ließ. Jn Albrechts Korrespondenz wird unter der Signatur MUS LVI in der Musiksammlung des Slowakischen Nationalmuseums aufbewahrt. Die Korrespondenz bedarf einer wissenschaftlichen Aufarbeitung, mit welcher sich das eingereichte FWF-Forschungsprojekt auseinandersetzten wird. Das FWF-Forschungsprojekt hat folgende drei Ziele: a. Verfassen und Herausgabe der Dissertation: Mithilfe der Analyse von 5.272 Briefen, die sich im Nachlass der Albrecht-Familie befinden, wird man in der Lage sein, den Kulturaustausch zwischen der Slowakei und Österreich und weltweit zur Zeit Jn Albrechts dokumentieren zu können, b. Vorbereitung und Herausgabe der kritischen Edition von ausgewählten Briefen (die Briefe wurden hauptsächlich auf Deutsch verfasst, ebenso existieren Briefe auf Slowakisch und vereinzelt auf Ungarisch, Englisch und Französisch), c. Vorbereitung einer Datenbank der Briefe Jn Albrechts (ein- und ausgehende Korrespondenz, Briefkontakte, Inhalte, fehlende Korrespondenz).