Ressourcendegradierung und Ökosystemdienstleistungen bei Allmendegütern
Resource degradation and ecosystem services in common pool resources
Wissenschaftsdisziplinen
Wirtschaftswissenschaften (100%)
Keywords
-
Economic Experiments,
Cooperation,
Common-Pool Resources,
Voluntary Contributions,
Ecosystem Services,
Group Heterogenity
Die Literatur zu Allmendegütern konzentrierte sich traditionell auf die Relevanz von negativen Produktionsexternalitäten die zu einer ineffizienten Nutzung in der Verwendung der Allmendegüter führen. Während der Fokus nur auf den Produktions- bzw. Entnahmeexternalitäten lag, hat die Literatur weitgehend die Relevanz der Ökosystemdienstleistungen, die von der Ressource bereitgestellt werden, vernachlässigt. Diese Dienstleistungen erzeugen ein öffentliches Gut, dass durch Übernutzung, im Wert vermindert wird. Die vorgeschlagene Forschung erweitert die bisherige Literatur, indem explizit die Relevanz dieser sogenannten "Erhaltungsexternalitäten" für das Verhalten untersucht wird. Die vorgeschlagene Forschung wird in zwei verschiedenen Spiel-Situationen durchgeführt werden: i) ein lineares Verwendungsspiel, in dem nur die Erhaltungsexternalitäten auftreten, und ii) ein allgemeineres Spiel, das Produktions- und Erhaltungsexternalitäten beinhaltet. Die Forschungsverfahren wurden entwickelt, um die Verhaltensreaktionen systematisch zu untersuchen, zum Einen auf den endogenen, wahrscheinlichen Abbau der Allmendegüter durch Übernutzung, zum Anderen durch die Einführung von Institutionen die freiwillige Zahlungen zur Erhaltung des Ökosystems ermöglichen. Diese Reihe von Forschungsverfahren erweitert die bisherige Literatur durch die Untersuchung von alternativen Parametrisierungen für den wahrscheinlichen Abbau von Allmendegütern, Katastrophenereignissen eingeschlossen. Genauer gesagt untersucht das Forschungsdesign Verhaltensreaktionen ausgelöst von Veränderungen: i) der Intensität der Degradierung, ii) der Wahrscheinlichkeit, dass endogene Degradierung stattfindet und iii) das Vorliegen von einem Schwellenwert für die sichere Ausbeute oberhalb dessen die Ressource wahrscheinlich zerstört wird. Die Verhaltensfrage ist im Wesentlichen die Reaktion auf Trade-offs zwischen privatem Nutzen aus der Verwendung und dem Verlust der ökonomischen Renten, die aus dem wahrscheinlichen Abbau der Allmendegüter entstehen. Das zweite Verfahrens führt endogene Interaktion zwischen zwei Arten von Gruppen ein: die direkten Nutzer der Allmende, die von Produktions- und Erhaltungsexternalitäten betroffen sind und die Außenstehenden, die nur von den Erhaltungsexternalitäten betroffen sind. Diese experimentellen Interventionen ermöglichen Verträge zu "Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen", bei denen Außenstehende durch freiwillige Beiträge an die direkten Nutzer die Möglichkeit haben die Entnahme der Allmende Ressourcen zu verringern. Es werden drei experimentelle Interventionen analysiert, die freiwillige Zahlungen und Erhaltung verknüpfen: a) perfekte Verträge, b) Verträge mit exogener Unsicherheit und c) perfekte Verträge mit endogener Unsicherheit. In diesen Szenarien haben Außenstehende einen Zahlungsanreiz, um zur Erhaltung der Ressource beizutragen. Zugleich entstehen monetäre Anreize für Free-Rider Verhalten auf die von anderen zur Erhaltung eingezahlten Beiträge. Die Verhaltensfragen sind zum Einen inwieweit Außenstehende die Gelegenheit nutzen freiwillige Beiträge zu leisten, um die Ressourcenentnahme der direkten Nutzer zu reduzieren und zum Anderen in welchem Ausmaß reagieren direkte Nutzer hinsichtlich ihrer Verwendungsentscheidungen. Das Projekt liefert wichtige Ergänzungen zur bestehenden Literatur von Allmendegütern durch das Testen von neuen Interventionen. Ganz allgemein trägt die Forschung zum Verständnis des Einflusses von Ökosystemdienstleistungen auf das Verhalten und das Wohlbefinden von Gesellschaften in Industrie-und Entwicklungsländern bei und soll eine Ergänzung zu empirischen Feldstudien über den Wert der Ökosystemdienstleistungen sein (z.B.: Millennium Ecosystem Assessment).
Dieses Projekt umfasst zwei Themen, die in Zusammenhang mit der Erhaltung natürlicher Ressourcen stehen, nämlich Reaktionen auf einen drohenden ökologischen Zusammenbruch und das Potenzial von Subventionen durch einzelne Bürger, damit Nutzer von natürlichen Ressourcen schonender damit umgehen. Beim ersten Thema werden neue Daten zu Kontexten bereitgestellt, in denen die Nutzung natürlicher Ressourcen zu einem Zusammenbruch des Ökosystems führen kann. Die Ergebnisse zeigen unterschiedliches Verhalten verschiedener Personen. Während einige Personen gewillt sind, ihren Ressourcenverbrauch (trotz finanzieller Nachteile) einzudämmen, erachten andere den Kollaps als unausweichlich und sind daher nicht bereit, ihren Ressourcenverbrauch zu reduzieren, was zu einem sogenannten Race to the Bottom führt. Das tatsächliche Verhalten einzelner Personen wird dabei von ihren Annahmen über das Verhalten anderer beeinflusst. Pessimisten verbrauchen mehr Ressourcen und zeigen sich übermäßig pessimistisch. Deshalb könnte die Verbreitung von präzisen Informationen über das Verhalten von Personen zu einer besseren Erhaltung beitragen. Die Studie zeigt auch, dass die Bereitschaft zur Mithilfe bei Personen, die sich selbständig gegen Ressourcendegradierung (beispielsweise durch Anpassungsstrategien) schützen, sinkt. Deshalb sollten bei der Förderung von individuellen Schutzmaßnahmen wie jene zur Anpassung an den Klimawandel unbeabsichtigte Nebeneffekte, wie die niedrigere Bereitschaft von Einzelpersonen, an der Ressourcenerhaltung mitzuwirken, berücksichtigt werden. Das zweite Thema befasst sich mit der Entwicklung einer neuen Untersuchungsmethode für Entscheidungsprozesse bezüglich Ausgaben für Ökosystemdienstleistungen. Wir betrachten ein Szenario, in dem eine Untergruppe einen Beitrag zur Erhaltung des Ökosystems leisten kann, der ihr nützt (die Ökosystemdienstleister). Dieser Beitrag nützt auch einer zweiten Untergruppe, die jedoch solche Entscheidungen nicht treffen kann (die allgemeine Bevölkerung). Diese Gruppe kann jedoch den Beitrag der anderen finanziell unterstützen. Die Ergebnisse zeigen, dass eine solche finanzielle Unterstützung zur Ressourcenerhaltung jedoch begrenzt ist, wenn einzelne Personen keine Informationen über die Ökosystemdienstleister bekommen. Weder Subventionen in Form von Spenden noch als zweckgebundene Zahlungen für zusätzliche Erhaltungsmaßnahmen verbessern die Erhaltung im Vergleich mit Situationen, in denen es keine Subventionen gibt. Dies zeigt die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen, um die Interaktion zwischen Institutionen, Monitoringmöglichkeiten und finanziellen Anreizen zum erfolgreichen Einsatz von Geldmitteln für Ökosystemdienstleistungen zu beleuchten. Des Weiteren modellierten wir die Bedeutung von Institutionen für das Monitoring und die Zertifizierung von Unternehmen, wenn bei der Produktion negative Nebeneffekte (wie Umweltverschmutzung) entstehen und Unternehmen ihre Produkte fälschlicherweise als umweltfreundlich vermarkten können. Die Subvention ist hierbei der höhere Preis, den Konsumenten möglicherweise zu zahlen bereit sind, damit Unternehmen ihre Produktion umweltfreundlicher gestalten. Aus den Ergebnissen lässt sich schließen, dass Märkte mit einer hohen Zertifizierungsrate nicht unbedingt die umweltfreundlichsten Produktionsprozesse aufweisen, denn die Zertifizierung ist vor allem dann erforderlich, wenn die Betrugsrate hoch ist. Insgesamt trägt dieses Projekt dazu bei, die komplexe Beziehung zwischen Institutionen, Anreizen und der Erhaltung natürlicher Ressourcen besser zu verstehen.
- Universität Innsbruck - 100%
- James M. Walker, Indiana University - Vereinigte Staaten von Amerika
- Maria Claudia Lopez, Michigan State University - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 135 Zitationen
- 14 Publikationen
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2024
Titel Competition among public good providers for donor rewards DOI 10.1007/s10683-022-09766-7 Typ Journal Article Autor Struwe N Journal Experimental Economics Seiten 215-243 Link Publikation -
2024
Titel On fraud and certification of green production DOI 10.1111/jems.12609 Typ Journal Article Autor Arguedas C Journal Journal of Economics & Management Strategy Seiten 501-524 Link Publikation -
2021
Titel Experimental evidence on sharing rules and additionality in transfer payments DOI 10.1016/j.jebo.2021.06.012 Typ Journal Article Autor Blanco E Journal Journal of Economic Behavior & Organization Seiten 1221-1247 Link Publikation -
2015
Titel The Opportunity Costs of Conservation with Deterministic and Probabilistic Degradation Externalities DOI 10.1007/s10640-014-9868-7 Typ Journal Article Autor Blanco E Journal Environmental and Resource Economics Seiten 255-273 Link Publikation -
2018
Titel Provision of environmental public goods: Unconditional and conditional donations from outsiders DOI 10.1016/j.jeem.2017.10.002 Typ Journal Article Autor Blanco E Journal Journal of Environmental Economics and Management Seiten 815-831 -
2017
Titel Externalities in appropriation: responses to probabilistic losses DOI 10.1007/s10683-017-9511-x Typ Journal Article Autor Blanco E Journal Experimental Economics Seiten 793-808 Link Publikation -
2022
Titel The Role of Non-Binding Pledges in Social Dilemmas with Mitigation and Adaptation DOI 10.1007/s10640-021-00645-y Typ Journal Article Autor Mcevoy D Journal Environmental and Resource Economics Seiten 685-710 Link Publikation -
2020
Titel Social dilemmas with public and private insurance against losses DOI 10.1016/j.jebo.2019.02.008 Typ Journal Article Autor Blanco E Journal Journal of Economic Behavior & Organization Seiten 924-937 Link Publikation -
2025
Titel Institution formation in weakest-link games DOI 10.1016/j.jebo.2025.106943 Typ Journal Article Autor Caparrós A Journal Journal of Economic Behavior & Organization Seiten 106943 Link Publikation -
2023
Titel No crowding out among those terminated from an ongoing PES program in Colombia DOI 10.1016/j.jeem.2023.102826 Typ Journal Article Autor Blanco E Journal Journal of Environmental Economics and Management Seiten 102826 Link Publikation -
2020
Titel Procedural fairness and nepotism among local traditional and democratic leaders in rural Namibia DOI 10.1126/sciadv.aay7651 Typ Journal Article Autor Vollan B Journal Science Advances Link Publikation -
2019
Titel Routledge Handbook of the Study of the Commons Typ Book Autor Hudson Blake Verlag Routledge/Routledge Taylor & Francis Group -
2019
Titel ‘We don’t worry that much about language’: street-level bureaucracy in the context of linguistic diversity DOI 10.1080/1369183x.2019.1610365 Typ Journal Article Autor Holzinger C Journal Journal of Ethnic and Migration Studies Seiten 1792-1808 Link Publikation -
2016
Titel The tension between private benefits and degradation externalities from appropriation in the commons DOI 10.1016/j.jebo.2016.02.008 Typ Journal Article Autor Blanco E Journal Journal of Economic Behavior & Organization Seiten 136-147 Link Publikation