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Tirol / Südtirol - Eine literarische Topographie

The Tyrol / The South Tyrol - A literary Topography

Johann Holzner (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P26039
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.09.2013
  • Projektende 31.07.2018
  • Bewilligungssumme 195.090 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (10%); Sprach- und Literaturwissenschaften (90%)

Keywords

    Literary Topography, Philogical Research, Monography Essay Database

Abstract Endbericht

Ausgehend von dem Grundgedanken, dass Literatur Vorstellungen von Räumen repräsentiert, Räume aber auch konstruiert wie dekonstruiert, sollen im geplanten Forschungsprojekt die literarischen Modellierungen des Untersuchungsraumes Tirol/Südtirol dokumentiert und ihre Entwicklungs- und Bruchlinien nachvollzogen werden. Insbesondere die wechselseitige Konstitution von empirischen und imaginären Räumen soll dabei Beachtung finden. Der gewählte Untersuchungsraum zeichnet sich als geographischer wie semantischer Raum, häufig als Grenzland apostrophiert, durch vielfältigste Aneignungen aus. Als Transitraum charakterisiert ihn ein besonders hoher Grad an Literarisierung. In Texten vieler deutschsprachiger wie fremdsprachiger Autorinnen und Autoren wurde die Region literarisch geformt, damit immer wieder neu erfunden. Der literarisierte Raum soll mit Hilfe von neueren Ansätzen der kultur- und sozialwissenschaftlichen Raumtheorie, der Literaturgeografie und der Regionalliteraturforschung in einer theoretisch fundierten Monographie nachgezeichnet und seine Genese modellhaft analysiert werden. Basis des Forschungsvorhabens ist ein umfangreiches Textkorpus von Autorinnen und Autoren aus dem In- und Ausland, die die Region Tirol/Südtirol literarisiert haben. Texte und Textpassagen werden in eine kommentierte Datenbank aufgenommen und jenen Orten zugeordnet, auf die sie referieren. Auf diese Art und Weise entsteht ein über die geographische Topographie gelagerter imaginärer Raum aus Texten, der Einblick gewährt in die symbolische Ordnung des ins Auge gefassten Untersuchungsraumes. Die Dokumentation anhand der Datenbank wird vor allem über die Schauplatzwahl Auskunft geben, also darüber, welche Orte zu welchen Zeiten in welcher Dichte literarisiert worden sind und von wem. Der Vergleich verschiedener literarischer Entwürfe des Untersuchungsraumes wird Aufschluss darüber erlauben, welche Raumkonzepte der Region literarisch tradiert wurden und werden (verspricht so auch Einblick in bestehende mentale Repräsentationen des Raums und ihre Genese). Exemplarisch soll anhand ausgewählter Mikroräume gezeigt werden, wie literarische Texte im Verhältnis zu außertextuellen, intertextuellen wie intermedialen Bezugssystemen konkrete Schauplätze konstruieren oder dekonstruieren, die in der Literatur inszenierten Schauplätze wiederum die Wahrnehmung von Orten präfigurieren. Ein zweiter Arbeitsschwerpunkt soll in der Analyse ästhetischer Verfahren der Raumproduktion liegen. Das Forschungsvorhaben positioniert sich am Schnittpunkt von spatial und topographical turn. Literaturgeographische Fragestellungen (zur Referentialität von Orten und Texten, zu Techniken topographischen Schreibens, zur Konstitution und Funktion von Orten in Texten) sollen mit einer kulturwissenschaftlichen Perspektive verbunden werden. Derzeit vorherrschende Raumbegriffe sollen auf ihre Anwendbarkeit bei der konkreten literaturwissenschaftlichen Forschungsarbeit hin befragt werden. Die methodische Reflexion der Forschungsarbeit soll in einen wissenschaftlichen Aufsatz fließen, in dem die literaturwissenschaftlichen Auswahlkriterien (z. B. Kriterien spezifisch topographischer Literatur) sowie poetologische Verfahren der Verortung oder Nicht-Verortung kritisch überdacht werden.

Der Raum Tirol / Südtirol, häufig als Grenzland apostrophiert, ist aufgrund seiner geografischen Lage in der Mitte Europas seit jeher Anziehungspunkt wie Durchzugsort für viele Reisende. In Texten vieler deutschsprachiger wie fremdsprachiger Autorinnen und Autoren wurde die Region literarisch geformt, und damit, so könnte man sagen, immer wieder neu erfunden. Ausgehend von dem Grundgedanken, dass Literatur Vorstellungen von Räumen repräsentiert, Räume aber auch konstruiert wie dekonstruiert, wurden in dem Forschungsprojekt Tirol/Südtirol. Eine literarische Topographie die literarischen Modellierungen des Untersuchungsraumes in Erzähltexten des 19. und 20. Jahrhunderts untersucht. Der Fokus lag dabei auf der Dokumentation, Interpretation und Vermittlung von Zusammenhängen zwischen erzählten und empirisch wahrnehmbaren Räumen. Das Projekt positionierte sich damit im Bereich der Literaturgeographie und griff Impulse der kulturwissenschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Raumforschung auf. Im Vordergrund des Interesses standen die selektiven Prozesse der Schauplatzwahl sowie erzählerische Verfahren der Literarisierung von konkreten Orten. Ziel war es, die imaginäre Geographie Tirols und Südtirols beschreibbar zu machen und in ihrem Verhältnis zur außerliterarischen Wirklichkeit zu deuten. Die untersuchten Primärtexte wurden in einer Forschungsdatenbank ausgewertet und dokumentiert. Teilergebnisse wurden auf der eigens im Rahmen des Projektes entwickelten interaktiven Literatur-Landkarte zugänglich gemacht. Sie verzeichnet textuelle Bezüge sowie biographische Bezüge von Autorinnen und Autoren im geographischen Raum und stellt so Beziehungen zwischen Texten und Orten, Schreibenden und Orten und Texten zueinander dar und auch her. In zahlreichen Artikeln zu einzelnen Autorinnen und Autoren sowie zu Orten werden diese Beziehungen kontextualisiert und Materialien wie Textauszüge, bibliographische Daten und Bildmaterial bereitgestellt. In der österreichischen Literatur- und Wissenschaftslandschaft stellt die Literatur-Landkarte den ersten Versuch dar, die literarische Topographie einer Region digital aufzubereiten und zugänglich zu machen. Die Darstellung der literarischen Topographie einer Region kann auf verschiedenste Art genutzt werden. Neben Literaturinteressierten kann sie Lehrpersonen aller Schulstufen, Kulturvermittlern, Studierenden und Schülern, aber auch Tourismusverbänden und Gemeinden als wertvolle Informationsquelle dienen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Innsbruck - 100%

Research Output

  • 30 Zitationen
  • 1 Publikationen
Publikationen
  • 2017
    Titel Functional photoresists for sub-diffraction stimulated emission depletion lithography
    DOI 10.1364/ome.7.002538
    Typ Journal Article
    Autor Wollhofen R
    Journal Optical Materials Express
    Seiten 2538
    Link Publikation

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