Immunzellen bei X-chromosomaler Adrenoleukodystrophie
Characterization of immune cells in X-linked adrenoleukodystrophy
Wissenschaftsdisziplinen
Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (100%)
Keywords
-
X-Linked Adrenoleukodystrophy,
Monocytes,
Immune Cells,
ABC-transporters,
Pharmacological Gene Therapy,
Inflammation
In der schwersten Verlaufsform ist die X-chromosomale Adrenoleukodystrophie (X-ALD) eine schnell voranschreitende, entzündliche, demyelinisierende Erbkrankheit, die unbehandelt innerhalb weniger Jahre zum Tode der Patienten führt. Sämtliche bisher angewandten immunsuppressiven oder immunmodulatorischen Therapien zeigten bei X-ALD keine Wirkung. Bei rechtzeitiger Diagnose in frühen Stadien kann die Entzündung mittels hämatopoetischer Stammzelltransplantation (HSZT) gestoppt werden. Der molekulare Mechanismus, über den die HSZT ihre Wirkung erzielt, ist zurzeit nicht bekannt. Der genetische Defekt liegt bei X-ALD im ABCD1- Gen, das für einen ATP-abhängigen Transporter in der peroxisomalen Membran kodiert. Bei Defekten dieses Transporters kommt es zur Speicherung von überlangkettigen Fettsäuren. Bis vor kurzem war der Stand der Forschung, dass alle Zelltypen, die ABCD1 exprimieren, im gleichen Schweregrad von der Speicherung der überlangkettigen Fettsäuren betroffen sind. Bereits vor einigen Jahren konnten wir zeigen, dass ABCD2, ein dem ABCD1 sehr ähnlicher peroxisomaler Transporter, die Funktion von ABCD1 zumindest nach Überexpression übernehmen kann. Unsere Vorexperimente mit humanen Blutzellen zeigten nun, dass manche Immunzellen viel ABCD1, aber wenig ABCD2 aufweisen und andere, in umgekehrter Weise, viel ABCD2, aber wenig ABCD1. Bereits diese Befunde legen nahe, dass unterschiedliche Immunzellen bei X-ALD unterschiedlich schwer betroffen sind. Daher wollen wir in diesem Projekt die Genexpression und den Lipidmetabolismus verschiedener Immunzellen von Patienten mit X-ALD nach spezieller Aufreinigung näher untersuchen. Zudem werden wir uns auf funktionelle Defekte der Monozyten / Makrophagen bei X-ALD fokussieren. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden zum Verständnis der Funktionsweise der HSZT beitragen. Ferner hoffen wir, das Versagen der Wirkung der immunsuppressiven Therapien bei X-ALD besser zu verstehen. Unter Verwendung eines in unserem Labor mitentwickelten Mausmodells für X-ALD werden wir ermitteln, wie viel des homologen ABC- Transporters ABCD2 notwendig ist, um den Verlust von ABCD1 bei X-ALD zu kompensieren. Zudem untersuchen wir neue Mechanismen, um ABCD2 in Immunzellen zu aktivieren und damit den Verlust von ABCD1 in diesen Zellen zu kompensieren. Das Wissen über diese Mechanismen sollte es uns in Zukunft ermöglichen, durch Induktion von ABCD2 die Entzündung in X-ALD Patienten zu stoppen. Dies ist vor allem bei Patienten von Bedeutung, deren Entzündung für eine HSZT bereits zu stark fortgeschritten ist, oder bei Patienten, die keinen geeigneten Spender für eine HSZT bekommen konnten.
Die X-chromosomale Adrenoleukodystropie (X-ALD) ist eine seltene Erbkrankheit, die sich klinisch mit sehr unterschiedlichen Verlaufsformen manifestieren kann. Hierbei entwickeln nahezu alle männlichen X-ALD-Patienten eine Gangstörung im jungen erwachsenen Alter. Bei etwa 60% dieser Patienten kommt es jedoch zu einer entzündlichen Entmarkung des Gehirns, die, so sie nicht behandelt wird, innerhalb von wenigen Jahren zum Tode der betroffenen Patienten führt. Ein Austausch der Immunzellen durch eine hämatopoetische Stammzelltransplantation kann, wenn sie in einem frühen Stadium der entzündlichen Erkrankung erfolgt, die Entzündung stoppen und den Patienten heilen. In diesem Projekt konnten wir zeigen, dass - unter den Immunzellen - bei X-ALD Patienten vorwiegend Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, einen ausgeprägten metabolischen Störung aufweisen. Eine funktionelle Charakterisierung dieser Zellen zeigte dass Makrophagen von X-ALD-Patienten im Vergleich zu Makrophagen von Kontrollprobanden entzündliche Faktoren deutlich stärker aktivieren. Im direkten Vergleich von Gehirnläsionen aus Patienten, die mit Multiplen Sklerose oder an X-ALD verstorben sind, zeigte sich ein nahezu gänzliches Fehlen von anti-entzündlichen Makrophagen-Markern in den Geweben der X-ALD Patienten. Dieses Fehlen der anti-entzündlichen Marker könnte erklären, warum die entzündliche Läsion im Gehirn der X-ALD-Patienten nicht von sich aus stoppen kann und deshalb unbehandelt nahezu immer zum Tode der Patienten führt. Unsere Forschungsergebnisse erklärt auch warum der Austausch der Immunzellen durch die hämatopoetische Stammzelltransplantation, bei der auch die Makrophagen ausgetauscht werden, die zerebrale Entzündung in den X-ALD-Patienten stoppen kann. Leider wird der entzündliche Verlauf bei viele X-ALD-Patienten erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert, sodass keine rettende hämatopoetische Stammzelltransplantation mehr möglich ist. Wir haben nun die Makrophagen als Zielzelle für neue Therapieansätze zum Stoppen der Entzündung im Gehirn der X-ALD-Patienten identifiziert. Zudem haben wir Medikamente untersucht, die in der Lage sind den genetischen Defekt in den Makrophagen von Patienten, zumindest teilweise, zu kompensieren. Die Anwendung dieser Medikamente bei X-ALD-Patienten mit vorgeschrittener Entzündung könnte einen neuen Therapieansatz zum Stoppen der Entzündung darstellen.
- Wolfgang Köhler, Universität Leipzig - Deutschland
Research Output
- 819 Zitationen
- 11 Publikationen
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2020
Titel Vorinostat in the acute neuroinflammatory form of X-linked adrenoleukodystrophy DOI 10.1002/acn3.51015 Typ Journal Article Autor Zierfuss B Journal Annals of Clinical and Translational Neurology Seiten 639-652 Link Publikation -
2020
Titel Targeting foam cell formation in inflammatory brain diseases by the histone modifier MS-275 DOI 10.1002/acn3.51200 Typ Journal Article Autor Zierfuss B Journal Annals of Clinical and Translational Neurology Seiten 2161-2177 Link Publikation -
2018
Titel Impaired plasticity of macrophages in X-linked adrenoleukodystrophy DOI 10.1093/brain/awy127 Typ Journal Article Autor Weinhofer I Journal Brain Seiten 2329-2342 Link Publikation -
2021
Titel Neurofilament light chain as a potential biomarker for monitoring neurodegeneration in X-linked adrenoleukodystrophy DOI 10.1038/s41467-021-22114-2 Typ Journal Article Autor Weinhofer I Journal Nature Communications Seiten 1816 Link Publikation -
2015
Titel Peroxisomes in brain development and function DOI 10.1016/j.bbamcr.2015.12.005 Typ Journal Article Autor Berger J Journal Biochimica et Biophysica Acta (BBA) - Molecular Cell Research Seiten 934-955 Link Publikation -
2015
Titel The genetic landscape of X-linked adrenoleukodystrophy: inheritance, mutations, modifier genes, and diagnosis DOI 10.2147/tacg.s49590 Typ Journal Article Autor Wiesinger C Journal The Application of Clinical Genetics Seiten 109-121 Link Publikation -
2014
Titel Abcd2 Is a Strong Modifier of the Metabolic Impairments in Peritoneal Macrophages of Abcd1-Deficient Mice DOI 10.1371/journal.pone.0108655 Typ Journal Article Autor Muneer Z Journal PLoS ONE Link Publikation -
2014
Titel Evaluation of Retinoids for Induction of the Redundant Gene ABCD2 as an Alternative Treatment Option in X-Linked Adrenoleukodystrophy DOI 10.1371/journal.pone.0103742 Typ Journal Article Autor Weber F Journal PLoS ONE Link Publikation -
2013
Titel Pathophysiology of X-linked adrenoleukodystrophy DOI 10.1016/j.biochi.2013.11.023 Typ Journal Article Autor Berger J Journal Biochimie Seiten 135-142 Link Publikation -
2013
Titel Impaired Very Long-chain Acyl-CoA ß-Oxidation in Human X-linked Adrenoleukodystrophy Fibroblasts Is a Direct Consequence of ABCD1 Transporter Dysfunction* DOI 10.1074/jbc.m112.445445 Typ Journal Article Autor Wiesinger C Journal Journal of Biological Chemistry Seiten 19269-19279 Link Publikation -
2013
Titel X-linked adrenoleukodystrophy: very long-chain fatty acid metabolism is severely impaired in monocytes but not in lymphocytes DOI 10.1093/hmg/ddt645 Typ Journal Article Autor Weber F Journal Human Molecular Genetics Seiten 2542-2550 Link Publikation