"WAR OF PICTURES". Pressefotografie in Österreich 1945-1955
"WAR OF PICTURES". Press Photography in Austria 1945-1955
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (25%); Kunstwissenschaften (25%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (50%)
Keywords
-
Press Photography,
Cold War,
Allied Occupation of Austria,
Media Studies,
Photo Journalism
Nach dem zweiten Weltkrieg waren in Österreich Bilderdienste der vier alliierten Besatzungsmächte tätig, um Kriegsschäden und den Wiederaufbau fotografisch zu dokumentieren. Das Bildmaterial wurde der illustrierten Presse in Österreich zur Verfügung gestellt. Den einfluss-reichsten Bilderdienst betrieben die US-Amerikaner unter der Leitung des Pressefotografen Yoichi Okamoto, der seinen österreichischen Mitarbeiterstab, so eine zentrale These des Projektes, in moderner Life-Fotografie ausbildete. Tatsächlich aber existieren kaum Infor-mationen zu den AkteurInnen österreichischer Pressefotografie in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Das anvisierte Forschungsprojekt will diese Forschungslücke schließen: erstmals sollen alle MitarbeiterInnen der alliierten Bilderdienste sowie selbständige österreichische PressefotografInnen dieser Ära ermittelt, die Organisationsstruktur der Bilderdienste beschrieben, das Zusammenspiel von nationalen und internationalen Bildagenturen dokumentiert und die Vertriebswege von Pressefotografie analysiert werden. Es erfolgen sodann biografische Recherchen zu den ermittelten PressefotografInnen, die in eine kollektivbiografische Studie münden, bei der insbesondere der Aspekt von ideologischen Kontinuitäten zwischen Vor- und Nachkriegszeit herausgearbeitet werden soll. Ein Schwerpunkt des Forschungsprojekts liegt schließlich in der Untersuchung des Publikationskontextes der Pressebilder. Anhand von Fallstudien wird mit Hilfe von Text-Bild Analysen gezeigt, wie sich der Kalte Krieg auf bildsprachlicher Ebene als "war of pictures" in der Tageszeitung Wiener Kurier und den illustrierten Wochenzeitungen Wiener Bilderwoche, Große Österreich Illustrierte, Wiener Illustrierte und Welt-Illustrierte manifestiert. Auf fotoästhetischer Ebene gilt es, anhand von Bildvergleichen und -analysen die These von Okamotos Einführung der amerikanischen Life-Fotografie zu beweisen und seinen nachhaltigen Einfluss auf die österreichischen PressefotografInnen aufzuzeigen. Das Forschungsvorhaben ist an der Schnittstelle unterschiedlicher Disziplinen wie Medien- und Kommunikationswissenschaft, Geschichte, Kulturwissenschaft, Semiotik und Kunstgeschichte angesiedelt. Methodisch werden Ansätze aus der modernen Journalismusforschung und der Kultursemiotik synthetisiert, um gleichermaßen auf die Organisationsstrukturen, die handelnden AkteurInnen und die bildjournalistischen Produkte fokussieren zu können. Diesem multi-perspektivischen Vorgehen entspricht auch die geplante Verschränkung von quantitativen und qualitativen Forschungsmethoden. Das Forschungsprojekt versteht sich als Beitrag zur Bildkultur Österreichs nach 1945. Durch seinen vernetzten Zugang ermöglicht es neue Erkenntnisse in der historischen Pressefotografieforschung.
Das Forschungsprojekt War of Pictures. Press Photography in Austria 1945 1955 wurde unter der Projektleitung von Prof. Friedrich Hausjell und unter Mitarbeit von Dr.in Marion Krammer und Dr.in Margarethe Szeless von 2014 bis 2018 am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft durchgeführt. Es umfasst drei Forschungsschwerpunkte. Der erste Schwerpunkt des Forschungsprojektes war den Bilderdiensten und der Bildpolitik der alliierten Besatzungsmächte gewidmet. Die Erforschung der Bilderdienste stützte sich auf umfassendes Archivmaterial aus den Besatzungsarchiven aller vier Siegermächte. Die Auswertung dieser Archivalien erlaubt erstmals einen Blick in die Organisationsstruktur der alliierten Bilderdienste. Folgende Fragen konnten beantwortet werden: wer waren die zuständigen Stellen für Bildpropaganda? Woher bezogen die Bilderdienste ihre Pressefotos? Welche österreichischen Pressefotografen waren für die alliierten Bilderdienste tätig? Der zweite Schwerpunkt lag auf Biografie und Berufsfeldforschung. Dafür wurden die im ersten Nachkriegsjahrzehnt tätigen österreichischen PressefotografInnen erhoben und eine Datenbank mit Biografien von 195 PressefotografInnen erarbeitet und öffentlich zugänglich gemacht (https://datenbankpressefotografie.univie.ac.at). Grundlegend für die biografischen Recherchen waren das wiederentdeckte Archiv des Syndikats der österreichischen Pressefotografen und die Auswertung der Eintrittsakten der Mitglieder. In ihrer Dissertation beschäftigte sich Marion Krammer mit dieser längst vergessenen Generation an PressefotografInnen und erarbeitete eine Kollektivbiografie des Fotoreporters der Nachkriegszeit. Besonderes Augenmerk legte sie dabei auf die Frage nach beruflichen Kontinuitäten und Brüchen zum Austrofaschismus und Nationalsozialismus. Die dritte Forschungsfrage beschäftigte sich mit Bildpropaganda in den österreichischen Nachkriegsillustrierten. Dafür wurden mit Hilfe von Studierenden umfangreiche quantitative Erhebungen in den österreichischen Illustrierten durchgeführt und rund 60.000 Einzelbildnachweise aus den auflagestärksten österreichischen Illustrierten erfasst und die entsprechenden Pressefotografien gescannt. Anhand von thematischen Clustern und qualitativen Bildanalysen konnte der Kampf der Bilder im Kalten Krieg analysiert und beschrieben werden.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 28 Zitationen
- 2 Publikationen
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2019
Titel The neural correlates of word position and lexical predictability during sentence reading: evidence from fixation-related fMRI DOI 10.1080/23273798.2019.1575970 Typ Journal Article Autor Schuster S Journal Language, Cognition and Neuroscience Seiten 613-624 Link Publikation -
2018
Titel The Cold War of Pictures: Framing Returning Prisoners of War in Austria’s Illustrated Press DOI 10.1080/03087298.2018.1556471 Typ Journal Article Autor Krammer M Journal History of Photography Seiten 376-391 Link Publikation