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Medizinischer Fortschritt, Gesundheitsausgaben und Alterung

Medical Progress, Health Expenditure and Population Ageing

Michael Kuhn (ORCID: 0000-0003-0424-3221)
  • Grant-DOI 10.55776/P26184
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.03.2014
  • Projektende 31.12.2017
  • Bewilligungssumme 273.596 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Gesundheitswissenschaften (30%); Soziologie (20%); Wirtschaftswissenschaften (50%)

Keywords

    Ageing, Age-Structured Optimal Control, Health Policy, (medical) innovation, Overlapping Generations, Value Of Life

Abstract Endbericht

Das Zusammenspiel von Bevölkerungsalterung, Gesundheitsausgaben und medizinischem Fortschritt steht seit längerem schon im Fokus politischer und akademischer Debatte. Empirische Studien belegen klar die gegenseitige Abhängigkeit der drei Phänomene, aber dennoch ist bisher wenig bekannt (i) über die zugrundeliegenden dynamischen Beziehungen; (ii) über die Anreize, denen Individuen, Anbieter von Gesundheitsleistungen (Ärzte, Krankenhäuser) sowie Pharma- und Technologieunternehmen unterliegen, deren Entscheidungen den dynamischen Prozess prägen; sowie (iii) darüber, wie diese Anreize und ihre ökonomischen Folgewirkungen von der Gesundheitspolitik abhängen. Das vorliegende Projekt entwickelt und löst ein allgemeines Gleichgewichtsmodell überlappender Generationen und unterzieht es verschiedenen numerischen Experimenten. Dabei wird die Mortalität endogen in Abhängigkeit der individuellen Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen und der medizinischen Technologie bestimmt. Wir untersuchen explizit das Zusammenspiel dreier Sektoren: eines Produktionssektors, eines Gesundheitssektors (z.B. Krankenhäuser) und eines Forschungssektors, in dem medizinische Technologien entwickelt werden. Aus den individuellen Entscheidungen leiten wir die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen sowie die zugrundeliegende Bewertung ab. Nach Aggregation über die Kohorten zeigen wir, wie die Gesamtnachfrage nach Gesundheitsleistungen sich vermittels des Gesundheitssektors in eine Nachfrage nach medizinischer Innovation umsetzt. Wir untersuchen die Effizienz der Allokation und wie sie vom Wettbewerbs- und institutionellen Umfeld abhängt. Insbesondere vergleichen wir die dezentrale Lösung mit einer First-Best Allokation, die wir aus einem altersstrukturierten dynamischen Optimierungsmodell ableiten. Auf Basis US- amerikanischer und europäischer Daten kalibrieren wir das Modell und untersuchen numerisch, wie die Dynamiken von der Art der medizinischen Technologie, vom Bevölkerungswandel (z.B. exogener Alterung, Baby-Boom- Baby-Bust) sowie von der Gesundheitspolitik (z.B. Krankenversicherung, Regulierung von Krankenhäusern, Patentpolitik) abhängen. Unser numerisches Modell erlaubt es uns, auch die Dynamiken außerhalb des Wachstumsgleichgewichts abzubilden. Wir untersuchen sowohl die Nachhaltigkeit gegenwärtiger Gesundheitspolitik in Bezug auf die Bevölkerungsalterung wie auch optimale Politikansätze. Das Projekt trägt zur Weiterentwicklung der Literatur bei, indem es eine Reihe verschiedender theoretischer und empirischer Ansätze zu einem kohärent allgemeinen Gleichgewichtsmodell vereint, das auf einer realistischen Demographie beruht und endogene Mortalität berücksichtigt. Wir wenden dieses Modell dann an, um grundsätzliche Erkenntnisse zu den wirtschaftspolitischen Optionen angesichts der dreifachen Dynamik von Alterung, Gesundheitsausgaben und medizinischem Fortschritt zu gewinnen.

Wie wirken Bevölkerungsalterung, medizinischer Fortschritt und die Entwicklung der Gesundheitsausgaben zusammen und welche Konsequenzen ergeben sich für die wirtschaftliche Entwicklung und Wohlfahrt? Um Einsichten in diesen Fragenkomplex zu gewinnen haben wir mathematisch-ökonomische Modelle formuliert, die das Gesundheits- und Konsumverhalten von Individuen abbilden und daraus das Zusammenwirken von Angebot und Nachfrage auf dem Gesundheitsmarkt sowie auf dem Güter-, Arbeits- und Kapitalmarkt ableiten. Diese Modelle haben wir auf Basis US amerikanischer Daten kalibriert und verschiedene Politikszenarien simuliert. Unsere Kernergebnisse: Lebensrettender medizinischer Fortschritt führt zu einer Erhöhung der Gesundheitsausgaben aber in der US Ökonomie nicht zu einer Reduktion der Wirtschaftsleistung. Dies liegt an der Ausdehnung der Ersparnisbildung, um Konsum und jetzt effektivere Gesundheitsleistungen über die hinzugewonnene Lebenszeit zu finanzieren. Der daraus resultierende Anstieg der Investitionen gleicht die Zunahme der Altersabhängigkeit aus. Die Ausdehnung der US Krankenversicherung im Zeitraum 1965-2005 hat einerseits zu einer ineffizienten Aufblähung der Gesundheitsausgaben geführt, andererseits aber Anreize für zusätzliche medizinische Innovationen geschaffen. Der daraus resultierende Zugewinn an Lebenserwartung führt zu Wohlfahrtsgewinnen, die die Kosten des ineffizient großen Gesundheitssystems mehr als kompensieren.Die wachsende Lücke in der Lebenserwartung zwischen gut und schlecht ausgebildeten lässt sich durch eine doppelte Benachteiligung bildungsferner Schichten erklären: Einerseits fehlt ihnen das Einkommen, um durch den Kauf aufwändiger Gesundheitsleistungen am medizinischen Fortschritt zu partizipieren, andererseits sind sie ganz unmittelbar im Zugang zu innovativen Therapien benachteiligt.Der Klimawandel lässt ambivalente Effekte auf die Gesundheitsausgaben erwarten: Einerseits lässt die Heilung und Vermeidung hitzebedingter Erkrankungen höhere Gesundheitsausgaben erwarten, andererseits können Produktivitätsverluste im Zuge einer sich verschlechternden Umwelt sowie ein niedrigerer Anreiz, unter diesen Bedingungen in ein langes Leben zu investieren, zu einer Senkung der Ausgaben führen. Generell erlaubt es unser Modellapparat, durch die Simulation verschiedener gesundheitspolitischer Szenarien Einsichten über Wirkungskanäle und Nebeneffekte zu gewinnen, die für die Gestaltung einer wirksamen und nachhaltigen Gesundheitspolitik unerlässlich sind.

Forschungsstätte(n)
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Holger Strulik, Georg-August-Universität Göttingen - Deutschland
  • David E. Bloom, Harvard University - Vereinigte Staaten von Amerika
  • Peter C. Smith, Imperial College London - Vereinigtes Königreich

Research Output

  • 68 Zitationen
  • 10 Publikationen
Publikationen
  • 2023
    Titel Health insurance, endogenous medical progress, health expenditure growth, and welfare
    DOI 10.1016/j.jhealeco.2022.102717
    Typ Journal Article
    Autor Frankovic I
    Journal Journal of Health Economics
    Seiten 102717
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Medical innovation and its diffusion: Implications for economic performance and welfare
    DOI 10.1016/j.jmacro.2020.103262
    Typ Journal Article
    Autor Frankovic I
    Journal Journal of Macroeconomics
    Seiten 103262
    Link Publikation
  • 2020
    Titel On the Anatomy of Medical Progress Within an Overlapping Generations Economy
    DOI 10.1007/s10645-020-09360-3
    Typ Journal Article
    Autor Frankovic I
    Journal De Economist
    Seiten 215-257
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Medizinischer Fortschritt: Heilsbringer und Sorgenkind.
    Typ Journal Article
    Autor Kuhn M
    Journal Das österreichische Gesundheitswesen - ÖKZ
  • 2016
    Titel Should we be concerned about medical progress?
    Typ Journal Article
    Autor Kuhn M
    Journal Pharmaceutical Markets Europe
  • 2019
    Titel Access to health care, medical progress and the emergence of the longevity gap: A general equilibrium analysis
    DOI 10.1016/j.jeoa.2019.01.002
    Typ Journal Article
    Autor Frankovic I
    Journal The Journal of the Economics of Ageing
    Seiten 100188
    Link Publikation
  • 0
    Titel Medical Progress, Demand for Health Care, and Economic Performance.
    Typ Other
    Autor Frankovic I
  • 0
    Titel The impact of climate change on health care expenditures.
    Typ Other
    Autor Frankovic I
  • 0
    Titel Medical care within an OLG economy with realistic demography.
    Typ Other
    Autor Frankovic I
  • 0
    Titel Health insurance, endogenous medical progress, and health expenditure growth.
    Typ Other
    Autor Frankovic I

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