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Populärkultur in Translokalen Räumen: Prozesse von Diasporisierung

Popular Culture in Translocal Spaces: Processes of Diasporisation

Birgit Englert (ORCID: 0000-0002-4288-6562)
  • Grant-DOI 10.55776/P26255
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.06.2014
  • Projektende 31.05.2019
  • Bewilligungssumme 323.413 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Sozialwissenschaften (30%); Soziologie (30%); Sprach- und Literaturwissenschaften (40%)

Keywords

    Popular Culture, Identity Constructions, Translocalisation, Comorian Diaspora, Diasporisation, Cape Verdean diaspora

Abstract Endbericht

In diesem Projekt geht es darum zu analysieren, wie verschiedene Praktiken aus dem Bereich populärer Kultur (Musik, virtueller Raum, Körpermodifikationen) Diaspora als imaginären Raum mitgestalten. Wir gehen dabei von populärer Kultur als einem Raum aus, in dem Prozesse von Translokalisierung und Diasporisierung sichtbar werden, wo Identitäten verhandelt und durch performative Praktiken rekonstruiert werden. Unser Forschungsfokus liegt auf der kapverdischen Diaspora in Lissabon (Portugal) und der komorischen Diaspora in Marseille (Frankreich). Das erlaubt eine selten angestellten vergleichende Perspektive auf Diaspora-Gemeinschaften von zwei Ländern, die in geographischer und struktureller Hinsicht viele Gemeinsamkeiten haben, jedoch von zwei verschiedenen Mächten kolonisiert worden waren. Mit Bezug auf intersektionelle Forschungsansätze und Konzepte von Performativität (Butler) und Hybridität (Bhabha) gehen wir folgenden Forschungsfragen nach: Wie wird Diaspora durch populär-kulturelle Praktiken konstruiert? Wer hält welche Praktiken für bedeutend und warum? Welche Unterschiede gibt es in Hinblick auf strukturelle Kategorien wie Gender, Generation, Klasse, "Rasse"/Ethnizität und Lokalität? wird Zugehörigkeit durch diese Praktiken verhandelt? Wie manifestiert sich Translokalität in diesen Praktiken? In welcher Beziehung stehen Prozesse von Translokalisierung, Transnationalisierung und Diasporisierung zueinander? Mehrere Bereiche könnten sich für die Analyse der Prozesse von Translokalisierung und Diasporisierung als relevant erweisen. Wir sind jedoch der Überzeugung, dass die gewählten Felder - Musik, virtueller Raum und Körpermodifiaktionen - insofern besonders relevant sind, als sie, in einem gewissen Sinn "Grenzräume" darstellen. Räume in denen Grenzen einerseits besonders stark sichtbar werden, andererseits aber potentiell auch besonders durchlässig sein können. Intersektionellen Ansätzen folgend, sehen wir die Grenzen zwischen Diaspora- Gemeinschaften und der Mehrheitsbevölkerung vor allem durch strukturelle Kategorien wie "Rasse", Klasse, Gender und Generation geprägt. Die Wahrnehmung von Hauptfarben stellt dabei sicherlich eine Domäne dar, innerhalb derer Prozesse von Rassialisierung besonders offensichtlich werden. Ein Fokus in diesem Projekt wird daher auf Hautbleichen als eine Form von (rassialisierter) Körpermodifkation gelegt. Der virtuelle Raum hat das wohl offensichtlichste Potential um (neue) diasporische Gemeinschaften zu erschaffen und neue Medien verändern die Art und Weise auf die Menschen translokal agieren. Weiters ist das sich rasch verbreitende Medium Musik, das seit langem eine wichtige Rolle im Ausdruck diasporischer Identitäten spielt, eine weitere Domäne in der Grenzen überschritten werden und wo neue Formen hervorgebracht wurden, in denen sich speziell Generationenverhältnisse und der Umgang mit translokalen Einflüssen widerspiegeln. Zusätzlich zu üblichen methodischen Zugängen wie qualitativen Interviews, Beobachtung sowie Diskursanalyse, zielt dieses Projekt auf die Arbeit mit audio-visuellen Mitteln ab. Sie werden nicht nur im Prozess der Datensammlung eingesetzt werden sondern auch als ein wichtiger Teil der Verbreitung unserer Forschungsergebnisse. Das interdisziplinäre Forschungsteam, das die Disziplinen Afrikawissenschaften, Entwicklungsforschung, Politikwissenschaft und Visuelle Anthropologie umfasst, verfügt über die optimalen Voraussetzungen, um das Forschungsziel zu erreichen: ein neues und differenziertes Verständnis von der Art und Weise in der populäre Kultur diasporische Gemeinschaften (mit)formt.

Ziel dieses Projektes war es, der Frage nachzugehen, wie verschiedene populärkulturelle Praktiken dazu beitragen, Diaspora als imaginierten gemeinsamen Raum zu schaffen. Dabei haben uns konkret Prozesse von Diasporisierung interessiert, die mit KapverdianerInnen in Lissabon und KomorianerInnen in Marseille in Verbindung stehen. Auf qualitativen Methoden basierende Feldforschungen wurden insbesondere zu zwei populärkulturellen Musik- und Tanzpraktiken durchgeführt, die in Community-Kontexten ausgeführt werden: Twarab in Marseille und Batuku in Lissabon. Weiters beinhaltete die Fallstudie zu Marseille auch Forschungen zur Musikrichtung Afrofolk und HipHop. Bisher hatten diese Praktiken, mit Ausnahme von HipHop, relative wenig Aufmerksamkeit von Forschenden bekommen. Ein spezifischer Fokus auf die Analyse von Veranstaltungen in diesen Kontexten wurde insbesondere von Katharina Fritsch mit Bezug auf Twarab entwickelt und auch von Hanna Stepanik in ihrer Fallstudie zu Batuku aufgegriffen. Dieser Fokus führte zu neuen Perspektiven auf das Verständnis davon welche Rolle populärkulturelle Praktiken in der Entstehung und Aufrechterhaltung von diasporischen Gemeinschaften spielen. In unsereren Forschungen haben wir uns insbesondere damit auseinandergesetzt, welche Wirkungen strukturelle Kategorien wie Gender, Generation, Klasse, "Race"/"Ethnicity" und Lokalität auf die untersuchten Praktiken haben. Das Projekt kombinierte einen starken theoretischen Rahmen mit einer soliden empirischen Basis die in mehreren Monaten intensive Feldfoschung an den beiden Orten geschaffen wurde. Die Ergebnisse der Forschungen, die in diesem äußerst transdisziplinär angelegten Projekt durchgeführt wurden, tragen einerseits zur Weiterentwicklung der Themenfelder Diaspora und Populärkultur bei und wirken andererseits aber auch in die Disziplinen hinein, in denen die beteiligten Forscherinnen ihren Hintergrund haben: nämlich in den Afrikawissenschaften, Politikwissenschaften und der Entwicklungsforschung. Weiters war das Projekt eng an die Forschungsplattform "Mobile Kulturen und Gesellschaften" an der Universität Wien angebunden und nahm Einfluss auf die Debatten in transdisziplinären Mobilitätsstudien. Reflektionen über Forschungsansätze und -methoden nahmen viel Raum im Projekt ein. Das Arbeiten in einem transdisziplinären Team und darüber hinaus mit audiovisuellen Methoden generierte intensive Diskussionen über Positionierungen der Forschenden im Feld und ethische Fragen. Zum Output des Projekts gehören neben zahlreichen wissenschaftlichen Texten zwei Forschungsfilme, die beide in Kooperation mit dem Filmemacher Andres Carvajal entstanden sind. Der erste Film "Creating Comoria" fokussierte auf die Franko-komorische Afrofolkgruppe Afropa. Der zweite Film "Twarab Stories from Marseille", der zusammen mit dem Künstler Mounir Hamada Hamza entwickelt wurde, hat die schwierige Situation von (Franko)-komorischen Künstlern, die Twarab spielen, zum Inhalt. Die Filme wurden bei zahlreichen Veranstaltungen in Österreich und Frankreich gezeigt und im Fall von "Twarab Stories from Marseille" auch auf den Komoren. Eine weiterer Beitrag zu Forschungsmethoden, der aus dem Projekt hervorgegangen ist, bezieht sich auf die Nutzung von sozialen Medien als Archive, die für Forschungen zu populärkulturellen Phänomenen herangezogen werden können und die Aspekte, die dabei bedacht werden sollten.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Hauke Dorsch, Johannes Gutenberg Universität Mainz - Deutschland
  • Nadine Siegert, Universität Bayreuth - Deutschland
  • Susan Arndt, Universität Bayreuth - Deutschland
  • Ulf Vierke, Universität Bayreuth - Deutschland
  • Oliver Bakewell, Manchester University - Vereinigtes Königreich
  • Shirley Ann Tate, University of Leeds - Vereinigtes Königreich
  • Ian Walker, University of Oxford - Vereinigtes Königreich

Research Output

  • 13 Zitationen
  • 12 Publikationen
  • 2 Künstlerischer Output
Publikationen
  • 2018
    Titel The Dispositive of Communitarisation: An Intersectional Analysis of Political and Cultural Mobilisations as Biopolitics. With a Focus on 'Franco-Comorian Diaspora' in Marseille
    Typ Other
    Autor Fritsch
  • 2016
    Titel Reflections on the Role and Production of Research Films in African Studies; In: Africa Research in Austria: Approaches and Perspectives
    Typ Book Chapter
    Autor Englert
    Verlag Innsbruck University Press
    Seiten 21
  • 2016
    Titel For more feelings of unease within white research practice - A critical whiteness perspective on postcolonial research encounters
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Fritsch
    Konferenz 'Beyond the Master's Tools: Post- and Decolonial approaches to research methodology and methods in the social sciences'
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Popular and Mobile: Reflections on using YouTube as an archive from an African Studies perspective
    Typ Journal Article
    Autor Englert
    Journal Stichproben.Vienna Journal of African Studies
    Seiten 27-56
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Kulturelle Mobilisierungen 'franko-komorischer Diaspora' in Marseille - Intersektionelle Verhandlungen
    Typ Journal Article
    Autor Fritsch
    Journal Stichproben.Vienna Journal of African Studies
    Seiten 101-132
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Translocal Popular Culture. Foreword.
    Typ Journal Article
    Autor Englert
    Journal Stichproben.Vienna Journal of African Studies
    Seiten 1-4
    Link Publikation
  • 2019
    Titel On Notions of (In)Visibilityand Diaspora Space: The Case of Batukuas a Popular Cultural Practice in Lisbon
    Typ Journal Article
    Autor Stepanik
    Journal Stichproben.Vienna Journal of African Studies
    Seiten 75-100
    Link Publikation
  • 2019
    Titel HipHop and beyond: Mobilities in the work of Franco-Comorian artists Soprano and Ahamada Smis; In: Mobile Cultures and Societies
    Typ Book Chapter
    Autor Englert
    Verlag Vienna University Press
  • 2019
    Titel Translocal popular culture
    Typ Book
    Autor Englert
    editors Englert, B.
    Verlag Stichproben
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Looking through two lenses: reflections on transnational and translocal dimensions in Marseille-based popular music relating to the Comoros
    DOI 10.1080/1070289x.2018.1507959
    Typ Journal Article
    Autor Englert B
    Journal Identities
    Seiten 542-557
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Popular and Mobile: Reflections on Using YouTube as an Archive from an African Studies Perspective (Reprint); In: Afrika - Zugänge und Einordnungen. Afrikaforschung in Österreich.
    Typ Book Chapter
    Autor Englert
    Verlag Johannes Kepler University Linz
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Reinventing and multiplying ‘Comorian diaspora’ within popular culture: Marseilles as ‘diaspora space’
    DOI 10.1386/cjmc.6.2.247_1
    Typ Journal Article
    Autor Englert B
    Journal Crossings: Journal of Migration & Culture
    Seiten 247-265
Künstlerischer Output
  • 2016 Link
    Titel Histoires de Twarab à Marseille / Twarab Stories from Marseille.
    Typ Film/Video/Animation
    Link Link
  • 2014 Link
    Titel 'Créer Comoria' - un documentaire sur le groupe de musique Franco-Comorien Afropa à Marseille / 'Creating Comoria' - a documentary on the Franco-Comorian music group Afropa in Marseilles
    Typ Film/Video/Animation
    Link Link

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