Steindenkmäler und Steingewinnung im Raum Carnuntum - Vindobona
Stone monuments and Stone Quarrying in the Carnuntum - Vindobona Area
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (25%); Geowissenschaften (35%); Geschichte, Archäologie (40%)
Keywords
-
Archaeology of Roman Provinces,
Vindobona,
Geology,
Sacral Monuments,
Carnuntum,
Cultural History
Ziel des vorliegenden Projektantrages ist die wissenschaftliche Aufnahme und Neubearbeitung römerzeitlicher Steindenkmäler des Raumes CarnuntumVindobona sowie deren ganzheitliche Aus-wertung auf interdisziplinärer Basis. Die Aufnahme fokussiert auf die kultbezogenen Monumente des Umlandes von Carnuntum, wobei die sinnvolle Eingrenzung des behandelten Gebietes Teil der anvisierten Fragestellung ist. Dem Quellenmaterial werden für die Auswertung die bereits publizier-ten Götter- und Weihedenkmäler des Siedlungsgebietes von Carnuntum (Corpus signorum imperii romani, Carnuntum Supplement 1) sowie die Steindenkmäler aus Vindobona gegenübergestellt. Kern des Konzeptes bilden zwei gleichrangige Anforderungen: Einerseits die möglichst lückenlose Erschließung des sowohl konservatorisch als auch wissenschaftlich vernachlässigten, aber historisch bedeutsamen Denkmälerbestandes nach dem erweiterten CSIR-Konzept. Die Publikation erfolgt parallel und in Ergänzung zu den im Aufbau begriffenen Bilddatenbanken. Andererseits die kultur-historische Wertschöpfung dieses Quellenmaterials anhand vernetzter Forschungsergebnisse unterschiedlicher Disziplinen und in Gegenüberstellung mit weiteren, bereits erfassten Denkmälergruppen. Zum Einsatz kommen innovative Methoden sowohl der Geisteswissenschaften (Archäologie, Alte Geschichte und Epigraphik, Kunst-, Religions- und Kulturgeschichte), als auch der Natur- und Sozialwissenschaften (Fazies- und Environmentuntersuchung, Geoinformation, Wirtschafts-geschichte). Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt auf der Erarbeitung einer Datengrundlage zur Provenienz-bestimmung lokaler Gesteine des Wiener Beckens und des Leithagebietes (Geodatenbank). Durch die Gesteinsanalyse antiker Werksteine einerseits und die Lokalisierung historischer Abbaugebiete andererseits wird neues Datenmaterial erarbeitet. Daraus ergeben sich neue Themenfelder und Fragestellungen, unter anderem zur Werkstätten-, Wirtschafts- und Siedlungsgeschichte oder zu Problemen der Datierung und der Stilentwicklung. Eine praktische Anwendung der Ergebnisse wird auf dem Gebiet der Restaurierung und der Museologie erwartet. Die Zusammenarbeit der beteiligten Personen und Institutionen sichert neben der optimalen fachlichen Kompetenz die Zugänglichkeit notwendigen Quellenmaterials und bereits bestehender Datengrundlagen. So fließen über die Institute der ÖAW, der GBA, der TU Wien und der Universität Wien sowie über das Archäologische Museum Carnuntinum und das Wien Museum beträchtliche Wissens- und Datenressourcen in das Projekt ein. Sie können für die Entwicklung und Behandlung neuer Fragestellungen hervorragend genutzt werden. Die Einbindung junger Fachkräfte soll die Möglichkeit zum Entwurf längerfristiger Forschungsziele schaffen.
Hauptziel des CarVin-Projektes war die Erfassung und archäologisch-geologische Untersuchung und Aus-wertung der aus lokalen und regionalen Gesteinen gefertigten römischen Denkmäler aus den Siedlungs-gebieten von Carnuntum und Vindobona sowie dem Wiener Becken und dem Leithagebiet. Durch die Herkunftsbestimmung des in der Antike verwendeten Steinmaterials werden neue Einblicke in die Gewinnung und Verarbeitung von Stein sowie in die Siedlungs-, Transport-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte des Untersuchungsgebietes gewonnen. Grundlage für die Herkunftsbestimmung ist die geologisch kleinräumige Differenzierung von sieben verschiedenen Steinbruchregionen im Leithagebirge, in den Hainburger Bergen und am Westrand des Wiener Beckens. Die Entwicklung eines vereinfachten petrographischen Bestimmungsschlüssels für die makroskopische Gesteinsansprache ermöglicht nun eine Klassifizierung der relevanten Gesteinstypen. Es zeigte sich, dass etwa zwei Drittel des aus Carnuntum untersuchten Steinmaterials aus dem Leitha-gebirge stammen, ein Drittel aus dem lokalen Abbaugebiet der Hainburger Berge. Auch in Vindobona wurde für etwa ein Drittel der untersuchten Monumente Gestein aus dem Leithagebirge bezogen, während zwei Drittel vom Westrand des Wiener Beckens stammen. Für alle relevanten Steinbruch-regionen konnte der Abbau ab dem Beginn der militärischen Präsenz in Carnuntum (ab der Mitte des 1. Jhs.) bzw. Vindobona (ab dem Ende des 1. Jhs.) bis in die Spätantike nachgewiesen werden. Die Erkundung der Abbaugebiete dürfte frühzeitig, noch vor der Errichtung der Legionslager erfolgt sein. Militärische Einheiten gaben ihre Kenntnisse der Topographie und Rohstoffvorkommen an nachfolgen-de Einheiten weiter. Gestein aus dem Ruster Hügelland ist unter den Denkmälern des Untersuchungs- gebietes nur spärlich vertreten und scheint vor allem in weiter südlich gelegenen Gebieten und Städten wie Scarbantia/Sopron verwendet worden zu sein. In Carnuntum wie in Vindobona wurden für die Gewinnung von Baumaterial bevorzugt, aber nicht ausschließlich lokale Abbaugebiete genutzt, während qualitativ hochwertiges Material für Skulpturen vorwiegend aus dem Leithagebirge bezogen wurde. Ein ähnliches Bild bietet sich auch in den ländlichen Regionen des Hinterlandes. Manche Werkstätten scheinen Rohmaterial oder Halbfabrikate aus verschiedenen Steinbruchregionen (weiter)verarbeitet zu haben. Die Analyse der möglichen Transportrouten zeigt, dass der Steintransport im Untersuchungsgebiet über das bestehende Straßennetz erfolgte, das wahrscheinlich im Zuge der Gebietserschließung weiter aus-gebaut wurde. Da die vorhandenen Steinbruchgebiete offenbar gleichzeitig genutzt wurden, liefert die Gesteinsbestimmung keine Anhaltspunkte für die Feindatierung der Monumente. Hingegen bietet sie wertvolle Hilfe bei der Erkennung von Fälschungen, der Restaurierung von Denkmälern und der Identifizierung von wiederverwendetem Spolienmaterial in Bauwerken der nachfolgenden Jahrhunderte.
- Technische Universität Wien - 15%
- GeoSphere Austria (GSA) - 15%
- Universität Wien - 10%
- Österreichische Akademie der Wissenschaften - 60%
- Beatrix Moshammer, GeoSphere Austria (GSA) , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Andreas Rohatsch, Technische Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Michael Doneus, Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in