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Die Anfänge häuslicher Religion im frühen Christentum

The Beginnings of Domestic Religion in Ancient Christianity

Markus Öhler (ORCID: 0000-0003-4294-9778)
  • Grant-DOI 10.55776/P26398
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.05.2014
  • Projektende 30.11.2017
  • Bewilligungssumme 317.216 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Philosophie, Ethik, Religion (100%)

Keywords

    Domestic Religion, Family, Early Christian Worship, Household, Late Antique Archaeology

Abstract Endbericht

Das Christentum entwickelte sich nicht aus einem öffentlichen Kult, sondern im Kontext von Familie und Haus. Allerdings richtete die Forschung ihr Hauptaugenmerk bislang auf die frühen Gemeinden und die Entwicklung des offiziellen Kultes, der häusliche und familiäre Bereich als Ort alltäglicher Religiosität blieb weitgehend unberücksichtigt. Das Projekt erforscht diesen essentiellen Teil antiken christlichen Lebens, indem die Charakteristika nicht-öffentlichen und familiären Christentums von der griechisch-römischen Epoche bis in spätantike Zeit anhand der literarischen und archäologischen Zeugnisse in komplementärer Methodik erarbeitet werden. Diese Forschungsarbeit eröffnet neue Perspektiven für das Verständnis des antiken Christentums und hat hohe Relevanz nicht nur für neutestamentliche Forschung und christliche Archäologie, sondern auch für Kirchen-, Liturgie- und Sozialgeschichte. Ausgehend von der vielgestaltigen paganen häuslichen Religion mit ihren Zielen und sozialen Dimensionen sind die Hauptforschungsfelder des Projekts die folgenden: Im ersten Teil stehen die religiösen und sozialen Bedingungen zweier unterschiedlicher Gruppen im Fokus: (1) Christusgläubige als Mitglieder paganer Haushalte, und (2) christliche Haushalte. Wie gingen Christusgläubige mit ihrer früheren paganen Religiosität um und wie entwickelten sie eigene Formen alltäglicher Verehrung im häuslichen Umfeld? Welche Konsequenzen hatte ihr neuer Glaube für die verschiedenen sozialen Konstellationen im Haus? Dieser Teil des Projekts behandelt die ersten beiden Jahrhunderte und den griechischen Teil des röm. Reiches. Relevante Quellen aus späterer Zeit und anderen Orten werden gegebenenfalls herangezogen. Er wird sich mit dem Neuen Testament, den Apostolischen Vätern, der frühen apokryphen Literatur und den Apologeten befassen. Im zweiten Teil erfolgt eine Analyse aller Funde, Artefakte und architektonischer Hinterlassenschaften, die christliche religiöse Praxis im Haus bezeugen. Vom 3. Jahrhundert an wird dadurch die Entwicklung spezieller christlicher Hausreligiosität erkennbar. Welche Gestalt nahmen häusliche Kultschreine an, sobald die Bewohner Christen wurden? Wie wurden solche Einrichtungen für den neuen Glauben adaptiert? Welche Objekte ersetzten die bisherigen Votive, Lararien, Altäre oder Gegenstände der religiösen Praxis im Haus? Auch die archäologischen Evidenzen (3.-5.Jhd.) werden sich hauptsächlich, wenn auch nicht ausschließlich, Entwicklungen im Osten des röm. Reiches widmen. Beide Teile werden aufgrund ihrer methodischen und chronologischen Ausrichtungen einerseits unabhängig voneinander durchgeführt. Andererseits wird durch den kontinuierlichen Austausch von Ergebnissen ein besseres Verständnis der Neu- bzw. Umgestaltung häuslicher Religiosität im sich konstituierenden Christentum und seiner Auswirkungen auf soziale Strukturen und materielle Kultur ermöglicht. Die Erforschung dieser Transformationsprozesse in den Anfängen des Christentums und in den Anfängen ihrer materiellen Hinterlassenschaften ist das Hauptanliegen des Projekts und verknüpft die beiden Teile eng.

Das Projekt arbeitete von 1.Mai 2014 bis 30.November 2017 an einem bisher kaum berücksichtigten Forschungsthema, der Entwicklung frühchristlicher Religiosität im häuslichen Kontext. Das Christentum entwickelte sich nicht aus einem öffentlichen Kult, sondern im Kontext von Familie und Haus. Das Projekt erforschte den häuslichen und familiären Bereich als Ort alltäglicher Religiosität, indemdie Charakteristika nicht-öffentlichen und familiären Christentums von der griechisch-römischen Epoche bis in spätantike Zeit anhand der literarischen und archäologischen Zeugnisse in komplementärer Methodik erarbeitet wurden. Diese Forschungsarbeit eröffnete neue Perspektiven für das Verständnis des antiken Christentums und hat auch für die Zukunft hohe Relevanz nicht nur für neutestamentliche Forschung und christliche Archäologie, sondern auch für Kirchen-, Liturgie- und Sozialgeschichte. Ausgehend von der vielgestaltigen paganen häuslichen Religion mit ihren Zielen und sozialen Dimensionen standen folgende Forschungsfelder im Zentrum des Projekts:Zum einen standen die religiösen und sozialen Bedingungen zweier unterschiedlicher Gruppen im Fokus: (1) Christusgläubige als Mitglieder paganer Haushalte, und (2) christliche Haushalte. Es zeigte sich, dass wesentliche Formen religiöser Praxis innerhalb des häuslichen Kontextes aus paganer Tradition weitergeführt und adaptiert wurden. Zugleich zeigte sich, dass die neue religiöse Orientierung zu Spannungen innerhalb des Hauses fand, wobei Ehepaare, aber auch die Erziehung besonders im Fokus standen. Dieser Teil des Projekts behandelte vor allem die ersten beiden Jahrhunderte und den griechischen Teil des Römischen Reiches, doch wurden auch relevante Quellen aus späterer Zeit und anderen Orten herangezogen. Dazu gehörten Texte des Neuen Testaments, der Apostolischen Väter, der frühen apokryphen Literatur und der Apologeten. Archäologische Zeugnisse christlicher Frömmigkeit aus dieser frühen Zeit sind nicht erhalten.Der archäologisch orientierte Teil des Projekts analysierte alle Funde, Artefakte und architektonischen Hinterlassenschaften, die christliche religiöse Praxis im Haus bezeugen. Vom 3. Jahrhundert an wurde dadurch die Entwicklung spezieller christlicher Hausreligiosität erkennbar, wobei auch hier die Funde durchaus vereinzelt waren. Es zeigte sich dennoch an einzelnen Objekten die konkrete Gestaltung häuslicher Kultschreine und weiterer religiös verwendeter Artefakte. Die Aufarbeitung der archäologischen Evidenzen des 3.-6.Jhd. konzentrierte sich auch hier v.a. auf den Osten des röm. Reiches.In Einzelpublikationen, einem Sammelband sowie in zahlreichen Vorträgen wurden die Ergebnisse der wissenschaftlichen Öffentlichkeit präsentiert, die in zunehmendem Ausmaß die Forschungsansätze und Ergebnisse dieses Projekts aufnimmt.

Forschungsstätte(n)
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 49%
  • Universität Wien - 51%
Nationale Projektbeteiligte
  • Andreas Pülz, Österreichische Akademie der Wissenschaften , assoziierte:r Forschungspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Andreas Müller, Christian Albrechts Universität Kiel - Deutschland
  • Andreas Bendlin, University of Toronto - Kanada
  • Caroline E. Johnson-Hodge, College of the Holy Cross - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 5 Publikationen
Publikationen
  • 2018
    Titel Häusliche Religiosität im frühen Christentum: Werkstattbericht eines interdisziplinären Forschungsprojekts.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Fugger V
    Konferenz Akten des 16. Österreichischen Archäologentages, edd. G. Schörner - K. Meinecke, Wien 2018
  • 2016
    Titel Häusliche Religion in Ephesos: Christliche und nicht-christliche Befunde vom 1. bis zum 6. Jahrhundert n. Chr.
    DOI 10.1628/186870316x14712579796895
    Typ Journal Article
    Autor Öhler M
    Journal Early Christianity
    Seiten 313
  • 2017
    Titel Domestic Religion in Greco-Roman Antiquity and Early Christianity
    DOI 10.1515/arege-2016-0001
    Typ Journal Article
    Autor Öhler M
    Journal Archiv für Religionsgeschichte
    Seiten 3-6
  • 2016
    Titel Gebet in den Häusern der Antike als Ausdruck von Frömmigkeit
    DOI 10.14220/9783737006507.49
    Typ Book Chapter
    Autor Gugl R
    Verlag Brill Deutschland
    Seiten 49-64
  • 2016
    Titel Streitfall Religion. Zum spannungsvollen Nebeneinander von griechisch-römischer und christlicher Religiosität in antiken Haushalten.
    Typ Journal Article
    Autor Gugl R

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