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Zentrum und Peripherie? Islamische Architektur im osmanischen Makedonien, 1383-1520

Centre and periphery? Islamic architecture in Ottoman Macedonia, 1383-1520

Markus Ritter (ORCID: 0000-0003-2984-9617)
  • Grant-DOI 10.55776/P26406
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.08.2014
  • Projektende 31.07.2019
  • Bewilligungssumme 233.347 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Kunstwissenschaften (50%); Soziologie (50%)

Keywords

    History of Islamic art, Ottoman History, Balkans/Southeast Europe, Macedonia, Centres-Peripheries, History of Architecture

Abstract Endbericht

Das vorliegende Projekt bezweckt, eine Forschungslücke im Hinblick auf die Kenntnis islamischer Bau- und Dekorationskunst in Südosteuropa zu schließen. Die aussichtsreichen Ergebnisse vorbereitender Arbeiten verheißen eine Revision der gängigen Auffassung, die osmanische Baudenkmäler am Balkan als bloße Resonanzen von Entwicklungen versteht, die sie ursächlich in den Hauptstädten Edirne und Istanbul verortet. Die Folge war eine historiografische Marginalisierung dieses Kulturerbes. Das beabsichtigte Forschungsprojekt postuliert stattdessen eine viel dynamischere Interaktion zwischen Zentrum und Peripherie. Ferner misst das Projekt den oft nur unzulänglich bekannten Bauten auf europäischem Boden in der Gesamtentwicklung osmanischer Architektur mehr Bedeutung bei als bislang üblich. Diese Schlussfolgerung wird durch eine kritische Neubewertung ausgewählter Werke in der Geschichtsregion Makedonien gefördert. Eine sorgfältige Prüfung der verfügbaren Dokumentation in Verbindung mit einem eingehenden Studium schriftlicher und materieller Quellen wird Eigenschaften aufzeigen, die Unterschiede zur zeitgenössischen Baukunst in anderen osmanischen Regionen bezeugen. Diese Unterschiede, die eine zeitweilige Begünstigung Makedoniens gegenüber anderen Regionen belegen, wurden bislang ob des unzulänglichen Erhaltungszustands vieler Baudenkmäler nicht wahrgenommen. Ihre ursprüngliche Beschaffenheit wurde im Laufe der Zeit durch umfassende Eingriffe in ihre Baustruktur verändert; das Wesen und die Hintergründe dieser Eingriffe wurden vergessen. So wird der Anspruch auf eine Neubewertung durch sachkundige Rekonstruktionsversuche untermauert, die auch im Zusammenhang mit der Entwicklungsgeschichte osmanischer Architektur im Allgemeinen schwer wiegen. Neben dem beizeiten irreführenden Jetztzustand mancher Baudenkmäler wirkten forschungsgeschichtlich weitere Faktoren erschwerend. Die in Südosteuropa getätigte Forschung bewegt sich traditionell innerhalb der gegenwärtigen Landesgrenzen und verkennt somit die Grenzen des osmanischen Staats in Europa als den historisch fachgemäßen Referenzrahmen einer kritischen Formsemantik. Daneben hat auch die Vielzahl der am Balkan verwendeten Sprachen den transnationalen wissenschaftlichen Austausch maßgeblich erschwert. Grundlegende Werke der Forschungsliteratur sind so nur einem relativ kleinen Kreis von Sprachmächtigen zugänglich. Methodisch darf auch die traditionelle Betrachtungsweise infrage gestellt werden, die osmanische Baudenkmäler in Südosteuropa als quasi unausweichliche Konsequenz der Präsenz einer (fremdartigen) "Kultur" versteht statt als die Materialisierung von wissenschaftlich erfassbaren Ambitionen und Bedürfnissen von Auftraggebern, Nutzern und anderen. Das vorliegende Projekt beabsichtigt, die erkenntnishemmende Lücke zwischen zwei Forschungstraditionen zu schließen, die sich jeweils vorrangig mit Form oder Funktion beschäftigen. Der Fortschritt wird auf einer mehrsprachigen Projektwebsite dokumentiert, die im Laufe der Studie gewonnenen Einsichten auf einem internationalen Workshop zur Diskussion gestellt. Danach werden die Erkenntnisse einer internationalen Leserschaft in Form einer englischsprachigen Monografie zugänglich gemacht. Das auf drei Jahre angelegte Projekt wird maßgeblich dazu beitragen, die Position des Instituts für Kunstgeschichte der Universität Wien als eine Forschungsstelle internationalen Formats im Bereich der islamischen Kunstgeschichte, für die 2012 ein neuer Lehrstuhl errichtet wurde, zu stärken.

The project set out with the aim to reassess the place of Macedonia - a core region of the Ottoman sultanate in Europe - in the established art historical narrative of Ottoman architecture. The focus was on the period between the late fourteenth and early sixteenth century - a period of significant changes with regard to the development of Ottoman architecture with regard to building types and institutions. As the predominant art historical narrative on this heritage focuses on architecture in the modern nation state of Turkey, the project inquired to which extent material in areas outside of Turkey support or vary this narrative. A representative sample of architectural monuments in the region was chosen for an in-depth, comparative, and interdisciplinary study. The project's findings went beyond what was expected. The city of Skopje (Üsküb), for much of the period under consideration, turned out as a kind of showcase for what Ottoman culture had to offer on the western frontier of the expanding sultanate. The relatively well-documented case of this city allowed to question two historiographical paradigms. One concerned the problem of Ottoman city-building; more specifically the idea that the Ottomans advanced an instantaneous course of transformation generally termed 'Ottomanization' in research literature. The detailed case study of Skopje, with a view to patronage, demonstrated that this was neither a swift nor a systematic process. It often lasted many decades and was essentially driven by the particular interests of various men of means. Their resolve to compete with each other appears to have overruled grander designs. While for sure Balkan towns experienced decisive changes in the fifteenth and sixteenth centuries, the dynamic of this process may be better described as cumulative rather than linear. A second major finding concerned problems in the historical typology of the Ottoman Friday mosque. The Macedonian case study seems to indicate that a major turning point in the late fifteenth century was generously overlooked thus far. The findings suggest that the way the Ottomans conceived of the functional and ideological/monumental topography of their cities changed at that point. It eventually gave rise to the new type of a mosque, the history of which was seen from its endpoint and written backward, misleadingly, as the result of a linear formal development: the single-domed mosque. The case study suggested that the circumstances that led to its success over other types quite suddenly appeared at one point in history.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Stefan Weber, Staatliche Museen zu Berlin - Deutschland
  • Elias Kolovos, University of Crete - Griechenland
  • Johan Martelius, Royal Institute of Technology - Schweden
  • Cigdem Kafescioglu, Bogazici University - Türkei
  • Dimitris Kastritsis, University of St. Andrews - Vereinigtes Königreich

Research Output

  • 1 Zitationen
  • 7 Publikationen
Publikationen
  • 2017
    Titel Building the Ottoman city -- a linear of cumulative process? Lessons from fifteenth-century Skopje
    Typ Other
    Autor Maximilian Hartmuth
    Link Publikation
  • 2017
    Titel A late-fifteenth-century change in the rapport of Friday mosque and Ottoman city? A case study of Macedonia
    Typ Other
    Autor Maximilian Hartmuth
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Ottoman architecture in the Republic of Macedonia: A critical survey of key monuments from the fifteenth through nineteenth centuries
    Typ Other
    Autor Maximilian Hartmuth
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Architecture, change, and discontent in the empire of Mehmed II: The Great Mosque of Sofia, its date and importance reconsidered; In: Osmanl mimarlk kültürü
    Typ Book Chapter
    Autor Maximilian Hartmuth
    Verlag Kubbealti
    Seiten 337-350
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Mineral Exploitation and Artistic Production in the Balkans after 1250; In: Ottoman Metalwork in the Balkans and in Hungary
    Typ Book Chapter
    Autor Maximilian Hartmuth
    Verlag Hungarian National Museum
    Seiten 97-110
    Link Publikation
  • 2019
    Titel The Ottoman architecture in Greece then and now: Quantitative approach
    DOI 10.21608/shedet.006.06
    Typ Journal Article
    Autor Ameen A
    Journal Shedet
    Seiten 93-115
    Link Publikation
  • 2019
    Titel THE OTTOMAN ARCHITECTURE IN GREECE THEN AND NOW: QUANTITATIVE APPROACH
    DOI 10.36816/shedet.006.06
    Typ Journal Article
    Autor Ameen A
    Journal SHEDET, ANNUAL PEER-REVIEWED JOURNAL ISSUED BY THE FACULTY OF ARCHAEOLOGY, FAYOUM UNIVERSITY
    Seiten 93-115
    Link Publikation

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