Terminologische Interferenz - der Fall Gottschalks von Orbais
Terminological Interference - the Case of Gottschalk of Orbais
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (70%); Soziologie (10%); Sprach- und Literaturwissenschaften (20%)
Keywords
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Medieval History,
Medieval Theology,
Medieval Philology
Ziel des beantragten Projekts ist es, auf Basis einer philologischen Analyse der Texte Gottschalks von Orbais, eines der umstrittensten Theologen der Karolingerzeit, bzw. seiner Verwendung von Sprache, die von Vorbildern aus der klassischen und patristischen Literatur geprägt ist, festzustellen, in welchem Ausmaß der theologische Diskurs des 9. Jahrhunderts von politischen Konnotationen beeinflußt war. Vice versa ist die Frage zu stellen, ob in der Karolingerepoche eine politische Theologie entwickelt wurde, die den sozialen Herausforderungen und Problemen der Zeit enstprechen sollte, und ob in deren engen Rahmenbedingungen Abweichungen und Häresien umso stärker thematisiert wurden. Die historische Analyse soll daher das literarische, theologische, aber auch sozio- politische Umfeld, in dem sich Gottschalk bewegte, in den Blick nehmen und die argumentativen Spielräume und Positionen ausloten, die ihm in diesem zunehmend radikalisierten Diskurs blieben. Um ein schärferes Bild dieser politischer Theologie(n) zu gewinnen, soll die linguistische und semantische Untersuchung Gottschalks Literatur mit Texten seiner Gegner wie auch seiner Anhänger und Unterstützer vergleichen. Ferner sollen am Beispiel Gottschalks die Quellen und literarischen Voraussetzungen, die in den theologischen Debatten des 9. Jahrhunderts verwendet wurden, sowie die Ausprägungen der (Re)konstruktion dieser Quellen erforscht werden. Das Projekt soll insgesamt der Frage nachgehen, inwieweit der politische Diskurs der Karolingerzeit aus dem Reservoir einer theologisch-moralischen Sprache schöpfte.
Die wichtigsten Aspekte des Projektes über Gottschalk von Orbais tragen zu einer Kontextualisierung seiner Werke (Prosa und Poesie) bei, die zusammen mit den Texten von Gottschalks Zeitgenossen analysiert wurden. Im Zentrum der Untersuchung stand die Wahrnehmung von hierarchia, unter Bezugnahme auf die aktuelle historisch-politische Situation im Frankenreich (ca. 850860). Die Forschungsfrage bestand darin, wie die zentralen religiösen Konzepte und Theorien von einem Häretiker wie Gottschalk einerseits, und von den orthodoxen Klerikern andererseits auf verschiedene Art und Weise verstanden wurden. Das Projekt beabsichtigte nicht nur, durch vergleichende Analyse von ausgewählten Texten die Verbindung zwischen politischem und theologischem Diskurs zu demonstrieren, sondern auch zu zeigen, wie das intellektuelle Klima dieser Epoche in Texten reflektiert wurde. Der Forschungsansatz wurde über die Analyse zentraler Begriffe wie etwa haeresis, hierarchia, oboedientia, authoritas) und deren semantischen Umfeldern strukturiert; im Besonderen wurden in komparatistischer Zugangsweise rhetorische Strategien und Metaphern im Schnittpunkt von Geschichte, Politik, Theologie und Philologie untersucht. Die Ergebnisse des Forschungsprojektes über Gottschalk von Orbais wurden in Konferenzpräsentationen und Artikeln zusammengefasst, und sollen als Basis für die zukünftige Forschung dienen.
- Thomas Scharff, Technische Universität Braunschweig - Deutschland
Research Output
- 2 Publikationen
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2016
Titel Gottschalk of Orbais, Eberhard of Friuli and Alfred the Great: supporting the dissident thought, or, yearning for learning? Typ Book Chapter Autor Radovanovic B -
2014
Titel Caelestis hierarchia in theological writings of Gottschalk of Orbais: Has the Corpus Areopagiticum indirectly reached the West before the official translation was completed? Typ Conference Proceeding Abstract Autor Radovnovic B Konferenz ISNS 2014 Lisbon Conference, Book of Abstracts. The 12th annual conference of the International Society for Neoplatonic Studies, Lisbon 2014.