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Aktenedition: Österreich und die Deutsche Frage 1987-1990

Edition of Documents: Austria and the German Question 1987-1990

Michael Gehler (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P26439
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.01.2014
  • Projektende 31.12.2016
  • Bewilligungssumme 260.969 €

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (100%)

Keywords

    Germany, Austria, Reunification, German Question, 1987-1990

Abstract Endbericht

Das vorliegende Projekt strebt eine Aktenedition zum Thema "Österreich und die deutsche Frage 1987-1990" an. Mittlerweile liegen Editionen britischer, deutscher, französischer und sowjetischer Akten vor. Dagegen steht eine Erforschung der Haltung Österreichs aus. Dieses Desiderat kann nun infolge jüngster Aktenfreigaben erfüllt werden. Das Projekt reiht es sich in die anhaltenden internationalen Arbeiten zu diesem Themenkomplex ein. Während bei den bisherigen Editionen der Fokus auf den Jahren 1989/90 lag, geht dieses Projekt etwas weiter zurück. Das deutsch-deutsche Verhältnis war von den internationalen Zerwürfnissen der ersten Hälfte der 1980er Jahre weitgehend verschont geblieben. Die Beziehungen hatten sich auf allen Ebenen weiter intensiviert, was eine größere Abhängigkeit der DDR von der Bundesrepublik zur Folge hatte. Vom 7. bis 11. September 1987 absolvierte DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker seinen langersehnten Besuch in Bonn, der nicht nur als Höhepunkt seiner politischen Laufbahn erscheinen, sondern auch die deutsche Zweistaatlichkeit besiegeln sollte. Angesichts dieser Entwicklung stand der Fortbestand zweier deutscher Staaten auch im November 1989 für kaum jemanden in Frage. In Österreich war 1987 eine Große Koalition bestehend aus der Sozialistischen Partei Österreichs (SPÖ) und der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) gebildet worden. Fortan wurde eine verstärkte Europa- und Integrationspolitik verfolgt. Dieser Befund ist insofern relevant als die Haltung dritter Staaten zur deutschen Frage nicht losgelöst von ihrer Europa- und Integrationspolitik betrachtet werden kann. So erscheint das Jahr 1987 als sinnvolle Zäsur um den rasanten Wandel auch der Haltung Österreichs im Kontext der deutschen Einheit im Oktober 1990 dokumentieren und rekonstruieren zu können. Dies wird primär anhand der auf Antrag des Projektleiters freigegeben Akten des österreichischen Außenministeriums erfolgen. Der Großteil der Dokumente umfasst Einschätzungen und Gesprächsvermerke zu den Entwicklungen in der DDR, des deutsch-deutschen Verhältnisses und der internationalen handels-, macht-, sicherheits- und wirtschaftspolitischen Dimension des deutschen Einigungsprozesses. Zudem existieren umfangreiche Materialien zu den Beziehungen Österreichs mit beiden deutschen Staaten. Insbesondere die Quellen zur uneinheitlichen Haltung der österreichischen Regierung (mit ihren Hauptproponenten Bundeskanzler Franz Vranitzky/SPÖ und Außenminister Alois Mock/ÖVP) zwischen Spätherbst 1989 und Frühjahr 1990 bieten detailliertes und nuanciertes Analysematerial. Ergänzend werden relevante ost- und westdeutsche Dokumente, sowie Akten aus Partei- und Privatarchiven herangezogen. Das Hauptaugenmerk liegt auf folgenden Fragestellungen: Wie beurteilte die österreichische Diplomatie die Entwicklung der DDR und des deutsch-deutschen Verhältnisses in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre? Wie entwickelten sich vor diesem Hintergrund die bilateralen Beziehungen zu beiden deutschen Staaten? Welche Rolle und Haltung nahm Österreich als Akteur und Perzipient in den Jahren 1989/90 (Fluchtwelle, Mauerfall und deutscher Einigungsprozess) ein?

In diesem Projekt wurde eine Aktenedition zum Thema Österreich und die deutsche Frage 19871990 erarbeitet. Dadurch wurde ein Beitrag zur internationalen Forschungsdiskussion über die Geschichte der deutschen Einheit geleistet. Erstmals konnten österreichische Archivdokumente dieser Zeit öffentlich zugänglich gemacht und die Haltung Österreichs zur deutschen Einheit umfassend wissenschaftlich analysiert werden. Die publizierten Dokumente bieten Einblick, wie die österreichische Diplomatie und Politik die rasanten Veränderungen wahrnahmen und unter diesen Bedingungen agierten. Im Gegensatz zu den meisten vergleichbaren internationalen Quelleneditionen, die auf 1989/90 fokussieren, nahm dieses Projekt einen größeren Zeithorizont in den Blick. Es beginnt mit der Hinwendung der österreichischen Politik zur europäischen Integration und dem Besuch des ostdeutschen Staats- und Parteichefs Erich Honecker in der Bundesrepublik 1987, der die deutsche Zweistaatlichkeit zu zementieren schien.Österreich verfügte zu diesem Zeitpunkt über gute Beziehungen und enge wirtschaftliche Verflechtungen sowohl zur Bundesrepublik als auch zur DDR. Dennoch trug Österreich durch seine Mitwirkung an der Massenflucht von DDR-Bürgern aus Ungarn im Spätsommer 1989 erheblich zum Zusammenbruch des ostdeutschen Regimes bei. Bereits zu diesem Zeitpunkt begannen erste Diskussionen über die Frage einer Wiedervereinigung, jedoch hielt sie kaum jemand für möglich. Nach der überraschenden, unbeabsichtigten Öffnung der Berliner Mauer am 9. November 1989 gab es aber auch in Österreich zurückhaltende Reaktionen. Mit Blick auf die Haltung Österreichs zur deutschen Einheit im Jahr 1990 ist festzuhalten, dass Teile der österreichischen Politik nach dem Mauerfall nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen zunächst großes Interesse am Erhalt der Eigenstaatlichkeit der DDR zeigten. Bereits am 24. November 1989 besuchte Bundeskanzler Franz Vranitzky (SPÖ) Ost-Berlin, Ende Januar kam sein ostdeutsches Gegenüber Hans Modrow zu einem Gegenbesuch nach Wien. Außenminister Alois Mock (ÖVP) unterstützte von Anfang an die Politik des bundesdeutschen Kanzlers Helmut Kohl und betonte das Recht der Deutschen auf ihre Vereinigung. Schlussendlich begrüßte die österreichische Politik die deutsche Einheit einhellig, was nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, dass man beim angestrebten Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft der Unterstützung des geeinten Deutschlands bedurfte.Darüber hinaus entstand im Zuge des Projekts ein umfassender Sammelband, in dem erstmals eine gesamteuropäische Perspektive auf den deutschen Einigungsprozess eingenommen wird und auch transnationale Fragestellungen anschnitten werden. Vor dem historischen Hintergrund werden in Länderstudien die jeweiligen Haltungen zum Einigungsprozess analysiert und ein Ausblick auf die Rolle des geeinten Deutschlands in Europa geleistet.

Forschungsstätte(n)
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 50%
  • Universität Wien - 50%
Nationale Projektbeteiligte
  • Oliver Rathkolb, Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Anja Kruke, Friedrich Ebert Stiftung - Deutschland
  • Hanns Jürgen Küsters, Konrad-Adenauer-Stiftung - Deutschland
  • Christian Wenkel, Deutsches Historisches Institut in Paris - Frankreich
  • Antonio Varsori, Università degli studi di Padova - Italien
  • Andreas Hilger, Deutsches Historisches Institut Moskau - Russland
  • Aleksei M. Filitov, Russian Academy of Science - Russland
  • Christian F. Ostermann, Woodrow Wilson Center - Vereinigte Staaten von Amerika

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