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Suche nach Machtausgleich: Sigismunds Politik 1414-1418

Balancing Power: Sigismund´s Politics in Constance 1414-1418

Karel Hruza (ORCID: 0000-0002-6206-5411)
  • Grant-DOI 10.55776/P26524
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.04.2014
  • Projektende 31.10.2017
  • Bewilligungssumme 470.484 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (100%)

Keywords

    Council of Constance 1414-1418, Balancing Power in the Middle Ages, Kings Sigismund's Policy 1414-1418, Conflict Resolution in the Middle Ages

Abstract Endbericht

Der römisch-deutsche, ungarische und böhmische König Sigismund (13681437), seit 1433 römisch-deutscher Kaiser, herrschte über ein riesiges "Imperium". Den internationalen Höhepunkt seiner Herrschaft stellen seine Aufenthalte in Konstanz während des dortigen Konzils 14141418 dar, wo er die längste geschlossene Zeitspanne im Reich, nämlich 459 Tage in zwei Phasen (Dezember 1414Juli 1415, Januar 1417Mai 1418) verbrachte. Die ältere Forschung postulierte zwei "Reichstage" Sigismunds in Konstanz (Februar 1415, April/Mai 1417). Das Projekt gliedert sich in drei zusammenhängende Themenbereiche: 1. Untersucht werden soll die These, ob Sigismunds Konstanzer Aufenthalte nicht als zwei "lange Hoftage" qualifiziert werden können, deren Bedeutung für das politische Handeln Sigismunds in der Forschung nicht erkannt wurde. Nach neuesten Schätzungen hat Sigismund dort an die 2.000 Urkunden für Empfänger im Reich und außerhalb ausgestellt. Vergabe, Inhalte, Empfängerkreis, Aktionsradius und symbolische Kommunikation dieses Kanzleiauslaufs sollen analysiert werden. 2. Der "Reichskrieg" zwischen König Sigismund und Herzog Friedrich IV. von Österreich zur Zeit des Konzils soll nach intensiven Archivrecherchen erforscht und hierbei auch die Nachhaltigkeit der Konfliktlösung und Konsensfindung untersucht werden. 3. Der Streit zwischen dem Deutschen Orden und Polen vor König Sigismund und dem Konzil sowie die Auseinandersetzungen zwischen dem Orden und Polen sollen bearbeitet und das Scheitern einer nachhaltigen Lösung thematisiert werden. Beide Konfliktfälle sind, obwohl sie zu den bekanntesten Ereignissen des Konzils zählen, immer noch nicht ausführlich unter Beachtung neuer Quellenfunde und insbesondere des Handlungsspielraums Sigismunds analysiert worden. In allen drei Themenbereichen soll eine ausführliche Analyse der politischen Intentionen und Strategien und der Handlungsspielräume Sigismunds geleistet werden, auch unter dem Aspekt einer "Kulturgeschichte des Politischen", in der die symbolische Kommunikation (Zeremoniell, Ritual, Konsensfindung, Herrschaftsrepräsentation und -demonstration) im Fokus steht. Dass sich Sigismunds Handlungsspielräume aus verschiedenen Faktoren seiner Ressourcen, aber auch der Diplomatie, Entscheidungsfindung und Verfahrenspraxis zusammensetzen, macht deren Untersuchung spannend. Die Projektergebnisse sollen als drei monographische Studien publiziert werden und neue Bausteine zur Geschichte des Konstanzer Konzils als "politisches Ereignis", zur politischen Biografie Sigismunds, seiner Urkundenproduktion und zum Themenkomplex König und Reich im Spätmittelalter liefern. Erste Projektergebnisse sollen 2015 in Leeds (IMC) vorgestellt und das Projekt 2016 in Konstanz in einer internationalen Fachtagung abgeschlossen werden.

Das FWF Projekt 26524-G18 Suche nach Machtausgleich: Sigismunds Politik 1414-1418 lief von April 2014 bis einschließlich Oktober 2017 an der Abteilung Editionsunternehmen und Quellenforschung / MIR des Instituts für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien. Unter der Leitung von Karel Hruza arbeiteten Historiker/innen aus Deutschland, Österreich, Slowakei und Tschechien an drei Themenblöcken. Sie publizierten Beiträge, hielten Vorträge auf Fachtagungen und bereisten Archive in Österreich, Polen und Deutschland, um unbeachtete Quellen zu finden.Im Projektteil Die langen Hoftage Sigismunds während des Konstanzer Konzils erstellten Sandra Weiss und Anna Jagoov eine Datenbank mit 2669 Regesten, die König Sigismunds Wirken in Konstanz weitaus umfassender wissenschaftlich dokumentieren als bisherige Quellensammlungen. Ein ausführliches Namen-, Orts und Sachregister erlaubt ein zielführendes Arbeiten mit den Informationen der Datenbank. Ein von Alexandra Kaar verfasster Text thematisiert das Thema der zwei langen Hoftage Sigismunds in Konstanz und analysiert Sigismunds Urkundenvergabe und Handlungsspielräume. Die Ergebnisse dieses Projektteils sollen als Monografie sowohl in Buchform als auch online mit open access bei Regesta Imperii Online erscheinen.Im zweiten Projektteil analysierten Günter Katzler und Petra Heinicker den Reichskrieg zwischen König Sigismund und Herzog Friedrich IV. von Österreich zur Zeit des Konzils von Konstanz. In mehreren Aufsätzen konnte dieser ausgreifende Konflikt, den Sigismund in seinem Nahbereich vor Ort lösen konnte und der den deutschen Südwesten in seiner politischen Realität und Struktur wesentlich veränderte, unter Heranziehung unbeachteter Quellen ausführlicher als bisher dargestellt werden.Im dritten Projektteil untersuchte P?emysl Bar den Streit zwischen dem Deutschen Orden und Polen vor König Sigismund und dem Konstanzer Konzil Personen und Kommunikationsstrategien bei der Konfliktlösung. Dieser Konflikt wurde zwar in Konstanz verhandelt, fand aber in Sigismunds Fernbereich statt, zumal in Ländern, die nicht von ihm beherrscht wurden. Eine wesentliche Rolle spielte die von Bar anhand signifikanter Beispiele analysierte Kommunikation zwischen den in Konstanz anwesenden Vertretern der Konfliktparteien und ihren übergeordneten Auftraggebern im nordöstlichen Europa. Das Ergebnis erscheint in Aufsätzen und vor allem als Buch in tschechischer Sprache Diplomacie, prvo a propaganda v pozdnm st?edov?ku. Polsko-litevsk unie a ?d n?meckch ryt?? na kostnickm koncilu (1414-18) (Diplomacy, Law and Propaganda in the Late Middle Ages: The PolishLithuanian Union and the Order of Teutonic Knights at the Council of Constance [14141418]).

Forschungsstätte(n)
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Gerald Schwedler, Christian Albrechts Universität Kiel - Deutschland
  • Joachim Schneider, Johannes Gutenberg Universität Mainz - Deutschland
  • Tomasz Jurek, Polish Academy of Sciences - Polen
  • Stefan Kwiatkowski, Universität Szczecin - Polen
  • Adam Szweda, Uniwersytet Mikolaja Kopernika - Polen
  • Martina Stercken, University of Zurich - Schweiz
  • Peter Niederhäuser, Universität Freiburg - Schweiz
  • Robert Novotný, Charles University Prague - Tschechien

Research Output

  • 14 Publikationen
Publikationen
  • 2014
    Titel Reformer auf dem Scheiterhaufen.
    Typ Journal Article
    Autor Hruza K
    Journal Damals. Das Magazin für Geschichte, (Themenheft zum Konstanzer Konzil)
  • 2014
    Titel Die Causa Jan Hus auf dem Konzil. Einem "Ketzer" wird der Prozess gemacht.
    Typ Other
    Autor Hruza K
  • 2014
    Titel Hussitische Propaganda gegen das Konstanzer Konzil.
    Typ Book Chapter
    Autor Das Konstanzer Konzil. Weltereignis Des Mittelalters 1414-1418. Essays
  • 2017
    Titel Der Oberlausitzer Sechsstädtebund vom 14. bis zum 16. Jahrhundert.
    Typ Book Chapter
    Autor Kaar A
  • 2017
    Titel Reform, Konzil und Korrespondenz: Böhmen und die Kirche.
    Typ Book Chapter
    Autor Hruza K
  • 2017
    Titel König Wenzel (1361-1419), der Ehre beraubt? Eine kommentierte Skizze seines Lebens.
    Typ Journal Article
    Autor Hruza K
    Journal MIR Texte
  • 2017
    Titel A Tortuous Path to Reconciliation and Justice: Sigismund of Luxembourg as Arbiter in the Dispute between the Teutonic Knights and Poland (1412-1420).
    Typ Journal Article
    Autor Bar P
    Journal Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung
  • 2017
    Titel Päpstliche und kaiserliche Privilegien für den Deutschen Orden in Preußen zwischen Recht und Erinnerung. Einführung ins Thema.
    Typ Journal Article
    Autor Bar P
    Journal Studia historica Brunensia
  • 2014
    Titel "Die Kirche dürstet nicht nach Blut" (Ecclesia non sitit sanguinem) - Die Ketzerprozesse gegen Jan Hus und Hieronymus von Prag vor dem Konzil zu Konstanz.
    Typ Journal Article
    Autor Hruza K
    Journal MIR Texte
  • 0
    Titel J. F. Böhmer, Regesta Imperii XI. Regesten Kaiser Sigismunds (1410-1437) nach Archiven und Bibliotheken geordnet.
    Typ Other
    Autor Hruza K
  • 0
    Titel Jan Hus - Annäherung an Konstrukte einer wirkmächtigen Vita. Ein Essay.
    Typ Other
    Autor Hruza K
  • 2015
    Titel J. F. Böhmer, Regesta Imperii XI. Regesten Kaiser Sigismunds (1410-1437) nach Archiven und Bibliotheken geordnet.
    Typ Book
    Autor Bar P
  • 2016
    Titel J. F. Böhmer, Regesta Imperii XI. Regesten Kaiser Sigismunds (1410-1437) nach Archiven und Bibliotheken geordnet.
    Typ Book
    Autor Bar P
  • 2016
    Titel Omnes Poloni essent heretici. Kauza Jana Falkenberga a diskuze o pojmu "hereze" na kostnickém koncilu [Die Causa Johann von Falkenberg und die Diskussion über den Begriff der "Ketzerei" auf dem Konzil von Konstanz].
    Typ Book Chapter
    Autor Bar P

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