Der Nachlass Werner Schwab - Auswertung des frühen Prosaschrifttums
The Literary Remains of Werner Schwab - an Appraisal of his Early Prose Writings
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
-
Werner Schwab,
Indexing of Schwab's Literary Remains,
Analysis of Schwab's Early Prose Writings,
Schwab's Language Theory and Philosophy
Keywords: Nachlass-Erschließung, Text- und Sprachanalyse des frühen Prosaschrifttums Werner Schwabs, Schwabs Sprachtheorie und ihre sprachphilosophischen Wurzeln Der österreichische Autor Werner Schwab (1958-1994), dessen Karriere an den deutschsprachigen, teils auch internationalen Bühnen sich Anfang der 1990er Jahre in rasendem Tempo vollzog, galt zum Zeitpunkt seines Todes als der erfolgreichste undmeistgespielte deutschsprachige Gegenwartsdramatiker. Vierzehn bzw. fünfzehn Stückezählt das publizierte Werkverzeichnis des Frühverstorbenen. Die Kritik konstatierte an den Stücken des Autors einen neuartigen Theaterstil und -ton. Vor allem erregte Schwabs so irritierende wie fremdartige und ganz und gar originäre Dramensprache, bald als das Schwabische apostrophiert, die besondere Aufmerksamkeit der Kritiker. Allmählich begann sich auch die germanistische Forschung mit Schwab zu befassen, wobei sich das Forscherinteresse bis zuletzt so gut wie ausschließlich auf Schwabs Theatertexte richtete. Fast völlig ausgeblendet blieb bislang hingegen die im Verlauf der 1980er Jahre entstandene und nach wie vor nur zu einem geringen Teil publizierte Prosa des Autors. Schwabs Prosaschrifttum ist Teil des umfangreichen Werner Schwab- Nachlasses, der seit 2010/11 im Grazer Franz Nabl Institut für Literaturforschung archiviert ist. Inhalt des eingereichten Projekts ist die Auswertung der im Nachlass vorfindlichen Werkmanuskripte und Dokumentemit besonderer Berücksichtigung der nachgelassenen Prosaschriften, die der Autor vor seinem Durchbruch auf dem Theater verfasste. Der Blickpunkt ist auf die bislang von der Forschung so gut wie überhaupt nicht berücksichtigte Erst- und Frühprosa gerichtet, deren Bedeutung sowohl für die Entstehung der besonderen Schwabschen Sprachform als auch für die literarische Entwicklung des Autors insgesamt kaum zu überschätzen sein dürfte und die deswegen erstmals einer intensiven sprach- und textanalytischen Betrachtung unterzogen wird. Im Vordergrund stehen somit bevorzugt sprach-, aber auch text- und werkgenetische Fragestellungen es gilt insbesondere Aufschluss zu erlangen über die Genese der originären Schwabschen Sprache (das Schwabische), wie es sich dann ausgeprägt in den Theaterstücken des Autors findet. Die besondere Sprachform hat sich offenkundig über mehrere Jahre entwickelt; einzelne lexikalische, morphologische etc. Phänomene des Schwabischen sind schon in den Frühtexten feststellbar. Bereits Schwabs frühe Prosasprache hinterlässt einen außerordentlich hyperplastischen, dissoluten Eindruck und bildet so einen weitgehend hermetischen, auratischen Sprachraum. In den frühen Prosaentwürfen sindgleichsam vorentworfenaucheinzelne Handlungselemente, Themen, Figuren, Motive, Konstellationen des späteren Dramenwerks, die es jeweils zu untersuchen gilt bzw. deren jeweiliger Transformationsprozess analysiert werden soll. Obendrein wird der Blick auf allfällige sprachtheoretische/philosophische Theoreme gerichtet, die offensichtlich bei der Konstituierung des Sprachbegriffs sowie des poetologischen Selbstverständnisses des Autors (seiner Sprachtheorie) eine Rolle gespielt haben dürften. Bestimmt werden soll schließlich noch Schwabs Standort in der Tradition der modernen (bevorzugt experimentellen) österreichischen Erzählliteratur.
Inhalt des Projektes "Der Nachlass Werner Schwab - Auswertung des frühen Prosaschrifttums" war die eingehende Sichtung und Analyse der im Nachlass vorfindlichen Werkmanuskripte und Dokumente, speziell der von der Forschung bislang kaum berücksichtigten Frühprosa, die der Autor vor seinem Durchbruch auf dem Theater verfasste. Schwabs Prosaschrifttum ist Teil des seit 2010/11 im Grazer Franz Nabl Institut für Literaturforschung archivierten umfangreichen Werner Schwab-Nachlasses. Im Vordergrund der Auswertung standen bevorzugt sprach-, text- und werkgenetische Fragestellungen, insbesondere die Genese der originären Schwab'schen Sprache, die sich augenscheinlich über Jahre entwickelte. Dabei erwies sich, dass spezifische Merkmale des sogenannten Schwabischen, bei dem es sich in seiner Endform um ein so sonderliches wie komplexes Kunstidiom handelt, schon in den Frühtexten in Gestalt markanter wortgrammatischer und morphologischer Verfremdungen (etwa neologistische Komposita, hybride Syntax) erkennbar werden. In seiner ,vollendeten' Form erscheint das Schwabisch dann erstmals in dem Bühnenerstling Die Präsidentinnen (1990). Für Schwabs literarische Produktion der 1980er Jahre ließen sich einzelne Werkkomplexe klar identifizieren, etwa die frühdramatischen ,Ton-Stücke' brack komma ein und schlagen da zwei, ergänzt durch das einige Jahre später verfasste ,Kadaverstück Das Lebendige ist das Leblose und die Musik, ferner tagebuchähnliche Aufzeichnungen (postum publiziert mit dem Titel In harten Schuhen. Ein Handwerk), ebenso die Textkorpora "Orgasmus : Kannibalismus", "Präsidialer Surrealismus" sowie ein teils dramatisches, teils erzählerisches Textkonvolut um eine "Hundsmaulstimme" bzw. "Sepp-Figur". Schließlich fanden sich erste Entwürfe einzelner Stücke, die später Schwabs Ruhm begründen sollten. Insgesamt sind in den frühen Prosaentwürfen und Texten einzelne Handlungselemente, Themen, Figuren, Motive, Konstellationen des späteren Dramenwerks bereits vorentworfen. Dokumentieren ließen sich anhand der Korrespondenz auch Schwabs Versuche, seine Texte zu publizieren bzw. überhaupt Aufnahme in den Literaturbetrieb zu finden. Einen relevanten Nachlass-Bestandteil stellen auch Schwabs Lektürenotizen zu Werken der linguistischen, kommunikationstheoretischen, strukturalistischen sowie semiotischen Forschung dar, die sein frühes Interesse an Text-, Zeichen- und Sprachtheorie bezeugen und bedeutsam wurden vor allem bezüglich der Ausformung eines eigenen Begriffs von Sprache als formbares Material. Schwab unterzog die Sprache radikalen Dekonstruktions- und Rekonstruktionsoperationen, hauptsächlich in der Absicht, eine innerste Sprache zu generieren. In Anlehnung an ältere sprachphilosophische bzw. -theoretische Konzeptionen ging Schwab zudem von der Eigengesetzlichkeit der Sprache sowie ihrer absoluten Dominanz über deren Sprecher aus - in diesem Verständnis von Sprache ist letztlich auch der Kern seiner Sprachtheorie zu sehen. An neuerer Forschungsliteratur liegt ein 2018 herausgegebenes dossier online Werner Schwab vor, in dem neue sowie relevante ältere Studien zum Werk Werner Schwabs zusammengestellt wurden. Einzelne Teilergebnisse des Projekts wurden gesondert in anderen Fachpublikationen vorgelegt, weitere Beiträge zu Schwabs frühem Schrifttum sind in Vorbereitung.
- Universität Graz - 100%
Research Output
- 7 Publikationen
-
2020
Titel Die früh- bzw. vordramatischen Versuche Werner Schwabs - Zu den Hör-Stücken brack komma ein und schlagen da zwei. Typ Journal Article Autor Harald Miesbacher Journal Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft - Germanistische Reihe -
2016
Titel Frühe und späte Begegnung. Wolfgang Bauer und Werner Schwab. - Über die Begegnung zweier Grazer Theatergranaten. Typ Journal Article Autor Harald Miesbacher Journal manuskripte. Zeitschrift für LIteratur, H. 212, S. 145-152. -
2017
Titel Vom literarischen Fuß fassen. Werner Schwabs Versuche ein Autor zu werden. Typ Journal Article Autor Harald Miesbacher Journal manuskripte. Zeitschrift für Literatur, H. 216, S. 144-156. -
2018
Titel Der Kunststudent Werner Schwab vor dem "Kunstkadi" Typ Other Autor Harald Miesbacher Link Publikation -
2018
Titel Frühes Künstlertum - Erstes Schreiben. Zu Werner Schwabs mikrodramatischem Hör-Stück brack komma ein Typ Book Autor Harald Miesbacher Link Publikation -
2018
Titel Dossier online Werner Schwab Typ Book Autor Daniela Bartens; Harald Miesbacher. editors Daniela Bartens; Harald Miesbacher. Link Publikation -
2019
Titel Schwab avant Schwab - Werner Schwabs frühestes Schreiben. Typ Journal Article Autor Harald Miesbacher Journal manuskripte 59, H. 225, S. 144-150.