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Der soziale Status von Mutterschaft im bronzezeitlichen Europa

The social status of motherhood in Bronze Age Europe

Katharina Rebay-Salisbury (ORCID: 0000-0003-0126-8693)
  • Grant-DOI 10.55776/P26820
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.01.2015
  • Projektende 31.12.2017
  • Bewilligungssumme 345.528 €

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (30%); Geschichte, Archäologie (70%)

Keywords

    Motherhood, Bronze Age, Childrearing, Biological Anthropology, Social Status, Central Europe

Abstract Endbericht

In diesem Projekt werden gesellschaftliche Reaktionen auf Schwangerschaft, Geburt und frühe Kinderbetreuung sowie der Zusammenhang zwischen reproduktivem und sozialem Status von Frauen in der Bronzezeit untersucht. Mutterschaft und Kinderbetreuung gelten oft als natürliche, normale und unvermeidliche Teile weiblicher Lebenswege, obwohl diese als Grundlage menschlicher Gesellschaften tatsächlich kulturelle Praktiken darstellen. Im Laufe der Bronzezeit (ca. 2200 800 v. Chr.) fanden langfristige gesellschaftliche Entwicklungen statt, wie etwa der Beginn sozialer Differenzierung und das Zusammenleben auf engerem Raum. In diesem Projekt wird untersucht, ob und wie sich die soziale Stellung von Frauen ändert, wenn sie Mütter werden. Der soziale Wert der Reproduktion sowie die kulturelle Konzeption von Mutterschaft werden als lokale und kulturell spezifische Erscheinung, aber auch als weitreichendes (prä-)historisches Phänomen bewertet werden. Dieses Projekt ist das erste, das systematisch zwischen Frauen, die Mütter werden, und solchen, die keine Kinder haben, unterscheidet, und gezielt versucht, diesen wichtigen Identitätsmarker in Bezug zu Bestattungssitten und Grabausstattungen zu setzen. So wird untersucht, ob von allen Frauen erwartet wurde, Mutter zu werden und die Möglichkeit alternativer Lebenswege hervorgehoben. Risiken und sozialen Folgen des Übergangs zur Mutterschaft werden evaluiert. Die Studie erstreckt sich auf die Untersuchung von Kinderversorgungspraktiken (Ernährung, Pflege, Spiel, aber auch Missbrauch, Vernachlässigung und Tötung) sowie die Auswertung von Kinderbestattungen. Innovative archäologische und anthropologische Methoden werden an vor kurzem publizierten Gräberfeldern aus Österreich angewendet. Die frühbronzezeitlichen Gräberfelder gehören drei verschiedenen Kulturgruppen mit unterschiedlichen Körperbestattungssitten an, der Aunjetitzer, Unterwölbinger und Wieselburger Gruppe. Mittel- und spätbronzezeitliche Gräberfelder beinhalten brandbestattete Individuen. Archäologische Methoden umfassen die Analyse der räumlichen Verteilung der Gräber von Säuglingen, Schwangeren, Doppelbestattungen von Frauen und Kindern, sowie Bestattungen von kinderlosen Frauen und Müttern, die Interpretation der symbolischen Dimension von Grabbeigaben und die Auswertung von Statusunterschieden, die durch Grabbrauch sowie Qualität und Quantität der Grabbeigaben ausgedrückt werden. Zu den anthropologischen Methoden zählen die paläo-pathologische Neubewertung von Frauen- und Kleinkinderskeletten, Isotopenanalysen zur Bewertung der Säuglingsernährung sowie DNA-Untersuchungen zur Klärung verwandtschaftlicher Verhältnisse und zur Geschlechtsbestimmung von Kleinkindern. Die Anwendung neuester naturwissenschaftlicher Methoden kombiniert mit innovativen archäologischen Interpretationen macht es möglich, zu aktuellen gesellschaftlichen Fragen Stellung zu nehmen. In einer Zeit, in der politische Diskurse über Mütter in Gesellschaft und Arbeitswelt von Aussagen angeheizt werden, die auf angeblich Natürliches und Uraltes Bezug nehmen, ist es besonders wichtig, Mutterschaft in prähistorischen Gesellschaften neu zu analysieren.

Mutterschaft und Kinderbetreuung gelten oft als natürliche, normale und unvermeidliche Teile weiblicher Lebenswege, obwohl diese als Grundlage menschlicher Gesellschaften tatsächlich kulturelle Praktiken darstellen. In diesem Projekt wurden gesellschaftliche Reaktionen auf Schwangerschaft, Geburt und frühe Kinderbetreuung in der Bronzezeit Mitteleuropas untersucht. Um den Zusammenhang zwischen reproduktivem und sozialem Status von Frauen zu erfassen, wurde ein innovatives Methodenpaket mit einem kombinierten theoretischen und bio-archäologischen Ansatz entwickelt. Er schließt die Analyse der räumlichen Verteilung der Gräber von Säuglingen, Schwangeren, Doppelbestattungen von Frauen und Kindern, sowie Bestattungen von kinderlosen Frauen und Müttern mit ein. Zudem umfasst er eine Interpretation alters- und geschlechtstypischer materieller Kultur und die Auswertung von Statusunterschieden, die durch Grabbrauch sowie Qualität und Quantität der Grabbeigaben ausgedrückt werden. Osteologische Analysen (Alter, Geschlecht, Körpergröße, Pathologien, mit Schwerpunkt auf Beckenveränderungen), 14C-Datierungen, Zahnzement-, ?13C / ?15N- Isotopen- und aDNA-Analysen sowie demographische Modellierungen werden ebenfalls integriert. Die Untersuchung bezog sich auf Gräber der Frühbronzezeit mit verschiedenen Bestattungspraktiken aus Niederösterreich (Aunjetitz und Unterwölbing); Gräberfelder der mittleren und späten Bronzezeit umfassten auch brandbestattete Personen. Noch ist unklar, wie repräsentativ die Fallstudien für die Europäische Urgeschichte sind weitere Forschungen sind notwendig. In bronzezeitlichen Fallstudien fanden wir ein junges Alter für erstmalige Mütter in ihren späten Teenagerjahren und keine besondere Unterscheidung zwischen verschiedenen weiblichen Lebenswegen, die durch reproduktiven Erfolg erklärt werden könnten. Alter und Geschlecht waren eindeutig die wichtigsten Komponenten der Identität, die im Bestattungsritual zum Ausdruck kamen. Das typische Alter der ersten Mutterschaft korrespondiert mit hohen Statuswerten, was auf einen Zusammenhang mit reproduktivem Alter und Potenzial hindeutet, aber nicht unbedingt mit reproduktivem Erfolg. Das Müttersterblichkeitsrisiko kann auf etwa 10-15% pro Frau geschätzt werden, wobei Frauen durchschnittlich 7 bis 8 Kinder zur Welt brachten, sofern sie das Alter der Menopause erreicht haben. Wir stellten einen Wandel der sozialen Organisation in Richtung Eisenzeit fest, die ein höheres Alter für Ehe und Mutterschaft sowie eine größere Variabilität möglicher Lebenswege von Frauen einschließt, die mit Fortpflanzung verbunden sein könnten. Wir setzen uns dafür ein, Mutterschaft als unabhängige Kategorie von Identität aufzufassen und zu untersuchen. Mithilfe der Finanzierung durch einen ERC Starting Grant [676828] können systematische Forschungen zu Mutterschaft in der Urgeschichte fortgeführt und diachron auf die letzten drei vorchristlichen Jahrtausende ausgeweitet werden. In einer Zeit, in der politische Diskurse über Mütter in Gesellschaft und Arbeitswelt von Aussagen angeheizt werden, die auf angeblich Natürliches und Uraltes Bezug nehmen, ist es besonders wichtig, Mutterschaft in prähistorischen Gesellschaften neu zu analysieren und wissenschaftliche Fakten von Fiktion zu trennen.

Forschungsstätte(n)
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 88%
  • Medizinische Universität Innsbruck - 12%
Nationale Projektbeteiligte
  • Walther Parson, Medizinische Universität Innsbruck , assoziierte:r Forschungspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Marie Louise Stig Sørensen, University of Cambridge - Vereinigtes Königreich
  • Tamsin O Connell, University of Cambridge - Vereinigtes Königreich

Research Output

  • 40 Zitationen
  • 24 Publikationen
Publikationen
  • 2021
    Titel Three-dimensional surface scanning methods in osteology: A topographical and geometric morphometric comparison.
    DOI 10.1002/ajpa.24204
    Typ Journal Article
    Autor Rebay-Salisbury K
    Journal American journal of physical anthropology
    Seiten 846-858
  • 2021
    Titel The association of parturition scars and pelvic shape: A geometric morphometric study.
    DOI 10.1002/ajpa.24196
    Typ Journal Article
    Autor Pany-Kucera D
    Journal American journal of physical anthropology
    Seiten 519-531
  • 2024
    Titel The Routledge Handbook of Gender Archaeology
    DOI 10.4324/9781003257530
    Typ Book
    Verlag Taylor & Francis
  • 2019
    Titel Sacral preauricular extensions, notches, and corresponding iliac changes: New terms and the proposal of a recording system
    DOI 10.1002/oa.2814
    Typ Journal Article
    Autor Pany-Kucera D
    Journal International Journal of Osteoarchaeology
  • 2019
    Titel Milk of ruminants in ceramic baby bottles from prehistoric child graves.
    DOI 10.1038/s41586-019-1572-x
    Typ Journal Article
    Autor Dunne J
    Journal Nature
    Seiten 246-248
  • 2022
    Titel Editorial - Pelvic features: an introduction.
    DOI 10.1127/anthranz/2021/1572
    Typ Journal Article
    Autor Pany-Kucera D
    Journal Anthropologischer Anzeiger; Bericht uber die biologisch-anthropologische Literatur
    Seiten 123-125
  • 2022
    Titel Sacral preauricular extensions and notches as parts of a 'Pelvic Pattern' may provide information on past pregnancies and parturitions.
    DOI 10.1127/anthranz/2021/1455
    Typ Journal Article
    Autor Pany-Kucera D
    Journal Anthropologischer Anzeiger; Bericht uber die biologisch-anthropologische Literatur
    Seiten 183-198
  • 2022
    Titel Age dependent changes in pelvic shape during adulthood.
    DOI 10.1127/anthranz/2021/1463
    Typ Journal Article
    Autor Rebay-Salisbury K
    Journal Anthropologischer Anzeiger; Bericht uber die biologisch-anthropologische Literatur
    Seiten 143-156
  • 2022
    Titel Are parturition scars truly signs of birth? The estimation of parity in a well-documented modern sample
    DOI 10.1002/oa.3090
    Typ Journal Article
    Autor Rebay-Salisbury K
    Journal International Journal of Osteoarchaeology
  • 2022
    Titel Indicators of motherhood? Sacral preauricular extensions and notches in identified skeletal collections.
    DOI 10.1002/oa.3044
    Typ Journal Article
    Autor Pany-Kucera D
    Journal International journal of osteoarchaeology
    Seiten 64-74
  • 2016
    Titel Male, female and sexless figures of the Hallstatt Culture: indicators of social order and reproductive control?
    Typ Journal Article
    Autor Rebay-Salisbury K
    Journal Expression.
  • 2016
    Titel The Human Body in Early Iron Age Central Europe
    DOI 10.4324/9781315277233
    Typ Book
    Autor Rebay-Salisbury K
    Verlag Routledge
  • 2016
    Titel Accidental versus Intentional Head Injuries: A Comparative Pilot-Study of Cranial Depressed Fractures.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Spannagl-Steiner Um
    Konferenz 21st European Meeting of the Paleopathology Association.
  • 2022
    Titel Predicting inflation component drivers in Nigeria: a stacked ensemble approach
    DOI 10.1007/s43546-022-00384-2
    Typ Journal Article
    Autor Akande E
    Journal SN Business & Economics
    Seiten 9
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Multiple femininities - multiple masculinities: the diversity of gendered identities in the Bronze and Iron Ages.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Ramsl P
    Konferenz The European Archaeologist.
  • 2015
    Titel The social status of motherhood in Bronze Age Europe.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Rebay-Salisbury K
    Konferenz The European Archaeologist.
  • 2017
    Titel 'Parity features' and social status at prehistoric sites in Austria.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Pany-Kucera D
    Konferenz 44th North American Meeting of the Paleopathology Association.
  • 2017
    Titel Big Mamas? Mutterschaft und sozialer Status im eisenzeitlichen Mitteleuropa.
    Typ Book Chapter
    Autor K. Winger And C. Keller (Eds) Frauen An Der Macht? Neue Interdisziplinäre Ansätze Zur Frauen- Und Geschlechterforschung Für Die Eisenzeit Mitteleuropas (Universitätsforschungen Zur Prähistorischen Archäologie).
  • 2017
    Titel Comments on Paul Treherne's 'The Warrior's Beauty'.
    Typ Journal Article
    Autor Rebay-Salisbury K
  • 2017
    Titel Aging Well: Treherne's 'Warrior's Beauty' Two Decades Later
    DOI 10.1017/eaa.2016.6
    Typ Journal Article
    Autor Brück J
    Journal European Journal of Archaeology
  • 2016
    Titel A pilot study on 'parity features' in Bronze Age skeletons from Austria.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Pany-Kucera D
    Konferenz 21st European Meeting of the Paleopathology Association.
  • 2018
    Titel Motherhood at Early Bronze Age Unterhautzenthal, Lower Austria
    DOI 10.1553/archaeologia102s71
    Typ Journal Article
    Autor Rebay-Salisbury K
    Journal Archaeologia Austriaca
    Seiten 71-134
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Bronze Age Beginnings: The Conceptualization of Motherhood in Prehistoric Europe
    DOI 10.1007/978-3-319-48902-5_9
    Typ Book Chapter
    Autor Rebay-Salisbury K
    Verlag Springer Nature
    Seiten 169-196
  • 0
    Titel The Human Body in Early Iron Age Central Europe. Burial Practices and Images of the Hallstatt World.
    Typ Other
    Autor Rebay-Salisbury K

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