Vertrauensgüter im Feld - eine Forensisch-Ökonomische Untersuchung
Credence Goods in the Field - A Forensic-Economic Investigation
Wissenschaftsdisziplinen
Mathematik (20%); Wirtschaftswissenschaften (80%)
Keywords
-
Field Experiments,
Incentives,
Credence Goods,
Expert Services
Vertrauensgüter sind Güter und Dienstleistungen bei denen Fachleute besser über die Bedürfnisse ihrer Kunden Bescheid wissen, als die Kunden selbst. Oft ist auch die Qualität des bereitgestellten Gutes für den Kunden unbeobachtbar. Aufgrund dieser Informationsasymmetrien haben Experten oft finanzielle Anreize und Möglichkeiten ihre Kunden zu übervorteilen. Im täglichen Leben interagiert man oft in Vertrauensgütermärkten. Ein Beispiel sind Autoreparaturen, bei denen der Kunde nicht einschätzen kann, ob der Mechaniker die notwendige Reparatur durchführt oder zu wenig oder gar zu viel an einem Auto repariert. Ein anderes Beispiel sind medizinische Behandlungen, bei denen ein Patient in der Regel nicht beurteilen kann, ob eine einfache Therapie genügt, um seine Schmerzen zu lindern, oder ob eine Operation notwendig ist. Empirische Studien belegen, dass Kunden in Vertrauensgütermärkten von Experten übervorteilt werden, ohne systematisch zu untersuchen, welche Faktoren für das Fehlverhalten wichtig sind. So eine systematische Untersuchung ist schwierig, da empirische Studien selten in der Lage sind, Faktoren kontrolliert zu variieren. Klassische Laborexperimente erlauben eine systematische und kontrollierte Variation potentiell wichtiger Faktoren, sie werfen aber die Frage der externen Validität auf. Natürliche Feldexperimente sind eine vielversprechende Alternative, da sie erlauben, die Treatment-Variablen systematisch zu variieren und dennoch das Verhalten von realen Personen in ihrem natürlichen Umfeld zu beobachten. Ziel dieses Projektes ist es, ein großangelegtes natürliches Feldexperiment im Markt für Computerreparaturen durchzuführen. Anhand der gewonnenen Daten soll analysiert werden, warum, in welcher Art und in welchem Ausmaß Übervorteilungen durch Experten in bestimmten Situationen auftreten und welche Maßnahmen diesem Fehlverhalten entgegenwirken können. Um dieses Ziel zu erreichen, ist geplant, manipulierte Test-Computer von verdeckten Experimentatoren in verschiedenen Computergeschäften in Reparatur zu geben. Durch Manipulation der Erwartungen der Experten bezüglich dem Fachwissen des Kunden, der sozialen Distanz zum Kunden und anderer potentiell für das Expertenverhalten relevanter Faktoren soll herausgefunden werden, ob ein systematischer Zusammenhang zwischen den Treatment-Variablen und dem Verhalten der Computerexperten besteht bzw. wie das Ausmaß und die Art des Betrugs von diesen Variablen abhängt und durch welche Interventionen das Ausmaß des Betrugs reduziert werden kann. Mit diesem Projekt planen wir die bestehende Vertrauensgüter Literatur zu erweitern indem wir das Fehlverhalten von realen Experten auf realen Märkten für Vertrauensgüter systematisch untersuchen und Faktoren identifizieren, die das Fehlverhalten beeinflussen. Darüber hinaus planen wir, zu analysieren, welche Maßnahmen in der Lage sind, das Fehlverhalten einzuschränken. Die Ergebnisse aus diesem Projekt sind daher potentiell hilfreich für Gesetzgeber, um effektive Institutionen zu gestalten, welche helfen, das Fehlverhalten von Experten einzuschränken und somit eine höhere Zufriedenheit für Konsumenten in Vertrauensgütermärkten zu schaffen.
Auf Märkten für Vertrauensgüter sind die Anbieter besser über die Bedürfnisse ihrer Kunden informiert als die Kunden selber. Aufgrund dieser Informationsasymmetrie besteht die Gefahr, dass die Konsumenten von den Experten übervorteilt werden. Typische Beispiele für Vertrauensgütermärkte sind der Markt für Gesundheitsleistungen, diverse Reparaturmärkte und Taxifahrten in einer unbekannten Stadt. Im Rahmen dieses Projektes haben wir in einer Serie von Feldexperimenten untersucht, welche Verhaltensweisen der Konsumenten die Wahrscheinlichkeit von Übervorteilungen durch Experten reduzieren. Eines unserer Hauptresultate ist, dass man als Konsument in Vertrauensgütermärkten am besten nur die absolut notwendige Information an die Experten weiter gibt. Alle zusätzlichen Informationen wie eine (korrekte oder inkorrekte) Selbstdiagnose, diverse Preislimits, Hinweise, dass die Reparatur sehr wichtig ist oder die Information, dass die Rechnung von einem Versicherungsunternehmen bezahlt wird, haben im besten Fall keine positiven Auswirkungen auf den Reparaturpreis. Bei vielen dieser Informationen ist es vielmehr so, dass sie den Reparaturpreis im Vergleich zu einer Situation wo diese Information nicht bereitgestellt wird, signifikant erhöhen. Wir haben im Rahmen dieses Projektes auch gezeigt, dass sich durch Berücksichtigung von Internetbewertungen die Wahrscheinlichkeit von Übervorteilungen reduzieren lässt vorausgesetzt man meidet Experten mit zahlreichen 1 und 2 Sterne Bewertungen. Die Ergebnisse unserer Studien können für viele Konsumenten von Nutzen sein, da sich die meisten Menschen beinahe täglich in Vertrauensgütermärkten bewegen. Um den Nutzen dieses Projektes zu maximieren ist es natürlich notwendig, dass die Resultate neben der wissenschaftlichen Community auch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Bei der Aufbereitung von wissenschaftlichen Resultaten für eine breite Öffentlichkeit, kommt es aufgrund der komprimierten Darstellung oft zu Missverständnissen. Derartige Missverständnisse könnengeradebei Handlungsempfehlungen in Vertrauensgütermärkten sehr problematisch sein. Deshalb muss unmissverständlich kommuniziert werden, dass sich unsere Ergebnisse auf bestimmte Konstellationen in Vertrauensgütermärkten beziehen (Probleme in Reparaturmärkten, die sich ohne Unsicherheit durch Experten diagnostizieren lassen) und nicht als universell gültige Resultate für alle Vertrauensgütermärkte interpretiert werden sollten. So kann es beispielsweise in Gesundheitsmärkten sehr wohl sinnvoll sein, wenn sich der Konsument bei der Diagnose eines Problems aktiv einbringt.
- Universität Innsbruck - 100%
Research Output
- 235 Zitationen
- 10 Publikationen
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2021
Titel Distributional preferences explain individual behavior across games and time DOI 10.1016/j.geb.2021.05.003 Typ Journal Article Autor Hedegaard M Journal Games and Economic Behavior Seiten 231-255 Link Publikation -
2019
Titel Competing for market shares: Does the order of moves matter even when it shouldn’t? DOI 10.1016/j.jebo.2019.07.005 Typ Journal Article Autor Hörtnagl T Journal Journal of Economic Behavior & Organization Seiten 346-365 -
2019
Titel Do altruists lie less? DOI 10.1016/j.jebo.2018.10.021 Typ Journal Article Autor Kerschbamer R Journal Journal of Economic Behavior & Organization Seiten 560-579 Link Publikation -
2018
Titel Social interaction effects: The impact of distributional preferences on risky choices DOI 10.1007/s11166-018-9275-5 Typ Journal Article Autor Gantner A Journal Journal of Risk and Uncertainty Seiten 141-164 Link Publikation -
2015
Titel Second-Degree Moral Hazard in a Real-World Credence Goods Market* DOI 10.1111/ecoj.12260 Typ Journal Article Autor Balafoutas L Journal The Economic Journal Seiten 1-18 Link Publikation -
2016
Titel Insurance coverage of customers induces dishonesty of sellers in markets for credence goods DOI 10.1073/pnas.1518015113 Typ Journal Article Autor Kerschbamer R Journal Proceedings of the National Academy of Sciences Seiten 7454-7458 Link Publikation -
2017
Titel The Economics of Credence Goods – a Survey of Recent Lab and Field Experiments* DOI 10.1093/cesifo/ifx001 Typ Journal Article Autor Kerschbamer R Journal CESifo Economic Studies Seiten 1-23 Link Publikation -
2016
Titel What is trustworthiness and what drives it? DOI 10.1016/j.geb.2016.05.008 Typ Journal Article Autor Cox J Journal Games and Economic Behavior Seiten 197-218 Link Publikation -
2023
Titel Credence goods markets, online information and repair prices: A natural field experiment DOI 10.1016/j.jpubeco.2023.104891 Typ Journal Article Autor Kerschbamer R Journal Journal of Public Economics Seiten 104891 Link Publikation -
2023
Titel The effect of random shocks on reciprocal behavior in dynamic principal-agent settings DOI 10.1007/s10683-022-09771-w Typ Journal Article Autor Kerschbamer R Journal Experimental Economics Seiten 468-488 Link Publikation