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Funktionelle Charakterisierung von RNA Ligasen in Escherichia coli

Functional characterisation of RNA ligases in Escherichia coli

Isabella Moll (ORCID: 0000-0002-3210-4336)
  • Grant-DOI 10.55776/P26946
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.06.2014
  • Projektende 31.05.2019
  • Bewilligungssumme 328.335 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (100%)

Keywords

    Escherichia coli, RNA Ligation, Ribosome Heterogeneeity, Stress Recovery, Selective Translation, Ribosome Repair

Abstract Endbericht

Kürzlich konnten wir einen völlig neuartigen Mechanismus der post-transkriptionellen Stressantwort in Escherichia coli identifizieren. Er basiert auf einer funktionellen Spezialisierung der Ribosomen durch die Aktivität der stressinduzierten Endoribonuclease MazF, der Toxin-Komponente des Toxin- Antitoxinsystems mazEF. MazF entfernt durch seine spezifische RNase-Aktivität eine kurze Region am 3-Ende der 16S rRNA in der auch die essentielle anti-Shine und Dalgarno (aSD) Sequenz lokalisiert ist. Da die Interaktion zwischen der aSD Sequenz und der Shine und Dalgarno (SD) Sequenz vor dem AUG Startkodon notwendig für die Initiation der Proteinsynthese ist, können diese modifizierten Ribosomen nur sogenannte leaderless mRNAs translatieren, die direkt mit dem Startkodon beginnen und keine SD Sequenz aufweisen. Da unter Stressbedingungen MazF auch bestimmte Transkripte direkt vor dem Startkodon schneidet und diese somit leaderless werden, kommt es zu einer Modulation und Anpassung des translationalen Programms an die gegebenen Bedingungen. Zusammengefasst werfen diese Ergebnisse die fundamentale Frage nach dem Schicksal der spezialisierten Ribosomen währen der Regeneration nach Stress auf, d.h. unter Bedingungen, die die Translation von kanonischen Transkripten mit SD Sequenz erfordern. Unter Berücksichtigung der Komplexität des translationalen Apparates und der großen Menge an Energie, die benötigt wird um Ribosomen herzustellen, liegt die Hypothese nahe, dass es einen Reparaturmechanismus für diese Ribosomen gibt. Ein solcher Mechanismus würde es der Zelle ermöglichen, die volle Funktionalität der spezialisierten Ribosomen ohne hohen Energieaufwand wieder herzustellen. Daher ist das Ziel dieses Projektes, die molekularen Mechanismen der Regeneration von Ribosomen näher zu charakterisieren. Unsere vorausgehenden Studien deuten darauf hin, dass das durch MazF entfernte RNA-Fragment durch eine RNA-Ligase wieder an die verkürzte 16S rRNA angehängt werden kann. Daher ist ein weiterer Schwerpunkt dieser Studie die funktionelle Charakterisierung der zwei in Escherichia coli annotierten RNA-Ligasen, LigT und RtcB, deren physiologische Aufgabe noch unbekannt ist. Es ist zu erwarten, dass die Ergebnisse dieser Studie Einblick in einen bisher völlig unbekannten Mechanismus, nämlich der reversiblen Modulation der Ribosomenspezifität, geben, wodurch das Ribosom funktionell von einem reinen Syntheseapparat zu einem Schlüsselfaktor in der Translationsregulation aufgewertet wird. Zusätzlich könnten die beteiligten Faktoren auch potentielle Angriffspunkte für neue antimikrobielle Stoffe darstellen, die das Wiederaufkeimen von persistenten Infektionen verhindern könnten, da sie auch essentiell für das Überleben von pathogenen Bakterien nach der Infektion ihres Wirtes sind.

Bakterien müssen ständig auf veränderte Lebensbedingungen reagieren. Vor allem pathogene Bakterien erfahren nach der Infektion ihres Wirtes z.B. oxidativen Stress und Nährstoffmangel. Um diese "unwirtlichen" Bedingungen überleben zu können, haben sie Strategien entwickelt um auf diese Veränderungen zu reagieren. In unseren vorangegangenen Studien konnten wir einen neuen Mechanismus in der bakteriellen Stressantwort beschreiben: Die stressaktivierte Endoribonuklease MazF schneidet Ribonukleinsäuren (RNA) an bestimmten Sequenzmotiven. Dies führt einerseits zum Abbau des Großteils der Boten-RNA (mRNA), andererseits werden einige Transkripte dadurch in ihren 5'-nicht-translatierten Bereichen prozessiert. Im Weiteren kann MazF die ribosomale RNA an einer bestimmten Stelle schneiden und somit die Selektivität der Ribosomen, der Proteinsynthesefabriken, verändern. Zusammengefasst, kommt es unter Stress zu einer raschen und energiesparenden Umprogrammierung der Proteinsynthese. Da diese modifizierten Ribosomen aber nur prozessierte mRNAs translatieren, werfen diese Ergebnisse die fundamentale Frage nach dem Schicksal der spezialisierten Ribosomen währen der Regeneration nach Stress auf, d.h. unter Bedingungen, die die Translation von kanonischen Transkripten erfordern. Unter Berücksichtigung der Komplexität des translationalen Apparates und der großen Energiemenge, die benötigt wird um Ribosomen herzustellen, liegt die Hypothese nahe, dass es einen Reparaturmechanismus für diese Ribosomen gibt. Im Rahmen dieses Projektes konnten wir zeigen, dass diese veränderten Ribosomen durch die Aktivität einer RNA-Ligase wieder regeneriert werden können und somit ihre volle Translationsaktivität wiederhergestellt wird. Weiters haben wir die physiologischen Aufgaben der RNA-Ligase in E. coli näher charakterisiert. Durch unsere Studien konnten wir einen bisher völlig unbekannten Mechanismus, nämlich die reversible Modulation der Ribosomenspezifität, beschreiben, der das Ribosom funktionell von einem reinen Syntheseapparat zu einem Schlüsselfaktor in der Translationsregulation aufwertet.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

Research Output

  • 252 Zitationen
  • 6 Publikationen
  • 1 Disseminationen
  • 4 Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2 Weitere Förderungen
Publikationen
  • 2018
    Titel Leaderless mRNAs in the Spotlight: Ancient but Not Outdated!
    DOI 10.1128/microbiolspec.rwr-0016-2017
    Typ Journal Article
    Autor Beck H
    Journal Microbiology Spectrum
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Escherichia coli Stress, Multi-cellularity, and the Generation of the Quorum Sensing Peptide EDF
    DOI 10.33696/genetics.1.002
    Typ Journal Article
    Autor Moll I
    Journal Archives of molecular biology and genetics
    Seiten 8-11
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Insights into the Stress Response Triggered by Kasugamycin in Escherichia coli
    DOI 10.3390/antibiotics5020019
    Typ Journal Article
    Autor Müller C
    Journal Antibiotics
    Seiten 19
    Link Publikation
  • 2016
    Titel The MazF-regulon: a toolbox for the post-transcriptional stress response in Escherichia coli
    DOI 10.1093/nar/gkw115
    Typ Journal Article
    Autor Sauert M
    Journal Nucleic Acids Research
    Seiten 6660-6675
    Link Publikation
  • 2016
    Titel The RNA ligase RtcB reverses MazF-induced ribosome heterogeneity in Escherichia coli
    DOI 10.1093/nar/gkw1018
    Typ Journal Article
    Autor Temmel H
    Journal Nucleic Acids Research
    Seiten 4708-4721
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Heterogeneity of the translational machinery: Variations on a common theme
    DOI 10.1016/j.biochi.2014.12.011
    Typ Journal Article
    Autor Sauert M
    Journal Biochimie
    Seiten 39-47
    Link Publikation
Disseminationen
  • 2018
    Titel School
    Typ A talk or presentation
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2018
    Titel Meeting of the Royal Society
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2018
    Titel Synthetic RNA Biology
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2018
    Titel Regulatory RNAs in Bacteria and Archaea Conference
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2015
    Titel RNA in Development and Disease
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International
Weitere Förderungen
  • 2018
    Titel Translation initiation complex formation during stress
    Typ Other
    Förderbeginn 2018
    Geldgeber Austrian Science Fund (FWF)
  • 2014
    Titel Single-cell analysis of the MazF-mediated stress response
    Typ Other
    Förderbeginn 2014
    Geldgeber Austrian Science Fund (FWF)

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