Iranische Personennamen in armenischer Überlieferung
Iranian Personal Names in Armenian Tradition
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
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Iranian Onomastics,
Indo-European Linguistics,
Armenian Linguistics,
Old Iranian Linguistics
Die Anzahl der armenischen Personennamen iranischer Herkunft ist außerordentlich groß. Statistische Auswertungen zeigen, daß ca. 25% aller armenischen Personennamen aus diversen iranischen Sprachen übernommen wurden. Überhaupt stellen die iranischen Elemente die umfangreichste Schicht des armenischen Lehnwortschatzes dar. Sie erstrecken sich über eine Periode von über 2500 Jahren: von den altiranischen, vorachämenidischen Zeiten (ca. 7.6. Jh.v.Chr.) bis heute. Im Laufe von Jahrhunderten wurde Armenien von verschiedenen Dynastien iranischsprachiger Staaten regiert: von den Großkönigen des persischen Achämenidenreichs, später von einer Nebenlinie der nordwestiranisch-parthischen Arsakidendynastie und von den Eliten des persisch dominierten Sasanidenreichs. Bis in die Moderne gehörte Armenien der iranischen Einflußsphäre an, als eine der bedeutendsten iranisch geprägten Kulturen Eurasiens. Die Untersuchung der iranischen Personennamen im Armenischen ist aufgrund ihrer enormen Anzahl und der Diversität der belegten sprachhistorischen Schichten eines der wichtigsten Desiderate für die linguistische Erforschung beider Sprachzweige: Zahlreiche iranische Eigennamen und Appellativa sind nämlich nicht in authentisch-iranischer Sprachüberlieferung, sondern nur dank dieser armenischen Nebenüberlieferung belegt. Überraschenderweise sind diese Namen nach einem viel- versprechenden Beginn um 1895 bislang nur sporadisch, unsystematisch und ohne geeignete iranisti- sche Auswertungen in nicht ausreichender Weise untersucht worden, trotz ihres entscheidenden Wertes für Sprach- und Kulturgeschichte Europas und des Nahen und Mittleren Ostens. Die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) besitzt ein international einzigartig positioniertes Kompetenzzentrum im Bereich der Iranischen Onomastik und Linguistik: Der am Standort Wien durchgeführte gleichnamige Forschungsschwerpunkt und das mehrbändige Sammelwerk Irani- sches Personennamenbuch betrachtet die Untersuchung der iranischen Namen nicht nur als eine sprach- wissenschaftliche Disziplin, sondern auch als einen hochrelevanten Quellenkomplex für die Kultur- und Sozialgeschichte. Die alt- und mittelpersischen Sprachzeugnisse enthalten bekanntlich nur einen kleinen Teil des entsprechenden iranischen Wortschatzes. Viele Wörter sind nur in Personennamen in nicht- iranischsprachigen Nebenüberlieferungen belegt. Somit sind die Namen ein zentrales Zeugnis für die sprachlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Kontakte mit Völkern und Religionen auf den betreffenden Territorien im Laufe der Geschichte. Das an der ÖAW durchzuführende Projekt über die iranischen Personennamen im Armenischen wird den essentiellen Fortschritt in der iranischen (insbesondere: parthischen und mittelpersischen) Namenforschung berücksichtigen, der in den letzten 60 Jahren aufgrund der neugefundenen bzw. neuedierten Texte, der epigraphischen Denkmäler mit Hunderten von parthischen Namen, der Inschriften in mittelpersischer Sprache, der neuveröffentlichten armenischen Handschriften mit jeweils neuer Namenevidenz erzielt wurde. Der designierte Projektmitarbeiter Dr. Hrach Martirosyan (Leiden), Verfasser des vom Brill-Verlag publizierten Etymologischen Wörterbuch des Armenischen, weist hohe interdisziplinäre Qualifikationen auf dem Gebiet der vergleichenden armenischen, iranischen und indogermanischen Sprachwissenschaft auf. Da die umfangreichsten Dokumentationen über iranische Namen in veröffentlichten Bänden und unveröffentlichten Sammlungen des Iranischen Personen- namenbuchs vorhanden sind, wird das Armenisch-Forschungsprojekt im Forschungsstandort Österreich von zahlreichen Synergieeffekten mit den übrigen onomastischen und lexikologischen Projekten an der ÖAW und der linguistischen Expertise ihrer Autoren und Herausgeber maßgeblich profitieren können.
- Rüdiger Schmitt, Universität des Saarlandes - Deutschland
- A. (Sasha) Lubotsky, Universiteit Leiden - Niederlande
- James Clackson, Jesus College Cambridge - Vereinigtes Königreich