Helwan - Eine Nekropole von Memphis
Helwan - A Necropolis of Ancient Memphis
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (40%); Sprach- und Literaturwissenschaften (60%)
Keywords
-
Egyptology,
Archaeology,
Complex Society,
State formation,
Urbanism
Dieses Projekt beschäftigt sich mit der Nachbearbeitung archäologischer Materialien aus der Nekropole von Helwan in der Region von Memphis. Memphis war die erste Hauptstadt frühen Territorialstaates im Alten Ägypten. Der Fundort Helwan macht 84% der Gräber in der gesamten memphitischen Region der Frühzeit aus; die hier bestatteten Individuen gehören den Unter- und Mittelschichten dieser frühen komplexen Gesellschaft an. Allein die Tatsache, dass dieser Fundort hauptsächlich die unteren, nicht elitären Schichten dieser Gesellschaft repräsentiert, macht diese Forschungsarbeit extrem wertvoll, da in der traditionellen ägyptischen Archäologie der Schwerpunkt zumeist auf den Eliten lag. Die archäologischen Informationen von Altgrabungen in Helwan und vor allem die während moderner Grabungen freigelegten 218 Gräber decken einen Zeitraum von rund 300-400 Jahren zwischen 3000-2600 v.Chr. ab. Indem ihre Interpretation auf einer gesunden Basis von archäologischen Methoden und Theorien aufbaut, ermöglichen diese Primärdaten sehr genaue Einblicke und wertvolle interpretatorische Möglichkeiten zur Erforschung solch essentieller Aspekte dieser frühen komplexen Gesellschaft, wie z.B. ihrer Struktur und Organisation, Paläodemographie, Urbanisierung, Begräbnispraktiken und -riten, Identitäten, materielle Kultur, Wirtschaft und der Bioarchäologie dieser Friedhofsgesellschaft. Da die archäologischen Grabungsarbeiten durch die leitende Forscherin nun beendet sind, werden mit diesem Antrag die Mittel zur Durchführung von umfassenden archäologischen Nachbearbeitungen im Felde, und zur Analyse und Interpretation einer ganzen Reihe von Materialien, wie z.B. die Keramik, nicht-keramischen Artefakte und bioarchäologischen Funde über drei Jahre angesucht, um dies alles in möglichst kurzer Zeit zu publizieren.
Helwan ist eine moderne Stadt etwa 25 km südlich von Kairo. Hier hatten bereits im frühen 20. Jahrhundert unter ägyptischer Leitung archäologische Ausgrabungen stattgefunden, die eine gewaltige antike Nekropole aus der Frühzeit des Pharaonenreiches (ca. 3300-2600 v.Chr.) freigelegt hatten. Wie wir heute wissen, waren die hier Bestatteten ehemals Einwohner von Ägyptens erster Hauptstadt Memphis, und zwar insbesondere der unteren und mittleren Bevölkerungsschichten. Leider blieb dieser wichtige Fundort lange größtenteils unpubliziert, weshalb die Leiterin des vorliegenden Projektes, E. Christiana Köhler, in den späten 90er Jahren anfing, dort weiter zu graben. Über die folgenden 20 Jahre führte sie mit ihrem Team eine detaillierte Neuuntersuchung des Fundorts durch, dokumentiert tausende von Artefakten aus den ägyptischen Altgrabungen und entdeckte dabei zusätzlich 218 Gräber, die sie vorsichtig nach modernen archäologischen Standards ausgrub. Das Material aus diesen jüngsten Grabungen stellt den Hauptgegenstand des vom FWF geförderten, von 2015-2018 an der Universität Wien angesiedelten, und nun abgeschlossenen Projektes Helwan Eine Nekropole der Stadt Memphis dar. Ziel des Projektes war es, die Dokumentation der archäologischen Funde abzuschließen, das Material gänzlich zu analysieren und zu interpretieren und zur Publikation zu bringen. Der Umfang dieses Fundmaterials ist beträchtlich; es wurden die Überreste von 229 Menschen, über 70.000 Pflanzenreste, 13.000 tierische Überreste, über 150.000 Keramikfragmente und hunderte von vollständigen Gefäßen sowie über 2000 andere Artefakte abschließend bearbeitet, analysiert, gezeichnet, fotografiert, digitalisiert und in eine umfassende Projektdatenbank eingegeben, die nun die Grundlage für weitere statistische Analysen und Interpretationen darstellt. Diese Ergebnisse bieten spannende Einblicke in das Leben und Sterben einer urbanen Gesellschaft von vor rund 5000 Jahren, ihrer Demographie, Bioarchäologie, Gesellschaftsstruktur, Bestattungsriten, religiösen Vorstellungen, materieller Kultur, Technologie, Handwerk und Wirtschaft, sowie Austausch und Handel mit anderen Regionen. Aus diesem Projekt entstanden mehrere Dissertationen und eine Masterarbeit, sowie zahlreiche abgeschlossene Publikationen (z.B. im Jahr 2017 eine 470-Seiten starke Monographie) und Beiträge bei internationalen Fach-Konferenzen. Auch befinden sich einige Publikationen in der Vorbereitung. Die im Antragsstadium formulierten Ziele des Projektes wurden weitgehend erfüllt, und dank der Förderung durch den FWF wurde das Projekt mit großem Erfolg abgeschlossen.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 45 Zitationen
- 1 Publikationen
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2016
Titel Acoustic Tests of Lorentz Symmetry Using Quartz Oscillators DOI 10.1103/physrevx.6.011018 Typ Journal Article Autor Lo A Journal Physical Review X Seiten 011018 Link Publikation