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Platia Magula Zarkou in Thessalien/Griechenland: Kulturwandel im 6. Jt. v. Chr.

Platia Magoula Zarkou in Thessaly/Greece: Cultural Change during the 6th Millennium BC

Eva Alram-Stern (ORCID: 0000-0002-4921-3061)
  • Grant-DOI 10.55776/P27159
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 15.01.2015
  • Projektende 14.01.2019
  • Bewilligungssumme 319.963 €

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Naturwissenschaften (35%); Geschichte, Archäologie (65%)

Keywords

    Aegean, Thessaly, Neolithic period, Pottery, Tell settlement, Exchange systems

Abstract Endbericht

Platia Magula Zarkou ist eine neolithische und bronzezeitliche, in der westthessalischen Ebene, 30 km westlich von Larisa gelegene Tellsiedlung. Der Fundort wurde 1976 bis 1990, nach der Entdeckung eines in der Nähe gelegenen, spätneolithischen Brandgräberfeldes, erforscht. Die Ausgrabung auf dem Tell umfasste einen stratigraphischen Schnitt mit vier Hauptsiedlungsperioden aus dem späten Frühneolithikum (ca. 6000 v. Chr.), dem Mittelneolithikum und dem Spätneolithikum, wobei nur seine früheste Phase, die Tsangli-Larisa-Stufe vertreten ist, sowie die Bronzezeit. Die Ergebnisse wurden in Vorberichten zur die Keramikabfolge, zu spezifischen Keramikgattungen, Tier- und Pflanzenresten, geschlagenen Steingeräten, Schmuck sowie einem einzigartigen Hausmodell, vorgestellt. Die spätneolithische Kulturschicht mit ihrer stratigraphischen Koexistenz von Keramik, die ursprünglich in die Tsangli-Stufe am Beginn, andererseits in die Larisa- Stufe bzw. am Ende des Spätneolithikums datiert wurde, hat die spätneolithische Chronologie entscheidend korrigiert. Gleichzeitig zeigte die Keramik in Stil und Technologie einen fließenden Übergang vom Mittel- zum Spätneolithikum. Außerdem wiesen die Keramikstudien auf die Existenz früher Spezialisierung in der Keramikproduktion im Gebiet von Platia Magula Zarkou. Trotz der Bedeutung der neolithischen Befunde von Platia Magula Zarkou fehlt bisher eine umfassende und ganzheitlichePublikation dieser Tellsiedlung, die ein authentisches Bild des Kulturwandels während derBlütezeit der frühen Ackerbaukultur in der thessalischen Ebene bietet. Deshalb hat dieses Projekt zum Ziel, eine Endpublikation der neolithischen Siedlung vorzulegen, die besonderes Gewicht auf die Stratigraphie und Funde bezüglich jenes kulturellen Wandels legt, der vom Früh- bis zum Spätneolithikum und besonders am Übergang vom Mittel- zum Spätneolithikum stattfindet. Die systematische Aufnahme der Keramik, welche eine makroskopische Analyse der Fabrikate einschließt, soll die erste stratifizierte Keramikabfolge für Westthessalien vorlegen und hiermit diese Region als eigene Kulturlandschaft definieren, gleichzeitig aber auch Kontinuität und Wandel in Keramikgattungen und Formen aufzeigen.Petrographische und chemische Analysen haben zum Ziel, die Organisation der Keramikproduktion diachron vom Frühneolithikum bis zur Aufgabe der Siedlung am Beginn des Spätneolithikums zu untersuchen. Ein experimentalarchäologisches Projekt widmet sich der Rekonstruktion der chane opératoire für die spezialisierten Erzeugung von Grauware. Die 600 Geräte, zu denen geschlagene und geschliffene Steingeräte sowie Geräte aus Knochen und Ton gehören, sind für unser Verständnis der Raumnutzung und der Aktivitäten auf der Magula von großer Bedeutung. Bei den geschlagenen Steingeräten wird die Dominanz von lokalem, braunem Flint gegenüber der Seltenheit von Obsidian zur Diskussion über Beschaffung von Rohmaterial und Austauschnetzwerke in Thessalien wesentlich beitragen. Eine Kontextanalyse der stratifizierten Statuetten wird unser Verständnis dieser Fundgruppe, die bisher hauptsächlich aus Streufunden besteht, erweitern.

Platia Magoula Zarkou (PMZ), eine Tellsiedlung in der westthessalischen Ebene, nahe beim Peneios gelegen, wurde von K. Gallis zwischen 1976 und 1990 in Form eines stratigraphischen Schnitts untersucht. Die neolithischen Schichten wurden bisher nur in Vorberichten vorgestellt. Deshalb hat das vorliegende Projekt die wichtigsten aus dieser Grabung resultierenden Forschungsfragen, d.i. die Revision des spätneolithischen Chronologieschemas, ein besseres Verständnis des Übergangs vom Mittelneolithikum (MN) zum Spätneolithikum (SN) sowie Fragen zur Siedlung und zum Fundmaterial zum Thema. Geologische Untersuchungen ergaben, dass sich dieser Teil des Peneios-Tales während des Neolithikums durch einen lakustrischen bis sumpfigen Zustand auszeichnete und PMZ im Uferbereich eines schmalen Golfes lag. Die geophysikalische Prospektion zeigte, dass Umfassungsmauern den Tell umgaben und so als Gegenmaßnahme gegen Überflutungen fungierten. 13 Radiokarbondaten von kurzlebigen Proben deuten auf ununterbrochene Siedlungssequenzen mit einer durchschnittlichen Dauer von etwa 18 Jahren, wobei die MN Nutzung zwischen 5880 und 5600 zu datieren ist. Unter den Bauhorizonten lag ein Graben. Die einzelnen Häuser waren teilweise vertikal übereinander angelegt, jedoch ist auch ein Wechsel von verbautem und offenem/halboffenem Areal belegt. Die detaillierte Aufnahme der Keramik ergab die erste systematische Publikation eines stratifizierten Befundes in Westthessalien. Sechs Keramikhorizonte setzen die stratigraphischen Phasen und ihre Funde in eine relative chronologische Sequenz. Bereits während des MN wurden Veränderungen in Keramiktechnologie und Dekor beobachtet, die gewöhnlich dem SN zugeschrieben wurden. Die chane opératoire der hoch und regelmäßig gebrannten Grau-auf-Grau-ware wurde experimentell rekonstruiert. Archäometrische Analysen setzen PMZ in das Zentrum eines sehr aktiven Keramik-Austauschnetzwerkes mit einem Schwerpunkt auf Produktion und Zirkulation von Grau-auf-Grau-Ware. Das häufigste Rohmaterial für geschlagene Steingeräte ist Radiolarit aus dem Pindos-Gebirge, der als Knollen im Portaikos-Fluss gesammelt werden kann. Dies zeigt, dass PMZ zum westthessalischen Beschaffungsnetzwerk gehörte. Tonstatuetten wurden entsprechend den Bauphasen und Kontexten analysiert, sodass handwerkliche und typologische Charakteristika chronologisch ausgewertet werden konnten. Mehrere Statuetten mit Parallelen ausschließlich in Westthessalien dürften über regionale Netzwerke verbreitet worden sein. Die Niederlegung des offenen Hausmodells und seiner Statuetten gibt einen bestatteten Haushalt und symbolisch das Ende eines Hauses wieder. Aufgrund des Dekors stehen fast alle Figurinen miteinander in Beziehung. Jedoch weist der Platz, den jede Gruppe einnimmt, auf Unterschiede in ihrer Bedeutung für den Haushalt. Zwei Gruppen stellen ein Paar bzw. eine Familie dar, während die dritte Gruppe von ausschließlich weiblichen Individuen in Bezug zu Haushaltsaktivitäten zu setzen ist.

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