Syrische Anaphoren - Edition nach den Handschriften
Syriac Anaphoras - Edition According to the Manuscripts
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (80%); Philosophie, Ethik, Religion (20%)
Keywords
-
Codicology,
Texteditions,
Syrology,
Liturgy
Der vorliegende Projektantrag wendet sich einem zentralen Forschungsgegenstand der christlichen Tradition zu: den syrischen Anaphoren näherhin jenen der westsyrischen Tradition. Anaphoren sind Gebetsformulare für die eucharistische Liturgie, die zu einem erheblichen Teil auf antike Vorlagen zurückgehen. Es handelt sich dabei um Kerntexte kultureller, theologischer und konfessioneller Identität. Die Syrisch-Orthodoxe (Westsyrische) Kirche hat eine unvergleichliche Vielfalt von Anaphoren hervorgebracht. Von den etwa 70 syrischen Anaphoren sind etwa drei Fünftel noch nicht in einer textkritischen Ausgabe verfüglich. Unter diesen Anaphoren befinden sich so bedeutende wie jene, die den Namen des Basilius (gest. 379) trägt, oder jene, die dem Athanasius von Alexandrien (gest. 373) zugeschrieben wird. Das Projekt Syrische Anaphoren wendet sich nun einem Corpus von über 300 Handschriften zu, welche solche Texte beinhalten. Innerhalb von zwei Jahren sind daraus sechs Anaphoren textkritisch zu edieren. Die syrischen Texte werden ebenso wie die Übersetzungen online zur Verfügung gestellt. Alle syrischen Wörter werden lemmatisiert und sind dann unabhängig vom Betriebssystem eines Computers elektronisch suchbar. Dieses Projekt versteht sich gewissermaßen als Fortsetzung der angesehenen Reihe Anaphorae syriacae (Rom), die seit Jahrzehnten keine Editionen mehr hervorgebracht hat. Freilich wird nun nicht mehr auf das altehrwürdige Latein als Übersetzungssprache zurückgegriffen, sondern auf moderne Wissenschaftssprachen (insbesondere Englisch). Zudem wendet das Projekt die vielfältigen Möglichkeiten der Informationstechnologie an, um die Texte zu erschließen und frei zugänglich zu machen und um sie auf lange Zeit hin zu speichern. Das Projekt versteht sich überdies als Beitrag zur Bewahrung ältesten christlichen Kulturgutes, das heute mehr denn je insbesondere auf syrischem Boden in seinem Bestand bedroht ist.
Das ausgeführte Projekt hatte die Edition von bislang nur in Handschriften überlieferten liturgischen Texten zum Inhalt. Es handelt sich dabei um zentrale Texte der so alten christlichen Kirchen syrischer Sprache. >>Anaphoren<< sind Formulare für die eucharistischen Gebete. Der Akzent lag auf der sogenannten westsyrischen Tradition, denn diese hat eine unvergleichliche Vielfalt solcher Formulare hervorgebracht. Von den um die 70 Formularen ist gerade ein Drittel in wissenschaftlichen Editionen erschlossen.Das Projekt wandte sich schwerpunktmäßig der altehrwürdigen Anaphora des Basilius (4. Jahrhundert) zu sie liegt gleichsam in allen alten Quellensprachen vor und der vermutlich jüngsten Anaphora, jene des Abd al-Ghani aus dem 16. Jahrhundert.Die Texte wurden im Rahmen des Projektes für die Edition vorbereitet. Beide Anaphoren erscheinen in einer Druckversion und in einer Online-Version. Für die Druckversion mussten alle Gestaltungselemente, Formate und die zu verwendende Software erst ermittelt werden. Das ist insofern nicht einfach, als gegenläufige Schreibrichtungen in ein- und demselben Text zu berücksichtigen waren, ebenso wie etliche Apparate (handschriftliche Textvarianten, textkritische Anmerkungen zu Text und Übersetzung, biblische und andere Referenzen). Für die Online-Version mussten eigens Programme geschrieben werden. Diese ermöglichen, unabhängig von benützen Computersystemen, die Texteingabe von syrischen Texten und machen jedes einzelne Wort suchbar. Das stellt tatsächlich einen Meilenstein für die weitere Erforschung der Anaphoren dar, denn damit sollte es künftig leichter möglich sein, einzelne >>Versatzstücke<< oder Zitate aus den unterschiedlichen Anaphoren zu identifizieren.Die Bearbeitung beider Anaphoren erwies sich als schwieriger als erwartet: Im Falle der syrischen Basiliusanaphora liegen verhältnismäßig viele Handschriften vor und die Überlieferungsgeschichte des Textes ist überraschend komplex. Für die Anaphora des Abd al-Ghani existieren zwar nur wenige Textzeugen, deren Text ist dafür äußerst umfangreich und von allen möglichen nachklassischen und fremden Spracheinflüssen geprägt. Dennoch sind die zwei Textausgaben für den Druck bereits weit gediehen. Die Fertigstellung der Manuskripte sollte noch in diesem Kalenderjahr erfolgen.Das Projekt leistet überdies einen gerade in der Syrisch-Orthodoxen Kirche beachteten Beitrag zur Sicherung des Kultur- und Schrifterbes in der Zeit äußerster Bedrohung. Denn zahlreiche Bibliotheken mit historischem Buchgut sind dem kulturellen Genozid des Krieges bereits zum Opfer gefallen.
- Universität Graz - 100%
- Andrea B. Schmidt, Université Catholique de Louvain - Belgien
- Lacob Thekeparampil, St Ephrem Ecumenical Research Institute - Indien
- Joseph Moukarzel, Université Saint Ésprit de Kaslik - Libanon
- Christine Maria Grafinger, Sonstige Forschungs- oder Entwicklungseinrichtungen - Vatikan
- Columba Stewart, Saint John´s University - Vereinigte Staaten von Amerika