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Selektive Zellstimulation mit Retinaimplantaten

Selective cell stimulation with retinal implants

Frank Rattay (ORCID: 0000-0002-2819-8827)
  • Grant-DOI 10.55776/P27335
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.09.2014
  • Projektende 31.08.2017
  • Bewilligungssumme 120.645 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Informatik (50%); Klinische Medizin (15%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (15%); Medizintechnik (20%)

Keywords

    Retinal Implant, Functional Electrical Nerve Stimulation, Electrical Stimulation, Activating Function, Computer Simulation, Compartment Model

Abstract Endbericht

Mit einem Chip im Auge können blinde Menschen wieder sehen. Mit neuen Prototypen konnten einige Blinde sogar Buchstaben erkennen und zu Wörtern kombinieren. Die Buchstaben waren sehr groß und das Erkennen ist langsam, beschwerlich und fehleranfällig. Der Grund dafür liegt in verhältnismäßig wenigen, maximal 5000, Stimulationskontakten, die die verloren gegangene Sensorik von 100 Millionen Lichtrezeptoren in einem menschlichen Auge ersetzen sollen. Die derzeit erreichbare Bildauflösung ist leider noch schlechter als es der Abstand der stimulierenden Kontakte am implantierten Chip erwarten lässt. Diese Situation soll entscheidend verbessert werden und zwar durch eine Analyse der elektrisch erzeugten Signale in den Zellen der Netzhaut (Retina). Beim natürlichen Sehen wird ein Großteil der Informationsanalyse im neuronalen Zellverband der Netzhaut durchgeführt, die als ausgelagerter Gehirnteil funktioniert. Die vorverarbeiteten Signale der Photorezeptoren werden dabei mit einem Faktor 100 komprimiert und verlassen das Auge über 1 Million Fasern des Sehnerven, wo sie im visuellen Cortex weiterverarbeitet werden, um schließlich zu visuellen Wahrnehmungen zu führen. Die erste Verarbeitungsstufe erfolgt durch zwei Haupttypen der Bipolarzellen der Retina: ON Zellen reagieren stärker, wenn es im Zentrum ihrer Platzierung heller ist als in der Umgebung, OFF Zellen umgekehrt und damit wird eine Kontrastinformation des Bildes ermittelt. Wenn aber beide Typen durch einen aktiven Kontakt im Chip gleichmäßig stimuliert werden, geht zum Beispiel die Kontrastinformation verloren, die die Begrenzung eines Gegenstandes im Vergleich zum Hintergrund darstellt. Damit ist eine der grundlegenden Fragen verbunden: Kann man die elektrischen Signale, die das Elektrodenfeld des Chips abgibt so wählen, dass man ON und OFF Zellen selektiv aktiviert? Diese und ähnliche Fragen sollen durch eine biophysikalische Modellanalyse beantwortet werden. Dabei wird zuerst für einen bestimmten Typ von Elektroden eines Retinaimplantates das elektrische Feld in der Umgebung einer ausgewählten Zelle der Netzhaut berechnet. In einem zweiten Schritt wird die Antwort dieser Zelle bestimmt. Geometrische Daten der Zellstruktur und elektrische Eigenschaften der Zellmembran werden in einem Computermodell der Zelle benützt, um ihr Verhalten für veränderte Elektrodenkonfigurationen und Stimulusintensitäten systematisch zu analysieren. Der internationale Kooperationspartner der Harvard Medical School wird während des gesamten Projektes Experimente durchführen welche das Antwortverhalten retinaler Nervenzellen während Elektrostimulation untersuchen. Neben den Aussagen zur selektiven Zellstimulation durch extrazelluläre Anregung haben die zu erwartenden Computermodelle auch für den normalen physiologischen Verarbeitungsvorgang im Auge großen wissenschaftlichen Neuwert.

Mit einem Chip im Auge können blinde Menschen wieder sehen. Mit neuen Prototypen konnten einige Blinde sogar Buchstaben erkennen und zu Wörtern kombinieren. Die Buchstaben waren sehr groß und das Erkennen ist langsam, beschwerlich und fehleranfällig. Der Grund dafür liegt in verhältnismäßig wenigen, derzeit maximal 1500 Stimulationskontakten, die die verloren gegangene Sensorik von 100 Millionen Lichtrezeptoren in einem menschlichen Auge ersetzen sollen. Die damit erreichbare Bildauflösung ist aber leider noch schlechter als es der Abstand der stimulierenden Kontakte am implantierten Chip erwarten lässt. Diese Situation soll entscheidend verbessert werden und zwar durch eine Analyse der elektrisch erzeugten Signale in den Zellen der Netzhaut (Retina). Beim natürlichen Sehen wird ein Großteil der Informationsanalyse im neuronalen Zellverband der Netzhaut durchgeführt, die als ausgelagerter Gehirnteil funktioniert. Die vorverarbeiteten Signale der Photorezeptoren werden dabei mit einem Faktor 100 komprimiert und verlassen das Auge über 1 Million Fasern des Sehnerven, wo sie im visuellen Cortex weiterverarbeitet werden, um schließlich zu visuellen Wahrnehmungen zu führen. In den Fasern des Sehnervs können Nervenimpulse direkt durch nahe liegende Elektroden erzeugt werden. Dabei kommen aber falsche Wahrnehmungen zustande, wenn Fasern von einer fernen Bildregionen mitaktiviert werden, weil ihr Weg an einem zu aktivierenden Bereich vorbeiführt. Vereinfacht gesagt will man nur diese Zellen stimulieren, deren Zellkörper in der Nähe der aktiven Elektrode liegt. Eine Analyse von Computersimulationen ergab einen relativ kleinen Intensitätsbereich indem tatsächlich keine vorbeiziehenden Nervenfasern von fremden Regionen mitstimuliert werden. Es gibt verschieden Möglichkeiten den Chip mit den elektrischen Kontakten zu platzieren, nämlich vor oder hinter der Netzhaut. Während das erste Verfahren auf die eben besprochene Erzeugung von Nervensignalen direkt in den Fasern des Sehnervs abzielt, werden beim subretinalen Implantat Interneurone, also Nervenzellen in der Netzhaut die die Vorverarbeitung der visuellen Wahrnehmung durchführen angesprochen. Diese Methode entspricht besser dem natürlichen Sehen und nützt auch noch die optischen Eigenschaften des Auges. Dabei werden die synaptischen Vorgänge in der Netzhaut beeinflusst, wobei Ströme von Calciumionen als Folge der vom Chip erzeugten elektrischen Felder die Schlüsselrolle der visuellen Wahrnehmung sind. Ein neu entdeckter physikalischer Effekt, nämlich die Stromumkehr von Natriumionen der bei stärkeren Stimuli künstliche Nervensignale im Zellkörper verhindert wurde im Projekt auf die Calciumionen übertragen. Damit zeigt sich auch für die synaptische Übertragung ein oberer Grenzwert für die Anwendung.

Forschungsstätte(n)
  • Technische Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Shelley I. Fried, Harvard Medical School - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 148 Zitationen
  • 12 Publikationen
Publikationen
  • 2017
    Titel Intra- and extracellular stimulation of retinal bipolar cells.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Bassereh H
    Konferenz Talk: Vienna young Scientists Symposium, Wien; 06-01-2017 - 06-02-2017; in: Vienna young Scientists Symposium
  • 2016
    Titel Neuronal activation characteristics in the electrically stimulated retina during sub- and epiretinal Stimulation.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Rattay F
    Konferenz Talk: 12th Vienna International Workshop on Functional Electrical Stimulation, Vienna; 09-08-2016 - 09-09-2016; in: Proceedings of the 12th Vienna International Workshop on Functional Electrical Stimulation
  • 2016
    Titel Focal activation of retinal ganglion cells with epiretinal implants: The AIS as a key component.
    Typ Journal Article
    Autor Rattay F Et Al
    Journal Poster: ARVO Meeting 2016, Seattle, Washington; 05-01-2016 - 05-05-2016
  • 2016
    Titel The impact of calcium current reversal on neurotransmitter release in the electrically stimulated retina
    DOI 10.1088/1741-2560/13/4/046013
    Typ Journal Article
    Autor Werginz P
    Journal Journal of Neural Engineering
    Seiten 046013
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Neue Ansätze zum besseren Sehen.
    Typ Book Chapter
    Autor "Pars Pro Toto"
  • 2016
    Titel Simulation Of The Electrical Field Generated By Bipolar And Ganglion Cells In The Electrically Stimulated Retina
    DOI 10.3389/conf.fnins.2016.93.00111
    Typ Journal Article
    Autor Paul W
    Journal Frontiers in Neuroscience
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Mathematical modeling of irregular firing in the electrically stimulated Retina.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Rattay F Et Al
    Konferenz Talk: 2nd Vienna Young Scientists Symposium - VSS 2016, Vienna University of Technology, Vienna; 06-09-2016 - 06-10-2016; in: Proceedings of the 2016 Vienna Young Scientists Symposium
  • 2015
    Titel From Squid to Mammals with the HH Model through the Nav Channels’ Half-Activation-Voltage Parameter
    DOI 10.1371/journal.pone.0143570
    Typ Journal Article
    Autor Krouchev N
    Journal PLOS ONE
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Modeled direct and indirect activation of retinal ganglion cells during subretinal Stimulation.
    Typ Journal Article
    Autor Rattay F Et Al
    Journal Poster: ARVO Meeting 2015, Denver, Colorado; 05-02-2015 - 05-07-2015
  • 2014
    Titel On the upper threshold phenomenon of extracellular neural stimulation
    DOI 10.1152/jn.00323.2014
    Typ Journal Article
    Autor Rattay F
    Journal Journal of Neurophysiology
    Seiten 2664-2665
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Modeling the response of ON and OFF retinal bipolar cells during electric stimulation
    DOI 10.1016/j.visres.2014.12.002
    Typ Journal Article
    Autor Werginz P
    Journal Vision Research
    Seiten 170-181
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Influence of the sodium channel band on retinal ganglion cell excitation during electric stimulation – A modeling study
    DOI 10.1016/j.neuroscience.2014.01.067
    Typ Journal Article
    Autor Werginz P
    Journal Neuroscience
    Seiten 162-177
    Link Publikation

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