Personalmanagement in einer neuen Provinz: Das österreichische Banat (1716-1751/53)
Personnel Management in a new Province: the Austrian Banat (1716-1751/53)
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (55%); Soziologie (20%); Wirtschaftswissenschaften (25%)
Keywords
-
Personnel Management,
Habsburg Monarchy,
Banat,
Periphery,
Administration Development,
Bureaucracy
Nach der Eroberung des Banats (1716), bemühten sich die Habsburger zügig eine neue Verwaltung zu etablieren. Diese bestand bis zum Ende des vorgeschlagenen Untersuchungszeitrahmens 1751/53 aus einem komplex organisierten Netzwerk aus militärischen und zivilen Beamten. Während über die Verwaltung im Banat mehrere Forschungen vorliegen, entziehen sich die Beson- derheiten hinsichtlich der Entwicklung als auch der Dynamik des habsburgischen Personalmanage- ments in dieser neuen Provinz der Historiografie. Das vorgeschlagene Forschungsprojekt will das Personalmanagement des Wiener Hofes in dieser Provinz der Habsburgermonarchie im Zeitraum von 1716-1751/53 beleuchten. Der propagierte Zeit- rahmen umschließt eine Phase, in welcher der Beamtenstatus als nichtreguliert umschrieben werden kann und die Beschäftigungsbedingungen für den Beamtenapparat nicht eindeutig definiert waren. Daher soll hinterfragt werden, inwiefern moderne Merkmale der Bürokratie wie vertragliche Bezie- hungen, Hierarchie, Arbeitsteilung, Entlohnung in Geld und Karriereperspektiven oder die Trennung von Funktion und Person existierten und praktiziert wurden. In Zusammenhang mit diesen Aspekten werden in diesem Forschungsprojekt vier Leitfragen ins Zentrum gestellt: 1. Wer waren diese Beam- ten? 2. Welche Ausbildung und welchen sozialen Hintergrund besaßen sie? 3. Welche Operationsfel- der waren in ihrer Obhut und welche administrativen Funktionen bekleideten sie? 4. Mit welchen Problemen waren sie konfrontiert? Die Beantwortung dieser Fragestellungen soll mit Hilfe eines Zeitphasen- und Kategorienmodel ermöglicht werden. Das in Vorschlag gebrachte Projekt stützt sich zu einem überwiegenden Teil auf nichtpublizierte Ar- chivalien aus österreichischen, ungarischen und rumänischen Archiven. Zu nennen wären beispiels- weise Dokumente über amtliche Vorgehensweisen (z.B. die Vorträge an den Kaiser, Berichte von Kommissionen, Anweisungen und Protokolle) und Korrespondenzen zwischen den Wiener Zentral- stellen, administrativen Körperschaften und deren oft prominenten militärischen und zivilen Vertre- tern im Banat. In Ergänzung dazu versprechen einzelne deskriptive zeitgenössische Quellen wie Me- moiren, Briefe, Landes- und Reisebeschreibungen zuzüglich Informationen zu liefern. Es ist anzunehmen, dass das habsburgische Personalmanagement im Banat einen höchst experimen- tellen Charakter aufwies. Es soll auf die Verflechtung von militärischer und ziviler Kompetenzvertei- lung und Logik hingewiesen werden, welche maßgeblichen Einfluss auf Personalentscheidungen und die Verwaltung der Provinz hatten. Zudem rücken in diesem Projektvorschlag neben den Vorgängen auf Verwaltungsebene auch die einzelnen in den weitmaschigen Amtsapparat eingebunden Akteure in den Blick der Forschung, was einen biographischen Zugang möglich macht.
Das vorliegende Forschungsprojekt setzte sich zum Ziel, der Frage nachzugehen, was passiert, wenn ein Staat ein Territorium hinzugewinnt und in seine Verwaltung nehmen möchte, das zuvor in einem ganz anderen politisch-kulturellen Kontext stand, weshalb man an keine namhaften Infrastrukturen anknüpfen konnte, sondern mehr oder weniger beim Punkt Null anfangen musste. Dies war nämlich im Falle des Banats (heute geteilt zwischen Rumänien, Serbien und Ungarn) der Fall, das rund 170 Jahre dem muslimisch-militärisch geprägten Osmanischen Reich angehört hatte und das die habsburgischen Truppen 1716 eroberten. Dieses Projekt zielte auf zwei Hauptfragen ab. Die eine bestand darin herauszufinden, auf welchen Prinzipien die Landesverwaltung ab 1716 beruhte, d. h. welche konzeptiven Elemente nun maßgeblich wurden, inwieweit es Vorbilder für das Personalmanagement gab, welche Rolle der zeitgenössische Hintergrund spielte und was sich bis in die 1750-er Jahre veränderte, zumal das Land nochmals einem Krieg mit den Türken ausgesetzt war (1737- 1739). Die zweite Frage bezog sich auf das in das Management eingebundene Personal in Hinblick, woher die Leute stammten, wie es ihnen bei der Aufbauarbeit ging, welcher Wandel in den ersten Jahrzehnten eintrat und welche Schicksalsprofile ableitbar sind. Das umfangreiche Material aus den einschlägigen Archiven in Österreich, Ungarn und Rumänien erlaubt ein sehr anschauliches, wenngleich nicht komplettes Bild über die Entwicklung in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu erstellen, das sowohl im Rahmen eines Evaluationsworkshops kritisch reflektiert worden als auch im Rahmen einer internationalen Tagung in einen größeren thematischen Horizont gesetzt worden ist. Einerseits wird offenbar, dass das gewählte Beispiel für eine neue Provinz etwas Besonderes darstellt, weil die örtlichen Herausforderungen zum Aufbau der Landesverwaltung und deren Einbettung in eine anspruchsvolle Staatsverwaltung besondere Kennzeichen aufweisen. Andererseits ist zu beobachten, dass die wesentlichsten Managementprozesse analog wie in den übrigen Provinzen der Habsburgermonarchie abliefen, d. h. starke zentrale Steuerung, wachsende Professionalisierung, Tendenz zur Vereinheitlichung vonRegulierungen,Schutzbestimmungen zugunstendes Beamtenapparats, Divergenzen zwischen Zivil- und Militärverwaltung usw. Die Resultate liefern eine Reihe von Erkenntnissen zur Landes-, Personal- und Verwaltungsgeschichte der Habsburgermonarchie im 18. Jahrhundert und wurden und werden in einer Reihe von Veröffentlichungen in unterschiedlichen Sprachen sowohl der Fachwelt als auch dem breiteren Publikum zugänglich gemacht.
- Universität Graz - 100%
- Josef Wolf, Sonstige - Deutschland
- Nicolae Bocsan, Babes-Bolyai University - Rumänien
Research Output
- 1 Zitationen
- 1 Publikationen
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2016
Titel PERSONNEL MANAGEMENT DURING TIMES OF CRISIS. THE AUSTRIAN BANAT AND THE AUSTRO-RUSSIAN-TURKISH WAR (1736-1739) DOI 10.19090/i.2016.27.120-138 Typ Journal Article Autor Jesner S Journal ISTRAŽIVANJA, ?ournal of Historical Researches Seiten 120-138 Link Publikation