Diplomatie aus dem Untergrund. Die merkwürdige Karriere Alexander Horns (1762-1820)
Diplomacy from the underground. The remarcable career of Alexander Horn (1762-1820)
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (40%); Geschichte, Archäologie (60%)
Keywords
- Diplomacy,
- Underground,
- Counter-Enlightenment,
- Manuscripts,
- Benedictines
Das Projekt Diplomacy from the underground. The remarkable career of Alexander (Maurus) Horn (1762-1820) untersucht wichtige historische Ereignisse wie die Französische Revolution und die Revolutionskriege und deren Auswirkungen unter der Perspektive eines benediktinischen Bibliothekars, der sich in den Wirren der Revolution vom gläubigen Priester zum Diplomaten, Buchhändler und später Geheimagenten entwickelte. Horn wurde am 28. Juni 1762 in Schottland geboren und führte nach seiner Übersiedlung nach Regensburg ab 1778 den Namen Maurus. Er fungierte in Regensburg als Bibliothekar. Die Französische Revolution veranlasste ihn dazu, politisch tätig zu werden. Seine Liebe zu Büchern und alten Handschriften blieb ihm insofern erhalten, als er mit Inkunabeln, Manuskripten und raren Drucken handelte. Sein Willen zur politischen Partizipation spiegelte sich ab ca. 1790 in seiner Tätigkeit als offiziöser Beauftragte für Besuche und Anlässe am Immerwährenden Reichstag in Regensburg wider. Dort brachte er es bis zum Chargé dAffaire, bis ihn eine Intrige Napoleons in den Untergrund abtauchen ließ. Ab ca. 1805 war Horn als Geheimagent in Linz, Brünn, Wien oder auch Znaim tätig und schickte Berichte nach London. 1809 spielte er als Vermittler eine wichtige Rolle in Hinsicht auf Englische Subsidien für die Revolte in Tirol. 1810 ging er nach London und lebte von staatlichen Zahlungen, bis er nach 1813 nach Frankfurt übersiedelte. Horn starb 1820. Wichtige forschungsleitende Fragen sind hierbei: Kann man durch die Fokussierung auf einen eher unbekannten Akteur die Aushandlungsprozesse und sozialen Realitäten hinsichtlich diplomatischer, politischer und soziokultureller Beziehungen näher bestimmen als bisher? Bringt die Verschiebung der Perspektive in Bezug auf bekannte historische Ereignisse wie die Französische Revolution oder die Revolutionskriege neue Interpretationsansätze hervor? Welchen Handlungsspielraum und welche Entscheidungskompetenz hat ein offiziöser Akteur und welche Rolle spielt er bzw. welche Position hat er in seinen Netzwerken? In den Fokus der Untersuchung rückt hierbei mit Maurus (Alexander) Horn ein von der Geschichtsforschung bis jetzt nachlässig behandelter Akteur, der eine Vielzahl von offiziellen, diplomatischen und Geheimdokumenten hinterlassen hat, welche in diesem Projekt unter verschiedenen Gesichtspunkten analysiert werden sollen. Dabei spielt insbesondere das Leben Horns eine entscheidende Rolle, da er als Geistlicher, Buchhändler, Diplomat und Geheimagent verschiedene Profile aufwies, die sich allesamt unterschiedlich in den Quellen niederschlugen. Methodisch innovativ sind die Anleihen an der sogenannten Untergrundforschung, wobei eine Netzwerk-sowie Repräsentationsanalyse durchgeführtwird, umeinerseits Stereotype, Wahrnehmungen und Überzeugungen, andererseits Personenkonstellationen, Informanten und geheime Information an sich zu erforschen. Da Horn auch Briefwechsel hinterlassen hat, können durch eingehende Analysen sein Handlungsspielraum und seine Möglichkeiten zur Intervention herausgefiltert werden. Das dargestellte Projekt führt zu mehreren neuen Erkenntnissen und ist für verschiedene Disziplinen anschlussfähig.
Das Projekt "Diplomatie aus dem Untergrund" beschäftigte sich mit dem Leben und den Rollen des Alexander (Maurus) Horn (1762-1820). Dieser war Benediktiner, Buchagent, offiziöser Diplomat, Verschwörungstheoretiker und Abenteurer. Im Projekt standen seine brieflichen Kontakte, seine diplomatischen Berichte sowie seine Autobiographie im Fokus der Betrachtung. Als Buchagent hatte Horn aufgrund seines Spezialistentums europaweit einen exzellenten Ruf und er spielte eine zentrale Rolle im um 1800 explodierenden Markt für alte Drucke (Gutenbergbibel) und Inkunabeln. Als Diplomat hatte er von Anfang einen schweren Stand, da er wegen seines Glaubens nicht offiziell akkreditiert werden konnte. Aufgrund seiner Teilnahme an einer Verschwörung zur Ermordung Napoleons wurde er zur persona non grata. Ab 1805 fungierte als Diplomat im Untergrund, lebte sein Leben bei Nacht und war immer in Sorge, von französischen Soldaten ermordet zu werden. Seine Freundschaft zu wichtigen Militärs und Politikern im Kaisertum Österreich verhalf ihm dazu, teilweise in Prag als offiziöser Geschäftsträger zu amtieren. Seine Rolle bei der Verteilung von britischen Hilfsgeldern für die notleidenden Tiroler, welche nicht mehr zum Kaisertum dazugehörten, und beim Aufbau der Alpenbundverschwörung brachten ihm den Zorn Metternichs ein und er wurde aus Österreich entfernt. Kurzzeitig kam er 1813/14 als Geschäftsträger wieder auf den Kontinent zurück, wurde aber nicht mehr offiziell akkreditiert. Seinen Lebensabend verbrachte er in Frankfurt am Main als Buchagent. Neben diesen wichtigen biographischen Details spielte Horn eine entscheidende Rolle bei der Formierung der anti-illuminatischen Verschwörungstheorie, welche ursprünglich eine Reaktion von deutschen Freimaurern auf die 1776 in Ingolstadt gegründete Geheimgesellschaft der Illuminaten darstellte. Horn hatte in Regensburg mit verschiedenen Illuminaten zutun und entwickelte wegen seiner persönlichen Betroffenheit durch die Französische Revolution eine extreme Abwehrhaltung gegen die Illuminaten. Er belieferte hochwahrscheinlich John Robison, einen Edinburgher Professur für Naturphilosophie, mit deutschsprachigen Büchern und Quellen. Robison schrieb aus diesem Material "Proofs of a Conspiracy" (1797), das bis heute gelesen und neu aufgelegt wird. Durch die intensive Auseinandersetzung mit Horns Rolle in diesem Zusammenhang gelang es wesentliche neue Erkenntnisse über Verschwörungstheorien des 18. Jahrhunderts und deren spätere Rezeption zu gewinnen. So konnte zum Beispiel Robisons Notizbuch, welches er zum Schreiben von "Proofs of a Conspiracy" verwendete, gefunden werden. Durch die Verschiebung der Perspektive der Forschung auf Buchagenten und Diplomaten rückt insgesamt die Verbindung zwischen oraler und schriftlicher Kultur bei der Entstehung von Verschwörungstheorien in den Fokus. Ein besonderes Highlight ist die Autobiographie Horns, die er 1812 verfasste und die insofern eine singuläre Quelle ist, als sie über Horns frühe Lebensjahre Auskunft gibt. In der Autobiographie reflektiert Horn sein Schicksal und seinen bisherigen Lebensweg im Stile eines manchmal übertriebenen self-fashioning. Die abschließende Monographie bietet die Möglichkeit, drei Biographien über Horn zu lesen: Das politische Handeln als Akteur einer Vernetzungsgeschichte, sein Verhandlungsgeschick als Buchagent und seine Autobiographie sind drei Perspektiven auf seine merkwürdige Karriere.
- Universität Innsbruck - 100%
- Martin Mulsow, Universität Erfurt - Deutschland
- Christian Windler, University of Bern - Schweiz
- Ulrich Lehner, University of Notre Dame - Vereinigte Staaten von Amerika
- Kristian Jensen, The British Library - Vereinigtes Königreich
Research Output
- 3 Disseminationen
- 4 Wissenschaftliche Auszeichnungen
- 1 Weitere Förderungen
-
2019
Link
Titel FZ Europakonzeptionen Typ A formal working group, expert panel or dialogue Link Link -
2015
Titel Collaboration with the "PR&D - Public Relations für Forschung & Bildung" from the FWF Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview -
2015
Titel Interview for a national newspaper Typ A magazine, newsletter or online publication
-
2018
Titel "Alexander Horn and the Illuminati" Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International -
2018
Titel I was employed on some Pieces of secret Service". Alexander Horn's (1762-1820) Diplomacy from the Underground Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Regional (any country) -
2017
Titel "Blaming the Illuminati: Communication Networks and Modes of Transmission in the Late 18th Century" Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International -
2015
Titel The multiple roles of Alexander (Maurus) Horn Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad National (any country)
-
2016
Titel CA15101 - Comparative Analysis of Conspiracy Theories (COMPACT) Typ Research grant (including intramural programme) Förderbeginn 2016 Geldgeber European Cooperation in Science and Technology (COST)