Hat soziale Interaktion einen Anti-Stress Effekt?
Does social interaction reward have an anti-stress effect?
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (50%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (50%)
Keywords
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Addiction,
Stress,
Conditioned place preference,
Social interaction,
Theraoy,
Reward
Eine der großen Herausforderungen in der Therapie von Abhängigkeitserkrankungen bleibt die Umorientierung von suchtkranken Individuen hin zu nicht-Drogen assoziierten Aktivitäten. Wohltuende soziale Interaktion ist in der Lage persönliche Beziehungen positiv zu beeinflussen und stellt somit eine natürliche Alternative für den belohnenden Effekt von Drogen dar. Die Mechanismen, die dem positiven Effekt von sozialer Interaktion zugrunde liegen sind jedoch bisher nicht bekannt. Unsere aktuellen Ergebnisse zeigen, dass soziale Interaktion die Aktivierung von p38 (Stress activated protein kinase) im Nucleus accumbens reduziert. Wir stellen daher die Hypothese auf, dass positive soziale Interaktion einen Anti-Stress Effekt hat, der wenn in einem alternativen Kontext angeboten den Drogenkonsum reduziert. Um diese Hypothese zu testen, werden wir zuerst die Expression von Corticotropine releasing factor (CRF) und dessen Rezeptoren in zentralen Hirnregionen für Stressantwort, sowie Corticosteron Plasmaspiegel nach der Platzpräferenz-Konditionierung (conditioned place preference, CPP) für Kokain oder soziale Interaktion analysieren. Dann werden wir den Effekt von intra-cerebro- ventrikulären (ICV) Injektionen von CRF sowie einem CRF-Rezeptor-Antagonisten auf Kokain bzw. soziale Interaktion Belohnung untersuchen. In einem nächsten Schritt soll untersucht werden, welchen Einfluss CRF-Rezeptor-Antagonisten auf die Aktivierung von p38 haben, um eine eventuelle Beziehung zwischen diesen beiden Stresssystemen zu finden. Anschließend werden wir den Effekt von ICV Injektion eines p38-Inhibitors auf Kokain bzw. soziale Interaktion Belohnung erheben. Zu guter Letzt soll unter Verwendung von p38 beta knock out (KO) Mäusen identifiziert werden, welches p38 Isoform (d.h., alpha oder beta) eine Rolle für Kokain bzw. soziale Interaktion Belohnung und Stress bzw. Angstverhalten spielt. Dieses Projekt wird uns helfen den anti-Stress Effekt von sozialer Interaktion zu untersuchen und zum ersten Mal einen direkten Zusammenhang zwischen dem CRF System und der p38 MAPK Regulation im Gehirn zu beschreiben. Weiters wird die Rolle von p38 bei Stressverhalten durch die Erstellung eines Verhaltensprofils von p38 beta KO Mäusen charakterisiert, sowie dessen Implikationen für Abhängigkeitserkrankungen aufgezeigt. Dieses Wissen wird entscheidende Ziele identifizieren, um neue Medikamente zur Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen zu entwickeln.
Kann das Verbringen von Zeit mit einem Freund Anti-Stress Effekte hervorrufen? Wie wir bereits wissen ist die Verschiebung der Präferenz vom Substanz-abhängigen Individuum zu nicht-medikamentösen Aktivitäten eine der größten Herausforderungen, mit denen die medikamentöse Abhängigkeitstherapie konfrontiert ist. Vorteilhaft soziale Interaktionen können sich positiv auf persönliche Beziehungen auswirken und können eine Alternative zum Drogenmissbrauch sein. Die diesen positiven Effekten zugrunde liegenden Mechanismen der Belohnung für soziale Interaktion sind nicht bekannt. Unsere Daten haben gezeigt, dass die Belohnung sozialer Interaktion zu einer Verringerung der Aktivierung von p38 (stressaktivierte Proteinkinase) in einer Belohnungs-assoziierten Region des Gehirns, dem sogenannten Nukleus Accumbens führt. In diesem Projekt schlagen wir vor, dass positive soziale Belohnung eine Anti-Stress-Rolle hat, die den Drogenmissbrauch reduziert, wenn diese in einem alternativen Kontext angeboten wird. Wir konnten zeigen, dass soziale Interaktion Stressmarker im Gehirn reduziert. Weiters zeigten wir dass durch Injektion eines Corticorsteron freisetzenden Faktors im Gehirn, soziale Interaktionen den Auswirkungen von Stress standhalten. Wenn soziale Interaktion als Alternative zu Suchtmitteln wie zum Beispiel Kokain zur Verfügung steht, kehrt die Präferenz gegenüber Kokain um und reduziert Stressmarker auf das Niveau der nicht gestressten Kontrolle. Diese Ergebnisse zeigen, dass das Verbringen von Zeit mit einem Freund in einem nicht-medikamentenbezogenen Kontext die Präferenz für den medikamentenbezogenen Kontext, durch die Verringerung von Stresseffekten reduzieren kann. Der vorteilhafte Anti-Stress-Effekt sozialer Interaktion auf die Prävention von Drogenmissbrauch und die Neuausrichtung von substanzabhängigen Individuen gegenüber nicht Drogen-assoziierten Aktivitäten sind interessant für Neurowissenschaftler, kognitive Psychologen und Psychotherapeuten. Dieses Wissen kann auch zur Identifizierung von Neuen Targets sowie für die Entwicklung neuer Medikamente gegen Drogenmissbrauch dienen.
- Nicolas Singewald, Universität Innsbruck , assoziierte:r Forschungspartner:in
Research Output
- 93 Zitationen
- 4 Publikationen
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2020
Titel Social interaction reward: A resilience approach to overcome vulnerability to drugs of abuse DOI 10.1016/j.euroneuro.2020.06.008 Typ Journal Article Autor El Rawas R Journal European Neuropsychopharmacology Seiten 12-28 -
2020
Titel Is p38 MAPK Associated to Drugs of Abuse-Induced Abnormal Behaviors? DOI 10.3390/ijms21144833 Typ Journal Article Autor El Rawas R Journal International Journal of Molecular Sciences Seiten 4833 Link Publikation -
2020
Titel Social interaction reward in rats has anti-stress effects DOI 10.1111/adb.12878 Typ Journal Article Autor Lemos C Journal Addiction Biology Link Publikation -
2018
Titel Cocaine Paired Environment Increases SATB2 Levels in the Rat Paraventricular Thalamus DOI 10.3389/fnbeh.2018.00224 Typ Journal Article Autor Salti A Journal Frontiers in Behavioral Neuroscience Seiten 224 Link Publikation