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Die biologische Uhr tickt. Realisierung von Familienplänen im Lebensverlauf.

Running against the clock? Realising family plans over the life-course.

Isabella Buber-Ennser (ORCID: 0000-0001-5483-8907)
  • Grant-DOI 10.55776/P28071
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.01.2016
  • Projektende 31.12.2017
  • Bewilligungssumme 168.394 €

Wissenschaftsdisziplinen

Soziologie (100%)

Keywords

    Family Plans, Fertility Intentions, Austria, Longitudinal Data, Life Course

Abstract Endbericht

In zahlreichen Ländern in- und außerhalb Europas wurden in der Vergangenheit bedeutende Änderungen im Familienbereich verzeichnet. Familienformen wie Stieffamilien oder Familien mit unverheirateten Eltern, die früher nur vereinzelt auftraten, wurden häufiger. Parallel dazu sind in vielen Ländern die Geburtsraten deutlich unter das Reproduktionsniveau von zwei Kindern gesunken. In diesem Zusammenhang ist es notwendig, die Mechanismen zu untersuchen, die zu den sehr niedrigen Fertilitätsniveaus führen. Der Kinderwunsch und der Familienkontext, in dem dieser entsteht, sind wesentlich zum Verständnis der Einschränkungen, die ein Kinderwunsch mit sich bringt. Unser Ziel ist es, Faktoren zu identifizieren, die Familienentscheidungen im Besonderen Entscheidungen für ein (weiteres) Kind in Österreich beeinflussen. Speziell werden der Kinderwunsch und dessen Realisierung einander gegenüber gestellt, wobei der Fokus auf Interaktion zwischen den Partnern, die Empfängnisverhütung und die Partnerschaftssituation gelegt wird. Wesentliches Ziel des geplanten Projektes ist es, den Einfluss von Umständen im Lebensverlauf auf die Realisierung von individuellen Kinderplänen zu untersuchen. In unserem Modellrahmen sind 1/ Charakteristika der Partner, 2/ Verhütung und Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit, sowie 3/ Partnerschaft und Umstände im Lebenszyklus die drei wesentlichen Dimensionen, die bei der Realisierung von individuellen Kinderwünschen wirken, sowohl für die insgesamt gewünschte Kinderzahl als auch für den unmittelbaren Kinderwunsch (d.h. Wunsch nach einem Kind in den nächsten drei Jahren). Die dritte Dimension erlaubt die Analyse von partnerlosen Personen und unterstreicht die Bedeutung eines Partners für eine Schwangerschaft. Darüber hinaus erlaubt der Modelrahmen die Analyse von Kinderwusch und dessen Realisierung gemeinsam mit Änderungen in der Partnerschaftssituation. Der Lebensverlauf- Ansatz für Studien zum Kinderwunsch ist sehr relevant. Mehrere Studien zeigten, dass konkurrierende Pläne für andere Lebensbereiche die Verwirklichung von unmittelbaren Kinderwünschen beeinflussen. In einem ersten Schritt geben wir einen Überblick über die aktuelle und vergangene Situation zur gewünschten Kinderzahl nach verschiedenen Untergruppen (Makro-Ebene). In einem zweiten Schritt untersuchen wir die Determinanten für die Realisierung des unmittelbaren Kinderwunsches (d.h. Wunsch, innerhalb der nächsten drei Jahre ein Kind zu bekommen), und andere Änderungen, die im Lebensverlauf auftreten können und die Kinderpläne beeinflussen (Mikro-Ebene). Mit der Ausnahme einer Befragung von verheirateten Frauen in den 1980er Jahren stehen in Österreich erstmals Paneldaten zu familienrelevanten Themen zur Verfügung, die eine Analyse von Familienplänen und deren Realisierung erlauben. Die Verfügbarkeit von Mikrozensus-Daten und Longitudinaldaten mit identischen Fragen zum Kinderwunsch, die Ende 2012 erhoben wurden, stellt eine einmalige Möglichkeit für Querschnitt- und Längsschnittstudien für Österreich dar, einem Land mit niedrigen Geburtenraten. Die Ergebnisse sollen zu neuen Erkenntnissen für die wissenschaftliche Gemeinschaft führen und mögliche Wege in der Familienpolitik aufzeigen. Im Besonderen sollen Hindernisse, die zu einem Hinausschieben und zum Aufgeben des Kinderwunsches führen, identifiziert werden, um besser die aktuelle Situation in Ländern mit niedrigen Geburtenraten besser verstehen zu können.

Wenn wir den Satz Die biologische Uhr tickt hören, denken wir unmittelbar an das Hinausschieben der Familiengründung von Frauen auf spätere Jahre und an späte Mutterschaft. Diese Aspekte sind zentral für die Veränderungen von Familien in reichen Ländern. In unserem Projekt untersuchten wir dieses Hinausschieben von Mutterschaft während der letzten vier Jahrzehnte in Europa und andere Regionen mit niedrigen Geburten-raten. Genauer gesagt interessierten wir uns für Frauen im Alter 35+, die von ForscherInnen als späte Mütter bezeichnet werden: Ein relativ großer Anteil der 35-44-Jährigen, die keine Kinder oder ein Kind haben, plant in naher Zukunft ein (weiteres) Kind. Aber die Realisierung dieses Wunsches innerhalb von vier Jahren stellte sich in diesem Alter als sehr unwahrscheinlich heraus. Des Weiteren zeigte sich, dass ab Mitte 30, ein ursprüngliches ich möchte ganz sicher ein (weiteres) Kind oft ein wahrscheinlich, oder gar ein ich möchte keine (weiteren) Kinder mehr wurde. Auch die Erfolgsraten medizinisch unterstützter Fortpflanzung sind in höherem Alter niedrig und tragen wenig zu Elternschaft bei in diesem Alter bei.Möchten Sie innerhalb der nächsten drei Jahre ein Kind? Diese Frage war zentral in unserem Projekt. Wir gingen der Frage nach Wer realisiert diesen Kinderwunsch? Abgesehen vom Einfluss des Alters der Frau, wollten wir mehr erfahren auf der Paarebene, über den Einfluss von Erwerbstätigkeit sowie über regionale Unterschiede. Wir verwendeten einen Datensatz, wo Personen im Abstand von 3-4 Jahren zweimal befragt wurden. Ein derartiger Datensatz erlaubt es, die sogenannte Realisierung von kurzfristigen Kinderwünschen zu analysieren. Es zeigte sich, dass auf der Paarebene die Aufteilung der Arbeit und die Zufriedenheit damit bei der Realisierung von Kinderwünschen eine Rolle spielt. Aber auch die Anzahl der Kinder ist von Bedeutung in diesem Zusammenhang. Wir interessierten uns auch für Zusammenhänge mit Erwerbstätigkeit, mit dem Risiko den Job zu verlieren sowie mit etwaigen finanziellen Problemen. Es zeigt sich, dass Frauen in unsicheren Beschäftigungen seltener ihren Kinderwunsch realisierten. Unter Männern spielte materielle Unsicherheit (i.e. finanzielle Einschränkungen) eine Rolle bei der Realisierung der Kinderwünsche mit der Partnerin.Schließlich möchten wir unsere Ergebnisse zur Erwerbstätigkeit von Müttern in Österreich hervorstreichen, die 1940-1979 geboren wurden. Obwohl die Erwerbsquoten von Müttern dieser Geburtsjahrgänge stiegen, führte die Zunahme an Teilzeitarbeit zu einem rückläufigen Arbeitsvolumen von Müttern mit kleinen Kindern. Der Wiedereinstieg ins Berufsleben erfolgt zunehmend, wenn das Kind 3 bis 5 Jahre alt ist. Teilzeitbeschäftigung besteht aber oft längerfristig: Viele Mütter wechseln nicht in Vollzeit, wenn die Kinder älter werden und weniger Betreuung brauchen. Dies ist kritisch zu sehen mit Blick auf Karrierechancen, Pensionen und ein steigendes Armutsrisiko bei Frauen.

Forschungsstätte(n)
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 100%

Research Output

  • 222 Zitationen
  • 19 Publikationen
Publikationen
  • 2023
    Titel THE IMPORTANCE OF FAMILY, LEISURE, WORK, AND FRIENDS
    DOI 10.1553/0x003e87d9
    Typ Journal Article
    Autor Barker R
    Journal Institut für Demographie - VID
    Seiten 1-33
    Link Publikation
  • 2021
    Titel When partners’ disagreement prevents childbearing: A couple-level analysis in Australia
    DOI 10.4054/demres.2021.44.33
    Typ Journal Article
    Autor Testa M
    Journal Demographic Research
    Seiten 811-838
    Link Publikation
  • 2023
    Titel UNCERTAINTY AND FLEXIBILITY OF FERTILITY INTENTIONS
    DOI 10.1553/0x003e60ec
    Typ Journal Article
    Autor Barker R
    Journal Institut für Demographie - VID
    Seiten 1-36
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Regional context and realization of fertility intentions: the role of the urban context
    DOI 10.1080/00343404.2019.1599843
    Typ Journal Article
    Autor Riederer B
    Journal Regional Studies
    Seiten 1669-1679
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Fertility Intentions and Their Realization in Couples: How the Division of Household Chores Matters
    DOI 10.1177/0192513x19848794
    Typ Journal Article
    Autor Riederer B
    Journal Journal of Family Issues
    Seiten 1860-1882
    Link Publikation
  • 2019
    Titel The Part-Time Revolution: Changes in the Parenthood Effect on Women’s Employment in Austria across the Birth Cohorts from 1940 to 1979
    DOI 10.1093/esr/jcz058
    Typ Journal Article
    Autor Riederer B
    Journal European Sociological Review
    Seiten 284-302
    Link Publikation
  • 2022
    Titel WHICH TYPE OF EMPLOYMENT UNCERTAINTY MATTERS WHEN BECOMING A PARENT? AN ANALYSIS BY EDUCATIONAL ATTAINMENT IN THE UNITED KINGDOM
    DOI 10.1553/0x003d6deb
    Typ Journal Article
    Autor Buh B
    Journal Institut für Demographie - VID
    Seiten 1-41
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Late Motherhood in Low-Fertility Countries: Reproductive Intentions, Trends and Consequences
    DOI 10.1553/0x003cd014
    Typ Journal Article
    Autor Beaujouan É
    Journal Institut für Demographie - VID
    Seiten 1-29
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Late Fertility Intentions and Fertility in Austria
    DOI 10.1553/0x003ccd3c
    Typ Journal Article
    Autor Beaujouan É
    Journal Institut für Demographie - VID
    Seiten 1-37
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Late fertility intentions increase over time in Austria, but chances to have a child at later ages remain low
    DOI 10.1016/j.rbms.2021.10.002
    Typ Journal Article
    Autor Beaujouan É
    Journal Reproductive Biomedicine & Society Online
    Seiten 125-139
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Measuring the Effect of Employment uncertainty on Fertility in Europe (A literature review)
    DOI 10.1553/0x003cfe1f
    Typ Journal Article
    Autor Buh B
    Journal Institut für Demographie - VID
    Seiten 1-24
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Measuring the effect of employment uncertainty on fertility in low-fertility contexts: an overview of existing measures.
    DOI 10.1186/s41118-023-00185-x
    Typ Journal Article
    Autor Buh B
    Journal Genus
    Seiten 4
  • 2017
    Titel Late Motherhood in Low-Fertility Countries: Reproductive Intentions, Trends and Consequences
    DOI 10.1007/978-3-319-14857-1_2
    Typ Book Chapter
    Autor Sobotka T
    Verlag Springer Nature
    Seiten 11-29
  • 2017
    Titel Platelet turnover predicts outcome after coronary intervention
    DOI 10.1160/th16-10-0785
    Typ Journal Article
    Autor Freynhofer M
    Journal Thrombosis and Haemostasis
    Seiten 923-933
    Link Publikation
  • 0
    Titel Fertility desires, intentions and behaviour: A comparative analysis of their consistency.
    Typ Other
    Autor Freitas R
  • 0
    Titel The part-time revolution: changes in the parenthood effect on women's employment in Austria across the birth cohorts from 1940 to 1979.
    Typ Other
    Autor Berghammer C
  • 0
    Titel Regional context and realization of fertility intentions: Are capitals different? The examples of Austria and Hungary.
    Typ Other
    Autor Buber-Ennser I
  • 0
    Titel Late fertility intentions and fertility in Austria.
    Typ Other
    Autor Beaujouan E
  • 0
    Titel Didn't plan one but got one: Unintended births among men and women in six European countries.
    Typ Other
    Autor Brzozowska Z

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