Elektronenzentren in Wasserstoff-dotierten Halbleiteroxiden
Hydrogen-derived electron centers in semiconducting oxides
Wissenschaftsdisziplinen
Chemie (75%); Nanotechnologie (25%)
Keywords
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Oxide Semiconductors,
Hydrogen,
Electrochemistry,
Spectroscopy,
Nanoparticle Systems,
Photoinduced Processes
Das gezielte Einbringen von Wasserstoff-Störstellen oder Sauerstoff-Fehlstellen in oxidische Halbleiter und die damit verbundene Erhöhung der Konzentration flacher Donatorzustände (Selbstdotierung) stellen eine vielversprechende Strategie zur Optimierung der Materialeigenschaften in verschiedenen technologischen Anwendungen dar (Sensoren, Superkondensatoren, Batterien, Solare Brennstoffe). Während die verstärkten Forschungsanstrengungen der letzten Jahre zu einer beeindruckenden Vielfalt an neuen Synthesemethoden und zu einer stark verbesserten Effizienz selbstdotierter Oxidegeführthaben,sinddiephysikalisch-chemischenGrundlagen des DotierprozessessowiedieBeschaffenheitunddie Funktionalität der zugrundeliegenden elektronischen Zustände weitgehend unbekannt. Dies trifft besonders auf nanostrukturierte Halbleiter unter anwendungsrelevanten Bedingungen zu. Die Kenntnis dieser Grundlagen ist jedoch für eine gezielte Optimierung der Materialeigenschaften unabdingbar. Im Zuge des Projekts sollen jene Grenzflächeneigenschaften oxidischer Halbleiter identifiziert und untersucht werden, welche die Bildung, die Reaktivität und die Funktionalität von Elektronenzentren in Wasserstoff-dotierten ZnO und TiO2 Partikelsystemen bestimmen. Die experimentelle Herangehensweise beruht dabei auf dem kombiniertenEinsatzelektrochemischer und spektroskopischer in situ Methoden. Dabei werden die elektronischen Eigenschaften von Defektzuständen in Wasserstoff-dotierten Halbleitern an Systemen steigender Komplexität beginnend mit Nanopartikeln unter Hochvakuum-Bedingungen bis hin zu mesoporösen Dünnfilmen in Kontakt mit einem Elektrolyten untersucht. Die Herstellung annähernd stoichiometrischer ZnO und TiO2 Nanopartikel erfolgt dabei über die Metall-organische Chemische Gasphasen-Deposition (MO-CVS). Die oxidischen Halbleiter werden dann in Form von Pulvern oder nach deren Immobilisierung auf einem leitfähigen Substrat verschiedenen Dotierprozessen unterworfen (ex situ Dotierung nach erfolgter Synthese, in situ Dotierung im Zuge der Anwendung als Elektrode). Dotierte TiO2 und ZnO Nanostrukturen werden darüber hinaus über nasschemische Ansätze wie zum Beispiel die direkte Elektrodeposition hergestellt. Flache Donatorzustände können nicht nur über die Synthese und die Prozessierung der Halbleiter in diese einbracht werden, sondern auch in reversibler oder irreversibler Form im Zuge der Materialanwendung. Dies gilt in besonderem Ausmaß für Wasserstoff-Störstellen, da Wasserstoff- Quellen während der gesamten Prozesskette des Materials allgegenwärtig sind. Aus diesem Grund wird besonderes Augenmerk auf die Untersuchung des photoinduzierten in situ Dotierprozesses von Halbleiter-Elektroden gelegt. Ziel ist es ein grundlegendes Verständnis der relevanten Prozessschritte an der Grenzfläche Halbleiter/Elektrolyt sowie im Volumen des Halbleiters zu gewinnen.
Das gezielte Einbringen von Wasserstoff-Störstellen oder Sauerstoff-Fehlstellen in oxidische Halbleiter und die damit verbundene Erhöhung der Konzentration flacher Donatorzustände (Selbstdotierung) stellen eine vielversprechende Strategie zur Optimierung der Materialeigenschaften in verschiedenen technologischen Anwendungen dar (Sensoren, Superkondensatoren, Batterien, Solare Brennstoffe). Während die verstärkten Forschungsanstrengungen der letzten Jahre zu einer beeindruckenden Vielfalt an neuen Synthesemethoden und zu einer stark verbesserten Effizienz selbstdotierter Oxide geführt haben, sind die physikalisch-chemischen Grundlagen des Dotierprozesses sowie die Beschaffenheit und die Funktionalität der zugrundeliegenden elektronischen Zustände weitgehend unbekannt. Dies trifft besonders auf nanostrukturierte Halbleiter unter anwendungsrelevanten Bedingungen zu. Die Kenntnis dieser Grundlagen ist jedoch für eine gezielte Optimierung der Materialeigenschaften unabdingbar. Im Zuge des Projekts sollten jene Grenzflächeneigenschaften oxidischer Halbleiter identifiziert und untersucht werden, welche die Bildung, die Reaktivität und die Funktionalität von Elektronenzentren in Wasserstoff-dotierten ZnO und TiO2 Partikelsystemen bestimmen. Zu diesem Zweck wurde ein Hochvakuum-/Hochdruckreaktorsystem aufgebaut, welches die Prozessierung und Charakterisierung von Materialien unter Hochvakuumbedingungen, in definierten Gasatmosphären, Flüssigkeiten sowie in Elektrolytlösungen ermöglicht. Die Bildung und die Stabilität von Defektzuständen in Wasserstoff-dotierten Halbleiterpartikel-Systemen konnten durch Einsatz spektroskopischer und elektrochemischer Untersuchungsmethoden für verschiedene Grenzflächenbedingungen qualitativ und quantitativ untersucht werden. Defektzuständen, die während der Materialsynthese oder im Zuge des Materialeinsatzes an der Grenzfläche zwischen dem Halbleiter-Material und einer Elektrolytlösung entstehen können, wurden hinsichtlich ihres Einflusses auf die funktionellen Eigenschaften der Elektrode in der Photokatalyse und in der Synthese solarer Brennstoffe untersucht. Besonderes Augenmerk wurde auf die Aufklärung prozessbedingter Eigenschaftsänderungen gelegt, die mit der Bildung von Partikel/Partikel-Grenzflächen einhergehen. Während Partikel/Partikel-Kontakte die elektrische Leitfähigkeit von Nanopartikelelektroden bedingen, stellen diese Grenzflächen auch Bereiche hoher Defektdichte dar. Es konnte gezeigt werden, dass diese Grenzflächendefekte den Elektronentransport verlangsamen und als Rekombinationszentren wirken. Die Untersuchungsergebnisse zeigen jedoch deutlich, dass in Nanopartikel-Netzwerken eine Verbesserung der Ladungsträger-Separation und eine Reduktion ungewollter Rekombinationsprozesse durch systematische Partikelkonsolidierung erzielt werden können. Quantenchemische Berechnungen unserer Kooperationspartner zeigen außerdem, dass Wasserstoff-Dotierung die Defekt-Zustandsdichte an diesen Grenzflächen verändern kann und damit - wie im Experiment beobachtet - zu einer Erhöhung der photoelektrokatalytischen Aktivität führen kann. Unsere Untersuchungen unterstreichen den großen Einfluss von Partikel/Partikel-Grenzflächen auf die Funktionseigenschaften von Nanopartikelfilmen. Gleichzeitig ermöglichten sie die Entwicklung vielversprechender Strategien zur Optimierung nanopartikelbasierter Materialien. Den Prinzipien der Grünen Chemie folgend konnte die Reaktivität von Elektronenzentren in Wasserstoff-dotierten Halbleiterelektroden für die Abscheidung elektroaktiver Nanostrukturen an der Halbleiter/Elektrolyt-Grenzfläche ausgenutzt werden. Diese auf der elektrochemischen oder photochemischen Deposition beruhende Synthesemethode wurde erfolgreich für die Herstellung ternärer Metalloxidfilme eingesetzt. Die Eignung der so hergestellten Hybridmaterialien für die Energiespeicherung unter Einsatz wässriger Elektrolytlösungen wurde durch umfangreiche elektrochemische Untersuchungen nachgewiesen.
- Universität Salzburg - 100%
- Michel Bockstedte, Universität Linz , nationale:r Kooperationspartner:in
- Silvia Gross, Università degli studi di Padova - Italien
- Ramon Tena-Zaera, Parque Tecnologico de San Sebastian - Spanien
- Juan Antonio Anta, Universidad Pablo de Olavide, Sevilla - Spanien
- Ladislav Kavan, Academy of Sciences of the Czech Republic - Tschechien
Research Output
- 124 Zitationen
- 11 Publikationen
- 2 Datasets & Models
- 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
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2022
Titel Substrate-Enabled Room-Temperature Electrochemical Deposition of Crystalline ZnMnO3 DOI 10.1002/cphc.202200586 Typ Journal Article Autor Rettenmaier K Journal ChemPhysChem Link Publikation -
2018
Titel Exciton Emission and Light-Induced Charge Separation in Colloidal ZnO Nanocrystals DOI 10.1002/cptc.201800104 Typ Journal Article Autor Kocsis K Journal ChemPhotoChem Seiten 994-1001 Link Publikation -
2021
Titel Impact of Nanoparticle Consolidation on Charge Separation Efficiency in Anatase TiO2 Films DOI 10.3389/fchem.2021.772116 Typ Journal Article Autor Rettenmaier K Journal Frontiers in Chemistry Seiten 772116 Link Publikation -
2021
Titel Reactivity of Hydrogen-Related Electron Centers in Powders, Layers, and Electrodes Consisting of Anatase TiO2 Nanocrystal Aggregates DOI 10.1021/acs.jpcc.1c01580 Typ Journal Article Autor Jime´Nez J Journal The Journal of Physical Chemistry C Seiten 13809-13818 Link Publikation -
2023
Titel Conformal Coverage of ZnO Nanowire Arrays by ZnMnO3 : Room-temperature Photodeposition from Aqueous Solution. DOI 10.1002/cphc.202300250 Typ Journal Article Autor Rettenmaier K Journal Chemphyschem : a European journal of chemical physics and physical chemistry Link Publikation -
2019
Titel From Anhydrous Zinc Oxide Nanoparticle Powders to Aqueous Colloids: Impact of Water Condensation and Organic Salt Adsorption on Free Exciton Emission DOI 10.1021/acs.langmuir.9b00656 Typ Journal Article Autor Kocsis K Journal Langmuir Seiten 8741-8747 Link Publikation -
2019
Titel Particle Consolidation and Electron Transport in Anatase TiO2 Nanocrystal Films DOI 10.1021/acsami.9b12693 Typ Journal Article Autor Rettenmaier K Journal ACS Applied Materials & Interfaces Seiten 39859-39874 Link Publikation -
2016
Titel Changing interfaces: Photoluminescent ZnO nanoparticle powders in different aqueous environments DOI 10.1016/j.susc.2016.02.019 Typ Journal Article Autor Kocsis K Journal Surface Science Seiten 253-260 Link Publikation -
2016
Titel Charge-Transfer Reductive in Situ Doping of Mesoporous TiO2 Photoelectrodes: Impact of Electrolyte Composition and Film Morphology DOI 10.1021/acs.jpcc.6b09926 Typ Journal Article Autor Idi´Goras J Journal The Journal of Physical Chemistry C Seiten 27882-27894 Link Publikation -
2016
Titel Modification of Charge Trapping at Particle/Particle Interfaces by Electrochemical Hydrogen Doping of Nanocrystalline TiO2 DOI 10.1021/jacs.6b08636 Typ Journal Article Autor Jime´Nez J Journal Journal of the American Chemical Society Seiten 15956-15964 Link Publikation -
2019
Titel Photoelectrochemical Properties of SnO2 Photoanodes Sensitized by Cationic Perylene-Di-Imide Aggregates for Aqueous HBr Splitting DOI 10.1021/acs.jpcc.9b11039 Typ Journal Article Autor Benazzi E Journal The Journal of Physical Chemistry C Seiten 1317-1329 Link Publikation
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2017
Link
Titel CCDC 1528170: Experimental Crystal Structure Determination DOI 10.5517/ccdc.csd.cc1n95ty Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich Link Link -
2017
Link
Titel CCDC 1528169: Experimental Crystal Structure Determination DOI 10.5517/ccdc.csd.cc1n95sx Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich Link Link
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2017
Titel Habilitation Award 2017 of the Austrian Chemical Society (GÖCH) Typ Research prize Bekanntheitsgrad National (any country)