Spannungsabhängigkeit des Proteintranslokationskanals (SecY)
Voltage-dependence of the protein translocation channel (SecY)
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (100%)
Keywords
-
Protein Transport,
Membrane Channels,
Fluorescence,
Electrophysiology,
Reconstituted Proteins
Viele Proteine müssen über die Membran des endoplasmatischen Retikulums oder durch die bakterielle Plasmamembran während oder nach ihrer Synthese transportiert werden. Der Transportkanal, gebildet vom Sec61 Komplex in Eukaryoten und vom SecYEG Komplex in Bakterien bzw. Archea, ermöglicht sekretorischen Proteinen die Passage durch die Lipiddoppelschicht. Er lässt auch Membranproteine durch die Kanalwandung in das Innere der Membran passieren. Während des Transports großer Proteine durch die Membran muss der SecYEG Komplex kleine Ionen vom Transport ausschließen. Anderenfalls würde der SecYEG Kanal die Salzlösungen zu beiden Seiten der Membran kurzschließen und wie eine Batterie, deren Pole überbrückt sind, würde die bakterielle Zelle ihre Energie verlieren. Von dem zugrunde liegenden Mechanismus ist nur bekannt, dass der Kanal das Tor für Ionen in Antwort auf eine elektrische Transmembranspannung schließt. Wir wollen nun besagtes Tor im Kanal identifizieren, d.h. wir wollen herausfinden, welche Kanalbestandteile durch elektrische Spannung bewegt werden. Diese Untersuchungen sind auch aus einem anderen Grund interessant: die gleiche elektrische Membranspannung, die den Ionentransport behindert, befördert den Proteintransport. Wir schlagen Experimente vor, die es ermöglichen, sowohl die Bewegung einer einzelnen Polypeptidkette als auch die Öffnung eines einzelnen Kanals simultan zu verfolgen. Gezielte Änderung der elektrischen Ladung einzelner Kanalelemente und die daraus folgende Änderung der Translokationsrate von Protein und Ionen werden verraten, auf welche Weise der Kanal die Energie des elektrischen Feldes für den Proteintransport nutzt, d.h. auf welche Weise der Kanal den Verbrauch der in Form von ATP gespeicherten chemischen Energie auf ca. ein Zehntel des Bedarfes senkt, der ohne Membranpotential anfallen würde.
Die Proteinsynthese erfolgt an Ribosomen im Zytoplasma einer Zelle. Alle Proteine, die sezerniert oder in die Plasmamembran eingebaut werden, bedienen sich spezieller Transporter, die die Translokation durch die Membran bzw. den Einbau in die Membran gewährleisten. Der wohl bedeutendste unter diesen Transportern ist die Sec-Maschinerie. Sie ist in allen Lebensformen zu finden. Ihr Grundbaustein wird in Bakterien von einem aus drei Proteinen bestehenden Membrankanal, dem sogenannten SecYEG Komplex gebildet. Während des Transports großer Proteine durch die Membran muss der SecYEG Komplex kleine Ionen vom Transport möglichst ausschließen. Anderenfalls würde die elektrische Spannungsdifferenz zwischen dem Inneren der Zelle und ihrer Umgebung zusammenbrechen wie bei einer Batterie, deren Pole überbrückt sind. Die bisherige Annahme, dass Teile des SecYEG Komplexes den Kanal abdichten, indem sie das zu transportierende Protein ähnlich einer Dichtungsmanschette passiv umschließen, hat sich als falsch erwiesen. Wir haben jetzt gezeigt, dass die Abdichtung aktiv verfolgt, d. h. dass die elektrische Membranspannung den Kanal schließt, in dem einer der Pfosten des Kanaltores sich im elektrischen Feld bewegt. Der Pfosten ist der Teil eines Spannungsensors. Letzterer schließt den Kanal, nach dem hydrophobe Proteinsegmente das Lumen zugunsten des hydrophoben Membraninneres verlassen haben. Im Gegensatz dazu verlassen hydrophile Proteinsegmente den Kanal nicht oder nicht vollständig und blockieren damit die Rückkehr des Pfostens in seine Ausgangsposition. Wir haben den verbleibenden Ionenfluss als Indikator für die Partition einer Polypeptidkette aus Kanallumen in das Membraninnere genutzt. Die Messungen haben gezeigt, dass sich das entsprechene Gleichgewicht nur sehr langsam einstellt. Der Vergleich mit den weit höheren Einbaugeschwindigkeiten, die in einer lebenden Zelle erreicht werden, zeigt eine nicht zu vernachlässigende genetische Komponente. Mit anderen Worten, die Entscheidung, das Proteinen zu sezernieren oder in die Membran einzubauen, ist nicht allein von der Hydrophobizität des Proteins bestimmt.
- Universität Linz - 100%
- Hans Georg Koch, Universität Freiburg - Deutschland
- Ana-Nicoleta Bondar, University of Bucharest - Rumänien
Research Output
- 143 Zitationen
- 8 Publikationen
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2020
Titel Interaction of the motor protein SecA and the bacterial protein translocation channel SecYEG in the absence of ATP DOI 10.1039/d0na00427h Typ Journal Article Autor Winkler K Journal Nanoscale Advances Seiten 3431-3443 Link Publikation -
2019
Titel Investigating Schema-Free Encoding of Categorical Data Using Prime Numbers in a Geospatial Context DOI 10.3390/ijgi8100453 Typ Journal Article Autor Sudmanns M Journal ISPRS International Journal of Geo-Information Seiten 453 Link Publikation -
2020
Titel Voltage Sensing in Bacterial Protein Translocation DOI 10.3390/biom10010078 Typ Journal Article Autor Knyazev D Journal Biomolecules Seiten 78 Link Publikation -
2019
Titel Wearables and the Quantified Self: Systematic Benchmarking of Physiological Sensors DOI 10.3390/s19204448 Typ Journal Article Autor Sagl G Journal Sensors Seiten 4448 Link Publikation -
2019
Titel Interaction of the Motor Protein SecA and the Bacterial Protein Translocation Channel SecYEG in the Absence of ATP DOI 10.1101/799247 Typ Preprint Autor Winkler K Seiten 799247 Link Publikation -
2019
Titel Development of a Food-Based Diet Quality Score from a Short FFQ and Associations with Obesity Measures, Eating Styles and Nutrient Intakes in Finnish Twins DOI 10.3390/nu11112561 Typ Journal Article Autor Masip G Journal Nutrients Seiten 2561 Link Publikation -
2018
Titel Driving Forces of Translocation Through Bacterial Translocon SecYEG DOI 10.1007/s00232-017-0012-9 Typ Journal Article Autor Knyazev D Journal The Journal of Membrane Biology Seiten 329-343 Link Publikation -
2017
Titel YidC and SecYEG form a heterotetrameric protein translocation channel DOI 10.1038/s41598-017-00109-8 Typ Journal Article Autor Sachelaru I Journal Scientific Reports Seiten 101 Link Publikation