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Das inspirierende Gegenüber: Wie Vergleiche Ziele aktivieren

Inspirational others: Goal activation by social comparisons

Katja Corcoran (ORCID: 0000-0003-1838-9141)
  • Grant-DOI 10.55776/P28393
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.02.2016
  • Projektende 29.02.2020
  • Bewilligungssumme 340.347 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Psychologie (100%)

Keywords

    Social comparison, Goal activation, Goal directed behavior

Abstract Endbericht

Jeder Mensch hat Ziele. Manche sind klein (pünktlich zur Verabredung zu kommen), andere sind groß (den Partner fürs Leben zu finden). Aber trotz dieser Ziele handeln wir nicht immer so, dass wir ihnen näher kommen. Eine Schwierigkeit bei der Verfolgung von Zielen besteht darin, dass sie zeitweise in Vergessenheit geraten und damit nicht als Richtschnur zur Verfügung stehen. Damit ein Ziel unser Handeln in die richtige Richtung lenken kann, muss es uns präsent sein auch wenn wir uns dessen nicht unbedingt bewusst sind. Den Prozess, der dazu führt, dass ein Ziel präsent wird, nennt man Zielaktivierung. Mit dem Forschungsprojekt Das inspirierende Gegenüber: Wie Vergleiche Ziele aktivieren soll ein besseres Verständnis erlangt werden, wie und unter welchen Umständen das Beobachten einer anderen Person bei uns Ziele aktiviert. Dabei konzentrieren wir uns auf Vergleichsprozesse als möglichen Wirkmechanismus. Menschen neigen dazu, sich mit anderen Personen zu vergleichen und sie können dabei entweder nach Ähnlichkeiten oder aber nach Unterschieden zwischen sich und der anderen Person suchen. Wir wollen herausfinden, ob diese unterschiedlichen Arten des Vergleichs für die Zielaktivierung relevant sind. Vergleichen wir uns beispielsweise mit einer Kommilitonin, die gute Noten schreibt und eine hohe Leistung im Studium anstrebt, so könnte dies auch bei uns ein Leistungsziel auslösen - vorausgesetzt wir suchen nach Ähnlichkeiten zu dieser Person. Suchen wir nach Unterschieden, würde das Leistungsziel vielleicht eher durch eine Person, die schlechte Noten schreibt, aktiviert werden. Ein solcher Effekt erscheint plausibel, wenn wir die Ziele der anderen Person kennen und unsere eigenen Ziele damit vergleichen. Was passiert aber, wenn wir die Ziele nicht kennen? In einem solchen Fall könnte es zu einem Vergleich der Zustände kommen: die Kommilitonin schreibt gute Noten und ich? Ziele basieren auf einer wahrgenommenen Diskrepanz zwischen unserem jetzigen Zustand und einen wünschenswerten Zustand (z.B. gute Noten erreichen oder schlechte Noten vermeiden). Die Wahrnehmung der Diskrepanz könnte durch die Art des Vergleichs beeinflusst werden. Die Suche nach Unterschieden zwischen mir und der Kommilitonin mit guten Noten, bzw. die Suche nach Gemeinsamkeiten zwischen mir und der Kommilitonin mit schlechten Noten signalisieren eine Diskrepanz zum wünschenswerten Zustand und könnten daher ein Leistungsziel aktivieren. Um mehr über den Effekt von Vergleiche auf die Zielaktivierung zu erfahren, werden wir Studienteilnehmende unter kontrollierten Bedingungen (im Labor) über das Verhalten anderer Personen informieren und anschließend die Zielaktivierung mit computerunterstützten Messverfahren erfassen bzw. ihr zielgerichtetes Verhalten beobachten. Andere Menschen können uns inspirieren und Ziele in uns wachrufen, aber es wäre gut zu wissen, wann dies tatsächlich der Fall ist.

Menschen sind soziale Wesen. Erst durch ein Miteinander können viele Herausforderungen gemeistert und Probleme gelöst werden. Aber auch für die Ziele des Einzelnen sind andere Menschen bedeutsam. Vergleiche mit anderen Personen werden genutzt, um sich selber einzuschätzen und können Gefühle wie Stolz, aber auch Neid auslösen. Andere können uns als Rollenmodel dienen oder uns inspirieren. In diesem Projekt haben wir uns damit beschäftigt, welche Konsequenzen die Beobachtung von Verhalten von anderen auf uns hat. Dabei zeigt sich, dass manche Konsequenzen nicht wie erwartet eintreten. Dies betrifft den in der Fachliteratur beschriebenen Prozess der Zielansteckung. Hier sollte die Beobachtung von zielgerichtetem Verhalten von anderen dazu führen, dass dasselbe Ziel im Beobachter oder in der Beobachterin unbewusst aktiviert wird und dann ebenfalls zielgerichtetes Verhalten auslöst. Leider konnten wir diesen Effekt in von uns durchgeführten Studien nicht zeigen (Brohmer et al., 2019; Corcoran et al., 2020) und auch eine systematische Analyse von publizierten Studien lässt Zweifel an der Größe und der Bedeutsamkeit des Effektes aufkommen. Hier ist weitere Forschung notwendig, um den Prozess genauer zu spezifizieren (er könnte z.B. nur bei bestimmten Zielen oder unter bestimmten Rahmenbedingungen auftreten), oder um die Annahme des Prozesses zu verwerfen. Eventuell spielen auch andere Aspekte - wir haben uns beispielsweise mit den Gefühlen, die eine solche Beobachtung auslösen könnte, beschäftigt - eine wichtige Rolle. Das heißt jedoch nicht, dass die Beobachtung anderer uns in unserem Verhalten nicht beeinflusst. In einer Serie von Studien haben wir uns mit dem Thema Selbstkontrolle beschäftigt (Kedia et al., 2019). Gerade um langfristige Ziele zu erreichen, muss man oft Selbstkontrolle aufbringen und kurzfristigen Versuchungen widerstehen. Zu sehen, dass andere das tun, kann helfen, selber mehr Selbstkontrolle zu zeigen. In unseren Studien haben Teilnehmerinnen eine Frau dabei beobachtet, wie sie sich elf- oder zwölfmal zwischen einer größeren Belohnung, auf die sie länger warten müsste, oder einer kleineren Belohnung, die sie aber früher erhalten würde, entscheidet. Entschied sich die Person mehrheitlich für die spätere, größere Belohnung, so taten das im Anschluss auch die Beobachterinnen vermehrt- sogar noch 3 Monate nach der Beobachtung. Aber nicht nur andere Menschen, auch der technische Fortschritt kann uns dabei unterstützen unsere Ziele zu erreichen. Viele Menschen wollen sich beispielsweise mehr bewegen, aber schaffen dies im Alltag nicht. Eine systematische Analyse der Fachliteratur zeigte, dass Interventionen realisiert mit mobilen Applikationen auf Smartphones hier durchaus vielversprechend sein können - insbesondere, wenn dabei Ziele gesetzt werden und ein Feedback zum eigenen Verhalten erfolgt (Eckerstorfer et al., 2018).

Forschungsstätte(n)
  • Universität Graz - 100%

Research Output

  • 98 Zitationen
  • 4 Publikationen
  • 5 Datasets & Models
  • 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2 Weitere Förderungen
Publikationen
  • 2020
    Titel When your goals inspire my goals: the role of effort, personal value, and inference in goal contagion
    DOI 10.1080/23743603.2020.1767502
    Typ Journal Article
    Autor Corcoran K
    Journal Comprehensive Results in Social Psychology
    Seiten 78-108
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Key Elements of mHealth Interventions to Successfully Increase Physical Activity: Meta-Regression
    DOI 10.2196/10076
    Typ Journal Article
    Autor Eckerstorfer L
    Journal JMIR mHealth and uHealth
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Inspired to Lend a Hand? Attempts to Elicit Prosocial Behavior Through Goal Contagion
    DOI 10.3389/fpsyg.2019.00545
    Typ Journal Article
    Autor Brohmer H
    Journal Frontiers in Psychology
    Seiten 545
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Improving Self-Control: The Influence of Role Models on Intertemporal Choices
    DOI 10.3389/fpsyg.2019.01722
    Typ Journal Article
    Autor Kedia G
    Journal Frontiers in Psychology
    Seiten 1722
    Link Publikation
Datasets & Models
  • 2018 Link
    Titel Database to the publication "Improving self-control: The influence of role models on intertemporal choices of women"
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 2018 Link
    Titel Database to the publication "Key elements of mHealth interventions to successfully increase physical activity: A meta-regression"
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 0 Link
    Titel Inspirational other
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 2020 Link
    Titel Database to the publication "When your goals inspire my goals: The role of effort, personal value and inference in goal contagion"
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 2019 Link
    Titel Database to the publication "Inspired to lend a hand? Attempts to elicit prosocial behavior through goal contagion"
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2017
    Titel Poster award at the International Symposium of the Human Nutrition & Metabolism Research and Training Center, Graz
    Typ Poster/abstract prize
    Bekanntheitsgrad Regional (any country)
Weitere Förderungen
  • 2019
    Titel Gamification für die Optimierung des Energieverbrauchs von Gebäuden und übergeordneten Systemen
    Typ Research grant (including intramural programme)
    Förderbeginn 2019
  • 2019
    Titel Travel grant for Lisa Eckerstorfer to the convention of the Society of Personality and Social Psychology in Portland, USA
    Typ Travel/small personal
    Förderbeginn 2019

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