St. Stephan in Wien. Bildwerke und Kultobjekte im Kontext zu den Schriftquellen
St. Stephan´s in Vienna. Artwork and cult objects in context of the written sources
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (10%); Geschichte, Archäologie (10%); Kunstwissenschaften (70%); Philosophie, Ethik, Religion (10%)
Keywords
-
Artwork,
Building History,
Cult Objects,
Medieval Society,
Written Sources,
Liturgy
Die kulturhistorische Bedeutung der Wiener Stephanskirche ist seit dem 13. Jahrhundert kontinuierlich weit über die Stadt Wien und das Territorium der Habsburger gewachsen. Zunächst lediglich Pfarrkirche der Wiener Stadtbevölkerung wurde sie unter Herzog Rudolf IV., dem Stifter (1339-1365) zum Ort einer habsburgischen Grablege mit einem Kollegiatskapitel von 24 Chorherren sowie Sitz der soeben gegründeten Universität und schließlich im 15. Jahrhundert auch Bischofskirche. Ihr architektonisches Aussehen veränderte sich über mehrere Jahrhunderte bis sie letztendlich ihr markantes Aussehen mit dem schlanken hoch aufragenden Turm und dem markanten steilen Dach erhielt. Während Errichtung der spätgotischen Kirche trug man den Vorgängerbau des 13. Jahrhunderts Kompartiment für Kompartiment ab. Die bestehenden Altbauten wurden ebenso, wie die bereits neu errichteten Teile liturgisch bespielt als auch für repräsentative Versammlungen genutzt. Dafür benötigte man eine Vielzahl von Bildwerken und Kultobjekten, die zu einem Großteil heute nicht mehr in originären Zustand überliefert sind. Erstmals in der 200- jährigen Forschungsgeschichte zu St. Stephan wird nun der Versuch unternommen, die Bau- und Ausstattungsgeschichte der Wiener Stephanskirche im Mittelalter in ein Gesamtkonzept bringen und die Vorstellungen der Gemeinschaft aufzuzeigen. Es geht um eine Darstellung des Kirchenbaues so wie ihn die Zeitgenossen und Zeitgenossinnen sahen und wie sie ihn für die Pfarrliturgie, Gedächtnisfeierlichkeiten, Prozessionen, Versammlungen und vieles mehr während des Bauverlaufs nutzten. Dazu werden in aufwändigen und detaillierten Quellenstudien die originalen Standorte der Bildwerke und Kultobjekte dokumentiert und die Motivationen ihrer Stiftungen aufgezeigt.
St. Stephan in Wien ist über 300 Jahre gewachsen und erfüllte verschiedene Funktionen: Pfarrkirche der Stadtbevölkerung, Repräsentationsobjekt der Landesfürsten, den Habsburgern, und schließlich ab dem Jahr 1469 Bischofskirche. Die Baustelle bildete über Generationen hinweg einen wichtigen ökonomischen Faktor für die Stadt und blieb auch während der Bauarbeiten für die Liturgie zugänglich. Erstmals in der 200- jährigen Forschungsgeschichte zu St. Stephan wurde der Versuch unternommen, die Bau- und Ausstattungsgeschichte der Wiener Stephanskirche im Mittelalter in ein Gesamtkonzept zu bringen und die Vorstellungen der mittelalterlichen Gemeinschaft aufzuzeigen. Es geht um eine Darstellung des Kirchenbaues so wie ihn die Zeitgenossinnen und Zeitgenossen sahen und wie sie ihn während des Bauverlaufs nutzten. So werden in den Schriftquellen insgesamt 36 Altäre, unterschiedliche Bühnenprovisorien für Predigt und Musik, zahlreiche Bildwerke, Leuchter, Bücherschränke, Truhen, Stühle, Spiegel, Opferstöcke, Fahnen, Messgewänder, Altargeräte unterschiedliche Requisiten für liturgische Spiele wie Palmesel, Christusfiguren, Heilig Grabbauten genannt. Akten und Protokolle aus dem 15. Jahrhundert informieren über insgesamt 420 fundierte Messen und deren Stifter, die aus allen sozialen Gruppen kamen. Diese Verzeichnisse lesen sich wie ein Who is Who der mittelalterlichen Wiener Gesellschaft. Liturgische Gebrauchshandschriften und Rechnungsbücher geben Auskunft über die zahlreichen Prozessionen, Messfeiern und Begräbnisriten sowie über die Finanzierung des Kirchen- und Baubetriebs. Obwohl all die in den Schriftquellen genannten Kult- und Bildwerke heute verschollen sind, lassen sich diese in der im Bau begriffenen Kirche verorten. Es zeigt sich ein vielfältiges Bild über Stiftertätigkeit, Repräsentation und Alltagspraxis an dem für die mittelalterliche Stadt Wien so bedeutendem Bauwerk.
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