Regionale Wissensproduktion und F&E-Kooperation in Europa
Regional Knowledge Creation and R&D collaboration in Europe
Wissenschaftsdisziplinen
Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (80%); Politikwissenschaften (20%)
Keywords
-
Agent-Based Modelling,
Knowledge Creation,
R&D networks,
Regional Innovation,
Economic Geography,
Research,
Technology And Innovation Policy
Eine starke Innovationsdynamik gilt generell als notwendige Grundlage für das nationale wie das regionale Wirtschaftswachstum. Die Innovationsleistung einer Region basiert sich auf den Innovationsleistungen ihrer Unternehmen, die jedoch in zunehmendem Maß im globalen Wettbewerb stehen bedingt durch die beschleunigte technologische Entwicklung und die notwendige steigende Spezialisierung. Neues Wissen ist für viele Unternehmen nicht mehr in ausreichendem Maße selbst zu generieren, sondern muss in F&E-Kooperationen in flexiblen Netzwerken gesucht werden, sowohl mit Partnern in der Region als auch weltweit. Die Vernetzung von Regionen, und damit die Erreichbarkeit möglicher Kooperationspartner für die Unternehmen, sind dementsprechend Schlüsselfragen für die Regionale Innovationpolitik. Die innovationsbezogene Regionalforschung hat jedoch bis jetzt noch wenig systematische Untersuchungen des Zusammenhangs von lokaler Wissensproduktion und der Einbindung in Regionsnetzwerke anzubieten. Das gegenständliche Projektvorhaben zielt auf diese Forschungslücke ab und versucht mit Simulationsmethoden die Wissensproduktion in Regionenunter Berücksichtigung von Interaktionsprozessen auf der Unternehmensebene zu analysieren. Als Methodik wird eine stark empirisch geleitete Form der Agentenbasierten Modellierung (ABM) gewählt, und auf die Wissensproduktion in Europäischen Regionen (auf der Ebene der NUTS-2-Regionen) angewendet. Das Projekt verfolgt dabei drei verschiedene Ziele: (i) den Einfluss regionaler F&E-Netzwerke auf die Wissensproduktion in einer Region zu analysieren, (ii) zwischen Effekten der lokalen Interaktion und der globalen Informationskanäle zu unterscheiden, sowie (iii) technologische Spezialisierungs- tendenzen und geografische Konzentrationsprozesse zu identifizieren. Das Projekt greift die Methode der Agentenbasierten Modellierung auf die bisher in der Regionalforschung noch kaum Anwendung findet, jedoch gerade auf hohes Interesse stößt und stellt eine konzeptionelle Brücke zwischen der (makro-ökonomischen) Regionsebene und der (mikro- ökonomischen) Unternehmensebene her. Mit seinem hohen empirischen Anspruch und der entsprechend umfangreichen Verwendung empirischer Daten in einem ABM stellt das Projekt eine eine Novität dar. Das zu entwickelnde Modell kann auf realweltliche Fragestellungen angewandt werden: Simulationsexperimente werden sich auf den Einfluss politischer Rahmenbedingungen auf die regionale Wissensproduktion beziehen,und können die Ex-anteEvaluierung politischer Fördermaßnahmen unterstützen.
Die wirtschaftliche Entwicklung einer Region hängt eng mit den Innovationsleistungen ihrer Unternehmen zusammen, die in zunehmendem Maß im globalen Wettbewerb stehen. Bedingt durch die steigende Spezialisierung und die beschleunigte technologische Entwicklung sind selbst große Unternehmen immer stärker darauf angewiesen, neben eigener F&E auch externes Wissen aus ihrem Unternehmensumfeld zu nutzen, um im globalen technologischen Wettbewerb zu bestehen. Aus innovationspolitischer Perspektive stellt sich daher die Frage, wie Wissensaufbau in Unternehmen und regionale Spezialisierung auf zukunftsfähige Bereiche zusammenhängen. Der Vernetzung von Akteuren innerhalb einer Region, aber auch darüber hinaus, wird eine entscheidende Rolle zugesprochen, um die regionale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und langfristig zu erhalten. Wie genau Kooperation und Wissensaustausch eine positive Dynamik in der Region erzeugen können, ist demnach eine Schlüsselfrage für die regionale Innovationsforschung. Das Projekt Regionale Wissensproduktion und F&E-Kooperation in Europa hat sich dieser Frage gewidmet und die komplexe Dynamik regionaler Wissensproduktion mittels Computersimulationen analysiert. Zu diesem Zweck wurde ein Agentenbasiertes Modell (ABM) entwickelt, in dem Unternehmen als Softwareagenten möglichst realitätsnah abgebildet sind und durch F&E- sowie Kooperationsaktivitäten ihr Technologieprofil über den Zeitverlauf verändern können. Abhängig von regionalen und überregionalen F&E- Netzwerken wird Wissen zwischen den Unternehmen ausgetauscht wodurch sich die technologischen Spezialisierungsmuster der Regionen mit ändern. Das Modell ist für die regionale Innovationsforschung und -politik deshalb besonders interessant, da es zwischen Effekten der lokalen Austauschprozesse und der überregionalen Informationskanäle unterscheidet, und in der Form quantitativer Zukunftsszenarien mögliche technologische Spezialisierungstendenzen und geografische Konzentrationsprozesse identifizieren kann. Der Wert des Modells liegt zudem in seiner Realitätsnähe, die zum einen durch wissenschaftlich belegte Modellprozesse, und zum anderen durch die Nutzung umfangreichen Datenmaterials auf der Ebene Europäischer Regionen gegeben istvon Daten zu Patenten und F&E-Projekten, sowie aus regionalen Wirtschaftsstatistiken und Unternehmensdatenbanken.
Research Output
- 85 Zitationen
- 10 Publikationen
-
2025
Titel Dynamics of regional knowledge creation and inter-city R&D collaboration in China: evidence from an empirical agent-based simulation model DOI 10.1007/s00168-025-01402-5 Typ Journal Article Autor Neuländtner M Journal The Annals of Regional Science Seiten 77 Link Publikation -
2020
Titel An Empirical Agent-Based Model for Regional Knowledge Creation in Europe DOI 10.3390/ijgi9080477 Typ Journal Article Autor Neuländtner M Journal ISPRS International Journal of Geo-Information Seiten 477 Link Publikation -
2016
Titel The Evolution of Aerospace R&D Collaboration Networks on the European, National and Regional Levels DOI 10.1007/978-3-319-43940-2_2 Typ Book Chapter Autor Guffarth D Verlag Springer Nature Seiten 15-50 -
2016
Titel Regional Specialization and Knowledge Output: An Agent-Based Simulation of the Vienna Life Sciences DOI 10.1007/978-3-319-43940-2_10 Typ Book Chapter Autor Dünser M Verlag Springer Nature Seiten 237-253 -
2016
Titel Knowledge Creation and Research Policy in Science-Based Industries: An Empirical Agent-Based Model DOI 10.1007/978-3-319-43940-2_7 Typ Book Chapter Autor Paier M Verlag Springer Nature Seiten 153-183 -
2017
Titel Centrality of regions in R&D networks: a new measurement approach using the concept of bridging paths DOI 10.1080/00343404.2016.1269885 Typ Journal Article Autor Bergé L Journal Regional Studies Seiten 1165-1178 Link Publikation -
2020
Titel Geographical or relational: What drives technology-specific R&D collaboration networks? DOI 10.1007/s00168-020-01002-5 Typ Journal Article Autor Neuländtner M Journal The Annals of Regional Science Seiten 743-773 -
2017
Titel Regional Knowledge Creation in a Global Industry: An Empirical Agent-Based Model of the Austrian Semiconductor Industry DOI 10.2139/ssrn.3039326 Typ Preprint Autor Paier M -
2017
Titel Bridging centrality as an indicator to measure the ‘bridging role’ of actors in networks: An application to the European Nanotechnology co-publication network DOI 10.1016/j.joi.2017.09.004 Typ Journal Article Autor Bergé L Journal Journal of Informetrics Seiten 1031-1042 Link Publikation -
2017
Titel Innovation Networks for Regional Development, Concepts, Case Studies, and Agent-Based Models DOI 10.1007/978-3-319-43940-2 Typ Book Verlag Springer Nature