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Aristokratie zwischen den Gezeiten: Identität, Seefahrt und Macht entlang der Adriaküste

Aristocracies between the Tides: Identity, Navigation and Power along the Adriatic Routes

Francesco Borri (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P29004
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.08.2016
  • Projektende 31.12.2018
  • Bewilligungssumme 232.203 €

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (100%)

Keywords

    Adriatic Sea, Identities, Aristocracies, Communication, Early Middle Ages

Abstract Endbericht

Nach den Umbrüchen des 6. und 7. Jahrhunderts war die politische Geschlossenheit des römischen Adriaraumes zerstört. Barbarische Identitäten breiteten sich in Italien und Südosteuropa aus, während Aristokratien, die mit dem Imperium assoziiert waren, sich in Enklaven an den Küsten zurückzogen. Diese erstreckten sich einem Leoparden- Muster gleich entlang der Hauptverbindungsrouten an den Ufern Dalmatiens, Istriens und Nordost Italiens. Die Aristokratien wiesen Eigennamen, Titel und Würden, Aussehen und Lebensformen auf, die das Kaiserreich widerspiegelten und die einen deutliche Unterschied zu ihren Nachbarn ausmachten, welche normalerweise barbarische Identitäten nutzten. Die Aristokratien mit imperialem Habitus trugen, trotz ihrer Assoziation mit Rom und Byzanz, keinen gemeinsamen Namen und lassen sich nicht anhand von ethnischen und sozialen Schemata klassifizieren, wie sie noch bis vor kurzem gebraucht wurden. Die Geschichtsschreibung richtete ihre Aufmerksamkeit daher auf einzelne Regionen anstatt den gesamten Adriaraum in den Blick zu nehmen. In ihren Erklärungsmodellen wurde die Abfolge von Römern und Barbaren im Sinne von Modellen der Eroberung und des Widerstands erklärt. Diese Konzepte sind heutzutage überholt, allerdings gibt es noch keine alternativen Deutungsversuche. Der Antragsteller schlägt vor, aufgrund der Ähnlichkeiten in der Grundlage von sozialer Macht, Identität, gesellschaftlichen Normen und Ausprägungen, der Verbindungen zum Imperium sowie zum adriatischen Meer, diese Aristokratien, die in einzelnen Hafenstädten weit entfernt voneinander wohnten, als miteinander verbundenes Ganzes zu betrachten und untersuchen. Es war seiner Auffassung nach Kommunikation und nicht eine gemeinsame Abstammung, die ihre Identität zementierte. Ziel des Projektes ist es daher, Ressourcen, Identitäten, gesellschaftliche Normen und Gewohnheiten dieser adriatischen Aristokratien zwischen 500 und 1000 zu untersuchen.

Das Projekt konzentrierte seine Forschungen auf die Adria zwischen den Jahren 400 und 100, insbesondere auf die Transformation der römischen Identität entlang der Küste. Um 500 war die Adria noch eine römische See, um 1000 hingegen war Romanness konzentriert auf isolierte Küstenbereiche die versuchten die Venezianische Hegemonie zu vermeiden. Diese Gruppen besetzen eine spezifische und ganz eigene Nische, ohne gemeinsamen Namen aber mit gemeinsamen Traditionen, einem Sinn von Herkunft und Zusammengehörigkeit und einer starken Verbindung zur See. Das Projekt wandte einen prozessualen Zugang an, um zu verstehen wie sich soziale Identitäten permanent durch gemeinsame Praktiken erschufen. Ein großer Teil der Forschungen beschäftigte sich mit den Leben der Aristokraten auf dem Meer, etwas, das offenbar mit dem symbolischen Kapital des Imperiums verschmolz, um frühmittelalterliche Romanness an der Adria zu erschaffen. Das Teilen von täglichen Aktivitäten und Mühsal mit gemeinsamem Wissen und die permanente Ansicht von ähnlichen Landschaften entlang des Meeres waren laut den Ergebnissen dieses Projektes der eigentliche Motor, um die Identitäten zu erschaffen. Romanness wurde nicht als Erbe von Symbolen und Mythen aus einer lang vergangenen Zeit verstanden, sondern als Repositorium von Bedeutung, das jeden Tag aktiv gelebt werden konnten. Die Forschung fokussierte vor allem auf schriftliche Quellen und die wachsende Menge an archäologischen Funden. Daneben wurden auch Vergleiche mit den Forschungen zur Nordsee ausgeführt sowie Überlegungen aus den anthropologischen Disziplinen angestellt. Nach zwei Jahren Forschung wurde das Projekt vorzeitig beendet, da Francesco Borri eine tenuretrack Anstellung mit dem Ziel Professore Associato an der Universität Ca Foscari von Venedig bekam. Diese Anstellung wurde durch die Finanzierung der Forschungen von F. Borri durch den FWF erreicht. Venedig ist der ideale Platz um die Forschungen zum Projektthema fortzusetzen. Die Projektergebnisse wurden in zahlreichen Publikationen und Vorträgen vorgestellt, eine Monografie wird in Kürze folgen.

Forschungsstätte(n)
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 100%

Research Output

  • 17 Zitationen
  • 2 Publikationen
Publikationen
  • 2018
    Titel Captains and Pirates: Ninth Century Dalmatia and its Rulers
    DOI 10.1484/m.scisam-eb.4.2018002
    Typ Book Chapter
    Autor Borri F
    Verlag Brepols Publishers NV
    Seiten 11-37
  • 2018
    Titel Transformations of Romanness, Early Medieval Regions and Identities
    DOI 10.1515/9783110598384
    Typ Book
    Verlag De Gruyter
    Link Publikation

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