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Lesen im Alpental. Privater Buchbesitz in Tirol 1750-1800

Reading in the Alps. Book ownership in Tyrol 1750-1800

Brigitte Mazohl (ORCID: 0000-0003-2650-543X)
  • Grant-DOI 10.55776/P29329
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 09.01.2017
  • Projektende 08.10.2020
  • Bewilligungssumme 337.780 €
  • Projekt-Website

Matching Funds - Tirol

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (20%); Geschichte, Archäologie (40%); Soziologie (40%)

Keywords

    Private Book Ownership, History Of Reading, History Of Books, Social History, Tyrol, 18th century

Abstract Endbericht

Ziel dieses Projekts ist die systematische Erforschung des privaten Buchbesitzes im katholisch dominierten Zentralalpenraum, genauergesagt in Tirol, für den Zeitraum von 1750 bis 1800. Als Hauptquelle werden Inventare herangezogen. Diese wurden vor allem in Erbangelegenheiten oder im Rahmen von Pachtverträgen erstellt, und listen den gesamten Besitz einer Person auf. Die in solchen Inventaren aus den Gerichten des mittleren Pustertals verzeichneten Bücher sollen erhoben und so der private Buchbesitz in dieser Region beschrieben und analysiert werden. Die leitende Fragestellung ist dabei: Wer besaß welche und wie viele Bücher? Eine solche Studie wäre die erste dieser Art, nicht nur für das historische Tirol, sondern auch für das Gebiet des heutigen Österreich, ja, für den gesamten katholisch-süddeutschen Raum. Das beantragte Projekt stellt somit einen bedeutenden Beitrag zur europäischen Buch-, Lese- und damit Geistesgeschichte des 18. Jahrhunderts dar. Ziel ist es, die protestantisch-pietistische Lesekultur des Herzogtums Württemberg zu der es diesbezüglich mehrere Vorarbeiten gibt mit jener des katholisch geprägten Tirols zu vergleichen. Ausgewertet werden dazu die Anzahl der verzeichneten Bücher, deren Titel und daraus abgeleitet die Anzahl der unterschiedlichen Titel, woran sich weitere Fragestellungen anknüpfen, wie jene nach den populärsten Autoren, nach dem Alter und der Herkunft der meisten Bücher und natürlich auch der Art der Bücher selbst (religiös oder weltlich, Kalender, Bibel, Katechismus, Heiligenlegende etc.). Die Daten werden gesamt, synchron und diachron analysiert, um mögliche räumliche wie zeitliche Entwicklungen und Differenzen erkennen zu können. Eingehend untersucht werden weiters die Personen, die die Bücher besaßen, wobei die Analyse entlang der Parameter Geschlecht, Familienstand, Alter, Herkunft, Profession und Vermögen erfolgt. Die Projektdauer beträgt 36 Monate. In dieser Zeit wird die Erfassung und Auswertung von rund 4400 Inventaren aus den Gerichten beziehungsweise Verwaltungseinheiten Bruneck, Michaelsburg, (Alt)Rasen, Schöneck, Sonnenburg, beziehungsweise den Burgfrieden Ehrenburg, Kehlburg und St. Lamprechtsburg angestrebt. Ein weiteres Ziel ist die Erstellung einer in späterer Folge frei online zugänglichen elektronischen Datenbank. Auf diese Weise sollen sowohl die Wissenschaft, als auch die interessierte Öffentlichkeit, einfachen Zugang zu den aufbereiteten Quellen erhalten, die für eine ganze Reihe von Fragestellungen von Interesse sein können.

Wer las vor 250 Jahren welche Bücher? Von dieser Frage ausgehend entspinnt sich ein ganzes Netz von Problemstellen und Herausforderungen. Vor allem für den protestantisch-pietistischen Bereich liegen bereits Studien vor, die versuchen, sich diesen zu stellen und die Eingangsfrage zur beantworten. Für den katholisch dominierten Alpen-, eigentlich für den süddeutschen Raum überhaupt, fehlten bislang allerdings repräsentative Untersuchungen mit breiter Quellenbasis. Das vorliegende Projekt konnte diese Lücke ein Stück weit schließen und zugleich eine wertvolle Basis für weitere Forschungen schaffen. Hinsichtlich der Methodik war für das vorliegende Projekt die Problematik bestimmend, dass Leser*innen des 18. Jahrhunderts in der Regel keine Hinweise auf ihre Lektüre hinterließen. Ihre Bibliotheken, in deren Bänden Rezeptionsspuren wie Unterstreichungen oder Marginalien erkennbar wären, sind nicht oder nur verstreut überliefert. Zumeist sind keine Texte erhalten, die von diesen Lesern produziert wurden, und in denen Lektürespuren ersichtlich wären. Daher hat das Projekt Reading in the Alps die Rekonstruktion von privatem Buchbesitz in den Fokus gerückt. Anhand von Inventaren, vor allem Verlassenschaftsinventaren, aus dem Südtiroler Landesarchiv, wurde nach Büchern gesucht. Rund 2000 Rechtsgeschäfte aus den Jahren 1750 bis 1800 aus den Verwaltungseinheiten Landgericht St. Michaelsburg, Stadtgericht Bruneck und Oberamtsgericht Bruneck - alle drei im Südtiroler Pustertal gelegen - bildeten dabei die Datengrundlage. Aus ihnen wurden Informationen zu genannten Personen, zum Entstehungszusammenhang der jeweiligen Quelle, zu Vermögenswerten und zum verzeichneten Hausrat extrahiert. Diese Daten wurden zu zwei offen zugänglichen Online-Datenbanken zusammengeführt, die wichtige Ergebnisse des vorliegenden Projekts darstellen. Weiterführende Interpretationen und statistische Auswertungen dieses Quellenmaterials wurden außerdem in mehreren Publikationen veröffentlicht und im Rahmen von Vorträgen und Postersessions der Scientific Community, in Form von Medienberichterstattung und in anderen Formaten der allgemeinen Öffentlichkeit vorgestellt. Die Potenziale und Grenzen des Quellenmaterials - etwa die Frage der Vollständigkeit von Inventaren oder der Aussagekraft der genannten Vermögenswerte - wurden im Zuge dessen ausführlich diskutiert. Im Rahmen eines vom Projektteam organisierten, international besetzten Workshops wurde Reading in the Alps außerdem gemeinsam mit neuesten Ansätzen anderer Proponent*innen der Erforschung der Buch- und Leser*innengeschichte erörtert. Auf Grundlage der aus den Quellen gesammelten Daten konnten zwei weitere Drittmittelprojekte im Bereich der Digital Humanities eingeworben werden. Buchbesitz konnte in rund 17 Prozent der untersuchten Inventare festgestellt werden. Auf Grundlage der erhobenen Zusatzinformationen konnte dieser Wert auch weiter ausdifferenziert werden. Dabei zeigte sich unter anderem, dass Bücher tendenziell im Besitz von Männern waren, im städtischen Bereich deutlich häufiger Bücher genannt wurden und die sozioökonomische Stellung deutlich mit der Wahrscheinlichkeit von Buchbesitz korrelierte. Welche Bücher gelesen wurden, konnte erwartungsgemäß nicht mit Sicherheit rekonstruiert werden, welche Bücher in den Haushalten der Menschen vorhanden waren, allerdings schon: In der Mehrzahl waren es Bücher mit religiösen Inhalten. Gebetsbücher und katholische Erbauungsliteratur waren am stärksten verbreitet. Bei den Druckwerken weltlichen Inhalts dominierten medizinische und juristische Literatur.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Innsbruck - 79%
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 21%
Nationale Projektbeteiligte
  • Peter Andorfer, Österreichische Akademie der Wissenschaften , assoziierte:r Forschungspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Johannes Frimmel, Ludwig Maximilians-Universität München - Deutschland
  • Andreas Oberhofer, Stadtarchiv Bruneck - Italien
  • Christine Roilo, Südtiroler Landesarchiv - Italien
  • Leah Price, Harvard University - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 9 Publikationen
  • 1 Methoden & Materialien
  • 5 Datasets & Models
  • 12 Disseminationen
  • 5 Weitere Förderungen
Publikationen
  • 2017
    Titel Privater Buchbesitz in Tirol 1750 bis 1800. Eine Projektvorstellung
    Typ Journal Article
    Autor Andorfer P
    Journal Mitteilungen der Gesellschaft für Buchforschung in Österreich
    Seiten 7-21
  • 2022
    Titel "Alles getreulich anzuzeigen was zur Verlassenschaft gehört"
    DOI 10.25365/oezg-2021-32-3-14
    Typ Other
    Autor Span M
    Link Publikation
  • 2019
    Titel "Studiosus in Innsbruck". Studenten aus dem ländlichen Raum im 18. Jahrhundert und ihre Spuren im Verwaltungsschriftgut ihrer Herkunftsregionen; In: Geschichte der Universität Innsbruck 1669-2019, Bd. 2: Aspekte der Universitätsgeschichte
    Typ Book Chapter
    Autor Span M
    Seiten 219-248
  • 2020
    Titel Zwischen Analphabetismus und Büchern, die "verrückt machen". Ein Werkstattbericht aus dem Projekt "Reading in the Alps. Book Ownership in Tyrol 1750-1800" / Pomiędzy analfabetyzmem a książkami, ktre "ogłupiają". Sprawozdanie warsztatowe z projektu "Reading in the Alps. Book Ownership in Tyrol 1750-1800"
    Typ Journal Article
    Autor Span M
    Journal Góry, Literatura, Kultura
    Seiten 59-82
  • 2020
    Titel Lesespuren. Die "Weltbeschreibung des Leonhard Millinger" als Quelle für bäuerliches Leseverhalten
    Typ Journal Article
    Autor Andorfer P
    Journal Geschichte und Region/Storia e Regione 29 (2020) Heft 1
    Seiten 107-130
  • 2020
    Titel Editorial / Editoriale
    Typ Journal Article
    Autor Span M
    Journal Geschichte und Region/Storia e Regione 29 (2020) Heft 1
    Seiten 5-19
  • 2020
    Titel "Samentlich verhandene Piecher". Inventare aus dem Landgericht St. Michaelsburg als Quellen zur Erforschung des Buchbesitzes in Tirol 1750-1800
    Typ Journal Article
    Autor Span M
    Journal Geschichte und Region/Storia e Regione 29 (2020) Heft 1
    Seiten 78-106
  • 2020
    Titel Bücher besitzen - Bücher lesen/Possedere libri - leggere libri. Geschichte und Region/Storia e Regione 29 (2020) Heft 1.
    Typ Book
    Autor Span M
    editors Span M, Stampfer U
  • 2020
    Titel Pomiędzy analfabetyzmem a książkami, ktre "ogłupiają". Sprawozdanie warsztatowe z projektu "Reading in the Alps. Book Ownership in Tyrol 1750-1800"
    DOI 10.19195/2084-4107.13.7
    Typ Journal Article
    Autor Span M
    Journal Góry, Literatura, Kultura
Methoden & Materialien
  • 2020 Link
    Titel Transkribus character recognition model
    Typ Improvements to research infrastructure
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
Datasets & Models
  • 2020 Link
    Titel Land registers (Verfachbücher) Tyrol, 1750-1800
    Typ Computer model/algorithm
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 2020 Link
    Titel Long-term archive of research data from the Reading in the Alps project
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 2019 Link
    Titel Reading in the Alps Vfbr. - Database
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 2017 Link
    Titel RITA Stubai - Database
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 2017 Link
    Titel Reading in the Alps - Database
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
Disseminationen
  • 2020
    Titel Lecture Ringvorlesung des DK Austrian Studies der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, Frimmel J
    Typ A talk or presentation
  • 2017 Link
    Titel Interview der Standard
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link
  • 2020 Link
    Titel Interview die Presse
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link
  • 2019 Link
    Titel Vortrag Stadtarchiv Bruneck
    Typ A talk or presentation
    Link Link
  • 2018 Link
    Titel Interview Subject_07
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link
  • 2018 Link
    Titel Interview Zukunft Forschung
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link
  • 2020 Link
    Titel Lecture Ringvorlesung des DK Austrian Studies der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, Span M
    Typ A talk or presentation
    Link Link
  • 2020 Link
    Titel Poster presentation (Historic Cadasters)
    Typ A talk or presentation
    Link Link
  • 2019
    Titel Poster presentation (Was heißt "Österreich"?)
    Typ A talk or presentation
  • 2020 Link
    Titel Interview ÖAW
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link
  • 2019
    Titel Kolloquium TGV (Bozen)
    Typ A talk or presentation
  • 2020 Link
    Titel Workshop Historische Bestseller und alte Scharteken
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
    Link Link
Weitere Förderungen
  • 2020
    Titel Veranstaltungsförderung (Event Funding)
    Typ Capital/infrastructure (including equipment)
    Förderbeginn 2020
    Geldgeber University of Innsbruck Vizerektorat für Forschung (Vice Rectorate for Research)
  • 2019
    Titel 4. Mittelvergabe DI4DH
    Typ Capital/infrastructure (including equipment)
    Förderbeginn 2019
    Geldgeber University of Innsbruck Forschungszentrum Digital Humanities
  • 2020
    Titel Sommersprachkursstipendium der Aktion Österreich - Tschechische Republik; Michael Span
    Typ Fellowship
    Förderbeginn 2020
    Geldgeber Ministry of Education, Youth and Sports (Czech Republic)
  • 2021
    Titel Zdeněk-Pešat-Fellowship; Michael Span
    Typ Fellowship
    Förderbeginn 2021
  • 2020
    Titel CLARIAH-AT 2019
    Typ Research grant (including intramural programme)
    Förderbeginn 2020
    Geldgeber Austrian Academy of Sciences

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