Das aufgeklärte Subjekt: Identität und Person von Condillac bis Reinhold
The Enlightened Subject: Sameness and Self from Condillac to Reinhold
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (100%)
Keywords
-
18th Century Philosophy,
(Self-)Consciousness,
Kant,
Personal Identity,
Condillac to Reinhold,
Apperception
Dieses Projekt widmet sich der Erforschung der Philosophie des Geistes in der Aufklärung. Es handelt sich um ein Nachfolgeprojekt des von Februar 2013 bis Februar 2016 an der Karl-Franzens- Universität Graz durchgeführten Vorhabens, welches der Entwicklung philosophischer Theorien des Selbstbewusstseins und der personalen Identität in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gewidmet war (FWF: P 25284-G15). Diese Forschung war unserer Meinung nach sehr erfolgreich. Dennoch wurde es erkennbar gemacht, dass einige wesentliche Teile unserer Arbeit perfektioniert werden müssen und dass eine weitere Forschung zu spezifischen Themen erforderlich ist, um die gesamte Untersuchung abzuschließen. In diesem neuen Projekt zielen wir in erster Linie darauf ab, den Kantischen Begriff des Selbstbewusstseins (in beiden technischen Bedeutungen einer "empirischen" und einer "transzendentalen Apperzeption") in unsere allgemeinere historische Analyse der Philosophie des Geistes im 18. Jahrhundert zu integrieren. In diesem Sinne werden wir eine philosophische und historische Untersuchung der "transzendentalen Deduktion der Kategorien" und der "Paralogismen der reinen Vernunft" in der ersten und in der zweiten Ausgabe von Kants Kritik der reinen Vernunft (1781 und 1787) unternehmen. In unseren früheren Untersuchungen hatte sich vor allem gezeigt, dass Kants Theorie der Apperzeption und die nachkantischen, zum Teil sehr intensiven Debatten zu diesem Thema wesentlich von Theorien und Diskussionen des 18. Jahrhunderts abhängig sind. Hauptziel des neuen Projekts ist es daher, eine breite, aber zugleich innovative Untersuchung der philosophischen Quellen des Kantischen Begriffs der "Apperzeption" darzulegen. In diesem Sinne werden wir eine bedeutende Reihe von Texten von Denkern analysieren, welche einen (direkten oder indirekten) Einfluss auf Kants Theorie des Ichs gehabt haben. Zu diesem Thema werden wir einen internationalen Workshop im zweiten Jahr des Projekts organisieren. Ein weiteres wesentliches Ziel dieses Folgeprojekts besteht in der Erweiterung unseres Untersuchungsgebiets durch eine historische und systematische Auseinandersetzung mit dem Begriff des Selbstbewusstseins aus einer eher praktischen (also nicht bloß theoretischen) Perspektive. Das soll sowohl die Philosophie Immanuel Kants, als auch die von anderen weniger bekannten Autoren der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts betreffen. Wir sind zuversichtlich, dass diese zusätzliche Arbeit zu einer erneuten kritischen Bewertung der Philosophie des Geistes des 18. Jahrhunderts im Allgemeinen führen wird. Die Veröffentlichungen, die wir am Ende des Projekts zu erreichen anstreben, sind in mehrfacher Hinsicht auch sehr anspruchsvoll. Um all diese Aufgaben zu erfüllen, stellt der Projektleiter (Prof. Udo Thiel) den Antrag für die Finanzierung von zwei Positionen: eine Postdocstelle für die Dauer von zwei Jahren und eine Predocstelle für die Dauer von drei Jahren.
Von Februar 2017 bis Januar 2020 wurde an der Karl-Franzens-Universität Graz mit Unterstützung des FWF an einem Forschungsprojekt zur Philosophie des Geistes in der Aufklärung unter dem Titel: Das aufgeklärte Subjekt: Identität und Person von Condillac bis Reinhold gearbeitet. Es war ein Nachfolgeprojekt, das auf unserem ersten FWF-gefördertem Projekt (P 25284-G15) aufbaute. Im ersten Projekt ging es um die Entwicklung und kritische Würdigung von Theorien der personalen Identität in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Das Hauptziel des Nachfolgeprojekts war es, Immanuel Kants Begriff der transzendentalen Apperzeption zu untersuchen und in unsere philosophische und historische Analyse der Philosophie des Geistes in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts einzubauen. Unsere Forschungen von 2017 bis 2020 wurden dementsprechend gewidmet: (I) der Untersuchung der philosophischen Quellen der Kantischen Begriffe der Apperzeption, des Selbstbewusstseins und der Einbildungskraft, (II) der Entwicklung der Kantischen Lehre der Apperzeption und der transzendentalen Deduktion der Kategorien in den 1760er und -70er Jahren, (II) der Auseinandersetzung mit dem Begriff der Apperzeption in seiner Bedeutung für die Theorie der Objektivität im Kontext der Kritik der reinen Vernunft. Der Projektleiter Udo Thiel hat gezeigt, dass man im Untersuchungszeitraum mehrere miteinander zusammenhängende Entwicklungen unterscheiden muss (die Entstehung des Konzepts des Selbstgefühls, der erstarkende Materialismus und die Philosophie des Common Sense), die in unterschiedlicher Weise einen Einfluss auf die transzendentale Philosophie Immanuel Kants ausgeübt haben. Der Projektmitarbeiter Dr. Giuseppe Motta hat sich ebenfalls mit den Quellen und der Entwicklung der Kantischen Philosophie auseinandergesetzt. Er unternahm aber eine eher systematisch orientierte Rekonstruktion der Argumentation Kants in den relevanten Abschnitten der Transzendentalen Deduktion der Kategorien in der ersten und zweiten Auflage der Kritik der reinen Vernunft. Neben der Veröffentlichung von mehreren Aufsätzen von Udo Thiel und Giuseppe Motta sind die Forschungsergebnisse in der Edition von drei Sammelbänden ersichtlich: I. Immanuel Kant: Die Einheit des Bewusstseins, Berlin/Boston 2017. II. Konzepte der Einbildungskraft in der Philosophie, den Wissenschaften und den Künsten des 18. Jahrhunderts Berlin/Boston: 2019, III. Kant's Transcendental Deduction and the Theory of Apperception. New Interpretations, Berlin/Boston: (im Erscheinen). Projektrelevante Veranstaltungen an der Universität Graz waren ein internationaler DoktorandInnen-Workshop der Kant-Gesellschaft (11.10.-13.10.2018), die Fortsetzung der Vortragsreihe Kant in Graz, sowie weitere internationale wissenschaftliche Veranstaltungen zu Kant und seinen Quellen. Die Arbeit an diesem Nachfolgeprojekt hat sich als überaus ertrag- und erfolgreich erwiesen. Die Zusammenarbeit von Projektleiter und MitarbeiterInnnen, Dr. Motta, Herrn Teberikler-Kostmann, Frau Dequal und Herrn Hammer war kollegial, produktiv und verlief in sehr angenehmer Arbeitsatmosphäre. Allgemein ist festzuhalten, dass sich die Universität Graz auch dank dieser zwei Projekte, die durch den FWF unterstützt wurden, von 2013 bis 2020 zu einem wichtigen und international anerkannten Zentrum der Kantforschung und der Erforschung der Aufklärung überhaupt entwickelt hat.
- Universität Graz - 100%
Research Output
- 6 Zitationen
- 19 Publikationen
-
2020
Titel Priestley and Kant on Materialism Typ Journal Article Autor Thiel Journal Intellectual History Review Seiten 129-143 -
2019
Titel The Concept of a Person in Eighteenth-Century German Philosophy: Leibniz - Wolff - Kant; In: .), Persons. A History Typ Book Chapter Autor Thiel Verlag Oxford University Press Seiten 187-231 -
2018
Titel Feder und der Innere Sinn; In: Johann Georg Heinrich Feder (1740-1821) - Empirismus und Popularphilosophie zwischen Wolff und Kant Typ Book Chapter Autor Thiel Verlag Walter de Gruyter -
2018
Titel 'Materialismus und Konzeptionen des Lebens nach dem Tode im England des 18. Jahrhunderts Typ Journal Article Autor Thiel Journal Aufklärung Seiten 161-180 -
2018
Titel Kant and Tetens on the Unity of the Self; In: Kant and his German Contemporaries Typ Book Chapter Autor Thiel Verlag Cambridge University Press Seiten 59 - 75 -
2018
Titel "Person" und "Zustand". Grundbegriffe von Schillers "transzendentalem Weg" im Kontext; In: Friedrich Schiller: Über die Ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen Typ Book Chapter Autor Thiel Verlag Walter de Gruyter Seiten 99-109 -
2018
Titel Elemente des Kritizismus in Feders Logik und Metaphysik DOI 10.1515/9783110489439-006 Typ Book Chapter Autor Motta G Verlag De Gruyter Seiten 105-122 -
2018
Titel Feder und der Innere Sinn DOI 10.1515/9783110489439-004 Typ Book Chapter Autor Thiel U Verlag De Gruyter Seiten 55-86 -
2017
Titel John Locke: Über Bewusstsein, Sorge und personale Identität (Philosophische Meisterstücke) Typ Journal Article Autor Thiel Journal Zeitschrift für Didaktik der Philosophie und Ethik Seiten 71-79 -
2017
Titel One Step? Two Step? Reflections on R. L. Anderson's The Poverty of Conceptual Truth Typ Journal Article Autor Motta Journal Studi Kantiani Seiten 107-112 -
2017
Titel Konzepte der Einbildungskraft in der Philosophie, den Wissenschaften und den Künsten des 18. Jahrhunderts Typ Book Autor Motta editors Motta, G., Meer, R., Stiening, G. Verlag Walter de Gruyter -
2017
Titel Immanuel Kant: Die Einheit des Bewusstseins. Typ Book Autor Motta editors Motta, G., Thiel, U. Verlag Walter de Gruyter -
2017
Titel Die Einheit des Bewusstseins und die „Gefahr des Materialismus“ DOI 10.1515/9783110560794-012 Typ Book Chapter Autor Thiel U Verlag De Gruyter Seiten 181-194 -
2017
Titel „Was objektive Einheit des Selbstbewußtseins sei“ § 18 als systembildendes Element der B-Deduktion DOI 10.1515/9783110560794-004 Typ Book Chapter Autor Motta G Verlag De Gruyter Seiten 47-65 -
2019
Titel The Concept of a Person in Eighteenth-Century German Philosophy DOI 10.1093/oso/9780190634384.003.0009 Typ Book Chapter Autor Thiel U Verlag Oxford University Press (OUP) Seiten 187-231 -
2019
Titel „bald rot, bald schwarz“. Die Zufälligkeit des Zinnobers im Kontext der Kantischen Theorie der Einbildungskraft DOI 10.1515/9783110645514-018 Typ Book Chapter Autor Motta G Verlag De Gruyter Seiten 391-410 -
2019
Titel Vom „Poison de l’imagination“ zur Essenz des Schematismus: Die Einbildungskraft in der Philosophie, den Wissenschaften und den Künsten des 17. und 18. Jahrhunderts DOI 10.1515/9783110645514-003 Typ Book Chapter Autor Meer R Verlag De Gruyter Seiten 1-6 -
2018
Titel Kant und der Materialismus des 18. Jahrhunderts DOI 10.1515/9783110467888-043 Typ Book Chapter Autor Thiel U Verlag De Gruyter Seiten 595-614 -
2018
Titel Synthesen. Eine Auseinandersetzung mit Form und Struktur des § 17 der B-Deduktion DOI 10.1515/9783110467888-110 Typ Book Chapter Autor Motta G Verlag De Gruyter Seiten 1313-1320