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Carlo Ferdinando Lickl - Ein Komponist zwischen zwei Welten

Carlo Ferdinando Lickl - A Composer of two Worlds

Gregor Kokorz (ORCID: 0000-0003-1442-7817)
  • Grant-DOI 10.55776/P30278
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.09.2017
  • Projektende 31.07.2023
  • Bewilligungssumme 164.283 €
  • Projekt-Website

Matching Funds - Tirol

Wissenschaftsdisziplinen

Kunstwissenschaften (100%)

Keywords

    Music History, 19th Century, Cultural Transfer, Tr

Abstract Endbericht

Im Zentrum dieses musikgeschichtlichen Forschungsprojekts steht der Triestiner Komponist Carlo Ferdinando Lickl (1803-1864), ein kultureller Grenzgänger zwischen deutschem und italienischen Raum. Spross einer Wiener Komponisten Familie, der über eine Zwischenstation in Graz Anfang der 1830iger Jahre nach Triest gelangt. Über dreißig Jahre hinweg bis zu seinem Tod wird er das musikalische Geschehen in Habsburgs aufstrebender Hafenstadt maßgeblich prägen, als Komponist, Pianist und Lehrer. Ausgangspunkt für die Arbeit ist Lickls umfangreicher, bis heute jedoch unbeachtet gebliebener musikalischer Nachlass, der in Triest im Archiv des Museo Carlo Schmidl aufbewahrt wird. Ausgehend von der Sichtung und Systematisierung dieses umfangreichen Bestandes wird Lickls Biographie nachgezeichnet und sein kompositorisches Schaffen analysiert und dabei ein entscheidendes Stück österreichischer Musikgeschichte wiedergewonnen, das zwischen den Fronten nationaler Geschichtsschreibung verschüttet wurde. Für eine österreichische Musikgeschichte, für die Triest ebenso jenseits der nationalen Grenzen und damit außerhalb des eigenen Interessenshorizontes lag, wie für die italienische Musikgeschichte, in der Triest auf Grund seiner peripheren Position und seiner langen Zugehörigkeit zur Habsburger Monarchie unbeachtet blieb. Anders als Triests Literatur, die Dank der frühen wegbereitenden Arbeit des Triester Literaten und Literaturwissenschafters Claudio Magris breite Aufmerksamkeit erlangt hat, fehlt ein vergleichbarer Blick auf das musikalische Geschehen dieser Stadt weitgehend. An Hand des konkreten Fallbeispiels kann in dieser musikalischen Mikrogeschichte die transnational Dimensionen europäischer (Musik-)Geschichte deutlich gemacht und die Bedeutung kulturelle Austauschprozesse an diesem Schnittpunkt deutschen, italienischen und slawischen Kulturraums an einem konkreten Fallbeispiel aufgezeigt und analysiert werden. Damit wird ein innovativer Ansatz für eine transnationale musikhistorische Forschung gewonnen. Zugleich ermöglicht das konkrete Fallbeispiel die Bedeutung transnationaler, europäische Dimension zu begreifen, die selbst in einem Zeitraum verstärkter Nationalisierungsprozesse wie jener des 19. Jahrhunderts sowohl Biographien und künstlerisches Schaffen entscheidend prägten.

Carlo Ferdinando Lickl (1803-1864) Ein Komponist zwischen zwei Welten Was veranlasst einen Wiener Komponisten Anfang des 19. Jahrhunderts nach Triest aufzubrechen und wie kommt es, dass dieser heute in der lokalen Erinnerung als italienischer Komponist wahrgenommen wird? Carl Ferdinand oder Carlo Ferdinando Lickl? Wie verortet er sich selbst und welche Bilder konstruiert die Musikgeschichte über einen Musiker und Komponisten im plurikulturellen Kontext der Habsburger Monarchie im Spannungsfeld zunehmender Nationalismen des 19. Jahrhunderts? Dies sind Fragen, die dieses Forschungsprojekt anhand des umfangreichen kompositorischen Nachlasses untersucht, der nach Jahrzehnten im privaten Besitz, über eine Schenkung der Öffentlichkeit zugänglich wurde und heute im Archiv des Civico Museo Teatrale Carlo Schmidl in Triest aufbewahrt wird, das zugleich wichtiger Kooperationspartner für das Projekt wurde. Die Forschungsarbeit konzentrierte sich auf drei Bereiche: Zunächst auf die Erschließung des historischen Quellenbestandes. Lickls Nachlass war der eigentliche Ausgangspunkt für dieses Projekt. Dieser fand in den 1990er Jahre in das Archiv des Triestiner Theater Museums. Der Forschung und der Öffentlichkeit blieb der Bestand dennoch weitestgehend unbekannt, da er - wie dies vielfach der Fall ist - nicht inventarisiert und erschlossen wurde. Das Forschungsprojekt ermöglichte hier grundlegende Quellenarbeit. In Rahmen des Projektes wurde der gesamte Bestand gesichtet, neu geordnet, inventarisiert und katalogisiert und ein systematisches Werkverzeichnis erstellt, das einen umfassenden Überblick über Lickls kompositorisches Schaffen bietet. Neben drei Opern, zwei in deutscher und einer in Italienischer Sprache, einem Oratorium, mehreren Messen und Orchesterwerken, sind es zahlreiche Klavierwerke, für einen weiten Freundes und Schülerkreis, die sich in diesem Nachlass finden. Was dabei sichtbar wird ist zum einen ein Portrait eines Komponisten und Musikers, der über dreißig Jahre von den frühen 1830er Jahren bis zu seinem Tod 1864 das Triestiner Musikleben maßgeblich mitgestaltete. Zum anderen ermöglicht die Analyse dieses Bestandes einen detailreichen Blick in das musikalische Leben und die bürgerliche Musikkultur Triests im 19. Jahrhundert. Die kulturwissenschaftliche Einordnung des Komponisten und die Analyse des Bestandes bildete den zweiten wesentlichen Schwerpunkt der Arbeit. Carl Ferdinand, Carlo Ferdinando oder Charles Lickl - Von Anfang an war auffällig, wie Lickl seinen Namen entsprechend dem Publikum, das er andressierte, modifizierte. Darin spiegelt sich eine Sensibilität für eine komplexe kulturelle Situation im pluralistischen Umfeld Triests. Ein Umstand der gleichermaßen über die Person Lickl, als auch über ein heterogenes bürgerliche Publikum Auskunft geben kann, für das Lickl sowohl seine Italienische Nationaloper La Disfida di Barletta nach dem gleichnamigen Roman von Massimo d'Azeglio schrieb, die 1848 Furore machte, als auch die Gründungsfeierlichkeiten des Deutschen Turnervereins Eintracht mit einer Festmusik umrahmte. Die Untersuchung macht zahlreiche Ambivalenzen sichtbar, die eine Interpretation einfordern und die Frage aufwerfen, welche Geschichte erzählen wir und damit den dritten Schwerpunkt des Projektes bezeichnet, die wissenschaftstheoretische Reflexion über die Frage wie wir (Musik-)Geschichte jenseits eines nationalen Paradigmas konstruieren.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Innsbruck - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Stefano Bianchi, Civico Museo Teatrale Carlo Schmidl - Italien
  • Markus Engelhardt, German Historical Institute, Rome - Italien
  • Andreas Gottsmann, Österreichische Akademie der Wissenschaften - Italien
  • Dana Gooley, Brown University - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 8 Publikationen
  • 3 Künstlerischer Output
  • 7 Disseminationen
Publikationen
  • 2023
    Titel Carlo Ferdinando Lickl / A Life in Multiple Framings, Biography as Research Ground for Cultural Theory
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Kokorz G.
    Konferenz MÁS ALLÁ DEL SUJETO: LA BIOGRAFÍA EN EL ESTUDIO DE LA MÚSICA DEL SIGLO XIX
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Crossing Borders / Experiencing a common European Space. Music Pedagogy and Music History exploring Cultural Transfers on Traces between Graz and Trieste in Past and Present.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Kokorz G.
    Konferenz Annual Meeting of the Austrian Musicological Society
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Carlo Ferdinando Lickl: The Life of a Nineteenth-Century Triestine Composer; a Case Study on Music History Construction in a Border Region of the Habsburg Empire
    Typ Journal Article
    Autor Kokorz G.
    Journal Musicologica Austriaca: Journal for Austrian Music Studies
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Begegnungen Graz und Triest, einst und jetzt" Liner notes
    Typ Other
    Autor Kokorz G.
    Konferenz Begegnungen Graz und Triest. Klavierkompositionen von Ferruccio Busoni, Ferdinando Carlo Lickl, W. A. Rémy, Anna Weiss Busoni
  • 2019
    Titel Musica della Mitteleuropa: il pianismo ottocentesco tra Graz e Trieste" Liner notes, edited by Gregor Kokorz. Graz: Johann-Fux-Konservatorium, MGFR 190301.001, 2019. Compact disc
    Typ Other
    Autor Kokorz G.
    Konferenz Begegnungen Graz und Triest. Klavierkompositionen von Ferruccio Busoni, Ferdinando Carlo Lickl, W. A. Rémy, Anna Weiss Busoni,
  • 2019
    Titel Grenze als produktiver Ort: Von der Rolle Triests in der musikwissenschaftlichen Forschung und seine Relevanz für eine paradigmatische Kritik an dem Modell einer nationalen Geschichtsschreibung
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Kokorz G.
    Konferenz Austrian Music Studies: Gegenstand - Perspektiven - Konzepte Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Musikwissenschaft
    Link Publikation
  • 2022
    Titel The Lost Space: Between Graz and Trieste
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Kokorz G.
    Konferenz Sounding Habsburg: Sonic Circulations in Central Europe
    Link Publikation
  • 2021
    Titel There is no Such Thing as Austria: German Music Identity Construction in Post-Napoleonic Austria.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Kokorz G.
    Konferenz Revisiting Austrian and German Music: from the 'Spring of Nations' to the Cold War
    Link Publikation
Künstlerischer Output
  • 2021 Link
    Titel Concerto d' autunno Sala Beethoven
    Typ Performance (Music, Dance, Drama, etc)
    Link Link
  • 2019
    Titel CD Begegnungen Graz und Triest
    Typ Artefact (including digital)
  • 2017 Link
    Titel Trieste-Graz: Consonanze
    Typ Performance (Music, Dance, Drama, etc)
    Link Link
Disseminationen
  • 2023 Link
    Titel Carl Ferdinand Lickl: un compositore cosmopolita nella Trieste di metà Ottocento
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link
  • 2023 Link
    Titel Public Lecture
    Typ A talk or presentation
    Link Link
  • 2022 Link
    Titel Alps & Adriatic Sea - The production of musical space Teaching
    Typ A talk or presentation
    Link Link
  • 2017 Link
    Titel Musicisti famosi e new entry: al Tartini è tempo di concerti
    Typ A magazine, newsletter or online publication
    Link Link
  • 2021 Link
    Titel Trieste - A Center of Musical Cross Roads
    Typ A talk or presentation
    Link Link
  • 2021 Link
    Titel MUSICA Concerto d'autunno alla Sala Beethoven un ponte con Ratisbona
    Typ A magazine, newsletter or online publication
    Link Link
  • 2021 Link
    Titel Teaching
    Typ A formal working group, expert panel or dialogue
    Link Link

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