Carlo Ferdinando Lickl - Ein Komponist zwischen zwei Welten
Carlo Ferdinando Lickl - A Composer of two Worlds
Matching Funds - Tirol
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (100%)
Keywords
- Music History,
- 19th Century,
- Cultural Transfer,
- Tr
Im Zentrum dieses musikgeschichtlichen Forschungsprojekts steht der Triestiner Komponist Carlo Ferdinando Lickl (1803-1864), ein kultureller Grenzgänger zwischen deutschem und italienischen Raum. Spross einer Wiener Komponisten Familie, der über eine Zwischenstation in Graz Anfang der 1830iger Jahre nach Triest gelangt. Über dreißig Jahre hinweg bis zu seinem Tod wird er das musikalische Geschehen in Habsburgs aufstrebender Hafenstadt maßgeblich prägen, als Komponist, Pianist und Lehrer. Ausgangspunkt für die Arbeit ist Lickls umfangreicher, bis heute jedoch unbeachtet gebliebener musikalischer Nachlass, der in Triest im Archiv des Museo Carlo Schmidl aufbewahrt wird. Ausgehend von der Sichtung und Systematisierung dieses umfangreichen Bestandes wird Lickls Biographie nachgezeichnet und sein kompositorisches Schaffen analysiert und dabei ein entscheidendes Stück österreichischer Musikgeschichte wiedergewonnen, das zwischen den Fronten nationaler Geschichtsschreibung verschüttet wurde. Für eine österreichische Musikgeschichte, für die Triest ebenso jenseits der nationalen Grenzen und damit außerhalb des eigenen Interessenshorizontes lag, wie für die italienische Musikgeschichte, in der Triest auf Grund seiner peripheren Position und seiner langen Zugehörigkeit zur Habsburger Monarchie unbeachtet blieb. Anders als Triests Literatur, die Dank der frühen wegbereitenden Arbeit des Triester Literaten und Literaturwissenschafters Claudio Magris breite Aufmerksamkeit erlangt hat, fehlt ein vergleichbarer Blick auf das musikalische Geschehen dieser Stadt weitgehend. An Hand des konkreten Fallbeispiels kann in dieser musikalischen Mikrogeschichte die transnational Dimensionen europäischer (Musik-)Geschichte deutlich gemacht und die Bedeutung kulturelle Austauschprozesse an diesem Schnittpunkt deutschen, italienischen und slawischen Kulturraums an einem konkreten Fallbeispiel aufgezeigt und analysiert werden. Damit wird ein innovativer Ansatz für eine transnationale musikhistorische Forschung gewonnen. Zugleich ermöglicht das konkrete Fallbeispiel die Bedeutung transnationaler, europäische Dimension zu begreifen, die selbst in einem Zeitraum verstärkter Nationalisierungsprozesse wie jener des 19. Jahrhunderts sowohl Biographien und künstlerisches Schaffen entscheidend prägten.
Carlo Ferdinando Lickl (1803-1864) Ein Komponist zwischen zwei Welten Was veranlasst einen Wiener Komponisten Anfang des 19. Jahrhunderts nach Triest aufzubrechen und wie kommt es, dass dieser heute in der lokalen Erinnerung als italienischer Komponist wahrgenommen wird? Carl Ferdinand oder Carlo Ferdinando Lickl? Wie verortet er sich selbst und welche Bilder konstruiert die Musikgeschichte über einen Musiker und Komponisten im plurikulturellen Kontext der Habsburger Monarchie im Spannungsfeld zunehmender Nationalismen des 19. Jahrhunderts? Dies sind Fragen, die dieses Forschungsprojekt anhand des umfangreichen kompositorischen Nachlasses untersucht, der nach Jahrzehnten im privaten Besitz, über eine Schenkung der Öffentlichkeit zugänglich wurde und heute im Archiv des Civico Museo Teatrale Carlo Schmidl in Triest aufbewahrt wird, das zugleich wichtiger Kooperationspartner für das Projekt wurde. Die Forschungsarbeit konzentrierte sich auf drei Bereiche: Zunächst auf die Erschließung des historischen Quellenbestandes. Lickls Nachlass war der eigentliche Ausgangspunkt für dieses Projekt. Dieser fand in den 1990er Jahre in das Archiv des Triestiner Theater Museums. Der Forschung und der Öffentlichkeit blieb der Bestand dennoch weitestgehend unbekannt, da er - wie dies vielfach der Fall ist - nicht inventarisiert und erschlossen wurde. Das Forschungsprojekt ermöglichte hier grundlegende Quellenarbeit. In Rahmen des Projektes wurde der gesamte Bestand gesichtet, neu geordnet, inventarisiert und katalogisiert und ein systematisches Werkverzeichnis erstellt, das einen umfassenden Überblick über Lickls kompositorisches Schaffen bietet. Neben drei Opern, zwei in deutscher und einer in Italienischer Sprache, einem Oratorium, mehreren Messen und Orchesterwerken, sind es zahlreiche Klavierwerke, für einen weiten Freundes und Schülerkreis, die sich in diesem Nachlass finden. Was dabei sichtbar wird ist zum einen ein Portrait eines Komponisten und Musikers, der über dreißig Jahre von den frühen 1830er Jahren bis zu seinem Tod 1864 das Triestiner Musikleben maßgeblich mitgestaltete. Zum anderen ermöglicht die Analyse dieses Bestandes einen detailreichen Blick in das musikalische Leben und die bürgerliche Musikkultur Triests im 19. Jahrhundert. Die kulturwissenschaftliche Einordnung des Komponisten und die Analyse des Bestandes bildete den zweiten wesentlichen Schwerpunkt der Arbeit. Carl Ferdinand, Carlo Ferdinando oder Charles Lickl - Von Anfang an war auffällig, wie Lickl seinen Namen entsprechend dem Publikum, das er andressierte, modifizierte. Darin spiegelt sich eine Sensibilität für eine komplexe kulturelle Situation im pluralistischen Umfeld Triests. Ein Umstand der gleichermaßen über die Person Lickl, als auch über ein heterogenes bürgerliche Publikum Auskunft geben kann, für das Lickl sowohl seine Italienische Nationaloper La Disfida di Barletta nach dem gleichnamigen Roman von Massimo d'Azeglio schrieb, die 1848 Furore machte, als auch die Gründungsfeierlichkeiten des Deutschen Turnervereins Eintracht mit einer Festmusik umrahmte. Die Untersuchung macht zahlreiche Ambivalenzen sichtbar, die eine Interpretation einfordern und die Frage aufwerfen, welche Geschichte erzählen wir und damit den dritten Schwerpunkt des Projektes bezeichnet, die wissenschaftstheoretische Reflexion über die Frage wie wir (Musik-)Geschichte jenseits eines nationalen Paradigmas konstruieren.
- Universität Innsbruck - 100%
- Stefano Bianchi, Civico Museo Teatrale Carlo Schmidl - Italien
- Markus Engelhardt, German Historical Institute, Rome - Italien
- Andreas Gottsmann, Österreichische Akademie der Wissenschaften - Italien
- Dana Gooley, Brown University - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 3 Künstlerischer Output
- 7 Disseminationen
-
2017
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Titel Musicisti famosi e new entry: al Tartini è tempo di concerti Typ A magazine, newsletter or online publication Link Link -
2021
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Titel MUSICA Concerto d'autunno alla Sala Beethoven un ponte con Ratisbona Typ A magazine, newsletter or online publication Link Link -
2021
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Titel Trieste - A Center of Musical Cross Roads Typ A talk or presentation Link Link -
2021
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Titel Teaching Typ A formal working group, expert panel or dialogue Link Link -
2023
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Titel Carl Ferdinand Lickl: un compositore cosmopolita nella Trieste di metà Ottocento Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview Link Link -
2022
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Titel Alps & Adriatic Sea - The production of musical space Teaching Typ A talk or presentation Link Link -
2023
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Titel Public Lecture Typ A talk or presentation Link Link