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Leben und Arbeit im bronzezeitlichen Bergbau von Prigglitz

Life and Work at the Bronze Age Mine of Prigglitz

Peter Trebsche (ORCID: 0000-0001-5258-0615)
  • Grant-DOI 10.55776/P30289
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.10.2017
  • Projektende 30.09.2021
  • Bewilligungssumme 345.539 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Geowissenschaften (15%); Geschichte, Archäologie (85%)

Keywords

    Prehistory, Bronze Age, Copper Mining, Metallurgy, Social Structure, Exchange Network

Abstract Endbericht

Was erhielten die bronzezeitlichen Bergleute im Gegenzug für ihre mühsame Arbeit unter Tage? War Kupferbergbau eine Nebenbeschäftigung von Bauern, ein Vollzeitjob von professionellen Bergleuten oder Sklavenarbeit unter der Kontrolle einer Elite? Obwohl Metallerzeugung und -handel als treibende Kraft der gesellschaftlichen Entwicklung in der europäischen Bronzezeit betrachtet werden, sind die zugrundliegenden Prinzipien der Arbeitsorganisation und Spezialisierung noch immer ungenügend erforscht. Dies ist zum Teil auf das Fehlen von detaillierten Studien zu den Bergbausiedlungen zurückzuführen, weil sich Archäologen üblicherweise nur auf die technischen Einrichtungen (z.B. Schmelzöfen) konzentrierten und die Überreste des Alltagslebens und anderer Handwerkstätigkeiten außer Acht ließen. Die Zielsetzung ist es, die soziale Organisationsform und die Betriebsweise eines Kupferbergwerks in den Alpen im Zusammenhang mit seinen Kommunikations- und Austauschnetzwerken zu untersuchen. Wir schlagen eine mikroregionale Fallstudie der erst kürzlich ausgegrabenen spätbronzezeitlichen Bergbausiedlung von Prigglitz-Gasteil (ca. 1050 bis 900 v. Chr.) in Niederösterreich vor, die ausgezeichnete Voraussetzungen für eine Untersuchung des Aufstiegs und Falls der Bergbausiedlung bietet. Dank des herausragenden Erhaltungszustandes ermöglicht die Fundstelle einen facettenreichen Ansatz zur Erforschung des Kupferbergbaus, der Bronzeverarbeitung und deren sozialen Aspekte. Die einzelnen Ziele sind: 1) die Organisationsmodelle bronzezeitlicher Kupferbergbaue in den Ostalpen zu vergleichen, auch in Hinblick auf Querverbindungen zum gleichzeitigen Salzbergbau in Hallstatt; 2) Aktivititätsmuster innerhalb der Fundstelle zu untersuchen; 3) die chane opératoire zu analysieren vom Kupferabbau zur Produktion von Bronzegegenständen; 4) die Nahrungs- und Energieversorgung der Bergbausiedlung von Prigglitz-Gasteil zu rekonstruieren. Als theoretische Grundlage wird das Konzept der chane opératoire eingeführt, um die Verbindungen zwischen Technologie und Gesellschaft sowie Wissen und Tradition zu erforschen. Ein Bündel innovativer Methoden (Geochemie, Mikroabfälle, Gebrauchsspurenanalyse) wird das erste Mal im Kontext eines mitteleuropäischen Bergbaus angewandt. Zusätzlich wird ein breites Spektrum an Methoden aus Archäologie, Archäometallurgie, Archäobotanik, Archäozoologie und Geophysikalischer Prospektion kombiniert, um die Rolle kleinmaßstäbiger Kupferproduzenten hervorzuheben. Zum ersten Mal wird auch der Prozess des Recycling im Mittelpunkt archäometallurgischer Analysen in Mitteleuropa stehen. Die Projektergebnisse werden daher auch wesentlich die Methodik der Siedlungsarchäologie voranbringen und künftige Ausgrabungsstrategien verbessern.

Leben und Arbeit im bronzezeitlichen Bergbau von Prigglitz In Prigglitz-Gasteil, am östlichsten Rand der Alpen in Niederösterreich gelegen, wurden von 2010 bis 2014 die hervorragend erhaltenen Reste eines spätbronzezeitlichen Kupferbergbaus ausgegraben. Ziel des anschließenden Forschungsprojekts (2017-2021) war es, die soziale Organisation und den Betrieb eines alpinen Kupferbergwerks zu untersuchen, um unser Wissen über die Arbeit und das Leben der prähistorischen Bergleute im Zusammenhang mit den Kommunikations- und Austauschnetzwerken zu verbessern. Als Ergebnis unseres Projekts kann die spätbronzezeitliche Fundstelle Prigglitz-Gasteil mit einem Kupfertagebau und nahegelegenen Bronzegießerwerkstätten als regionales Zentrum der Kupferproduktion und Bronzeverarbeitung charakterisiert werden. Das Kupfererzbergwerk war von ca. 1050 v. Chr. bis 780 v. Chr. in Betrieb. Es produzierte sehr reines Kupfer, das aus Kupferkies verhüttet wurde und in der Spätbronzezeit, als in Mitteleuropa unreine Kupferlegierungen dominierten, sehr begehrt gewesen sein muss. Das Prigglitzer Kupfer wurde in die umliegende Region vertrieben. Es wurden mehrere Horte von Gusskuchen entdeckt, deren chemische Zusammensetzung mit den Prigglitzer Erzen und Kupferfunden übereinstimmt. Kurz nach 920 v. Chr. kam es zu einem Bergschaden, und ein Erdrutsch zerstörte einen Teil des großen Tagebaus. Diese Katastrophe führte zwar nicht zu einer Unterbrechung der Bergbautätigkeit, aber die räumliche Struktur der zum Bergwerk gehörenden Werkstätten und Gebäude änderte sich in Folge einer anderen Arbeitsorganisation. In der Frühzeit von Prigglitz (ca. 1050 bis 920 v. Chr.) war das Bergwerk kontinuierlich betrieben worden. Die verschiedenen Arbeitsschritte der Kupfergewinnung folgten einem strengen räumlichen Muster. Nach dem Bergschaden (ca. 920 v. Chr.) wechselten sich zumindest auf den beiden ausgegrabenen Arbeitsterrassen alle nachweisbaren Tätigkeiten - wie Erzaufbereitung, Bronzeverarbeitung, Schlachtung, Nahrungszubereitung, Textil-, Knochen- und Geweihverarbeitung - in rascher Folge ab, so dass sich das Bild einer eher lockeren, unkoordinierten Organisation des Bergwerks ergibt. Mit den umfassenden geophysikalischen, archäobotanischen, archäozoologischen und archäometallurgischen Untersuchungen, die im Rahmen des Projekts durchgeführt wurden, liefert der Fundort Prigglitz-Gasteil nun eine Fülle von Daten, die einen Vergleich mit anderen interdisziplinären Studien zu Kupferbergbaugebieten in den Ostalpen, wie den Revieren Mitterberg, Kitzbühel und Schwaz-Brixlegg, sowie dem Salzbergwerk in Hallstatt ermöglichen. Was die Bergbautechnik betrifft, so ist Prigglitz der erste große prähistorische Tagebau in den Ostalpen, der dank der geophysikalischen Untersuchungen, ergänzt durch Kernbohrungen, rekonstruiert werden kann. Dank intensiver Beprobungen lieferte Prigglitz eine Fülle von verkohlten Pflanzenresten, darunter auch verarbeitete Nahrungsmittel, die wahrscheinlich zugeliefert wurden. Damit konnten erstmals die pflanzliche Ernährung und Speisegewohnheiten der bronzezeitlichen Kupferbergleute im Detail untersucht werden.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 15%
  • Universität Innsbruck - 10%
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 15%
  • Donau-Universität Krems - 60%
Nationale Projektbeteiligte
  • Sandra Sam, Donau-Universität Krems , assoziierte:r Forschungspartner:in
  • Roderick Salisbury, Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
  • Andreas G. Heiss, Österreichische Akademie der Wissenschaften , assoziierte:r Forschungspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Christophe Pecheyran, Universite de Pau et des Pays de l´Adour - Frankreich
  • Remy Chapoulie, Université Bordeaux Montaigne - Frankreich
  • Tomasz Goslar, Adam Mickiewicz University - Polen

Research Output

  • 81 Zitationen
  • 12 Publikationen
  • 3 Disseminationen
  • 4 Wissenschaftliche Auszeichnungen
Publikationen
  • 2023
    Titel Mining Subsidence Event around 920 BC in the Late Bronze Age Copper Mine of Prigglitz-Gasteil (Lower Austria)
    DOI 10.11588/ak.2022.1.94322
    Typ Other
    Autor Trebsche P
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Archaeometallurgical investigation of a Late Bronze Age hoard from Mahrersdorf in Lower Austria
    DOI 10.1016/j.jasrep.2020.102476
    Typ Journal Article
    Autor Mödlinger M
    Journal Journal of Archaeological Science: Reports
    Seiten 102476
    Link Publikation
  • 2020
    Titel The Organisation and Practice of Metal Smithing in Later Bronze Age Europe
    DOI 10.1007/s10963-020-09141-5
    Typ Journal Article
    Autor Molloy B
    Journal Journal of World Prehistory
    Seiten 169-232
  • 2022
    Titel Wood use and forest management at the Late Bronze Age copper mining site of Prigglitz-Gasteil in the Eastern Alps – A combined anthracological, archaeological, and palynological approach
    DOI 10.1016/j.jasrep.2022.103673
    Typ Journal Article
    Autor Jakobitsch T
    Journal Journal of Archaeological Science: Reports
    Seiten 103673
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Materialographic investigations of plate slags from the Late Bronze Age copper production site of Prigglitz-Gasteil (Lower Austria)
    DOI 10.1016/j.jasrep.2023.103838
    Typ Journal Article
    Autor Haubner R
    Journal Journal of Archaeological Science: Reports
  • 2019
    Titel 12 urnenfelderzeitliche Bronzefunde = 1 Depot vom "Gelände" bei Grünbach am Schneeberg?; In: UPIKU:TAUKE. Festschrift für Gerhard Tomedi zum 65. Geburtstag
    Typ Book Chapter
    Autor Trebsche P
    Verlag Habelt
    Seiten 559-569
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Metallographic analyses from the late Urnfield period copper mining settlement at Prigglitz-Gasteil in Lower Austria; In: Alpine Copper II - Alpenkupfer II - Rame delle Alpi II - Cuivre des Alpes II. New Results and Perspectives on Prehistoric Copper Production
    Typ Book Chapter
    Autor Haubner R
    Verlag Leidorf
    Seiten 323-332
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Dig out, Dig in! Plant-based diet at the Late Bronze Age copper production site of Prigglitz-Gasteil (Lower Austria) and the relevance of processed foodstuffs for the supply of Alpine Bronze Age miners
    DOI 10.1371/journal.pone.0248287
    Typ Journal Article
    Autor Heiss A
    Journal PLOS ONE
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Work on the cutting edge: metallographic investigation of Late Bronze Age tools in southeastern Lower Austria
    DOI 10.1007/s12520-021-01378-1
    Typ Journal Article
    Autor Mödlinger M
    Journal Archaeological and Anthropological Sciences
    Seiten 125
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Melting, smelting, and recycling: A regional study around the Late Bronze Age mining site of Prigglitz-Gasteil, Lower Austria
    DOI 10.1371/journal.pone.0254096
    Typ Journal Article
    Autor Mödlinger M
    Journal PLOS ONE
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Combining geophysical prospection and core drilling: Reconstruction of a Late Bronze Age copper mine at Prigglitz-Gasteil in the Eastern Alps (Austria)
    DOI 10.1002/arp.1872
    Typ Journal Article
    Autor Trebsche P
    Journal Archaeological Prospection
    Seiten 557-577
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Analytical investigations on plate slags from the late Urnfield Period copper mining settlement at Prigglitz-Gasteil (Lower Austria).
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Haubner R
    Konferenz 5th International Conference "Archaeometallurgy in Europe", 19-21 June 2019, Miskolc, Hungary
    Seiten 205-218
    Link Publikation
Disseminationen
  • 2021
    Titel Online newspaper article: Andreas G. Heiss, Thorsten Jakobitsch, Silvia Wiesinger, Peter Trebsche, "Essenlieferdienste gab es bereits im bronzezeitlichen Bergbau" derStandard Archäologieblog, 25.03.2021, https://www.derstandard.de/story/2000124621591/essenslieferdienste-im-bronzezeitlichen-bergbau
    Typ A magazine, newsletter or online publication
  • 2018
    Titel BE OPEN; Poster presentation "Auf der Suche nach Kupfer", BE OPEN - Science & Society Festival, 50 Jahre FWF, 8.-12.9.2018, Wien
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
  • 2017
    Titel "Heritage Science Days", Austrian Academy of Sciences, 21.-24.11.2017; Poster "Life and Work at the Bronze Age Mine of Prigglitz. An Archaeological Research Project 2017-2020"
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2020
    Titel Peter Trebsche, Personally Invited Academic Lecture: "Leben und Arbeiten im bronzezeitlichen Kupferbergbau". Colloquium Praehistoricum, Institut für Archäologische Wissenschaften, Goethe-Universität Frankfurt, 10.11.2020, Frankfurt (Germany).
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2020
    Titel Peter Trebsche, Personally Invited Academic Lecture: "Arbeit und Alltag im spätbronzezeitlichen Kupferbergbau: eine Fallstudie über die Bergbausiedlung von Prigglitz-Gasteil in Niederösterreich". Department Altertumswissenschaften, Universität Basel, 23.11.2020, Basel (Switzerland).
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2020
    Titel Peter Trebsche, Personally Invited Academic Lecture: "Did copper and salt miners communicate? An investigation of technological choices at the Late Bronze Age copper mine of Prigglitz in Lower Austria". Conference: "Communication and Reflection in Archaeology and Museology". Internationale Konferenz zum 90. Jahrestag der Gründung des Instituts für Archäologie und Museologie der Masaryk-Universität Brno, 13.02.2020, Brno (Czech Republic).
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2018
    Titel Peter Trebsche, Personally Invited Academic Lecture "Kupferbergbau und Knochenarbeit in Prigglitz. Montanarchäologische Forschungen zum Alltagsleben bronzezeitlicher Bergleute in den Ostalpen", 18.4.2018, Innsbruck, Österreich.
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad National (any country)

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