Kreative Wege zum Wohlbefinden
Creative ways to well-being
Matching Funds - Steiermark
Wissenschaftsdisziplinen
Psychologie (100%)
Keywords
-
Creativity,
Cognitive Reappraisal,
Emotion Regulation,
EEG,
Fmri
Ausgangspunkt des Forschungsprojektes ist die Erkenntnis, dass die Regulation von Emotionen kognitive Prozesse erfordert, von denen bekannt ist, dass sie wichtige Bestandteile von Kreativität sind. Insbesondere gilt das für eine Emotionsregulationsstrategie namens kognitive Umbewertung. Als kognitive Umbewertung wird eine positivere neue Interpretation negativer emotionaler Ereignisse bezeichnet. Sie gilt als besonders wirkungsvolle Strategie im Umgang mit negativen Ereignissen, die dazu beitragen kann, auf längere Sicht die psychologische Gesundheit und das Wohlbefinden aufrecht zu erhalten und zu verbessern. Patienten zu ermuntern, kognitive Umbewertung in ihrem täglichen Leben öfter zu verwenden, gehört zum Kern zeitgemäßer psychotherapeutischer Ansätze. Damit solche therapeutische Interventionen erfolgreich sein können, ist es aber notwendig, dass die Patienten überhaupt ausreichend dazu fähig sind, diese Strategie anzuwenden. Das erfordert vielleicht die Fähigkeit, in einem emotionalen Kontext kreativ zu sein. Ein Ziel des Projektes ist, Aktivierungsmuster im Gehirn zu identifizieren, die der Fähigkeit, Umbewertungen negativer Ereignisse zu generieren zugrunde liegen, und herauszufinden, welche Prozesse sich beim Generieren von Umbewertungen und beim Generieren klassischer kreativer Ideen überlappen und welche spezifisch sind. Zu diesem Zweck werden neurowissenschaftliche Verfahren verwendet (Elektroenzephalographie und funktionelle Magnetresonanztomographie), um die zeitliche und räumliche Dynamik der beteiligten Prozesse im Gehirn im Detail zu untersuchen. Ein zweites Ziel ist, mit Hilfe einer gezielten Trainingsintervention zu untersuchen, ob Verbesserungen in der Fähigkeit, Umbewertungen zu generieren auch entsprechende Veränderungen im Gehirn mit sich bringen. Dadurch kann besser bewertet werden, ob bestimmte Prozesse im Gehirn ursächlich mit der Fähigkeit zu kognitiver Umbewertung verbunden sind. Die sorgfältige wissenschaftliche Fundierung der Fähigkeit zu kognitiver Umbewertung und deren Messung wird dazu beitragen, Werkzeuge zu entwickeln, mit denen Patienten zu den für sie wirkungsvollsten Behandlungen zugeordnet werden können, in denen ihre individuellen Defizite berücksichtigt werden. Damit kann die Wirksamkeit von Psychotherapien verbessert werden. Untersucht wird darüber hinaus die Bedeutsamkeit der Forschung dieses Projektes bei Personen mit einer spezifischen Angst. Statistikangst ist ein häufiges Problem bei Studierenden der Psychologie und verwandter Fächer, die eine große Belastung darstellen und dramatische Konsequenzen für die Bildungskarriere haben kann. Durch das Testen eines Umbewertungstrainings für betroffene Personen eröffnet das Projekt neue Perspektiven für Anwendungsbereiche im Schnittpunkt von klinischer und pädagogischer Psychologie, die bisher in der Psychotherapieforschung wenig beachtet wurden.
Die kognitive Umbewertung von belastenden Ereignissen gilt als vielversprechende Strategie, um gut mit den Widrigkeiten des täglichen Lebens umzugehen und ist integraler Bestandteil der modernen Psychotherapie. Dieses Projekt vertieft Untersuchungen zum relativ jungen Konzept, von der Kreativitätsforschung inspirierten Konzept des Einfallsreichtums bei der kognitiven Umbewertung (Reappraisal Inventiveness). Diese neurokognitiv verankerte Fähigkeit, unmittelbar vielfältige positive Umbewertungen für belastende Ereignisse zu generieren, soll die Wahrscheinlichkeit erhöhen, im Alltag spontan und situationsspezifisch die effektivste Umbewertung für kritische Situationen finden zu können und soll so das Wohlbefinden und die psychische Gesundheit erhöhen. Die Ergebnisse dieses Projekts zeigen, dass sowohl linke als auch rechte frontale Gehirnbereiche (Frontalkortex) eine wesentliche Rolle bei der einfallsreichen Umbewertung spielen, aber unterschiedliche Aspekte der kognitiven Umbewertung vermitteln. So scheint die Aktivierung linker frontaler Regionen eher einfachere, kurzfristig wirksame und auf emotionale Distanz abzielende Umbewertungen zu fördern, während die Aktivierung rechter frontaler Regionen auf komplexere, positivere Umdeutungen von negativen Ereignissen spezialisiert ist, die nachhaltiger wirken. Diese neuronalen Befunde decken sich auch mit anderen Projektergebnissen, dass neben der Vielfalt der kognitiven Umbewertungen auch deren Qualität wichtige Zusammenhänge mit dem Wohlbefinden zeigen. Es kommt also nicht nur auf die Menge der Umbewertungsideen an, sondern auch auf deren Inhalt und Effektivität. Eine wesentliche Erkenntnis des Projekts ist, dass die Fähigkeit, negative Ereignisse einfallsreich umzubewerten, auch trainiert werden kann. Dabei reichen bereits wenige kurze Trainingseinheiten aus, die Fähigkeit zur einfallsreichen, positiven Umbewertung signifikant zu steigern. Parallel zum Trainingserfolg wurde dabei im EEG auch eine Verschiebung der Gehirnaktivierung beobachtet, die einen adaptiveren Umbewertungsprozess widerspiegelt. Dieser Effekt war besonders stark bei Personen zu beobachten, die vor dem Training ein weniger günstiges frontales Aktivierungsmuster aufwiesen. Die Ergebnisse bestärken die Annahme, dass mit spezifischen Übungen zum Einfallsreichtum zusätzlich zu klassischen therapeutischen Maßnahmen nach relativ kurzer Zeit und mit geringem Aufwand positive Auswirkungen auf das Erleben und Verhalten im Alltag erzielt werden könnten.
- Universität Graz - 100%
Research Output
- 455 Zitationen
- 21 Publikationen
- 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
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2021
Titel Failure to reappraise: Malevolent creativity is linked to revenge ideation and impaired reappraisal inventiveness in the face of stressful, anger-eliciting events DOI 10.1080/10615806.2021.1918682 Typ Journal Article Autor Perchtold-Stefan C Journal Anxiety, Stress, & Coping Seiten 437-449 Link Publikation -
2019
Titel Gender Differences in Generating Cognitive Reappraisals for Threatening Situations: Reappraisal Capacity Shields Against Depressive Symptoms in Men, but Not Women DOI 10.3389/fpsyg.2019.00553 Typ Journal Article Autor Perchtold C Journal Frontiers in Psychology Seiten 553 Link Publikation -
2021
Titel High avoidance and low approach motivation affect cognitive reappraisal generation in the face of anger DOI 10.1007/s12144-021-01917-y Typ Journal Article Autor Perchtold-Stefan C Journal Current Psychology Seiten 5793-5803 Link Publikation -
2020
Titel Motivational Factors in the Typical Display of Humor and Creative Potential: The Case of Malevolent Creativity DOI 10.3389/fpsyg.2020.01213 Typ Journal Article Autor Perchtold-Stefan C Journal Frontiers in Psychology Seiten 1213 Link Publikation -
2019
Titel Humorous cognitive reappraisal: More benign humour and less "dark" humour is affiliated with more adaptive cognitive reappraisal strategies DOI 10.5167/uzh-176350 Typ Other Autor Perchtold Link Publikation -
2019
Titel Cognitive reappraisal capacity mediates the relationship between prefrontal recruitment during reappraisal of anger-eliciting events and paranoia-proneness DOI 10.1016/j.bandc.2019.04.001 Typ Journal Article Autor Perchtold C Journal Brain and Cognition Seiten 108-117 Link Publikation -
2019
Titel Humorous cognitive reappraisal: More benign humour and less "dark" humour is affiliated with more adaptive cognitive reappraisal strategies DOI 10.1371/journal.pone.0211618 Typ Journal Article Autor Perchtold C Journal PLOS ONE Link Publikation -
2019
Titel Creativity is associated with a characteristic U-shaped function of alpha power changes accompanied by an early increase in functional coupling DOI 10.3758/s13415-019-00699-y Typ Journal Article Autor Rominger C Journal Cognitive, Affective, & Behavioral Neuroscience Seiten 1012-1021 Link Publikation -
2023
Titel Functional EEG Alpha Activation Patterns During Malevolent Creativity DOI 10.1016/j.neuroscience.2023.05.006 Typ Journal Article Autor Perchtold-Stefan C Journal Neuroscience Seiten 98-108 Link Publikation -
2019
Titel Poor control of interference from negative content hampers the effectiveness of humour as a source of positive emotional experiences DOI 10.1038/s41598-019-44550-3 Typ Journal Article Autor Papousek I Journal Scientific Reports Seiten 8023 Link Publikation -
2019
Titel Humor creation during efforts to find humorous cognitive reappraisals of threatening situations DOI 10.1007/s12144-019-00296-9 Typ Journal Article Autor Papousek I Journal Current Psychology Seiten 16176-16190 Link Publikation -
2020
Titel Humor comprehension and creative cognition: Shared and distinct neurocognitive mechanisms as indicated by EEG alpha activity DOI 10.1016/j.neuroimage.2020.116695 Typ Journal Article Autor Perchtold-Stefan C Journal NeuroImage Seiten 116695 Link Publikation -
2020
Titel More habitual physical activity is linked to the use of specific, more adaptive cognitive reappraisal strategies in dealing with stressful events DOI 10.1002/smi.2929 Typ Journal Article Autor Perchtold-Stefan C Journal Stress and Health Seiten 274-286 Link Publikation -
2020
Titel Lower cognitive reappraisal capacity is related to impairments in attachment and personality structure in poly-drug use: an fMRI study DOI 10.1007/s11682-020-00414-3 Typ Journal Article Autor Hiebler-Ragger M Journal Brain Imaging and Behavior Seiten 2187-2198 Link Publikation -
2020
Titel Creative, Antagonistic, and Angry? Exploring the Roots of Malevolent Creativity with a Real-World Idea Generation Task DOI 10.1002/jocb.484 Typ Journal Article Autor Perchtold-Stefan C Journal The Journal of Creative Behavior Seiten 710-722 Link Publikation -
2018
Titel Creative Thinking in an Emotional Context: Specific Relevance of Executive Control of Emotion-Laden Representations in the Inventiveness in Generating Alternative Appraisals of Negative Events DOI 10.1080/10400419.2018.1488196 Typ Journal Article Autor Rominger C Journal Creativity Research Journal Seiten 256-265 Link Publikation -
2023
Titel Asymmetric Activation of Frontal Brain Regions during Cognitive Reappraisal Generation—A Function of Implemented Reappraisal Strategy? DOI 10.3390/sym15101887 Typ Journal Article Autor Perchtold-Stefan C Journal Symmetry Seiten 1887 Link Publikation -
2023
Titel Learning to be inventive in the face of statistics: A positive reappraisal intervention for statistics anxiety DOI 10.1016/j.jbtep.2023.101913 Typ Journal Article Autor Perchtold-Stefan C Journal Journal of Behavior Therapy and Experimental Psychiatry Seiten 101913 Link Publikation -
2022
Titel Creativity in an Affective Context DOI 10.1027/1016-9040/a000448 Typ Journal Article Autor Perchtold-Stefan C Journal European Psychologist Seiten 216-226 Link Publikation -
2019
Titel Creative challenge: Regular exercising moderates the association between task-related heart rate variability changes and individual differences in originality DOI 10.1371/journal.pone.0220205 Typ Journal Article Autor Rominger C Journal PLOS ONE Link Publikation -
2021
Titel Antisocial Schizotypy Is Linked to Malevolent Creativity DOI 10.1080/10400419.2021.2012633 Typ Journal Article Autor Perchtold-Stefan C Journal Creativity Research Journal Seiten 355-367 Link Publikation
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2019
Titel Frauenpreis der Naturwissenschaftlichen Fakultät für herausragende wissenschaftliche Leistung Typ Research prize Bekanntheitsgrad National (any country)