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Kreative Wege zum Wohlbefinden

Creative ways to well-being

Ilona Papousek (ORCID: 0000-0002-6620-0318)
  • Grant-DOI 10.55776/P30362
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 02.04.2018
  • Projektende 01.10.2022
  • Bewilligungssumme 391.621 €
  • Projekt-Website

Matching Funds - Steiermark

Wissenschaftsdisziplinen

Psychologie (100%)

Keywords

    Creativity, Cognitive Reappraisal, Emotion Regulation, EEG, Fmri

Abstract Endbericht

Ausgangspunkt des Forschungsprojektes ist die Erkenntnis, dass die Regulation von Emotionen kognitive Prozesse erfordert, von denen bekannt ist, dass sie wichtige Bestandteile von Kreativität sind. Insbesondere gilt das für eine Emotionsregulationsstrategie namens kognitive Umbewertung. Als kognitive Umbewertung wird eine positivere neue Interpretation negativer emotionaler Ereignisse bezeichnet. Sie gilt als besonders wirkungsvolle Strategie im Umgang mit negativen Ereignissen, die dazu beitragen kann, auf längere Sicht die psychologische Gesundheit und das Wohlbefinden aufrecht zu erhalten und zu verbessern. Patienten zu ermuntern, kognitive Umbewertung in ihrem täglichen Leben öfter zu verwenden, gehört zum Kern zeitgemäßer psychotherapeutischer Ansätze. Damit solche therapeutische Interventionen erfolgreich sein können, ist es aber notwendig, dass die Patienten überhaupt ausreichend dazu fähig sind, diese Strategie anzuwenden. Das erfordert vielleicht die Fähigkeit, in einem emotionalen Kontext kreativ zu sein. Ein Ziel des Projektes ist, Aktivierungsmuster im Gehirn zu identifizieren, die der Fähigkeit, Umbewertungen negativer Ereignisse zu generieren zugrunde liegen, und herauszufinden, welche Prozesse sich beim Generieren von Umbewertungen und beim Generieren klassischer kreativer Ideen überlappen und welche spezifisch sind. Zu diesem Zweck werden neurowissenschaftliche Verfahren verwendet (Elektroenzephalographie und funktionelle Magnetresonanztomographie), um die zeitliche und räumliche Dynamik der beteiligten Prozesse im Gehirn im Detail zu untersuchen. Ein zweites Ziel ist, mit Hilfe einer gezielten Trainingsintervention zu untersuchen, ob Verbesserungen in der Fähigkeit, Umbewertungen zu generieren auch entsprechende Veränderungen im Gehirn mit sich bringen. Dadurch kann besser bewertet werden, ob bestimmte Prozesse im Gehirn ursächlich mit der Fähigkeit zu kognitiver Umbewertung verbunden sind. Die sorgfältige wissenschaftliche Fundierung der Fähigkeit zu kognitiver Umbewertung und deren Messung wird dazu beitragen, Werkzeuge zu entwickeln, mit denen Patienten zu den für sie wirkungsvollsten Behandlungen zugeordnet werden können, in denen ihre individuellen Defizite berücksichtigt werden. Damit kann die Wirksamkeit von Psychotherapien verbessert werden. Untersucht wird darüber hinaus die Bedeutsamkeit der Forschung dieses Projektes bei Personen mit einer spezifischen Angst. Statistikangst ist ein häufiges Problem bei Studierenden der Psychologie und verwandter Fächer, die eine große Belastung darstellen und dramatische Konsequenzen für die Bildungskarriere haben kann. Durch das Testen eines Umbewertungstrainings für betroffene Personen eröffnet das Projekt neue Perspektiven für Anwendungsbereiche im Schnittpunkt von klinischer und pädagogischer Psychologie, die bisher in der Psychotherapieforschung wenig beachtet wurden.

Die kognitive Umbewertung von belastenden Ereignissen gilt als vielversprechende Strategie, um gut mit den Widrigkeiten des täglichen Lebens umzugehen und ist integraler Bestandteil der modernen Psychotherapie. Dieses Projekt vertieft Untersuchungen zum relativ jungen Konzept, von der Kreativitätsforschung inspirierten Konzept des Einfallsreichtums bei der kognitiven Umbewertung (Reappraisal Inventiveness). Diese neurokognitiv verankerte Fähigkeit, unmittelbar vielfältige positive Umbewertungen für belastende Ereignisse zu generieren, soll die Wahrscheinlichkeit erhöhen, im Alltag spontan und situationsspezifisch die effektivste Umbewertung für kritische Situationen finden zu können und soll so das Wohlbefinden und die psychische Gesundheit erhöhen. Die Ergebnisse dieses Projekts zeigen, dass sowohl linke als auch rechte frontale Gehirnbereiche (Frontalkortex) eine wesentliche Rolle bei der einfallsreichen Umbewertung spielen, aber unterschiedliche Aspekte der kognitiven Umbewertung vermitteln. So scheint die Aktivierung linker frontaler Regionen eher einfachere, kurzfristig wirksame und auf emotionale Distanz abzielende Umbewertungen zu fördern, während die Aktivierung rechter frontaler Regionen auf komplexere, positivere Umdeutungen von negativen Ereignissen spezialisiert ist, die nachhaltiger wirken. Diese neuronalen Befunde decken sich auch mit anderen Projektergebnissen, dass neben der Vielfalt der kognitiven Umbewertungen auch deren Qualität wichtige Zusammenhänge mit dem Wohlbefinden zeigen. Es kommt also nicht nur auf die Menge der Umbewertungsideen an, sondern auch auf deren Inhalt und Effektivität. Eine wesentliche Erkenntnis des Projekts ist, dass die Fähigkeit, negative Ereignisse einfallsreich umzubewerten, auch trainiert werden kann. Dabei reichen bereits wenige kurze Trainingseinheiten aus, die Fähigkeit zur einfallsreichen, positiven Umbewertung signifikant zu steigern. Parallel zum Trainingserfolg wurde dabei im EEG auch eine Verschiebung der Gehirnaktivierung beobachtet, die einen adaptiveren Umbewertungsprozess widerspiegelt. Dieser Effekt war besonders stark bei Personen zu beobachten, die vor dem Training ein weniger günstiges frontales Aktivierungsmuster aufwiesen. Die Ergebnisse bestärken die Annahme, dass mit spezifischen Übungen zum Einfallsreichtum zusätzlich zu klassischen therapeutischen Maßnahmen nach relativ kurzer Zeit und mit geringem Aufwand positive Auswirkungen auf das Erleben und Verhalten im Alltag erzielt werden könnten.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Graz - 100%

Research Output

  • 455 Zitationen
  • 21 Publikationen
  • 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
Publikationen
  • 2021
    Titel Failure to reappraise: Malevolent creativity is linked to revenge ideation and impaired reappraisal inventiveness in the face of stressful, anger-eliciting events
    DOI 10.1080/10615806.2021.1918682
    Typ Journal Article
    Autor Perchtold-Stefan C
    Journal Anxiety, Stress, & Coping
    Seiten 437-449
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Gender Differences in Generating Cognitive Reappraisals for Threatening Situations: Reappraisal Capacity Shields Against Depressive Symptoms in Men, but Not Women
    DOI 10.3389/fpsyg.2019.00553
    Typ Journal Article
    Autor Perchtold C
    Journal Frontiers in Psychology
    Seiten 553
    Link Publikation
  • 2021
    Titel High avoidance and low approach motivation affect cognitive reappraisal generation in the face of anger
    DOI 10.1007/s12144-021-01917-y
    Typ Journal Article
    Autor Perchtold-Stefan C
    Journal Current Psychology
    Seiten 5793-5803
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Motivational Factors in the Typical Display of Humor and Creative Potential: The Case of Malevolent Creativity
    DOI 10.3389/fpsyg.2020.01213
    Typ Journal Article
    Autor Perchtold-Stefan C
    Journal Frontiers in Psychology
    Seiten 1213
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Humorous cognitive reappraisal: More benign humour and less "dark" humour is affiliated with more adaptive cognitive reappraisal strategies
    DOI 10.5167/uzh-176350
    Typ Other
    Autor Perchtold
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Cognitive reappraisal capacity mediates the relationship between prefrontal recruitment during reappraisal of anger-eliciting events and paranoia-proneness
    DOI 10.1016/j.bandc.2019.04.001
    Typ Journal Article
    Autor Perchtold C
    Journal Brain and Cognition
    Seiten 108-117
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Humorous cognitive reappraisal: More benign humour and less "dark" humour is affiliated with more adaptive cognitive reappraisal strategies
    DOI 10.1371/journal.pone.0211618
    Typ Journal Article
    Autor Perchtold C
    Journal PLOS ONE
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Creativity is associated with a characteristic U-shaped function of alpha power changes accompanied by an early increase in functional coupling
    DOI 10.3758/s13415-019-00699-y
    Typ Journal Article
    Autor Rominger C
    Journal Cognitive, Affective, & Behavioral Neuroscience
    Seiten 1012-1021
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Functional EEG Alpha Activation Patterns During Malevolent Creativity
    DOI 10.1016/j.neuroscience.2023.05.006
    Typ Journal Article
    Autor Perchtold-Stefan C
    Journal Neuroscience
    Seiten 98-108
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Poor control of interference from negative content hampers the effectiveness of humour as a source of positive emotional experiences
    DOI 10.1038/s41598-019-44550-3
    Typ Journal Article
    Autor Papousek I
    Journal Scientific Reports
    Seiten 8023
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Humor creation during efforts to find humorous cognitive reappraisals of threatening situations
    DOI 10.1007/s12144-019-00296-9
    Typ Journal Article
    Autor Papousek I
    Journal Current Psychology
    Seiten 16176-16190
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Humor comprehension and creative cognition: Shared and distinct neurocognitive mechanisms as indicated by EEG alpha activity
    DOI 10.1016/j.neuroimage.2020.116695
    Typ Journal Article
    Autor Perchtold-Stefan C
    Journal NeuroImage
    Seiten 116695
    Link Publikation
  • 2020
    Titel More habitual physical activity is linked to the use of specific, more adaptive cognitive reappraisal strategies in dealing with stressful events
    DOI 10.1002/smi.2929
    Typ Journal Article
    Autor Perchtold-Stefan C
    Journal Stress and Health
    Seiten 274-286
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Lower cognitive reappraisal capacity is related to impairments in attachment and personality structure in poly-drug use: an fMRI study
    DOI 10.1007/s11682-020-00414-3
    Typ Journal Article
    Autor Hiebler-Ragger M
    Journal Brain Imaging and Behavior
    Seiten 2187-2198
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Creative, Antagonistic, and Angry? Exploring the Roots of Malevolent Creativity with a Real-World Idea Generation Task
    DOI 10.1002/jocb.484
    Typ Journal Article
    Autor Perchtold-Stefan C
    Journal The Journal of Creative Behavior
    Seiten 710-722
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Creative Thinking in an Emotional Context: Specific Relevance of Executive Control of Emotion-Laden Representations in the Inventiveness in Generating Alternative Appraisals of Negative Events
    DOI 10.1080/10400419.2018.1488196
    Typ Journal Article
    Autor Rominger C
    Journal Creativity Research Journal
    Seiten 256-265
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Asymmetric Activation of Frontal Brain Regions during Cognitive Reappraisal Generation—A Function of Implemented Reappraisal Strategy?
    DOI 10.3390/sym15101887
    Typ Journal Article
    Autor Perchtold-Stefan C
    Journal Symmetry
    Seiten 1887
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Learning to be inventive in the face of statistics: A positive reappraisal intervention for statistics anxiety
    DOI 10.1016/j.jbtep.2023.101913
    Typ Journal Article
    Autor Perchtold-Stefan C
    Journal Journal of Behavior Therapy and Experimental Psychiatry
    Seiten 101913
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Creativity in an Affective Context
    DOI 10.1027/1016-9040/a000448
    Typ Journal Article
    Autor Perchtold-Stefan C
    Journal European Psychologist
    Seiten 216-226
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Creative challenge: Regular exercising moderates the association between task-related heart rate variability changes and individual differences in originality
    DOI 10.1371/journal.pone.0220205
    Typ Journal Article
    Autor Rominger C
    Journal PLOS ONE
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Antisocial Schizotypy Is Linked to Malevolent Creativity
    DOI 10.1080/10400419.2021.2012633
    Typ Journal Article
    Autor Perchtold-Stefan C
    Journal Creativity Research Journal
    Seiten 355-367
    Link Publikation
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2019
    Titel Frauenpreis der Naturwissenschaftlichen Fakultät für herausragende wissenschaftliche Leistung
    Typ Research prize
    Bekanntheitsgrad National (any country)

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