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Sporadische Samenproduktion bei mastenden Baumarten

Sporadic seed production in mast seeding trees

Georg Gratzer (ORCID: 0000-0002-6355-6562)
  • Grant-DOI 10.55776/P30381
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.08.2017
  • Projektende 30.06.2022
  • Bewilligungssumme 373.513 €

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (100%)

Keywords

    Seed dispersal, Tree masting, Forest regeneration dynamics, Small mammals, SORTIE-ND, MARK

Abstract Endbericht

Samenproduktion, Samenausbreitung, Keimung und frühes Wachstum von Pflanzen stellen entscheidende Prozesse dar, die die Struktur von Pflanzenpopulationen sowie die Artenzusammensetzung von Landökosystemen wesentlich mitbestimmen. Viele Baumarten zeigen ausgeprägte jährliche Unterschiede in der Produktion von Samen, wobei verschiedene Intensitäten der Samenproduktion zu beobachten sind, mit Jahren ohne Samenertrag bis hin zu sehr intensiven Samenertragsjahren (Vollmasten). Zeitlich stark variable Samenproduktion tritt in vielen Pflanzenpopulationen synchronisiert über große Gebiete und manchmal auch über Arten hinweg auf. Mastjahre finden sich in borealen, temperierten und tropischen Ökosystemen. Dieses Phänomen hat großes wissenschaftliches Interesse erregt, verschiedene Hypothesen versuchen seine Ursachen und die evolutionären Vorteile, die Pflanzen daraus entstehen, zu erklären. Im Wesentlichen geht man davon aus, dass einerseits das Nahrungsangebot für Samenfresser in Mastjahren plötzlich so stark ansteigt, dass diese nicht alle Samen konsumieren können und andererseits der Anteil erfolgreich bestäubter Blüten in Jahren hoher Blühhäufigkeit größer ist. Grundlage für beide Erklärungsversuche ist eine ausreichende Ressourcenversorgung der Pflanzen eine solche kann Mastjahre auslösen. Mit der Zunahme von Langzeitstudien von Samenproduktion in terrestrischen Ökosystemen entsteht nun ein neues Bild der zeitlichen Variation von Samenproduktion. Viele dieser Studien belegen die Irregularität der Intervalle und die häufige Produktion von kleinen bzw. moderaten Samenmengen zwischen Mastjahren. Solche sogenannte Sprengmasten würden nach den bisher gängigen Erklärungen eher eine Ressourcenverschwendung von Pflanzen darstellen und weniger eine effiziente Fortpflanzungsstrategie. Das Ziel dieses Antrages ist es daher, die Konsequenzen von zeitlicher und räumlicher Variation in Samenproduktion für die Langzeitpopulationsdynamik von Bäumen zu untersuchen. Wir testen die Hypothese, dass Sprengmasten eine Strategie der Risikostreuung bei Arten mit langen Mastintervallen darstellen um günstige Zeitfenster nach zufällig auftretenden Störungen nutzen zu können, und dass die Langzeitmittel der Häufigkeit von Arten durch Sprengmasten erhöht werden. Wir testen weiters die Hypothese, dass für Baumarten bei denen Samenfraß auftritt, Sprengmasten besonders dann erfolgreich sind, wenn die Samenfresser durch Überangebot von Samen in Mastjahren in Hungerzyklen getrieben werden und die auf Mastjahre folgenden Einbrüche in den Samenfresserpopulationen zu unterdurchschnittlichen Populationsgrößen bei den Samenfressern führen. Die Hypothesen werden durch eine Kombination aus empirischer Forschung zum Samenschicksal mit der Parametrisierung eines räumlich expliziten Baumpopulationsmodells (SORTIE-ND) getestet. Detaillierte Altersverteilungen von jungen Bäumen werden für Urwälder in Österreich und Polen erstellt, in denen die Samenproduktion aus Langzeitdaten bekannt ist. Das Samenschicksal wird durch Markierung und Verfolgung von Samen charakterisiert. Die Kleinsäugerdynamik als Treiber des Samenüberlebens wird mit Hilfe des das MARK Programmes modelliert. Die Untersuchung ist innovativ da sie die bisher negierte Rolle von Sprengmasten für Baumpopulationen mit langen Mastintervallen und die Rolle von zeitlicher Variation von Samenproduktion in der Walddynamik untersucht.

Die Samenproduktion von Waldbaumpopulationen weist von Jahr zu Jahr große Schwankungen auf - in manchen Jahren werden nur sehr wenige oder gar keine Samen produziert, aber im nächsten Jahr ist der Waldboden mit Hunderten von Samen pro Quadratmeter bedeckt. Dieses Verhalten, die so genannte Mastsaat, erstreckt sich oft über große Flächen und hat erhebliche Folgen für samenabhängige Tierpopulationen. Eine der großen ungelösten Fragen zur Mast ist, ob sich nur in Jahren mit großen Samenerträgen junge Bäume im Wald etablieren, oder ob auch Zwischenjahre mit sporadischer Samenproduktion zur Altersstruktur der Population beitragen. Dies ist wichtig, da die Wissenschaftler bisher davon ausgingen, dass nur in Jahren mit hohem Samenertrag das Überleben von Samen und Sämlingen und die Rekrutierung in die erwachsene Population hoch ist, weil in anderen Jahren nicht genügend Samen erfolgreich bestäubt werden und diese von Kleinsäugern gefressen werden. Unsere Ergebnisse aus 14 Jahren detaillierter Beobachtung der Samenproduktion und der Populationsdynamik in einem Gebirgsurwald, der von Buche, Fichte und Tanne dominiert wird, zeigen jedoch, dass die Auswirkungen der jährlichen Schwankungen in der Samenproduktion auf die Sämlingsdichten rasch abnehmen, was darauf hindeutet, dass die hohe Sämlingssterblichkeit den Effekt von Mastjahren aufhebt. Im Gegensatz dazu wirkt sich die räumliche Signatur des Samenregens auf die Rekrutierung neuer Bäume aus - Gebiete mit hoher Samendichte und viel Licht weisen die höchste Wahrscheinlichkeit der Etablierung von Sämlingen auf. Mit Hilfe von Lebendfallen haben wir auch die Populationen kleiner Nagetiere jährlich überwacht, um zu untersuchen, wie schnell sie auf Veränderungen in der Samenproduktion reagieren können. Wir stellten fest, dass Waldmäuse und Wühlmäuse je nach Waldtyp unterschiedlich auf die Saatgutproduktion reagierten. Während die Populationen von Waldmäusen in allen Lebensräumen ähnliche Schwankungen bei der Saatguternte zeigten, siedelten sich Wühlmäuse nur nach Jahren mit sehr großen Ernten in offenen Lebensräumen an und änderten somit ihre Lebensraumpräferenz in Abhängigkeit von der Populationsdichte. Dieses Ergebnis lässt vermuten, dass offene Flächen neben Beständen, die gerade eine mittlere Samenernte eingebracht haben, einen sichereren Platz für Samen bieten als andere. Anhand von Samen, die mit kleinen Funksendern markiert sind, haben wir die Rolle kleiner Nagetiere als Samenverbreiter und Räuber genauer untersucht und festgestellt, dass Nagetiere in Jahren mit hoher Saatgutdichte den Großteil der Samen schnell entfernen und dass transportierte Samen, die sich dadurch ausbreiten und etablieren könnten, zu tief in den Boden gelangen, um zu überleben. Im Gegensatz zu den üblichen Annahmen spielt der Samentransport durch kleine Nagetiere daher eine vernachlässigbare Rolle bei der Samenverbreitung. Um die kombinierten Auswirkungen der Mast auf die Nagetierpopulationen, die Samenprädation und die Konkurrenz zwischen Bäumen zu untersuchen, führen wir derzeit hochauflösende Simulationen der Walddynamik auf der Grundlage unserer Untersuchungsflächen durch. Damit werden Bedingungen ermittelt, unter denen die Mast tatsächlich zur Rekrutierung erwachsener Bäume führt.

Forschungsstätte(n)
  • Universität für Bodenkultur Wien - 99%
  • Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft - 1%
Nationale Projektbeteiligte
  • Heino Konrad, Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft , assoziierte:r Forschungspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Jerzy Szwagrzyk, Agricultural University of Krakow - Polen
  • Charles D. Canham, Cary Institute of Ecosystem Studies - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 282 Zitationen
  • 13 Publikationen
  • 2 Datasets & Models
  • 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 1 Weitere Förderungen
Publikationen
  • 2024
    Titel Widespread breakdown in masting in European beech due to rising summer temperatures
    DOI 10.1111/gcb.17307
    Typ Journal Article
    Autor Foest J
    Journal Global Change Biology
    Link Publikation
  • 2025
    Titel Tracking individual seed fate confirms mainly antagonistic interactions between rodents and European beech
    DOI 10.1098/rsbl.2024.0586
    Typ Journal Article
    Autor Sachser F
    Journal Biology Letters
    Seiten 20240586
    Link Publikation
  • 2021
    Titel The ecology and evolution of synchronized reproduction in long-lived plants
    DOI 10.1098/rstb.2020.0369
    Typ Journal Article
    Autor Pesendorfer M
    Journal Philosophical Transactions of the Royal Society B
    Seiten 20200369
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Differential spatial responses of rodents to masting on forest sites with differing disturbance history
    DOI 10.1002/ece3.7955
    Typ Journal Article
    Autor Sachser F
    Journal Ecology and Evolution
    Seiten 11890-11902
    Link Publikation
  • 2024
    Titel Positive spatial and temporal density-dependence drive early reproductive economy-of-scale effects of masting in a European old-growth forest community
    DOI 10.1111/1365-2745.14368
    Typ Journal Article
    Autor Pesendorfer M
    Journal Journal of Ecology
    Seiten 1872-1884
    Link Publikation
  • 2024
    Titel Evolutionary ecology of masting: mechanisms, models, and climate change
    DOI 10.1016/j.tree.2024.05.006
    Typ Journal Article
    Autor Bogdziewicz M
    Journal Trends in Ecology & Evolution
    Seiten 851-862
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Masting is uncommon in trees that depend on mutualist dispersers in the context of global climate and fertility gradients
    DOI 10.1038/s41477-023-01446-5
    Typ Journal Article
    Autor Qiu T
    Journal Nature Plants
    Seiten 1044-1056
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Investigating the relationship between climate, stand age, and temporal trends in masting behavior of European forest trees
    DOI 10.1111/gcb.14945
    Typ Journal Article
    Autor Pesendorfer M
    Journal Global Change Biology
    Seiten 1654-1667
    Link Publikation
  • 2020
    Titel What drives phenological synchrony? Warm springs advance and desynchronize flowering in oaks
    DOI 10.1016/j.agrformet.2020.108140
    Typ Journal Article
    Autor Bogdziewicz M
    Journal Agricultural and Forest Meteorology
    Seiten 108140
    Link Publikation
  • 2022
    Titel MASTREE+: Time-series of plant reproductive effort from six continents
    DOI 10.1111/gcb.16130
    Typ Journal Article
    Autor Hacket-Pain A
    Journal Global Change Biology
    Seiten 3066-3082
    Link Publikation
  • 2022
    Titel The ecology and evolution of mast-seeding and seed-hoarding animals in temperate forest communities. Habilitation in Forest Ecology
    Typ Postdoctoral Thesis
    Autor Dr. Mario Pesendorfer
  • 2022
    Titel Limits to reproduction and seed size-number trade-offs that shape forest dominance and future recovery.
    DOI 10.1038/s41467-022-30037-9
    Typ Journal Article
    Autor Andrus R
    Journal Nature communications
    Seiten 2381
  • 2021
    Titel Does fine scale spatiotemporal variation in seed rain translate into plant population structure?
    DOI 10.1111/oik.08826
    Typ Journal Article
    Autor Gratzer G
    Journal Oikos
    Link Publikation
Datasets & Models
  • 2024 Link
    Titel Reproductive data Fagus sylvatica: Widespread masting breakdown in beech
    DOI 10.5061/dryad.qz612jmps
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 2021 Link
    Titel Rothwald seed rain data
    DOI 10.5061/dryad.j3tx95xfz
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2022
    Titel 120 Years of the University of Natural Resources and Life Sciences
    Typ Research prize
    Bekanntheitsgrad Regional (any country)
Weitere Förderungen
  • 2021
    Titel Austria's Future Forest Seeds, FORSEE
    Typ Research grant (including intramural programme)
    Förderbeginn 2021

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